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im Allgemeinen erst nach dem vollständigen Eintreffen des gesammten Belagerungsgeschützes aul allen Punkten gleichzeitig zu beginnen gesonnen war, bei Brunsnis, vis-ä-vis vonHollnis, zur Deckung der Einfahrt in den Flensburger Fjord, in welchem man eine preussische Flotten-Abtheilung, die aber nicht erschien, erwartete, aufgestellt

Nach einigen Tagen ging man jedoch — wie es scheint aul höheren ßelehl — von dieser Disposition ab: man begann in der Nacht zum 11. den Batteriebau bei Gammelmark, und am 11. wurden die vier 24Pfünder von Brunsnis nach Gammelmark geschafft.

Dieser Geschütz-Transport ging auf den schlechten, aulgeweichten, zum Theil neugebauten Wegen nur mit ausserordentlichen Anstrengungen vor sich; jedes Geschütz mussle durch 200 Mann auf die nordöstlich von Dünth «Jejenen Höhen gezogen weiden. Am Abende des 12. wurden diese Geschütze unter ähnlichen Anstrengungen in eine der bei Gammelmark erbauten Batterien eingeführt; die andere ward einstweilen mit sechs 6Pfündern armirL

In den letztgenannten zwei Tagen, nämlich am 11. und 12. März, war auch der erste Echelon der aus Preussen erwarteten schweren Geschütze angelangt. Es waren dies vier 24Plünder, acht 12Pfünder und zwölf Mörser, die von zwei Feslungs-Artillerie-Compagnien begleitet wurden. Die 12Pfünder und Mörser gingen auf der Chaussee über Alzbüll nach dem ArtillerieBelagerungspark weiter; die vier 24plündigen Geschütze wurden überEkensond nach Gammelmark dirigirl.

Am 14. Abends ward hier, 800 Schrille östlich der beiden bereits armirten, eine neue Batterie erbaut, in welche dann, am 15. Morgens, die neu angekommenen 24Pfünder eingeführt wurden. Zwölf gezogene 6plündige Geschütze nahmen an demselben Morgen zu beiden Seiten der Batterien Position, so dass nun hier 26 gezogene Geschütze, darunter achl 24Pfünder, zur Eröffnung des Feuers bereit waren.

Eröffnung des Feuers aus den Gammelmarker Batterien

am 14. März.

Mehrere Stunden hindurch verhüllte ein dichter Nebel die feindlichen Werke und die Stadt Sonderburg, die sonst von den Batterien aus deutlich zu sehen waren.

Erst um 11 Uhr schwand der Nebel, und nun ward das Feuer sogleich aus der Batterie Nr. 1 eröffnet und dann von allen Geschützen fortgesetzt. Die Geschosse erreichten nach einigen Correcluren nicht nur mil zerstörender Wirkung die Werke Nr. I und II und flogen selbst bis Nr. VI, sondern schlagen auch mit Gewalt in das über 5000 Schrille entfernte Schloss von Sonderburg ein.

Der Feind erwiderte das Feuer erst nach einiger Zeit, und zwar nur aus dem Werke Nr. II, welches allein mit gezogenen Geschützen versehen war; seine Geschosse trafen auch die preussische Batterie und gingen selbst mehrere Hundert Schritte noch über dieselbe hinaus.

Prinz Friedrich Carl war in der letzteren Batterie mit dem Prinzen Carl von Preussen anwesend. Dem Letzteren zu Ehren ward diese Batterie von nun an die Feldzeugmeister-Batterie genannt').

Das Feuer der pxeussischen Batterie ward, von 2 Uhr Nachmittags an, in der (olgenden Nacht und auch in den späteren Tagen massig fortgesetzt. Das feindliche Werk Nr. II antwortete nur mehr selten; dagegen waren die Besatzungen eifrig bemüht, den entstandenen Schaden an den Werken rasch auszubessern und sich durch Aufwerten neuer Deckungen gegen die preussischen Geschütze zu sichern, durch welche sie aus so grosser Entfernung und aus so gefährlicher Richtung plötzlich angegriffen wurden.

Von einem am weitesten in den Wenningbund vorspringenden Punkte der Halbinsel, bei Sallingshoved, konnte man bei klarem Wetter einen grossen Theil des feindlichen Lagerraumes und selbst die südliche Sundbrücke mittels eines guten Fernrohres übersehen. Man gewann von diesem Punkte bald die Überzeugung, dass der Verkehr der dänischen Truppen zwischen der Position von Düppel und Alsen trotz der Wirkung der Gammelmarker Batterie nicht litt, sondern seinen regelmässigen Gang behielt.

Der erwähnte Beobachtungspunkt leistete indessen vortreffliche Dienste, indem er täglich genaue Rapporte über die Vorgänge im feindlichen Lager gab, die durch eine in Dünlh etablirte Telegraphenstalion augenblicklich in das Corps-Quartier zu Gravenslein befördert werden konnten.

Während die Gammelmarker Batterien in der erwähnten Weise die feindliche Position aus der Flanke beschäftigten, war auch die Front der letzteren nicht ganz ohne Beunruhigung geblieben.

Seit dem 1. März wurden die dänischen Vortruppen wiederholt durch kleinere preussische Recognoscirungs-Commanden, namentlich am 3., 9. und 12. März alarmirt.

Vom 13. März an nahmen die Alarmirungen immer mehr die Dimensionen grösserer Recognoscirungskämpfe an und führten dahin, dass die preussischen Truppen immer mehr Terrain gegen die feindliche Stellung gewannen, die dänischen Vorlruppen aber endlich sich auf die Besetzung des Terrains hart vor den Werken beschränken musslen.

Am 13. März fand General Goeben, dessen Brigade seit 7. März jene des Generals Schmid bei Salrup abgelöst halte, den Augenblick günstig um den bei Lillemölle, in der Nähe der Ravenskoppel stehenden dänischen rechten Vorposten-Flügel zu überfallen.

') Prini Carl von Preussen war damals General-Feldzeugmeister und Chef der Artillerie.

Das 2. Balaillon des 15. Regiments (3% Compagnien) marschirte zu diesem Zwecke nnch Rücklassung seiner Vorposten um 4'/, Uhr Früh unter Oberst-Lieutenant von der Goltz von Oster Satrup aus in drei CompagnieColonnen ab; eine Compagnie ging gegen Lillemölle längs dem Sunde vor, eine andere über Stabegaard; die dritte folgte in der Mitte hinter beiden en reserve.

Der feindliche Posten bei Lillemölle ward durch die 1. Colonne unter Hauptmann v. d. Reck vollständig überrascht, floh und Hess 12 Gefangene zurück: Stabegaard ward barricadirl gefunden, doch gelang es auch hier, in einem Hause 14 Dänen aufzuheben.

Bei diesem Angriffe ward von den Preussen, die mit ungeladenem tiewehr ausgerückt waren, kein Schuss gethan. Um 6 Uhr war das Bataillon Vteder hinter seiner Vorpostenstellung zurück.

Gleichzeitig mit diesem Bataillone war auch das rüsilier-Bataillon des 55. Regiments gegen Rackebüll und das naheliegende Gehölz vorgerückt und hatte gleichfalls einige Gefangene gemacht. Auch dieses Bataillon war mit Tagesanbruch wieder in seine Quai tiere eingerückt.

Am 13. März wurde Nübel und Stenderup, welche Punkte bisher nur über Nacht von schwachen Pikeis besetzt waren, dauernd und stärker durch die Brigade Roeder oecupirt. Es rückten Abends in Nübel zwei Bataillons vom Regiment Nr. 64, und in Stenderup sechs Compagnien des Regiments Nr. 24 ein.

Am 14. Morgens setzten sich die Vorposten dieser Bataillons an der Chaussee ohne Anstand beiWielhoi und weiter südlich fest; nördlich zwischen Stenderup und Kirch-Düppel war dies aber erst in Folge eines Gefechtes möglich.

Oberst Graf v. Hacke ging zu diesem Zwecke mit dem Gros seiner beiden Bataillons von Stenderup gegen Kirch-Düppel und mit zwei Compagnien auf Rackebüll vor und warf einen feindlichen Posten auf Kirch-Düppel zurück. Da dieser Ort von stärkeren Kräften besetzt schien, so ging Oberst Graf v. Hacke nach einem l1/, slündigen Feuergefechte, unJ nachdem er die Vorposten zwischen dem Stenderuper Holz und Kirch-Düppel ausgestellt hatte, wieder nach Stenderup zurück.

Die auf Rackebüll vorgeschickten zwei Compagnien halten gleichzeitig Rackebüll erstürmt und zogen sich dann auf Befehl gleichfalls zurück.

Das Gefecht kostete den Preussen: an Todten: Sec-Lieut. Troschel und 2 Mann; an Verwundeten: Hauptmann Ballhorn und 17 Mann.

Die Dänen verloren: an Todten: 2 Mann; an Verwundelen: 2 Officiere, 11 Mann.

Nach dem Gefechte standen also die Vorposten der Brigade Roeder hart vor Kirch-Düppel; in den Gehölten an der Büffelkoppel befanden sich starke Soutiens, und Nübel und Stenderup, stark besetzt und zur Verteidigung eingerichtet, bildeten die Stützpunkte dieser Bri^ade^Stellung. Auf der Strasse von Satrup blieben die preussischen Vorposten noch etwas refüsirt.

Besetzung der Insel Fehmarn durch Truppen der Brigade Schlegell am 15. März.

Am 15. und 16. herrschte Ruhe auf der Vorpostenlinie, dagegen donnerten, wie bereits erwähnt, an diesem Tage die Gammelmarker Batterien gegen die feindliche Stellung, und General Schlegell führte am 15. von Holstein aus einen Coup durch, der ihn in bleibenden Besitz der zu schleswig'schem Boden gehörigen Insel Fehmarn setzte.

Wir haben schon erwähnt, dass die letztgenannte Brigade gleich nach Beginn des Krieges mobilisirt worden war, um im Vereine mit der Brigade llaven, unter Commando des GL. v. Tümpling, das Herzogthum Holstein zu besetzen. Diese, aus dem Leibgarde-Regimente Nr. 8, dem InfanlerieRegimenle Nr. 48 und zwei Batterien besiehende Brigade war auch, vom (5. März an, hier eingetroffen. Acht Tage darnach gab sie dies dem Feinde durch den Angriff auf die Insel Fehmarn kund.

Diese Ost-See-Insel gehörte zum schleswig'schen Territorium, und mehrere in ihrer Nähe befindliche feindliche Kanonenboote bedrohten fortwährend die holslein'schen Häfen. Es waren dies hinlängliche Gründe, die Insel in Besitz zu nehmen. GL. v. Tümpling gab daher dem GL. v. Schlegell Befehl, in der Nacht vom 14. zum 15. März die Insel zu besetzen, auf welcher sich nur eine kleine feindliche Wache am Fehmarschen Sund und ein Detachement von Hundert und einigen Mann in dem Hauptorle Burg befand.

Zur Übersetzung der preussischen Truppen nach der Insel wurden acht grosse Boote — deren jedes ungefähr zehn Mann fassen konnte — und mehrere kleinere Boote für 3—4 Mann in Heiligenhafen requirirt und in der Nacht vom 14. zum 15. an die Übergangsstelle am Sund gebracht. Sechs Compagnien des 48. Regiments, von welchen vier unter Commando des Majors v. Zglinicki das Unternehmen ausführen sollten, trafen hier gleichfalls ein, mit zwei Batterien, die die Einschiffung und Überfahrt zu decken hatten.

Ein heftiger Wind verzögerte die Einschiffung bis 5 Uhr Früh; endlich war die 8. Compagnie in den Booten; dieselbe schiffte nun sogleich trotz des stürmischen Wetters über den Sund und überfiel und entwaffnete die mir aus sechs Mann bestehende feindliche Küstenwache. Ihr folgte unter grossen Schwierigkeilen noch die 5. und 7. Compagnie.

Die 8. Compagnie, unter Hauptmann v. Mellenthin, trat nun den Marsch nach Burg an und nahm die dorlige Besatzung — 4 Officiere und 109 Mann, darunter mehrere Dragoner, welche grösstentheils noch in den Betten lagen — ohne besonderen Widerstand gefangen. Auch eine 3pfiindige Kanone fiel in die Hände der Preussen.

Die auf der Westküste der Insel liegenden feindlichen Kanonenboote gaben erst um 9 Uhr einige unwirksame Schüsse nach dem Lemker Hafen ab und suchten dann das Weite.

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Literatur - Blatt

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Streffleur's österreichischer militärischer Zeitschrift.

Redigirt von Horiz Brunner, k. k. Hauptmann im Genie-Stabe. NO. 1 Jänner 1871

Einbegleitung.

Der bedeutende Umfang, welchen die mannigfachen wissenschaftlichen Disciplinen in der zweiten Hälfte des gegenwärtigen Jahrhunderts in so überraschender Weise gewonnen haben — und die Militärwissenschaften in nicht geringerem Masse als die anderen — zwingt alle Jene, welche die Fortschritte des Wissens mit achtsamem Blicke verfolgen, ihr Augenmerk in hervorragender Weise den literarischen Erscheinungen der Gegenwart auf dem zu behandelnden Gebiete, so wie auf den ihm zumeist benachbarten zuzuwenden.

Kritische Bücherverzeichnisse, Bibliographien, literarische Revuen, welche sich vornehmlich auch auf die in den zahlreichen Zeitschriften, sowohl Tagesblättern als Fachorganen, zerstreuten einzelnen, mitunter hochwichtigen Aufsätze erstrecken, sind demnach für jeden gebildeten Leser, besonders aber für alle Jene, welche eine bestimmte Studienrichtung verfolgen, ein unentbehrliches Bedürfniss, jedem Fachorgane jedoch — eben weil sie einen berechtigten Anspruch des Lesers bilden — zur Pflicht geworden. Auch wir werden Dicht verabsäumen, dieser unserer Pflicht nachzukommen, und werden uns bemühen, unsere Leser stets über die neuesten Producte der militärischen Literatur im Laufenden zu erhalten. Im Nachfolgenden finden dieselben eine Zusammenstellung dessen, was in der letzten Zeit auf unserem Gebiete veröffentlicht wurde. Man wird indess gewahren, dass unser Verzeichniss in diesem Monate einen ausserordentlich monotonen Charakter trägt, indem die überwiegend grosse Majorität der militärischen Schriften sich ausschliesslich den deutsch-französischen Kriegsereignissen zugewendet hat, vor welchen jede anderweitige wissenschaftliche Discussion in den Hintergrund tritt.

Diese ausnahmsweisen Zeitläufte haben es auch verschuldet, dass wir nicht in der Lage sind, aus den fremden militärischen Zeitschriften Auszüge der darin enthaltenen Arbeiten zu bringen, sondern uns vorderhand auf eine einfache Angabe ihres Inhaltes beschränken müssen; denn auch hier finden wir momentan kein anderes Thema behandelt, als jenes des gegenwärtigen Krieges. Endlich ist ein ziemlich beträchtlicher Theil der militärischen Zeilschriften des Auslandes uns gar nicht zugänglich, theils wegen Verkehrsstörung, theils wegen unregelmässigen, oder, wie dies bei den französischen Organen der

Lltcratnr-BUtt der Stterr. miliar. Zeitschrift. 1871. 1

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