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Farll ist, ganz sistirteri Erscheinens. Bieser Theil unserer Bibliographie fälll demnach ziemlich mageV rfus, und müssen wir dWüf die Nachsicht unserer Leser voraussichtlich wohl noch für geraume Zeit in Anspruch nehmen. Dagegen haben wir es für erspriesslich gehalten, unserem Verzeichnisse gründlichere Aufsätze über militärische Tagesfragen, wie sie in der allgemeinen politischen Presse mitunter erschienen sind, einzuverleiben, und haben hiezu vorzugsweise die „Augsburger Allgemeine Zeitung" ausersehen, in deren Spalten viele Aufsätze des so eben angedeuteten Inhaltes Aufnahme gefunden haben.

Da es aus den vorangeführten Gründen lür den Fach-Schriftsteller, den Buchhändler und insbesondere für den Bibliothekar höchst wünschenswert!), ja fast nothwendig ist, die Revue der Fach-Literatur übersichtlich geordnet und bequem zur Hand zu haben, so lassen wir unser „LiteraturBlatt" nunmehr mit separater Paginirung und auch als Separat - Abdruck erscheinen. Der Jährgang umfasst ungefähr zwölf Bogen, Und kostet der Separa't-ÄbdVück bei der Redaction für Österreich im Wege der k. k. Commariden 1 fl. 50 kr., sonst 2 fl.; für das Ausländ 1'/, Thaler preusS. CooranL Das „Literaiiir-Blätt" erscheint monatlich. Dem Jahrgange wird ein Titelblatt beigelegt.

Die Redaction.

Zeitschriften.

Der Soldatcnfreund. Berlin. November 1870. Inhalt: Kroiiprini Albert von Sachsen. — Eltfe Fldtt' streicht durch die Wellen, Fridolin! — Allerlei MaYscbgedanken. — Wir besudeln ihn! — Besser spät als gar nicht

— Will's nicht wieder thun. — Und zum dritten Male: Nur nicht ungeduldig.

— Eine französische Retourkutsche. — Zwei Ernte-Monate. — Wie die Dinge doch anders kommen. — Was unterdessen zu Hause vorgeht — Briefwechsel des Feidsbldäten. — Fremdes. — Mannigfaltiges.

Militär-Wochenblatt. Bespricht fast ausnahmslos den gegenwärtigen Krie;.*.
Revue militaire Suisse. Nr. 23. Inhalt: Über die Savo/isebe Frage-

— DeütBCh-französischer Krieg 1870: Offizieller französischer Bericht über die Schlacht von Coülmiers. —' Chronik.

Beilage: Revue des armes speciales. Inhalt: Über die Capitulation von Metz. —Bazaine und Changarnier. — Carabiniers - Bataillons. — Bibliographie. — Chronik.

Nr. 24. Inhalt: Deutsch - frarizösischer Krieg «70. — Über die Ausrüstung des eidgenössischen Heeres. — Chronik;

1871. Nr. 1. Inhalt: Deutsch-französischer Krieg 1870. —Rückblick und Betrachtungen über den Krieg 1870. — Chronik.

Beilage: Revue des armes speciales. Inhalt: Über die Organisation der Divisions-Parks. — Über die Ausrüstung des eidgenössischen Hee+es. — Chronik.

Anmerkung. Die übrigen ausser-fisterreichischen Fach-Zeitschriften sind um entweder gar nicht oder verspätet zugekommen.

Journal de I'armee beige. Nr. 232. Inhalt: Der Krieg von 1870. - Politisches Vorspiel. — Vorwand des Krieges. — Die Kriegserklärung. — Die Eröffnung der Feindseligkeiten. — Einnahme von WeUsenburg. — Schlacht bei Wörth. — Treffen bei Spicheren. — Trauriger Einfluss der Unglüekstage ron Wörth und Spicheren auf die weiteren kriegerischen Operationen und die Schicksale des Kaiserreiches. — Operationen um Metz. — Schlacht bei Mars It Tour, 1&. August. — Schlacht von Gravelotte, 18. August — Feldzugsplan Kapoleon'» 111. — Brief des Herrn von Prov&. Antwort an den Herrn Grafen Boucet, pensionirten Major.

Bücher.

Das Jahr 1870 und die Wehrkraft der Monarchie.

Wie» 1870. 8.

Wohl selten hat ein Buch von einschneidenderem Interesse in wichtigerem Augenblicke die Presse verlassen! Noch seltener sind in solchem Momente solche lieea uns so berufenem Munde vernommen worden! Hören wir, was der anonyme Autor, der den Stufen des Thrones nahe steht, spricht:

.Seitdem das internationale Recht geschädigt, in Frage gestellt und durch die Gewalt das Recht des Stärkeren ersetzt wurde, und so lange dieser Zustand dauert, kann nur jener Staat Anspruch auf die Grossmachtstellung machen, weichst eine Militärmacht ersten Ranges, d. h. so gut organisirt und so stark ist, das» iha keine Macht allein mit Aussicht auf Erfolg angreifen kann."

PNoch vor Beginn des letzten Krieges, zu Anfang 1870, sprach ein pmusisches Blatt die dürre Wahrheit mit der Behauptung ans, dass es dermilen nur zwei Militärmächte gebe: Preussen und Russland. Dass es Frankreich auf lange Jahre hinaas nicht sein könne, ist nach den Erfahrungen der letzten Monate unbestreitbar: .unsere Monarchie ist es heute nicht und kann nur dann wieder als Grossmacht auftreten, wenn ihre inneren Verhältnisse geklärt und befestigt sind, ihre Finanzen «ich etwas erholt und gekräftigt haben."

,Was bei allen Verdiensten, die der geschickten Führung zukommen, zunäcliit die überraschend grossen Erfolge der Preussen im gegenwärtigen Kriege veranlasst hat, sind die treffliche Organisation und die langjährige systematische Ausbildung der preussischen Armee. Dadurch ward jedoch auch die Möglichkeit zu einer mehr kriegerischen Politik geboten. Ja, das ganze System, **■ es seit 186Ö besteht, musste jetzt zu seiner Rechtfertigung und Beibehaltung eine aggressive Politik hervorrufen."

•Wird, wie nicht zu zweifeln, dieses System in seiner vollen Ausdehnung w Süddeutschland übertragen, so stehen von nun an, einschliesslich der ■Kuciere und Nichtstreitbaren, übor 400.000 Preussen und Deutsche permanent wter den Waffen, können binnen 14 Tagen mit der doppelten Zahl jede benebige Grenze überschreiten und weitere 400.000 Mann an Landwehr- und Er•»titruppen nach sich ziehen."

«Jeder Nachbarstaat, der nicht wenigstens annäherungs**ne dieselbe Raschheit und Präcision der Mobilisirung zu "reiehen weiss, ist nicht sicher vor Invasion, d. h. vor Vernich'"og seines Wohlstandes bis in das Herz des Landes hinein."

«Frankreich hatte von 1859 bis 1867 militärisch geschlafen, und erst «"»ball Ni«l leistete in 2'/i Jahren das Unglaubliche, ward aber durch seinen TM an der Vollendung des erst skizzirten Werkes verhindert, das nach ihm °» Stocken gerieth."

Auch Österreich hat die Versäumnisse des Friedens oft bitter empfinden müssen und wird noch weiter darunter zu leiden haben, wenn nicht rechtzeitige Abhilfe erfolgt; dies zeigt eine Verglcichung der preussisch-deutschen und österreichisch-ungarischen Streitkräfte.

Im Frühjahr 1871 beträgt bei uns der Kriegsstand der Linien, einschliesslich der Ersatz-ReBerven, kaum 715.000 Mann

jener der Grenzer 53.000 „

„ k. k. Landwehr 41.000 ,

r k. ungar. Landwehr 70.000 ,

Tiroler Landesschützen 10.000 ,

„ Grenz-Bevölkerung 22.000 ,

Summe . . 911.000 Mann,

d. h. 164.000 Mann weniger als der Sollstand und 372.000—436.000 Mann weniger als Preussen-Deutschland.

Letzteres gebietet nämlich über 363 vollständig im Frieden formirte Feld-Bataillono mit etwa 255.000 Mann Friedenspräsenzstand, während Osterreich deren nur 280 mit 107.200 Mann Friedenspräsenzstand hat. Diesem Übelstande muss natürlich abgeholfen werden. Vor Allem handelt es sich darum, wie bei erfolgender Provinzialisirung der Militärgrenze diese militärisch zu benützen wäre; man kann aus derselben 4 Infanterie-Regimenter und 2 Jäger-Bataillons completiren, ausserdem das galizische Regiment Nr. 13 noch aus Slavonien und Croatien recrutiren. Die 1. Linie hätte dann 270.102, die 2. und 3. Linie 337.770, zusammen 607.872 Mann. Ausserdem müssten die Reserve-Regimenter bei der Infanterie um ein volles 6. Bataillon, jedes Jäger-Bataillon um eine 2. Reserve-Compagnie verstärkt werden; dagegen kann man die ErgänzungsBataillone von 5 auf 4 Compagnien vermindern. Es würde dadurch die 2. Linie um 86.721 Streitbare vermehrt werden. Jedem Linien-Regimente entsprechend wäre ein Landwehr-Regiment zu bilden. In Dalmatien wäre eine nationale Miliz in genügender Stärke zu organisiren, um ausschliesslich die Besatzung diese« Landes im Kriege zu besorgen.

Aus alledem ergäbe sich eine

1. Linie von 270.102 Streitbaren der Infanterie.

2. Linie von 251.382 Streitbaren der Infanterie.

3. Linie (Landwehr) einschliesslich jener

Tirols und Dalmatiens circa . . . 250.000

Zusammen . . 771.000 Mann Streitbare,

was gegen jetzt ein Plus von .... 12.862 Mann in 1. Linie,

46.092 „ in 2.
und von circa 84.000 „ in 3. „

daher zusammen 142.954 Mann ergeben würde.

Gegenüber den preussisch-deutschen (mit ihren drei neuen Füsilier-Bepmentern) und angenommen, dass beide Theile gleich mit allen ihren Feld-Bataillonen ausmarschiren, würde sich das Verhältniss so stellen:

484.000 preussisch-deutsche Bajonnete bereit zum ersten Ausmarsch gcg>'» 521.484 österreichische Bajonnete der 1. und 2. Linie, indessen die Landwehr während des Aufmarsches der Armee hauptsächlich zur Besetzung von Festung''"verschanzten Lagern, auf seitwärts liegenden Abschnitten des Kriegstheatirs verwendet werden würde und erst successive nach Mass ihrer erreichten Knegstauglichkeit und des verminderten Bedarfes in ihrer früher genannten Bestimmung zur Feldarmee abrückt.

Die preussisch-deutsche Cavallerie stellt auf:

In 1. Linie 59.375 Pferde,

„2. • • ■ 15-000 .

Zusammen . 74.375 Pferde.
Die österreichische dagegen

In 1. Linie 27.265 Pferde,

41 ReBerve-Escadronen und 240 Pferde

zur Verstärkung per Regiment . . 15.990 n 57 Landwehr Escadronen .... 8.550 „

Zusammen . 51.805 Pferde. Es stünden daher, wenn auf den früheren restringirten Friedensstand von nur 99 berittenen Gemeinen per Escadron zurückgegangeu würde, bei plötzlich «abrechendem Kriege den 59.375 preussisch-deutschen Pferden nur 27.265 entgegen, und selbst nach mehreren Wochen wird sich dieses Minus von 32.110 (wie 15:7) nur auf 15.905 Pferde (also wie 15: 11) herabmindern.

Der Zuwachs des Grenzlandes zur Recrutirung für das Linienheer gestattet, I Cavallerie-Regiment mehr zu stellen, und es könnten die Huszaren der Landwehr von 28 (respective 30) auf 45 Escadronen gebracht werden. Diesem entsprechend würde sich die

1. Linie auf 28.140 Pferde (+ 670)

2 16.380 , (+ 390)

3. „ (74. L. E.) auf ■ 11.000 . (+ 2450^ Zusammen auf 55.520 Pferde steigern. Wenngleich die Landwehr-Cavallerie dieselbe Bestimmung wie die Landwehr der Infanterie bat, so wird sie doch einen grösseren Theil erübrigen können, welcher zur Cavallerie der Linienarmee stossen kann (beiläufig 45 Escadronen), wodurch diese aber erst nach mehreren Wochen auf 51.370 gegen 59.375 preussisch-deutsche Pferde käme — immerhin noch ein Minus von 8000 Pferden. Keine Armee einer Grossmacht hat eine verhältnissmässig so geringe Zahl von Cavallerie, besonders im Frieden, welche doch bei plötzlicher Mobilisirung allein ausmarschirt, während die Verstärkungen selbst bei dem strengsten PferdeConscriptionsgesetze wenigstens einige Wochen brauchen, um marschfähig zu sein. Nicht nur als die beste, sondern auch als die mindest kostspielige Lösung wird demnach empfohlen, den früheren vollen Friedensstand an berittenen Gemeinen (130) bei den 6 Feld-Escadroneu, wie er im August 1870 wieder angenommen wurde, beizubehalten.

Nur so kann man auf circa 35.700 (das Regiment zu 850 Pferde) im Momente der Mobilisirung verfügbare Säbel rechnen und wird sich glücklich schätzen müssen, wenn es durch strenge Handhabung eines Pferde-Conscriptionsgesetzes möglich wird, nach weiteren 3—6 Wochen die Reservisten-Escadronen an eich zu ziehen.

Durch eine solche Massregel, welche eine Erhöhung des Recruten-Contingentes jedes Cavallerie-Regiments um circa 60—70 Mann erheischt, wird es ferner möglich, eine 2. Reservisten-Escadron per Regiment aufzustellen und durch diese Vermehrung von 6300 Säbeln einigermassen das Gleichgewicht gegenüber der deutschen Cavallerie zu erlangen.

Das Verhältniss würde sich daher herausstellen: in 1. Linie 59.375 preussisch-deutsche Säbel gegen 35.700 österreichische, also noch immer ein Minus von 23.675; in 2. Linie 15.000 preussisch-deutsche Säbel gegen 14.910 österreichische, ferner an österreichischer Landwehr-Cavallerie 57 Escadronen = 8550, also Summe 59.960 österreichische gegen 74.375 preussisch-deutsche Säbel, ein Minus von 14.415.

Nebstbei würde für das Fuhrwesen noch ausserdem ein Zuwachs von 6000—7000 Cavallerie-Reservisten zugehen, mehr als genug, um die nothwendige Vermehrung derselben zu decken.

An Geschütz weist Preussen-Deuschland auf:
In 1. Linie:

13 norddeutsche Armee-Corps 1182 Geschütze,

Baiern 192 „

Württemberg, Baden, Hessen 120 »

Summa, 1494 *

In 2. Linie . . 300

Zusammen 1794 Geschütze.

Gegenüber dieser Gesammtzahl hat Österreich 546—600 Geschütze weniger.

Wird die ganze Armee in 42 Infanterie-Divisionen formirt, so entspräche dieser Formation eine Erhöhung der Artillerie-Regimenter von 12 auf 14, und in jedem Regiment« 14 Batterien oder 196 Batterien mit 1568 Geschützen, wodurch das Verhältnis von 3 zu 1000 (Infanterie und Cavallerie) nicht erreicht wird. Gegenüber dem jetzigen Stande von 48 Fuss-, 72 8Pfünder- und 36 CavaUerieBatterien ergäbe dies eine Vermehrung von 36 Fuss- und 12 8Pfünder-Batterien, dagegen eine Verminderung von 8 Cavallerie-Batterien, also im Ganzen 40 Batterien mehr. Der Gesammtstand der Artillerie im Frieden würde nur um 6— 700 Pferde erhöht.

Da die Landwehren keine abgesonderte Artillerie und technische Truppen haben sollen, so müssten bei jedem Artillerie-Regimente 3 ReserveBatterien und 1 Reserve-Munitions-Colonne im Kriegsfalle aufgestellt werden, in welche, nebst dem Cadre von Officieren, die in die Landwehr übergetretenen Chargen und Mannschaften des eigenen Regiments und die etwa noch nöthigen Leute der Ersatz-Reserve eingetheilt werden. Dies ergäbe 42 Batterien, genügend, um 14 Divisionen Landwehr vollständig zu verseben.

Die Zahl der technischen Truppen Österreichs ist genügend. Nur ist die Zahl der Pontonniere (Pionniere) im Verhältnisse zu gross, und wurde für die Verwendung der in die Landwehr Eingereihten dieser Truppen nicht vorgedacht. Hier wäre die successive Formation von Landwehr - Compagnien bis zur Erreichung der Zahl von je Einer für die Leute des betreffenden technischen Bataillons angezeigt.

Beim Fuhrwesens-Corps müsste für weitere 9 Divisionen und 3 ArmeeCorps, dann für mehrere Hauptquartiere, und zwar in der Art vorgesorgt werden, dass von jeder Feld-Escadron eine Reserve-Escadron sich abzweige; zusammen daher 72 statt 57, oder eine Vermehrung von 15 Escadronen.

Nach dieser Vergleichung der beiderseitigen Streitkräfte wird zu weiteren Bemerkungen behufs Hebung der Wehrkraft der Monarchie geschritten, und zunächst die Militärgrenze in's Auge gefasst. Mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in der ganzen Monarchie kann die Mehrleistung an Menschen seitens der Grenze nicht aufrecht erhalten bleiben. Von jedem der 14 GrenzRegimenter wären daher, nach der hier entwickelten Meinung, während des Überganges 1 Bataillon Linie, 1 Ergänzungs-Compagnie, 1 Bataillon Reserve und 3 bis 8 Landwehr-Compagnien zu stellen, so dass für die Übergangsperiode die Summe der Linien-, Reserve-, Ergänzungs- und Landwehr-Compagnien jener der bisher von der Grenze (ausschliesslich der bewaffneten Population! gestellten 215 Compagnien gleich käme. Statt des aus Magyaren sogleich zu recrutirenden 15. Huszaren-Regiments hätten das Titler Bataillon und die 3 Banater Regimenter dafür die entsprechende Zahl Linien-Recruten zur Artillerie und den technischen Truppen zu stellen, wozu die vielen deutschen Colonisten und die Schiffleute dieser Gegenden treffliches Material liefern.

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