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Die dänischen Vorposten etablirten sich von nun an in Schützengräben auf 3—500 Schritte vor den Werken.

Die Dünen hatten im Ganzen zwei Divisionen (sechs Brigaden von Nr. 1 Vis 6) in der Position und auf Aisen.

Von diesen zwei Divisionen stand eine im Dienste in der Düppeler Position, und zwar mit zwei Brigaden in den Werken und Laufgräben (eine Brigade für jeden Flügel) und eine Brigade bei den Baracken im Lager en reserve.

Auf Vorposten hatte jede der beiden in erster Linie stehenden Brigaden bei Tag eine, bei Nacht zwei Compagnien vor den Werken.

Die zweite Division stand mit einer Brigade, die mit der in den Baracken siebenden die erste Reserve bildete, im Brückenkopf und in Sonderburg, die beiden andern Brigaden cantonnirten als zweite Reserve in der Nähe dieser Stadt. Alle drei Tage lösten sich je zwei Brigaden linienweise ab, so dass je zwei Brigaden durch drei Tage in der ersten, drei Tage in der zweiten Linie standen und dann drei Tage auf Alsen ausruhten.

Von den Feld - Batterien Nr. 2, 8, 10 und 11 stand täglich eine im Dienste in der Position, — zwei Züge westlich der Düppeler Mühle zu beiden Seiten der Chaussee, ein Zug zwischen V1I1 und IX und ein Zug am äussersten rechten Flügel in der Nähe des Werkes X.

In dieser Aufstellung erwarteten die Dänen täglich einen Angriff auf ihre Position, doch derselbe sollte nicht sobald erfolgen.

Durch volle zehn Tage, vom 18. bis 27. März, herrschte Ruhe in der iront der Position. Nur die Gammelmarker Batterien störten dieselbe beinahe täglich durch ihr, wenn auch nicht heiliges Feuer.

In der Nacht zum 19. ward östlich von der Batterie Nr. 1 eine vierte Batlerie erbaut und mit zwei vonEkensund entnommenen gezogenen 12pfündigen (■eschützen armirt, so dass hier nun zehn schwere Geschütze thätig waren. We 6pfündigen Geschütze betheiligten sich von da ab nicht mehr am Feuer, blieben jedoch in der Nähe der Batterien in Bereitschaft stehen.

Diese letztem nahmen sich gewöhnlich die feindlichen Werke Nr. I und II zum Ziele und dirigirten häufig ihr ganzes Feuer auf das letztere Werk, welches, während das erste kaum antwortete und sich meist nur darauf beschränkte, seine Schäden auszubessern, mit ausserordentlicher Ausdauer sich im Feuer zu erhallen wussle.

Um dieses Werk endlich zum Schweigen zu bringen, ward in der Nacht zum 20. März, 500 Schritte südlich von Wielhoi, eine neue Batterie (Nr. V) erbaul und mit vier gezogenen 12Pfündern armirt. Doch die Danen hatten kaum die Existenz dieser Batterie erfahren, als sie sogleich ein überlegenes Feuer aus allen Werken von Nr. I bis VI gegen dieselbe richteten, *orauf man die Batterie wieder desarmirte, da sie eben das feindliche Geschützfeuer auf ein Terrain zog,, auf dem die Belagcrungsarbeilen durchführen waren.

Am 21. März traf endlich der Rest des aus Preussen noch erwarteten schweren Geschützes, nämlich vier gezogene 24Pfünder, vier gezogene 12Pfünder und vier 25Pfündige Mörser, in Begleitung einer Garde-FeslungsCompagnie bei Atzbüll ein.

Die 24Pfünder wurden sogleich nach Gammelmark geschafft, so dass nun vierzehn schwere Geschütze dort thätig sein konnten. Die übrigen seh weren Geschütze wurden mit den bereits früher angekommenen gleichen Kalibers im Artillerie-Belagerungsparke vereinigt, der nun aus zwölf gezogenen 12Pfündern und sechzehn 25pfündigen Mörsern bestand.

Rechnet man hiezu die zwölf 24pföndigen Geschütze die bei Gammelmark standen, die 24 12Pfünder, mit denen das Armee-Corps schon für den Feldgebrauch ausgerüstet worden war1), dann über siebzig vorhandene Opfündige Geschütze, welche wenigstens zum grossen Theile gleichfalls mit Nutzen verwendet werden konnten, so war wohl nun eine hinlängliche Geschülzkralt an Ort und Stelle, um den Sturm der feindlichen Position kräftigst vorbereiten zu können, und somit war auch der Zeitpunkt für den Beginn der eigentlichen Belagerung derselben gekommen.

Es währte indess bis gegen Ende des Monats März, dass die erste Parallele ausgehoben wurde, und vergingen dünn weitere acht Tage, bis man zu dem Bau der nächsten Parallele (eine Halbparallele) schritt.

Prinz Friedrich Carl beschliesst die Schwierigkeiten des

Belagerungsangrifls durch einen Übergang auf die Insel Alsen

bei Ballegaard zu umgehen.

Diese Verzögerung in den Belagerungsarbeiten hing mit einem Projecte zusammen, mit welchem sich Prinz Friedrich Carl schon seit einiger Zeit beschäftigte, nämlich mit der Idee, statt die Position von Düppel, dann jene von Alsen nacheinander zu nehmen, durch einen Übergang auf die Insel Alsen die befestigte Position von Düppel zu umgehen und so mit Einem Schlage nichtnur diese Position, sondern auch die Insel zu gewinnen und damit den Schluss des Krieges herbeizuführen.

Prinz Friedrich Carl hatte bald nach seiner Ankunft vor der Düppelstellung die Überzeugung gewonnen, dass ohne eine systematische, belagerungsmässige Beschiessung dieser Stellung aus schwerem Geschütze an eine Erstürmung derselben nicht zu denken wäre und daher die Nachsendung schweren Geschützes erwirkt.

In der Folge drängte sich ihm aber, je länger er vor dieser Position stand, der Gedanke immer mehr auf, dass selbst im glücklichsten Falle das Resultat des Sturmes nicht im Verhältnisse stehen würde zu dem nöthigen Aufwände von Zeit, Mitteln und Menschen.

*) Sechs davon waren bei Veite in Jutland in Verwendung, dagegen waren Mitte Februar sechs andere Geschütze gleichen Kaliberg bei der Armee eingetroffen.

Die dänische Streitkraft in der Position war dem preussischen Corps nahezu gewachsen und konnte selbst leicht zur Übermacht potenzirt werden. We ganze Haltung der Dänen bewies, dass sie nicht gesonnen waren, ihre Position leichten Kaufes aufzugeben. Die in der Flanke der feindlichen Position bei Gammelmark errichteten schweren Batterien entsprachen nicht ganz den Hoffnungen, die man sich von ihnen gemacht: sie hinderten, wenn auch ihre Geschosse auf weile Distanzen in den feindlichen Lagerraum einschlugen, dort keinen Augenblick den regelmässigen Dienslbetrieb.

Eine grössere Wirkung war jedenfalls von einer helligen Beschiessung der Werke aus der Front zu erwarten, aber man durfte nicht annehmen, Aiss diese Beschiessung allein die Dänen zum Aufgeben der ganzen Position und zum Rückzuge nach der Insel bestimmen würde. Man musste annehmen, dnss die Erstürmung der Position nolhwendig werden würde, und der Erlolg derselben war bei den Krallen, welche der Feind dann, wenn auch nicht in den Werken selbst, so doch in ihrer nächsten Nähe bereit halten konnte, nicht ganz zu verbürgen.

Gelang es endlich selbsl mit grossen Opfern aller Art die Werke zu nehmen und auch die dänische Armee über den Sund zu werfen, so halle man wieder die Werke des Brückenkopfes vor sich, die, wenn auch genommen, unter dem Feuer der nahen Batterien von Sonderburg auf die Dauer kaum gehallen werden konnten, und endlich den Sund, der gerade in der Hauplrichtung des Kampfes, nämlich bei Sonderburg, so schmal und so befestigt w;ir, dass an ein Überschreiten desselben hier nicht gedacht werden konnte. Und doch gehörte die Eroberung der Insel Alsen nolhwendig zu den Aulgaben des Krieges.

Der directe Angriff auf die Position von Düppel hatte, wie man sieht, alle die Nachtheile, die Parallelkämpfen überhaupt eigen sind, und zwar in erhöhlem Masse, da er über befestigte Positionen führte und schliesslich an einer bedeutenden Wasserlinie nothwendig slilleslehen mussle.

Der Gedanke, diese schwierigen Kämpfe zu vermeiden und durch eine Umgehung an einem Punkte, wo dieselbe nicht leicht vereitelt werden konnte, zu vereinlachen, brach sich daher im Corps - Hauptquartier zu Gravenslein immer mehr Bahn, ward hier sehr eifrig mil der den Preussen in Detailsachen eigentümlichen Genauigkeit venlilirt und nahm endlich die Geslall eines bestimmten Planes an.

Man konnte den Übergang auf die Insel Alsen auf drei verschiedenen Punkten auslühren:

1. Von Süden her, indem man die Truppen an irgend einem Küslenpunkte der Halbinsel Broacker einschiffte und entweder südlich von Sonderburg oder auf der Halbinsel Kekenis ans Land setzte.

Die längere Seefahrt in diesen Richtungen setzte jedoch die Verwendung seetüchtiger Schiffe voraus, und die ganze Operation ward daher nur unter der Voraussetzung: möglich, dass es einer preussischen Escadre gelang, zu diesem Zwecke hier zu erscheinen und die Überfahrt zu bewerkstelligen. Dies war jedoch nicht wahrscheinlich; wenn sich auch die preussische Escadre hier einfand, so zog sie jedenfalls das Gros der in der Nordsee befindlichen dänischen Flotte nach sich, die dann die Überfahrt mit Leichtigkeit verhindern konnte.

Bei einer Landung südlich von Sonderburg lagen auch die Cantonnements der dänischen Reserve-Division so nahe an der Küste, um, wenn selbst die Überfahrt gelang, das Festsetzen an der Küste leicht vereiteln zu können. Diese Operation halle daher wenig Chancen für sich.

2. Konnte der Übergang über den im Allgemeinen 1000—1100 Schritte breiten Alsener Sund ausgeführt werden. Je weiter von Sonderburg die Übergangsstelle gewählt wurde, um so zweckmässiger musste dies erscheinen. Der nördlichste Punkt des Sundes war aber nur eine Meile von Sonderburg und Uekebüll entlernt, und die dänischen Reserven, zwei bis drei Brigaden, konnten daher von hier binnen zwei bis drei Stunden leicht dahin geworfen werden, um die preussischen Truppen, von welch letzteren mit allen zu Gebote stehenden Übergangsmilleln nicht mehr als höchstens drei schwache Bataillons auf ein Mal übersetzt werden konnten, zurückzudrängen.

Diese Gefahr bestand nicht, wenn

3. der Übergang über den Alsener Fjord ungefähr bei Ballegaard geschah, wo der gewöhnliche Verkehr des Nordens der Insel mit dem Fesllande stattfand.

Während sämmtliche Übergangsstellen am Sunde von dänischen Batterien beherrscht waren und gut bewacht werden konnten, war die Küste gegenüber von Ballegaard offen und kaum bewacht, und eine ÜberschifFung dieses Fjords schien daher am leichtesten thunlich. Der Umstand, dass dieser Fjord über l/t Meile breit und auch durch einige theils in der Slegwig'er Bucht, theils im Augustenburger Fjord liegende kleinere dänische Kriegsschiffe bewacht war, ward dadurch, dass die dänische Armee an dieser Übergangsstelle kaum einen Widerstand leisten konnte, aufgewogen.

Die Kriegsschiffe konnten durch Küstenbatterien entfernt gehalten, die grösseren Schwierigkeiten der Überschiffung durch vermehrte Mittel und verdoppelte Anstrengung überwunden werden.

Prinz Friedrich Carl entschloss sich daher, bei Ballegaard den Übergang auszuführen. Dabei sollten jedoch die Arbeiten gegen Düppel nicht ganz aufgegeben werden.

Man wollte die erste Parallele errichten, schweres Geschütz in dieselbe einführen und, während dasselbe gegen die feindliche Position donnerte und die dänischen Streitkräfte daselbst in Schach hielt, den Übergang auS' führen.

Der Zeilpunkt des Überganges sollte jedoch von dem Eintreffen der Verstärkungen abhängen, die Prinz Friedrich Carl unter allen Umbänden glaubte für sein Armee-Corps fordern zu müssen.

Um mit Sicherheit einen Erfolg erwarten zu können, sei es bei dem directen Sturm auf die Düppeler Position, sei es bei der Bekämpfung des Feindes auf dem Wege der Umgehung, hielt der Prinz die Verstärkung seines Corps für unerlässlich.

Noch in der ersten Hälfte des Monats März sandte Prinz Fried rieh Carl seinen (ieneralstabs-Chef Obersten v. Blumenthal in das ArmeeHauptquartier ab, um sein neues Angriffsproject, so wie die Bitte um die Verstärkung seines Corps dem Feldmarschall zur Genehmigung vorzulegen.

Der Feldmarschall hatte damals den Versuch gegen Fridericia im Ange, glaubte seine Kräfte in Jiilland nicht schwächen zu dürfen und gab, wie schon früher erwähnt wurde, um den Forderungendes Prinzen gerecht zu «erden, am 15. März dem in Holstein commandirenden GL. v. Tümpling Jen Auftrag, das Leib-Grenadierregiment Nr. 8 und das pos. InfanterieRegiment Nr. 18 unter Befehl des GM. Raven augenblicklich nach dem Sandewitt in Marsch zu setzen. Gleichzeitig erhielt der österreichische Brückenlrain, auf dessen Verwendung Prinz Friedrich Carl bei dem Übergänge nach Alsen reflectirte, den Befehl, am 22. März in Hostrup (südlich von Apenrade) zur Disposition des I. Corps-Commando's einzutreffen.

Die obenerwähnten preussischen Bataillone langten, schon zwischen dem 18. und 21. März in Gravenstein, Ekensund und Binkenis an und übernahmen am 22. die Aufstellung der Brigade Roeder in Dorf Düppel und weh die Vorposten-Stellung der Brigade C a n s t e i n bei Frydendal.

Die Brigade Roeder ging in rückwärtige Quartiere ab, um sich von hrem in erster Linie geleisteten eintägigen, anstrengenden Dienste zu «holen.

Da das bisher in Flensburg gestandene Bataillon des 55. Regiments wd jenes, welches in Apenrade als Besatzung gestanden, gleichfalls mittlerweile beim Gros wieder eingerückt waren, so zählte das Armee-Corps des Wnzen nun 32 Bataillons.

Die Dänen zählten jedoch zur Zeil mit Einschluss des von Kopenhagen in Sonderburg eingetroffenen Garde-Bataillons 25 Bataillons, und das gegen^'lige Stärke-Verhältniss war daher für das preussische Corps, welches bei seiner beabsichtigten Unternehmung sich nothwendig theilen mussle, "ochimmer kein günstiges zu nennen. Prinz Friedrich Carl betrieb ■kher die weitere Verstärkung seines Armee-Corps und, wie wir schon früher erwähnt haben, mit dem besten Erfolg.

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