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Das 4. Regiment besetzte Rackebüll, um die Unternehmung des 5. Regiments in der linken Flanke zu decken.

Das 5. Regiment traf im Gehölz nur eine preussische Patrulle, die sich beim Erscheinen der Dänen rasch gegen Salrup zurückzog. Diese folgten über das Gehölz nach, nahmen dann einige Hundert Schritte vor demselben Stellung und benutzten die Gelegenheit, mehrere Höre und Häuser in Brand zu stecken.

Gegen Mittag schienen die Zwecke der Recognoscirung erreicht; es zeigten sich auch bedeutende Kräfte der Preussen bei Satrup in Bewegung. Oberst Bülow liess daher das Regiment den Rückzug antreten; doch konnte dieser nicht mehr ganz unbeläsligl geschehen, sondern mussle im Granalfeuer der Preussen durchgeführt werden, die nun anrückten und mit ihrem Geschützfeuer Rackebüll überschütteten. Auch das 4. Regiment musste dieser rückgängigen Bewegung bald folgen.

Der preussische General v. Goeben hatte nämlich, sobald sich die dänischen Truppen ausserhalb des Gehölzes von Rackebüll gezeigt, seine Brigade alarmirt und war mit derselben (die Vorposten ausgenommen, welche stehen blieben) der dänischen Brigade auf Rackebüll entgegen gerückt.

Nach einer kurzen aber wirkungsvollen Beschiessung nahmen die preussischen Truppen (vom 5. und 15. Regiment) den Wesltheil des Dorfes, und das dänische 4. Regiment räumte nun umsomehr vollends den Ort, als es sich auch in der linken Flanke durch die preussischen Truppen der Brigade Roeder bedroht sah, welch' letztere gleich bei Beginn des Kampfes bei Rackebüll gleichfalls alarmirt und in der Erwartung, von Kirch-Düppel aus angegriffen zu werden, sich zum Gefecht concentrirt und auch schon durch zwei gegen Rackebüll wirkende Geschütze am Gefecht beiheiligt halle.

Mit dem dänischen 4. Regimente zogen sich auch die Vorposten des 3. Regiments zurück; das 4. Regimenl stellte sich am Glacis der Werke IX und X auf; das 5. Regiment, welches sich nach dem Rückzuge vom RackebüllHolz zur Aufnahme des 4. und 3. Regiments ungefähr um 1 Uhr hinter dem Pülthause aufgestellt halle, blieb hier stehen und beobachtete die Bewegungen der Preussen in Rackebüll, welcher Ort nun von den Werken IX und X und von der jenseits des Als-Sundes gelegenen Surlücke - Batterie heftig beschossen ward.

General v. Goeben war in Folge dieses feindlichen Geschützreuer* und vielleicht auch, weil es bisher üblich gewesen war, die durch Kampf gewonnenen Punkte immer wieder aufzugeben, schon im Begriffe, Rackebüll zu räumen, und hatte schon die Befehle dazu erlheilt, als er vom General v. Roeder unterrichtet ward, dass dieser auf Befehl des Prinzen Friedrich Carl Kirch-Düppel zu nehmen habe und bei diesem Kampfe durch die Brigade Goeben in der linken Flanke bei Rackebüll gedeckt zu werden wünsche.

General v. Goeben stellte nun seine vier Bataillons vorwärts Rackebüll auf, und zwar l1/, Bataillons des 55. Regiments mit zwei Compagnien des 15. en reserve ä cheval der Strasse, und zwei Bataillons des 15. Regiments vorwärts des Rackebüll-Holzes; die letzten Bataillons dehnten sich bis an den Sund aus, so dass die Aufstellung der Brigade eine Länge von 2500 Schritten erhielt. Die Brigade-Batterie stand rückwärts von Rackebüll an der Strasse.

In dieser Stellung erwartete General Goeben die weitere Enlwickelung der Dinge bei Kirch-Düppel.

Dieser Ort war seit 11'/, Uhr durch das 7. dänische Regiment besetzt, welches das 18. Regiment hier mit fünf Compagnien, und südlich der Chaussee ond am Aonberge (Spitzberge) mit drei Compagnien abgelöst halte. Der Befehl, das Dorf Kirch-Düppel zu nehmen, war dem General v. Roeder um \'2Uhr zugekommen. Gleichzeitig waren auch die Brigaden Canstein und Schmid durch den Prinzen Friedrich Carl alarmirt worden, welcher auf die erste Nachricht über den bei Rackebüll entbrannten Kampf dahin und dann nach Wenning geeilt war, um der Brigade Canstein die weitern Instructionen zur Unterstützung der Brigade Roeder zu geben.

Um 12'/, Uhr fuhr die Haubitz-Balterie der Brigade Roeder vor der massiven Düppeler Kirche auf und bewarf das ganze Terrain in der Nähe derselben mit Granaten. Dann erlolgte der Angriff auf dieses Object durch das 2. Bataillon des 24. Regiments, dem das 1. en reserve folgte (das 3. Bataillon war noch im Anmärsche).

Gleichzeitig rückte das 1. Bataillon des 6*. Regiments von der Büffelkoppel gegen den südlichen Dorftheil an der Chaussee, und das 2. Bataillon dieses Regiments, welches bei Wilhoi auf Vorposten gestanden hatte, gegen den Aonberg südlich der Chaussee vor.

Bei der Kirche war der Widerstand der Dänen ein kräftiger; das 24. Regiment konnte sich nur mit äusserster Anstrengung dieses festen • Punktes und der nächstliegenden Häuser bemächtigen. Die zerstreut liegenden Gehölte des Ortes waren barricadirt, die Strassen gleichfalls gesperrt, und <iie Dänen zogen sich nur Schritt für Schritt von einem Hallpunkt zum ändern zurück.

Dagegen schritt der Angriff des im Süden vordringenden 64. Regiments rasch fort. Der Aonberg ward im ersten Anlauf erstürmt, und hicmit fiel eine wesentliche Stütze der dänischen Vertheidigung. Von Süden her .stark bedroht, räumten nun die Dänen auch den östlichen Theil des Ortes und zogen sich, gefolgt von den preussischen Schützen, die sich ungefähr um 2'/t Uhr in den östlichsten Häusern des Ortes einnisteten, fechtend gegen, und drei Compagnien selbst hinter die Werke zurück. Diese, namentlich Nr. IV, V und VI, eröffneten nun ein furchtbares Feuer gegen Düppel und steckten den Ort an mehreren Stellen in Brand.

Schon erlheille General Roeder den Befehl, den östlichen Theil des Ortes zu räumen, weil derselbe in dem feindlichen Feuer nicht hallbar schien, 3fe vom Prinzen der Befehl eintraf, den Ort unter allen Umständen besetzt zu halten. Es ging daher das 2. Bataillon des 64. Regiments wieder nach dem Osltheile desselben vor.

Etwas später traf auch ein Theil der Brigade Canstein von Schinöl am südlichen Theil des Kampfplatzes ein. Vier Compagnien vom 35. und 60. Regiment besetzten den Spilzberg; zwei Compagnien des 35. Regimentrückten noch über denselben bis Frydendal vor; zwei Compagnien de60. Regiments und drei Jüger-Compagnien dienten diesen hinter dem Gehöfte als Reserve.

DiePreussen hatten nun somit bei eilf Bataillons in der ersten Linie. Schon hatten dieselben ihre Vorposten etablirt, und schien der Kampf für diesen Tag beendet, als derselbe plötzlich von Neuem entbrannte, und zwar durch eine offensive Bewegung der Dänen.

General du P1 a t, welcher die Stellung von Rackebüll und KirchDüppel an diesem Tage beziehen sollte, hatte diese Stellung, deren möglichst langer Besitz für .die Verlheidigung der eigentlichen Position von höchstem Werthe war, plötzlich verloren. Er hatte allen Grund, wenigstens einen Versuch zu machen, das verlorne Terrain wieder an sich zu reissen, und gab daher den Befehl dazu.

Es waren zur Wiederaufnahme des Kampfes vorhanden: das 3. und 18. Regiment, welche sich unmittelbar hinter den Werken rallirt hallen; das 4. und 5. Regiment, von denen das erste mit zwei Kanonen am Glacis vor IX und X, das andere hinter dem Pütlhause stand und mit der Brigade Goeben plänkelte; das 7. Regiment, welches bei Düppel gefochten halte, vor den Werken Nr. V und VI; endlich das 8. und 15. Regiment, von denen das erste hinter den Werken, das andere von Sonderburg auf den Alarmplatz im Innern des Lagerraumes vordisponirt worden war: — im Ganzen also 7 Regimenter, 14 Bataillons, die, wenn sie wenigstens zum grossen Theile zusammen genommen und, wie dies die gute Taktik will, mit Entschiedenheil nach Einem Punkte dirigirt wurden, allerdings in der Lage waren, die Preussen — welche in einer bei 6000 Schrille ausgedehnten Aufstellung nur über eilf Bataillons verfügten und im Laufe des Gefechtes kaum durch mehr als zwei bis drei Bataillons verstärkt werden konnten— aus diesem Punkte zu werfen und damit indirect auch die andern zu gewinnen.

Doch General du Plat nützte zu diesem Angriffe nicht die Kraft aus. die ihm zu Gebote stand, und versplitterte das Wenige, das er engagirte, nach zwei Richtungen, so dass seine Kraft überall zu schwach ward einen Erfolg zu erreichen. Solche Dispositionen können nie ein günstiges Resultat liefern, führen nur zu nutzlosem Blutvergiessen. zu Niederlagen und zur Demoralisation der Truppen u n » können deshalb nicht genug als unter allen Umständen unverantwortlich schlecht bezeichnet werden.

Der erneuerte Vormarsch der Dänen erfolgte ungefähr um 3 Uhr Nachmittags.

Gegen Stabegaard rückte das 5. Regiment vor, gefolgt von einem Bataillon des 4., welches letztere mit drei Compagnien die Richtung auf Rackebüll nahm; gegen Kirch-Düppel fünf Compagnien des 7. Regiments, denen auch die hinter die Werke zurückgegangenen drei Compagnien folgen sollten, welche aber erst spät sich in Bewegung setzten.

Der Erfolg des Angriffes war nun folgender: Das dänische 5. Regiment sliess bei Stabegaard auf die Truppen der in einer Linie von 2500 Schritten zerstreut stehenden Brigade Goeben — welche auch noch zwei Compagnien von jedem Regimenle zurückgesandt hatte, um die Tornister der Brigade zu holen und abzuessen, und im Augenblick nur drei Bataillons stark war— griff dieselbe an und warf sie hinter den Ort zurück; die Preussen räumten nun auch Rackebüll, doch wagte es das dänische 4. Regiment nicht, den Ort zu besetzen, da die preussische 12Plünder Batterie denselben lebhaft beschoss.

Auf dem linken Flügel der Dänen, gegen Kirch-Düppel, rückten die fünf Compagnien des 7. Regiments gerade in einem Augenblicke vor, wo das östliche Düppel von den Preussen geräumt war; die fünf Compagnien drangen, ohne Widersland zu finden, durch den östlichen Dorflheil vor, stiessen aber indem westlichen Dorfabschnitte, namentlich bei der Kirche, auf den hartnackigen Widerstand des 2. Bataillons vom preussischen 64. Regiment und musslen sich bald wieder gegen den östlichen Theil umsomehr zurückziehen, als sie vom Spilzberge durch Abtheilungen des preussischen Regiments Nr. 60 und drei Jäger-Compagnien der Brigade Canstein bedroht wurden.

Das 2. Bataillon des dänischen 8. Regiments, welches nun aus den Werken heranbeordert wurde, traf eben recht ein, um die Fortschritte der Preussen einigermassen aufzuhalten. Zwei Compagnien desselben rückten gegen den Spitzberg vor, zwei andere betheiligten sich am Kampfe in Düppel; die fünf Compagnien des 7. Regiments wurden möglichst gesammelt und wieder vorgeführt, und sämmtlichen neun Compagnien gelang es wieder, sowohl an der Chaussee, wie im Dorfe Terrain zu gewinnen.

Mit der Zeit gewannen jedoch die Preussen, die sich durch das 1. Bataillon des 64. Regiments noch verstärkten, wieder die Oberhand und drängten die Dänen, obgleich diese sich durch die endlich angekommenen letzten drei Compagnien des 7. Regiments auch auf zwölf Compagnien verstärkt hatten, nach und nach aus dem Dorfe hinaus.

Die Räumung des Dorfes durch die Dänen ward hauptsächlich dadurch herbeigeführt, dass die grössere Hälfte des preussischen 24. Regiments glücklich zwischen Düppel und demPülthause vordrang und das ihr entgegensiehende Bataillon des dänischen 4. Regiments, welches unter Führung des Capitäns Wedege einen Angriff gegen Kirch-Düppel versucht hatte, in dem «rwähnlen Räume bis gegen die Werke zurückdrängte. Das nun noch vorgesandte 1. Bataillon des dänischen 8. Regiments kam nicht mehr rechtzeitig an, um den Gang der Dinge ändern zu können.

Die aus Düppel geworfenen dänischen Truppen rallirlen sich hinter einigen Knicks, 1200 Schritte vor den Werken, und unterhielten daan mil den Preussen ein Feuergefecht, das bis zum Eintritt der Dunkelheit währte,— dann zog sich auch das dänische 5. Regiment aus der Gegend von Stabegaard gegen die Werke zurück.

Hätte man dänischerseits gleich bei Beginn des Kampfes wenigstens das ganze 8. Regiment engagirt, statt es nur nach und nach in das Feuer zu schicken, so wäre das Resultat des Tages wahrscheinlich ein anderes geworden; denn von Seiten der Preussen blieb die Brigade G o e b e n, nachdem sie Rackebüll geräumt, unthätig, — von der entfernt cantonnirenden Brigade Schmid kam nur ein einziges Bataillon erst nach Beendigung des Kampfes an, — und von den Brigaden R o e d e r und C a n s t c i n — gegen welche der entscheidende Stoss zu führen war — waren nur nach und nach und auf einem sehr ausgedehnten Räume kaum mehr als 20 Compagnien in den Kampf gekommen.

Hätte man noch das intacle 15. Regiment, statt es unthätig im Lager zu lassen, dann das 3. und 18. Regiment, obgleich sie schon gekämpft hatten, verwendet, so wäre der Erfolg zweifellos gewesen.

Bei der Art aber, wie die Dinge angelegt wurden, war Nichts zu erreichen als unnölhige Verluste und Schwächung des Vertrauens bei den Truppen. Dies ist stets die Frucht schlechte! Kampfdispositionen.

Die dänischen Officiere datirten das Einreissen einer gewissen Demoralisation ihrer Truppen von diesem Gefechte; auch schlugen sich thalsächlich die dänischen Soldaten von nun an bei Weitem nicht mehr so gut wie an diesem Tage oder wie in den Gefechten mit den kaiserlichen Truppen, gegen deren Angriffe sie sich häufig und namentlich bei Oeversee festen Fusses mil Kolben und Bajonnel zur Wehr gesetzt halten.

Der Verlust der Dänen am 17. März war bedeutend. Er betrug 679 Mann an Todten, Verwundeten und Vermissten, darunter 12 Officiere; 2 Officiere und 282 Mann geriethen in Gefangenschaft.

Die Preussen verloren nur: an Todten: 2 Officiere und 21 Mann; an Verwundeten: 12 Officiere und 102 Mann.

Die preussischen Truppen verblieben diesmal in dem erfochtenen Terrain stehen. Ihre Vorpostenlinie lief von nun an von Frydendal am WenningBund über das östliche Düppel, das Pütlhaus bis Lillemölle am Sund.

Der rechte Flügel dieser Postenlinie südlich der Chaussee ward von Abtheilungen der Brigade Canstein eingenommen. Im östlichen Düppel standen zwei Bataillons vom 64. Regimente, in Kirch-Düppel und am Wege zum Pütthausc zwei Bataillons des 24. Regiments. Ebenso standen starke Soutiens in Rackebüll und Stabegaard.

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