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Gegners, fast nichts von der Verlheilung seiner Kräfte, und seilen findet man ein Terrain, welches gerade zur Aufgabe passt, dagegen wird man zumeist die Lösung derselben dem Terrain anschmiegen müssen.

Es sei hier nebenher erwähnt, dass dergleichen selbst bei praktischen Truppen-Übungen beobachtet werden kann. Zur Lösung der Aufgabe wird immer ein zur Durchführung sehr bequemes Terrain gesucht, und dasselbe nach gewissen Normalien benutzt.

Man kann nicht genug warnen vor der Vernachlässigung der Erforschung des beweglichen feindlichen Elementes und dem daraus resultirenden, fast absoluten Anschmiegen an die Terrainformen.

In Bezug auf die Wahl des Terrains könnte also gelten, dass man

1. für die erste Aufgabe jeder Species ein dazu passendes, für die zweite aber ein solches wählen solle, welches die Durchführung der Aufgabe nicht direct unterstützt;

2. dass man keinerlei willkürliche Annahmen mache, sondern das Terrain und die darauf befindlichen Objecte so hinnehme, wie sie eben sind.

Die Aufgabe selbst soll vom Feinde nicht mehr mittheilen. als man nach den supponirten Verhältnissen wirklich gesehen oder sonst in Erfahrung gebracht haben könnte.

Was man zu thun habe, wenn alle Facloren: Stärke Verhältnisse, Verkeilung, Absicht, Terrain etc. bekannt, das wäre nicht so sonderlich schwierig und gäbe zu wenig Stoff zum Denken; die richtigen unter den hundertfältigen Mitteln anzuwenden und durchzuführen, welche zur Aufklärung führen, ist eine Aufgabe, welche nicht selten unbeachtet bleibt, meistens aber gar nicht in Betracht gezogen wird.

Aber wenn auch alle Verhältnisse ergründet sind , und man die richtigen Entschlüsse gefasst hat, so handelt es sich doch noch um das „Wie" der Ausführung.

In den taktischen Ausarbeitungen liest man z. B.:

„Nachdem die Division zum Rückzug gezwungen war, trat sie diesen an und nahm dann auf den Höhen bei X, ä cheval der Chaussee neuerdings Stellung, und zwar die Spfünder Batterie auf dem Y-Hügel etc. etc."

Wie man es aber anstellen mussle, was Alles nothwendig war, um die Division dorthin zu bekommen, das wird nicht gesagt, und darüber wurde auch nicht nachgedacht.

Dass man Officiere vorausschicken müsse, um die neue Stellung zu besehen und die nach und nach anlangenden Truppen in selbe einzuführen, dass man kleine Cavallerie-Patrullen aufbieten müsse, um die abgedrängten oder abgeirrten Abtheilungen oder Einzelne in die neue Linie zu weisen, dass jene Patrullen, um die Wege zu kennen, an die sie Andere weisen sollen, erst selbst in die neue Stellung geführt und von dort erst strahlenförmig vorgeschickt werden müssen, dass man sich in dem neuen Terrain-Abschnitte schnell um Trinkwasser bekümmern, unter Umständen seine Benützung davon abhängig machen müsse, die Massregeln, welche die Erhaltung der Verbindungen verbürgen, der Meldungsdienst, die Verschiebung des Trains, der Sanitätsdienst, die Munitionsbewegung u. dgl. mehr, —derlei wurde angesehen, wie etwas, das sich von selbst macht.

Die Kriegsgeschichte sagt uns wohl, was in gegebenen Verhältnissen der Eine oder der Andere gethan; aber das Geschehene passt selten aul das, was vor uns liegt; das Terrain, die Verhältnisse, die Menschen wechseln immer wieder *).

Aber wir finden, wie erwähnt, in der Kriegsgeschichte obendrein nur .was" geschehen, — fast nie, oder doch nur in sehr beschränktem Masse, .wie* die Actionen eingeleitet und abgesponnen worden sind, — ein Grund mehr, die Aufmerksamkeit des Schülers fortwährend auf die grossen und kleinen Mittel hinzuweisen, die man gebrauchen muss, um seine Absicht zur Cörreclen Ausführung zu bringen. Indess, selbst dann, wenn alle Frictionen hinreichend berücksichtigt sind, bleibt dem Schüler noch ein weites Feld zum Stadium und zur Übung, und das ist die Befehlgebung, die Disposition.

Die richtige Erkenntniss dessen, was zu geschehen habe, muss begleitet «an von dem Geschicke zur verständigen, deutlichen und präcisen Anord«ung. Das Verfassen derselben ist keineswegs so einfach, als es auf's Erste iussiehl

Das, was man zu sagen hat, so zu sagen, dass es nicht anders verstanden werden kann, als man es verstanden haben will, auf dass man Jeden, d;r es anders aufgefasst und ausgeführt hat, der Schuld zu zeihen berechtigt sä. Niemanden zu viel, Keinem zu wenig zu sagen, Nichts zu vergessen, das ist nicht leicht, und selbst für Officiere von sonst ganz gutem Verständnisse nur durch viele Übung zu erzielen.

Ich denke also, dass es zweckmässig sei:

Die taktischen Aufgaben, anstatt in der erzählenden Form, in jener von Dispositionen bearbeiten zu lassen.

Man könnte hier den Einwurf machen, „dass dadurch der Darstellung -zn viel entgehe; denn man wolle nicht nur wissen, was z. B. der Divisionär .ingeordnet habe, sondern auch, was die Brigadiere weiteres gethan haben, -ond die Disposition des Divisionürs könne doch nicht Alles enthalten, was .die Brigadiere wirklich auszuführen haben", — soll es auch nicht, und gerade mit diesem Argumente dringt man in die Sache ein.

Nehmen wir an, die Division habe eine Stellung zu beziehen. Man lasse nun den Schüler nicht sagen:

„Der linke Flügel wurde von drei Bataillons, vier 4pfündigen Ge„tthützen und zwei Escadronen gebildet, welche folgende Aufstellung „nahmen . . . ."

Er muss das „wie" Iheilen, so wie es in der Praxis getheilt werden müsste, und zwar wörtlich anführen:

*) „Que sert l'exemple du passe" dans un monde oü il ne se trouve jatnais dem hommes, deuz choses, ni deux positions abiolument se mutables" Se'gur, caml>ap>e 1812.

1. Die Disposition (Aufgabe), welche der Divisionär dem Commandanlen des linken Flügels erlheilt.

2. Die Verfügungen, welche dieser weiter trifft.

Die Schüler sollen dabei lernen, was unter den verschiedensten Ver hältnissen Sache des Einen, was Sache des Andern sei; die Thätigkeiten dei Befehlenden und Gehorchenden müssen so scharf als möglich geschieder werden.

Was der Divisionär in einem Falle selbst anordnet, muss er in einem andern den Brigadieren überlassen, und auch umgekehrt. Derlei nüancii sich vielfach; das Richtige zu treffen ist Sache der Routine.

Wenn man den Unter-Commandanten in der Disposition zu wenig sagt, so ist das oft ein Nachtheil; sagt man zu Vieles, so ist das noch schlimmer: man beleidigt dadurch den Intelligenten und stumpft seinen Eiler ab; den Beschränkten macht man nicht klüger, — aber indem man so haarkleine VorSchreibungen macht, entlastet man Beide beinahe ganz der Verantwortlichkeit für den Erfolg.

Wenn man z. B. eine Halb-Brigade zur Verlheidigung eines Waldes bestimmt, so muss man dem Commandanlen derselben sagen, was man mil der Verlheidigung für einen Zweck verbindet, welche Truppen für's Erst« rechts, links, rückwärts von ihm stehen werden, ob und von woher er im dringlichen Falle auf Unterstützung rechnen könne, allenfalls wohin er seinen Rückzug zu richten habe; aber man darf ihm nicht vorschreiben wollen, wi« er seine Halb-Brigade im Walde zu vertheilen habe; denn einerseits wird ei die localen Verhältnisse dort sehr bald besser erkennen, als selbe der höher« Commandant zu erkennen in der Lage war, und dann wäre eine solche Bevormundung ganz unvereinbar mit der Verantwortlichkeit, die auf den Schultern des Commandanlen jener Halb-Brigade lastet.

Auf die letzten Dispositionen braucht es nicht immer anzukommen, da die Oleaten, welche den Arbeiten zugelegt werden, das Wesentlichste davon zur Anschauung bringen.

Damit die Schüler gehalten seien, die Dispositionen klar niederzuschreiben, muss der Lehrer immer zu einer falschen Auffassung derselben hinneigen, wenn er gleich sehr wohl weiss, was der Schüler sagen wollte.

Die Entschuldigung: „Ich habe das nicht so, sondern so gemeint", darf man nie gellen lassen; denn der Schüler muss es dahin bringen, so zu befehlen oder zu berich'en, dass der zu Gehorchende oder der Höhere gar Nichts anderes meinen kann, als was der Befehlende oder der Meldende gemeint haben will, und man kann den Schüler nicht oft genug darauf aufmerksam machen, dass die Verantwortung für die Folgen eines Missverständnisses nicht Jenem zufällt, welcher aus einem unklaren Befehl das Richtige nicht herausgefunden, sondern Jenem, welcher das Richtige unklar, vieldeutig angeordnet hat.

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In den Befehlen muss ein ganz besondere? Augenmerk auf die richtige Orthographie der Ortsnamen, auf die topographische Erläuterung bei gleichlautenden Namen von Objecten, welche im Rayon liegen, auf die Exactheit m Bezeichnung und Bestimmung von Rendez-vous und Marschlinien etc. terichlet werden.

Der Lösung der Aurgabe soll immer eine kurze, aber »ehr charakteristische Schilderung des Terrainabschnittes vorausgeschickt werden.

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Der Schauplatz für die Aufgabe soll in der Umgebung der Garnison ffwahlt werden. Nicht nur, dass da meistens eine sehr gute Karte, zur Disposition steht, aus deren stetem Vergleiche mit der Wirklichkeit, auch wieder grosser Vorlheil erwächst, — ist der Lehrer auch in der vorteilhaften Lage, die Terrainbeschreibungen, sowie die Lösung der Aufgaben an Ort und Stelle controliren und recensiren zu können.

Nichtsdestoweniger wird es sich, und zwar gegen Ende der Unterrichtsperiode empfehlen, manchmal ausser dem ßereiche der Umgebungskarte zu retognosciren und arbeiten zu lassen, damit sich die Schüler im Lesen der Special - Karte üben, auf welche man in der Praxis gewöhnlich ausschliesslich angewiesen ist.

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Wenn es sein kann, soll der gewählte Terrainabschnitt unter der

Leitung des Lehrers recognoscirt werden.

Dieser setzt sich dabei in das Verhältnis? eines höhern Officie^s^ dem die Untersuchung und Würdigung des Abschnittes, binnen verhältnissmässig kurzer Frist aufgetragen wurde.

Gleichwie ein solcher Offleier nicht in der Lage wäre,, Alles selbst^zu tesehen, sondern — sich selbst das Wichtigste und Übersichtgewährendste vorbehaltend — ihm beigegebene Officiere zur Erforschung und Untersuchung der Details (Wasserlinien, Übergänge, Wege, Brunnen etc.) entsenden müsste, so soll auch der Leiter einer solchen Übungs-Recognoscirung verfahren.

Er wird die Schüler in Parthien theilen, jeder derselben einen Abschnitt «ler eine Linie zur Erforschung zuweisen und Allen auf einem Übersieh^, »«währenden Punkte Rendezvous geben. Nachdem die Schüler dort wieder versammelt, wird von jeder Partie einer — (der aber nicht im vorhinein '«stimmt werden darf, damit man sicher sei, dass Alle mit dem gleichen fleisse beobachten und Notizen machen) — vorgerufen, um mündlich vorzutragen, was seine Partie gesehen.

Diejenigen, welche nicht von der Partie des Sprechers waren, notiren si«h von seiner Aussage alles Erhebliche. .

Einen Theil des Abschnittes hat nun Jeder sqlbs^gesehen, über d,as,was ^ nicht gesehen, berichten gejiört; der Rendezypu^platz gewährt allgemeine, Übersicht, und wenn diese von da allein nicht gewonnen werden kann.wjrd n°ch an andere Punkte gegangen — so ist dann jeder Einzelne in Kenntniss ^ler erheblichen Details und hat die nöthige Übersicht gehabt, daher sind

<**rr. miliar. Zeitschrift 1871. (1. Bd.) 19

nun Alle in der Lage, den ganzen Abschnitt im Besonderen beschreiben und im Ganzen würdigen zu können.

Es ist sehr wesentlich, die Schüler zu gewöhnen, mit der Zeil richtig zu calculiren.

Um sie hierob conlroliren zu können, muss für den Beginn jedweder Action eine gewisse Stunde angenommen, und dann weiter bei Eintritt jedweden Ereignisses oder beim Beginn einer neuen Thätigkeit wieder die Stunde bezeichnet werden.

Dem muss man auch bei der Anordnung technischer Verrichtungen (Construclionen oder Destructionen) nachgehen; gewöhnlich findet sich da die Neigung vielfach so Vieles anzuordnen, als nach Zeit und Mitteln ausgeführt werden kann.

Der Lehrer findet hiebei obendrein die sehr erspriessliche Gelegenheil zur Recapitulation des Vorganges bei solchen Arbeiten, ohne dessen Kenntniss das richtige Mass für die Anordnung freilich schwer einzuhalten ist

Vom Train sagt man, er soll nie so nahe sein,dass er die Truppen beim Eintritte unvorhergesehener Ereignisse in der Freiheit der Bewegung behindert, und nicht so weit, dass die Bequemlichkeit darunter leide.

Das klingt allerdings sehr einfach und ist sehr einleuchtend, aber in der Ausführung oft sehr schwierig. Die Kluft zwischen Wissen und Können ist auch hier eine sehr weite.

In den Ausarbeitungen finden wir die Truppen gewöhnlich nur mit der Ausrüstung, wie sie zu einem Friedensmanöver erscheinen; des Trains wird nicht gedacht.

So kam es, dass die Kenntniss der Trainbewegung ziemlich vernachlässigt , deren Wesen selbst im Generalstabe nur von einigen Amateurs beachtet und bearbeitet wurde.

Wenn man schon bei den einfachsten Aufgaben die Truppen mit ihrem feldmässigen Train auftreten, und diesen den wechselnden Verhältnissen entsprechend bewegen und functioniren lässt, so werden die Schüler mit diesem wichtigen Diensleszweige nach und nach mühelos vertraut, und es wird dieser fernerhin nicht mehr das odiose Stiefkind der Thätigkeit der Generalstabs-Officiere sein.

Durch die in Rede stehenden Arbeiten sollen die Schüler geübt werden, verschiedenartige Lagen richtig aufzufassen, präcise und klar anzuordnen; sie sollen viel denken.

Da aber die Zahl der schriftlichen Arbeiten nur eine sehr beschränkte sein kann, weil die Schüler auch anderweitigen Anforderungen genügen müssen, so gilt es den Versuch, die Objecte für das Denken und die Schärfung des Urtheils zu vermehren, ohne mehr Zeitaufwand und manuelle Mühe zu verursachen.

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