Abbildungen der Seite
PDF
EPUB

Über die Organisation der Mitrailleusen - Batterien und

deren Verwendung im Kriege.

Organisatorisches. Die Wichtigkeit, welche dieses Thema durch die Einführung der Montigny-Mitrailleusen für uns gewinnt, sowie der Umstand, dass in den militärischen Zeitschriften deren eventuelle Zuweisung an die Infanterie oder Artillerie lebhaft discutirt wird, ermuntert zu dem Versuche, die vorliegende Frage vom organisatorischen und taktischen Standpunkte zu beleuchten,

Durch die Annahme der Mitrailleuse als Kampfmittel wurde eine neue Gattung Artillerie geschaffen, und es muss demnach vorerst darüber entschieden werden, ob es möglich erscheint, durch Einführung derselben die Zahl der bei einer Armee milzuführenden Feldgeschütze nunmehr zu verringern.

Die bezügliche Antwort gibt besser als alle theoretischen Untersuchungen der jüngste Feldzug.

Nach der Ordre de bataille der Franzosen hatte eine Armee-Division zwei Kanonen- und eine Mitrailleusen-Batterie , zusammen 18 Geschütze, während bei den deutschen Divisionen 24 Geschülze, in vier Batterien vereinigt, die Divisions-Artillerie bildeten.

Letztere war somit an Kanonen doppelt so stark als jene der Franzosen. Das offensive Vorgehen der deutschen Armee brachte, belehrt durch die Erfahrungen des Feldzuges 1866, überall die gesammte Artillerie gleich beim Beginn der Action in Thätigkeit, wodurch die Franzosen, deren MitrailleusenBallerien anfänglich auf diese grossen Distanzen unthätig bleiben mussten, ganz abgesehen von der mindern Construction der französischen Geschütze, von vornherein durch die Minderzahl in bedeutenden Nachtheil gegen die Gentsche Armee kamen. Sie konnten aber auch beim Rückzuge die verLichtende Wirkung der preussischen Kanonen nicht paralysiren.

Die Idee: Mitrailleusen-Batterien statt Kanonen-Batterien mitzuführen,kar unglücklich und richtete sich gleich bei den ersten Gefechten. Es entsand eine gefährliche Schwächung der Artilleriekraft zu Gunsten eines Geshūlzes, welches erst auf die nächsten Distanzen thätig werden kann.

solange es demnach nicht gelingt, ein schnell feuerndes Geschütz mit Artilleriewirkung zu construiren, ist es nicht zulässig, die durch die Kriegsrahrung festgesetzte Zahl der bei einer Armee mitzuführenden Geschütze teilweise durch Mitrailleusen-Batterien zu ersetzen. Osterr. militar. Zeitschrift. 1871. (1. Bd.)

10

Was vermögen nun Mitrailleusen ? — dies ist die zweite Frage, die sich uns aufdrängt.

Mitrailleusen können nur das Massenfeuer der Infanterie, von grösseren Distanzen an als diese selbst, mit weit grösserer Ökonomie der disponiblen Kraft und in der concentrirtesten Form zum Ausdruck bringen. Sie sind die Kartätschen-Geschütze der Neuzeit.

Ihrer Wirksamkeit nach unterscheidet man zwei Repräsentanten dieser Kartätsch-Geschütze, und zwar:

ia) Continuitäts-Geschütze, d. h. solche, bei welchen nach der Abgabe des ersten Schusses ein continuirliches Feuer unterhalten werden kann;

b) Salven-Geschütze, bei welchen das Feuer salvenweise abgegeben wird, so dass naturgemäss zwischen den einzelnen Lagen durch das nothwendig werdende Laden Pausen entstehen. Das letztere Princip, von grösserer moralischer Wirkung auf den Gegner, das Feuer leichter unter der Einwirkung des Befehles haltend, wurde mit Recht als das zweckmässigere bei uns eingeführt, und es können mit der verbesserten MontignyMitrailleuse im Maximum 13 Ladeplatten zu 37 Patronen, also in Summa 481 Schuss per Minute bei gleichzeitiger, selbsllhätiger und regulirbarer Streuung im Schnellfeuer abgegeben werden.

Obwohl am Versuchsplatze noch auf 1800 Schritte eine, wenn auch geringe Treffsicherheit gegen die Zielscheibe erreicht wurde, so wird doch in Wirklichkeit, wo die günstigen Umstände, welche sich beim Versuche geltend gemacht haben, gänzlich fehlen, die Wirksamkeit dieser Waffe nicht über 1200 Schritte reichen. Ja man kann bei dem Umstande, als der Effect, sowie die erreichte Distanz, nicht wie beim Geschütz durch das Explodiren des Geschosses controlirt werden kann, die Eröffnung des Feuers auf 800 Schritt festsetzen, es sei denn, dass man, längere Zeit in der Position stehend, genaue Kenntniss der Distanzen hat und compacte Ziele beschiesst.

Die Waffe selbst ruht in einer Laffette und bedarf zu ihrer Bedienung: | Mann, welcher die gefüllten Platten einlegt und die abgeschossenen entfernt ; 1 Mann, welcher richtet, den Mechanismus schliesst und öffnet; 1 Mann, welcher abfeuert; 2 Mann zum Zutragen der Munition und Füllen der leeren Platten.

Das Geschütz kann somit durch drei, ja selbst durch zwei Mann bedient werden, bedarf aber bei längerer Thätigkeit unbedingt fünf Mann, wenn nicht wegen Mangels an Bedienungs - Mannschaft die Wirkung der Waffe beeinträchtigt werden soll.

Zur Fortschaffung des Geschützes wird selbes mit einer Protze ver-
bunden, in welcher, sowie in den Achskästchen der Laffette, bereits mit
Patronen gefüllte Platten mitgeführt werden.
Es liessen sich daselbst verpacken, und zwar:

in den Achskästchen .. 20 Stück Ladeplatten,
in der Protze . . . . . 32 ,

Zusammen, 52 Stück Ladeplatten.

Rechnet man, dass minder geübte Mannschaft nur 10 Platten in der Minute abzuschiessen im Stande wäre, so hätte das Geschütz die Munition für ein fünf Minuten anhaltendes Feuer bei sich. Vier Pferde hätten bei diesem, dem Gewichte eines 4Pfünders nicht rie nachstehenden Geschütze als Bespannung zu dienen, um es manövrirähig zu machen. Zur Erzielung einer andauernden Wirkung und zum Fortschaffen der unbedingt nothwendigen Mannschaft müsste für je zwei Mitrailleusen ein vierspänniger Munitionswagen mitgegeben werden. Dieser, mit der gleichen Wagen-Protze wie das Geschütz versehen, würde im Wagen die übrige Munition in Verschlägen mitführen. Die Mitrailleuse, als Kampfelement aufgefasst, hat mit der Infanterie nur das Geschoss gemein. Alles Andere ist aber der Infanterie fremd: Geschütz, Fahrwerk, Bespannung, ja selbst die Wirkungen gehören in das Bereich der mit ähnlichen Factoren rechnenden Artillerie. Das Kartätschen-Geschütz organisationsmässig der Infanterie einzuvereben halte ich für unzweckmässig, denn, abgesehen von dem eben Erwähnten, hoffe ich im weiteren Verlauf beweisen zu können, dass die Verwendung dieses Geschützes sich ganz den Regeln der Placirung der Batterien anschliesst, welche der Artillerie näher liegen als der Infanterie. Gleichviel, ob man die Mitrailleusen der Infanterie oder Artillerie zuweist, so wird man doch gezwungen sein, selbe in einen organischen Verband als selbständigen Körper zu bringen, statt sic den Bataillonen als Bataillons-Geschütze zuzuweisen, da schon die neueren taktischen Formen und die Gliederung in Compagnie-Colonnen viele Inconvenienzen bei Verwendung der Mitrailleusen mit sich bringen würden. Man ist demnach genöthigt, eigene taktische Körper aus den Mitraileusen zu bilden, welche entweder den Brigaden oder den Divisionen zugewiesen werden. Diese taktischen Körper, welche wir Batterien nennen, sollen: 1. Einmal in Thätigkeit, die Continuität des Feuers derart erhalten, dass keine Pausen durch das nothwendige Laden entstehen, selbst wenn ein oder das andere Geschütz demontirt würde. Hieraus folgt, dass wenigstens zwei Mitrailleusen gleichzeitig auftreten sollen, und es wäre ebenso wie bei Verwendung der Feldgeschütze gefehlt, ere für sich allein in Action zu bringen. Aber auch zwei Mitrailleusen werden, als „Batterie“ aufgefasst, nicht nügen, wenn man die Subtilität des Geschützes und sein leichtes Unbraucharwerden berücksichtigt. Gegen drei Geschütze spricht der Umstand, dass diese Zahl keine zweckmässige Theilung zulässt, wie solche gerade oft bei diesem Geschützsysteme vorkommen dürfte. Reflectirt man auf diesen wichtigen Factor, so wird man

sich für Batterien zu vier Geschützen entscheiden müssen.

2. Durch Bildung von Batterien soll die Concentrirung des Feuer behufs entscheidender Wirkung ermöglicht werden, wozu schon zwei, gewi aber vier Geschütze genügen, – demnach eine Formation von mehr Ge schützen in einer Batterie nicht nothwendig erscheint.

In Berücksichtigung, dass in einem und demselben Gefechte eine Mitra leusen-Batterie kaum mehrmals verwendet wird, und in Anbetracht, das nöthigenfalls selbst die Taschen-Munition der Infanterie zu verwenden is werden für vier Geschütze zwei Munitions-Wagen genügen.

Eine solche Batterie bestünde somit aus:

4 Mitrailleusen,

2 Munitions-Wagen,

I Material-Wagen,

2 Bagage- und Fourage-Wagen; dieselben sind sämmtlich vierspänni und benöthigen 36 Zug-, 4 Reserve- und 9 Reit-Pferde.

Der Stand einer Batterie wäre:

1 Hauptmann als Commandant, 1 Oberlieutenant, 1 Feuerwerker, 6 Unterofficiere, 12 Vormeister, 20 Kanoniere und Unterkanoniere, unter welchen einig Maschinenschlosser, 30 Fahrkanoniere, 1 Rechnungs-Feuerwerker, 2 Officiersdiener Zusammen 74 Mann, 9 Reit-Pferde, 40 Zug- und Reserve-Pferde, und 9 Fuhrwerke.

Die Grösse des Körpers, seine administrative und vor Allem seit taktische Bedeutung rechtfertigen wohl, wie bei den Gebirgs-Batterien vo Yier Geschützen, auch hier die Wahl eines Hauptmannes als Commandante Ein Oberlieutenant wurde gewählt, weil Mitrailleusen-Batterien in de meisten Fällen getheilt auftreten, und nur ältere, erfahrenere Officiere mit sell ständigen Commandos betraut werden dürfen. Ein Massstab für die Zahl der bei einer Armee mitzuführenden Mitra leusen fehlt bis jetzt und kann nur durch die Kriegserfahrung annäherr festgestellt werden. Jedenfalls richtet sie sich nach der Kriegstüchtigkeit der Infanterie un dem eventuellen Kriegsschauplatze, – Factoren, von welchen namentlic der erstere sehr viele Modificationen zulässt. In welcher Zahl immer Mitrailleusen mitgeführt werden, die Infanteri Division, als höchste taktische Einheit, müsste wenigstens Eine solche Batter

erhalten, wenn nicht die oben angeführlen Factoren für die Schaffung zweier solcher sprechen, wo dann jede Brigade Eine dieser Batterien erhielte.

Die Commandanten derselben würden direct dem Divisions- oder Briçade-Commandanten unterstehen, und der Artillerie-Chef der Division hätte bir das Personale und Material der Batterie zu überwachen.

Taktische Verwendung der Mitraillensen-Batterien.

Auf die taktische Verwendung der Mitrailleusen-Balterien übergehead, wird zuerst deren Eintheilung auf den Marsche, dann das Verhalten im Gefechte und namentlich die Verwendung in Localgefechten besprochen werden.

Je nachdem man der Armee-Division oder der Brigade eine solche Batterie zuweist, hätte selbe auf dem Marsche entweder in der Mitte des Gros der Armee-Division oder der Brigade ihre Eintheilung

Berücksichtigen wir die Art des Marsches, ob es nämlich ein Vor-, Rück- oder Flankenmarsch ist, so wird die Milrailleusen-Batterie am zweckmässigsten stets beim Gros eingetheilt sein, weil ihre Thätigkeit kurz vor der eigentlichen Massenthäligkeit der Infanterie und während derselben Platz greifen wird.

Wohl könnte es bei Vormärschen zweckmässig sein, selbst der Avantgarde solche Geschütze zuzuweisen, um gewonnene Punkte des Terrains besser behaupten zu können. Berücksichtigt man jedoch, dass bei der Avantgarde Kanonen-Batterien unbedingt nothwendig sind, das Anhäufen ron Fuhrwerken einerseits aber den Marsch erschwert, anderseits das Dichtigkeilsverhältniss, d. i. die Summe der auf einem bestimmten Raum marschirenden Infanterie zu gering, demnach deren Entwickelung zu langsam ist, so wird man den ausgesprochenen Ansichten der Eintheilung der Mitrailleusen beim Gros beistimmen.

Auch bei Arrièregarden werden Mitrailleusen im Allgemeinen nicht eingetheilt, weil erstere nur den Zweck haben, den Feind zur Entwickelung, zu weit ausgreifenden Bewegungen und dadurch Verlangsamung seiner Bewegung zu veranlassen. Ist dieser Zweck erreicht, so wird das Gefecht abgebrochen.

Die Einleitung des Gefechtes, das Verfolgen des Gegners wird somit tur durch die Kanonen-Artillerie durchzuführen sein.

Wären bei einer Armee-Division zwei Mitrailleusen-Batterien vorhanden, so darf doch keine Zusammenziehung derselben in Einen Körper stattunden, denn Mitrailleusen - Massenwirkung im ausgedehnten Massstabe hat kemen Sinn und ist gegen die Tendenz des Geschützes.

Eine Ba:terie repräsentirt an und für sich schon eine Mitrailleusen

Massenwirkung.

« ZurückWeiter »