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eigene Erfahrung und Übung die Hauptsache leisten muss. Solche allgemeine Anhaltspunkte liefert theils Waldstütten's Terrainlehre, theils sind dieselben aus Künnel's „Der Mappeur", und zwar aus dem Capilel über das Detailiren bei der Mappirung zu entnehmen, und ich füge hierüber noch Folgendes bei:

Als sehr zweckmässig und die Arbeit des Croquirens wesentlich fördernd erachte ich die Benützung von Quadratnelzen (*/4 Zoll), und zur Darstellung die Anwendung, neb3t der schwarzen, auch der farbigen Stifte (Roth- oder Blaustill). Bei Benützung des quadrirten Netzes, wo man stets das Mass von 100 oder 200 Schritten vor Augen hat (bei Theilung in */, Zoll in Doppel- oder einfachem Militärmass) wird die zeitraubende Anwendung des Massstabes und das Auftragen der Masse entbehrlich; die farbigen Stifte hingegen unterstützen die Deutlichkeit und die Raschheit der Anfertigung bedeutend: durch Übergiessen mit Milch oder selbst mit Wasser wird die Zeichnung leicht fixirt.

Bei den ersleren Übungen ist mit Hilfe einer der Karte entnommenen Skizze später ohne eine solche zu croquiren, da beide Fälle in der Wirklichkeit vorkommen können. Das Wichtigste bei der Arbeit, selbst bei der flüchtigsten Skizzirung, ist die richtige Orienlirung, die unverändert beibehalten werden muss.

Die Boussole ist bekanntlich zu diesem Zwecke das beste und untrüglichste Instrument Eine Boussole soll jeder Officier im Felde besitzen, und sie gehört zu dessen Feldausrüstung. Ist keine Boussole zur Hand, so kann man zwar durch einen sehr sorgsamen Vorgang mittels des Orientirens nach dem vom vorhergehenden Standpunkte gezogenen Rayon, nach rückwärts, einige Zeit lang, insbesondere in mehr offener Gegend, wo man auch weit sichtbare Punkte benutzen kann, die ursprüngliche Richtung festhalten. Eine auf diese Weise ausgeführte Arbeil wird aber niemals grosse Verlässlichkeil besitzen.

Gestatten es Zeit und Umstände, das Croquis durch Ausziehen mit Tusche (selbst Tinte) oder durch Anwendung von Farben zu vervollkommnen, so ist dies stets eine erwünschte Beigabe.

Endlich wird darauf hingewiesen, dass durch die Übungen im Croquiren die richtige und detaillirte Auffassung des Terrains, somit der Endzweck aller unserer Bemühungen in der hier in Betracht kommenden Richtung wesentlich gefördert werde, — eine Ursache mehr, auch diesem Zweige militärischer Ausbildung alle Sorgfalt zuzuwenden.

Über die Wahl des Terrains im Allgemeinen.

Bezüglich der Wahl des Terrains für die Recognoscirungs-Übungen der Officiere und Unterofficiere ist man wohl von dem Charakter und den Localverhältnissen der Umgebung des Garnisonsortes abhängig; aber so wie bei der überwiegend grösseren Zahl der bedeutenderen Garnisonen Österreichs, so ist auch die Umgebung Wien's für Recognoscirungs-Übungen aller Art ganz vorzüglich geeignet.

Überdies ist man hiebe! durchaus nicht an die in allen grösseren Garnisonen festgesetzte Eintheilung der Übungs-Rayons gebunden, da eine Reeognoscirungs-Ablheilung von 10 bis 15 Offleieren oder ebensovielen ünlerofficieren wohl keine Störung bei den anderwärligen Truppen-Übungen verursachen kann.

Auch der Einwurf, dass die nähere Umgebung einer Garnison nach kurzer Zeit des Aufenthalles durch die Benützung bei den Truppen-Übungen zu bekannt sei, ist nicht stichhältig. Man wird sich vielmehr durch die genaue Erforschung und Recognoscirung bald überzeugen, wie unvollständig man das Terrain und dessen Detail bei den Truppen-Übungen kennen lernt

Es wird demnach ausschliesslich die Art und der Zweck der Übung für die Wahl des Terrains massgebend sein. Dabei ist mit aller Sorgsamkeit und Umsicht vorzugehen, und mit Hilfe eines Umgehungsplanes oder des betreffenden Specialkartenblattes hierüber der Entwurf zu machen. Obwohl auf möglichste Abwechslung Rücksicht zu nehmen ist, so kann doch ein und derselbe Terraintheil oder dasselbe Object mehrfach, aber selbstverständlich bei verschiedenartigen Übungen und thunlichst unter einem neuen Gesichtspunkte betrachtet, benützt werden. Es gewährt dies sogar den Nutzen, dem Schüler, indem ihm durch die veränderte Anschauung auch durchaus verschiedene Verhältnisse und neue Bilder entgegen treten, eindringlichst zu beweisen, wie viel es bedarf, um einen halbwegs Abwechslung bietenden Terraintheil vollständig kennen zu lernen.

Nicht zu übersehen ist, dass bei der Recognoscirung Örllichkeiten der Umgebung benutzt werden können, welche sonst von den Truppen bei den Übungen gemieden werden müssen, wie z. B. sehr eultivirte, insbesondere mit Weinbau bedeckte oder vielfach durchschnittene Strecken etc.; auch wird die Recognoscirung, namentlich von den Olficieren, wenn wohlfeile Verkehrsmittel zur Disposition stehen, auf entferntere Gegenden ausgedehnt werden können.

Bei den militärisch-instruetiven Excursionen sind die einzuschlagenden Richtungen derart zu wählen, dass im Laufe dieser Übungen, so weit es die Beschaffenheit der Umgebung überhaupt zulässt, alle Hauptcharaktere der Bodengeslalt und die wichtigsten Objecte jedenfalls —und ausserdem möglichst viele Einzelheilen vorkommen, und dadurch Anlass zu einem reichhaltigen, thunlichst erschöpfenden Unterrichte gegeben sei.

In der Umgebung von Wien kann dieser Anforderung in ungefähr drei oder vier Excursionen entsprochen werden, z. B.:

a) über Floridsdorf, Jedlersee, über die schwarze Lacke nach Nussdorf, mit Überfuhr die Donau übersetzend, dann über die Heiligenslädter und Döblinger Höhen zurück, wobei die offene, bedeckte und theilweise coupirte Ebene, zahlreiche Erscheinungen und Baulichkeiten an einer bedeutenden Stromlinie, ein Defile von Höhen und dem Strome gebildet, stark bedecktes, hoch cullivirtes Hügelland, alle Arten von Communicaüonen vor das Auge treten; oder

b) von Hernais, durch das Alsbach-Thal, dann über den Galizin- und Heuberg, Dornbacher-Park, über Neustilt am Walde und über die Höhen der Türkenschanze zurück; wobei weite und engeThäler, Höhenformation vielgestaltigster Art, offen, bedeckt und coupirt, grosse und kleine Waldstrecken, treffliche Übersichtspunkte im Waldterrain (Heuberg), verschiedenartige Baulichkeiten, Gehöfte, Schlösser, Ortschaften und reichhaltiges Terraindetail sich vorfindet; oder

c) über Breitensee und über die Südhänge des Saatzberges zum Defile bei Mariabrunn und am rechten Wien-Uler über Hacking längs des Wienflusses zurück, wobei eine offene Hügelgegend mit breiten, massigen Formen, durch scharfe Thalbildungen, markirtes Bergland, verschiedenartige Defile's, eine Wasserlinie, Eisenbahnen etc. etc. studirt werden können.

Die hier angedeuteten Excursionen werden aber — die für die Belehrung nothwendige Zeit in Anschlag gebracht — einen ganzen Sommertag in Anspruch nehmen und wären daher, wenn nur ein Vormittag zur Übung benutzt werden soll, zweckmässig zu theilen. Für die Übung der Unterofficiere werden bedeutend kleinere Excursionen genügen.

Noch reichhaltiger wird sich die Auswahl bezüglich' der für die militärische Beschreibung, taktische Würdigung und für die Lösung von taktischen Aufgaben geeigneten Abschnitte und Objccle gestalten, und man wird hierin, selbst bei langer Dauer des Garnisonsaufenlhaltes, nicht leicht in Verlegenheit kommen. Doch bedarf es immerhin der gründlichen Überlegung, um von dem Vielen das Zweckmässigsle und Interessanteste auszuwählen und neue Variationen zu combiniren. Dabei muss man sich in mancher Beziehung von der herkömmlichen Anschauung und dem breitgetretenen Wege des Alltäglichen, wie er meist bei der Wahl des Terrains für Truppen-Übungen gebräuchlich ist, emancipiren. Oft bleibt das Nächstliegende, wenn auch ganz Interessante, unberücksichtigt, z. B. dass alle Ausgänge aus dem Garnisonsorte eben so viele Debouche's aus Defileen und umgekehrt Defile - Eingänge bilden, und dass die Umfassung des Garnisonsortes selbst in ihren Theilen meist ganz interessante Objecle bietet.

Noch eines anderen Umstandes ist hier zu gedenken. Gewöhnlich werden für Truppen-Übungen oder für schriftlich auszuarbeitende Themata solche Objecte gewählt, bei welchen sich die Verhältnisse für die zu übende militärische Thätigkeit mehr oder weniger günstig-gestalten. Da aber in der Wirklichkeil sehr häufig der Fall eintritt, dass man in Folge der allgemeinen Sachlage gezwungen ist, sich auch in eine sehr ungünstige, missliche Situation zu schicken, z. B. einen Ort oder einen Wald zu vertheidigen, der hiezu venig Eignung besitzt, so müssen, wo sich Gelegenheil dazu ergibt, auch Fill© der letzleren Art als Stoff für Aufgaben benutzt werden, um zu lernen, einer derartigen Zwangslage so gut als möglich zu begegnen.

Es handelt sich dann nur darum, eine Combinalion zu Grunde zu legen, welche diese ungünstige Situation plausibel macht.

Zeiteintheilung.

Die für Übungen im Freien günstige Jahreszeit ist bei unseren klimatischen Verhältnissen so kurz zugemessen, und der nolhwendigen Trupponschulen und Truppen - Übungen sind so viele, dass es der sorgsamsten Benützung jeder sich darbietenden Gelegenheit bedarf, um für die Recognoscirung des Terrains die mit dem Nutzen dieses Gegenstandes halbwegs im Verhältniss stehende Zeit zu gewinnen.

Die theoretische Vorbereitung in der Terrainlehre, in der Karlenkenntniss und Croquiren ist theils ein geeigneter Gegenstand der winterlichen öfficiers-Vorlesungen, theils muss dies dem Selbststudium überlassen bleiben.

Die Unterofficiere erhalten die Vorbildung in der Chargenschule, und rwar, laut Instruction lür die Truppenschulen, als Zusatz des Unterrichtes im Felddienst.

Für die praktischen Übungen sind die geeignetsten Zeilperioden der Vorfrühling und der Spätherbst. Im Laufe des Sommers sind wenigstens jene Tage dazu zu verwenden, an welchen sich die Mannschaft im Dienste befindet.

Bei ernstlicher Benützung und richtiger Eintheilung der Zeit werden somit in einem Monate durchschnittlich zwei Offlciers-Recognoscirungen vorgenommen werden können.

In Folge dessen wird sich während eines Sommers kaum mehr als eine der angegebenen Arten von Übungen gründlich durchführen lassen, so zwar, dass der ganze Gegenstand erst binnen ungefähr drei Jahren erschöpfend behandelt sein wird. Diese Zeit entspricht so ziemlich dem bisherigen Turnus im Garnisonswechsel; mit der neuen Garnison findet man auch neue Gegenden und Anlass zur Wiederholung der Übungen.

Rücksichtlich der Zeiteintheilung bei den Unlerolficiers-Übungen muss «n ganz anderer Modus Platz greifen, da bei diesen der im Umfange bedeutend restringirte Gegenstand in einem Jahre durchgeführt sein soll. Es wären somit im Frühjahre und Spätherbst wöchentlich eine Recognoscirungs-Übung, während des Sommers aber je nach Gelegenheil solche Übungen vorzunehmen.

Leitung der Recognoselrungs-Übungen.

Laut bestehender Vorschriften haben die Balaillons-Commandanten die Recognoscirungs-Übungen der Officiere, und die Compagnie-Commandanten jene der Unterofficiere zu leiten.

Es bilden somil die Olficiere je eines Bataillons und die Unterofficiere je einer Compagnie die Recognoscirungs-Abtheilungen. Es wird sich jedoch bald die Notwendigkeit herausstellen, eine weitere Gliederung der Abtheilun^ vorzunehmen. Die Hauptleute, erfahrener und unlerichleter als die subalternen (Meiere, werden schneller fortschreiten; die Behandlung des Gegenstandes soll für sie von einem umfassenderen Gesichtspunkte aus geschehen; aucli wird es zweckmässig sein, sie ihrer eigentlichen Bestimmung als Instructoren der Compagnien so selten als möglich zu entziehen. Für dieSubaltern-Officiere. Stellvertreter und Cadeten würde hingegen ein eingehenderer Unterricht erspriesslich sein. Um diesen Verhältnissen Rechnung zu tragen, wären entweder die Itecognoscirungs-Abtheilungen im Regimente ungefähr chargenweise zusammenzustellen, oder es wären die wenigst vorgeschrittenen Officiere. Officiers-Stellvertretcr und Cadeten des Regimentes in eine besondere Recognoscirungs - Abiheilung unter Leitung eines älteren Hauptmannes zu vereinigen.

Ähnliche Umstände werden bei den Unterofficiers- und ChargenschülerAbtheilungen sich geltend machen, wo aber ganz leicht durch die Bestimmung eines Offlciers oder Officiers-Stellvertreters als Correpelitor für die schwächeren, einen allmülig fortschreitenden Unterricht bedürfenden Chargen und Chargenschüler abzuhelfen wäre.

Was das Wesen und den Geist der Leitung anbelangt, wurde schon darauf hingewiesen, dass der Erfolg wesentlich, ja grösstentheils von dem Ernste und dem Eifer abhängt, welchen der Leiter an den Tag legt und bei den zu Unterrichtenden zu erwecken versteht. Auch hier vergesse man nicht, dass es überall, wo es sich um positives Lernen handelt, es mögen was immer für Persönlichkeiten in das Verhältniss von Schülern gelangen, eines mehr oder weniger nachhaltigen moralischen Zwanges und Nachdruckes bedarf, damit Tüchtiges geleistet werde.

Materialien, üilfsmlttel etc.

Wie erwähnt, hat sich jeder Recognoscent mit dem notwendigen Materiale für die Anfertigung von Notizen und des Croquis zu versehen. Für ersteren Zweck eignet sich ein Papierheft, für letzteren ein sogenannter Papierbloc. Bei beiden soll das Papier mindestens im Octavformat und wo möglich rastrirl sein, und zwar jenes des Heftes mit gewöhnlichen Zeilenlinien, jenes des Bloc mit Vi Zoll, seinerzeit, bei Einführung des Metre-Masses, mit Centimetre-Quadralen.

Will man hierauf mehr Sorgfall verwenden, so wäre ein Croquirbloc aul folgende Art herzustellen: Der Bloc selbst wäre auf ein Stück etwas grösseren Pappendeckels derart aufzukleben, dass letzterer auf allen Seiten um ungefähr 1% Zoll vorsteht. Auf diesen Vorstoss wäre mit elastischen Bändern oder Schleifen der Bleistift, das Gummielasticum, ein prismatisches Lineal, auf welchem der Massstab aufgetragen ist, und eine kleine Boussolc

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