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wns namentlich mit Dugny der Fall ist, welches nur etwas über 5000 Schrill von den Forts bei St, Denis entfernt liegt.

Schon am Nachmittage und Abende des 20. December wurde dem General-Commando des Garde-Corps in Gonesse gemeldet, dass starke feindliche Truppenmassen aus St. Denis ausgerückt und von dort über Courneuve nach Aubervilliers marschirl wären, auch drei Brigaden und mehrere Batterien von Bobigny her den linken Flügel der preussischen Aufstellung bedrohten '). Demzufolge ergieng an die auf dem linken Flügel stehende 2. GardeInfanterie-Division (GL. v. Dudrilzki) die Weisung, sich allarmbereit zuhalten, und an die rechts davon stehende 1. Garde-Infanterie-Division (General v. Pape) der Befehl, alle verfügbaren Truppen am 21. Früh 7 bis 8 Uhr östlich von Gonesse auf dem Wege nach Aulnay bis Le Blanc Mesnil aufzustellen, um von da aus einen der bedrohten Punkte unterstützen zu können.

Nach einer ruhig verlaufenen Nacht stand das Garde-Corps am frühen Morgen des 21. December in den zugewiesenen Aufstellungen, aul dem rechten Flügel die disponibel gestellten Truppen der 1. Garde-Infanterie-Division, sechs Bataillone, drei schwere Batterien, unter dem Befehl des Obersten v. Neumann an der Strasse Gonesse-Aulnay; da Dugny bedroht wurde, rückte jedoch schon um 8'/, Uhr Oberst v. Neumann mit zwei Bataillonen und einer Batterie dahin ab, während der Rest des Delachements in eine ReserveStellung bei Pont Iblon an der Strasse nach Le Bourget beordert wurde.

Die Absichten des Feindes Hessen sich noch nicht erkennen, da derselbe sowohl vor Stains, als vor Dugny und Le Bourget starke Colonnen zeigte, während die ganze Linie der Forts, sowie zahlreiche verdeckt aufgestellt Feld-Batterien ein sehr heftiges Feuer eröffneten. Da der commandirende General des Garde-Corps aber vermuthete, das der Hauptangriff gegen Le Bourget gerichtet sein würde, begab sich derselbe nach Pont Iblon, woselbst um 10 Uhr auch der Commandirende der Maas-Armee, Kronprinz von Sachsen, von Le Vert Galant eintraf, um dem Gefecht, im Mittelpunkt der Kampflinie, bis zur Entscheidung beizuwohnen.

Le Bourget, von einem Bataillon des 3. Garde-Grenadier-Regimenis und einer Compagnie Garde-Schützen besetzt, war schon Morgens 7 Uhr angegriffen worden. Feindliche Colonnen hatten sich von Courneuve in der Richtung auf Dugny vorbewegt, daher in der Erwartung eines Angriffs von Süden und Westen her zwei Compagnien Garde-Grenadiere und die GardeSchülzen-Compagnie die Südlisiere, eine Compagnie Garde-Grenadiere die Westseite und den dort gelegenen Kirchhof besetzt hatten. Plötzlich änderte aber der Feind seine Marschrichtung und warf sich auf den nordwestlichen Theil von Le Bourget und den Nordeingang. Unterstützt von dem Feuer seiner Batterien und aus dem Fort de l'Est, besiegte seine grosse Überlegenheit den tapferen Widerstand der hier stehenden einen Compagnie, der eine andere zur Hilfe geeilt war; es wurde der Nordeingang und der Kirchhol genommen, und hierbei 125 Grenadiere, nachdem sie ihre sämmtlichen Führer verloren, gefangen genommen. Dagegen schlugen die drei Compagnien an der Südlisiere alle mit grosser Überlegenheit gleichzeitig gegen sie ausgeführten Angriffe energisch zurück '). Durch die Besetzung des nördlichen Theils von Le Bourget war es nicht möglich, schnelle Meldung des Vorgefallenen an den bei Pont Iblon haltenden commandirenden General gelangen zu lassen. Derselbe erkannte aber die bedrohte Lage der Besatzung in Le Bourget und liess um-8 Uhr zwei Batterien der Corps-Artillerie in die Position von Pont Iblon, sowie bald darauf eine Compagnie Alexander und das 1. Bataillon des Regiments Kaiser Franz nach Le Bourget vorrücken.

') Nach dem sächsischen Bericht hatten sich am 20. Nachmittags hei Noisj le See zwei Divisionen und eilf Batterien concentrirt, die in der Nacht mittels Her Eisenbahn auf ein volles Armee-Corps verstärkt wurden.

Im Laufe des Vormittags wurden ausserdem noch drei Compagnien des 3. Garde-Grenadier-Regiments und zwei Compagnien Garde-Schützen nachgesandt, und diesen Abiheilungen gelang es, in einem mit grosser Hartnäckigkeit ?erührten Häuserkampf den Feind aus den besetzten nördlichen Gehöften wieder hinauszuwerfen, sowie die Hallte der dort gemachten, noch nicht forltrausportirten Gefangenen zu befreien. So vertrieben drei Garde-Bataillone eine bereits in Le Bourget eingenistete feindliche ganze Brigade, ein neuer Beweis der Überlegenheit des deutschen Soldaten über den französischen, der sich zwar gut schlug, nicht aber mit der Todesverachtung kämpfte, als dies im ersten Gefechte in Le Bourget am 30. Oclober der Fall gewesen war. 2000 in Le Bourget in einzelnen Abiheilungen nördlich und südlich vertheille Preussen besiegten eine compacte Masse von 6000 Franzosen, obschon gleichzeitig die an der Südlisiere stehenden Truppen unausgesetzt heftige und starke Anfälle abzuwehren hatten, da von Drancy und Courneuve her immer aufs Neue feindliche Truppen vorrückten. Der Kirchhof, besonders von den Franzosen stark besetzt und hartnäckig festgehalten, wurde als letzter Punkt, den die Franzosen noch inne halten, gegen 3 Uhr erstürmt; der Feind floh in gänzlicher Auflösung auf der Pariser Strasse und nach Courneuve und liess 3 Olficiere, 356 Mann unverwundete Gelangene in preussischen Händen.

Auf dem rechten preussischen Flügel, bei Slains, hatte gleichzeitig ein sehr heftiger Kampf stattgefunden. Die Besatzung, das 2. Bataillon des 1. Garde-Regiments und eine Füsilier-Compagnie des .1 Garde-Regiments, wurde nicht nur von den 2000 Schrill enlfernten Forts von St. Denis auf das Heftigste beschossen, sondern musste auch um8*/4Uhr und um 10% Uhr die Angriffe zahlreicher feindlicher Infanteriemassen zurückschlagen. Es gelang dem Feinde trotz seiner grossen Überlegenheit nicht, auch nur ein einziges Haus von Slains zu nehmen, und erlitt derselbe bedeutende Verluste. Beim letzten versuchten Angriff liess die das Schloss besetzt haltende Compagnie den Feind bis auf 200 Schritt herankommen, eröffnete dann erst ein vernichtendes Schnellfeuer, dessen Wirkungen mit einem kräftigen Hurrah preussischerseits begrüsst wurde. Der Feind machte sofort Kehrt und floh in Unordnung zurück. Zur eventuellen Unterstützung der Besatzung von Stains stand das Füsilier-Bataillon des 1. Garde-Regimenls, sowie die in Drancy stehende Abtheilung bereit, brauchten aber nicht herangezogen zu werden, da die fünf Garde-Compagnien in Slains allein im Stande waren, alle Angriffe abzusehlagen.

') Nach einem französischen Bericht des Admirals de la Ronciere, der den Angriff auf Le Bourget leitete, war es das Marine-Bataillon und das 138. LinienEfiment, welches den nördlichen Eingang nahm, während General Laroigne den südlichen Theil vergeblich angriff. Der Bericht gesteht die Nothwendiglceit des Rüc-kxosres zu, behauptet aber, derselbe wäre in aller Ruhe vollführt und 100 preuasische Gefangene von Le Bourget fortgeführt worden.

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Mont Avron - - - -

Fort K-ray - - - - - - - - - - O Pre4sor

Rosny
Q Mason manche

Ville Evrart O

Gourmay

2x Fort Nogent O Noisy le Grand

"/. "/. 1 Meile

Ausser den Kämpfen in Le Bourget und bei Stains fand aber noch auf der ganzen Linie am 21. ein sehr bedeutendes Artillerie-Gefecht Statt. Die feindlichen Forts setzten von 7% Uhr Morgens während des ganzen Tages ein überaus heftiges Feuer ununterbrochen fort, wobei die schwersten Geschosse bis auf 8000 Schritt weit geschleudert wurden. Die übergrosse Entfernung erschwerte jedoch das richtige Zielen, und verursachte das colossale Feuer daher nur unbedeutenden Schaden. Unter dem Schutz der Festungsgeschütze entwickelte sich aber auch eine zahlreiche Feld-Artillerie; zwei Batterien nahmen vor Courneuve, zehn Batterien Feldgeschütze und drei Milrailleusen-Batterien nördlich und nordöstlich von Drancy, bei Groslay Ferme, Stellung und beschossen das ganze vorliegende Terrain bis Dugny, Pont Iblon, Le Blanc Mesnil, Aulnay, Sévran. Die Batterien der 2. Garde-Division, sowie vier Batterien der Corps-Artillerie erwiderten dies Feuer zunächst aus den Positionen zwischen Le Blanc Mesnil und Aulnay, sowie nördlich von Pont Iblon; um 12 Uhr rückten zwei dieser Batterien über die Brücke von Iblon vor und nahmen 700 Schritt von der Nordostecke von Le Bourget Stellung, mit Front gegen Südosten und 2000 Schritt vor den feindlichen Batterien des rechten Flügels. Anfangs hatten diese Batterien bei dem numerisch überlegenen feindlichen Artilleriefeuer viel zu leiden, hielten aber standhaft aus, bis sie durch zwei reitende Batterien der Corps-Artillerie verstärkt wurden, und nun erwies sich das preussische Artilleriefeuer dem französischen so überlegen, dass nach zweistündigem lebhaften Geschützkampfe die beiden feindlichen rechten Flügel-Batterien zum Schweigen gebracht waren, während auch das Feuer der anderen Batterien allmälig erlahmte. Den letzten erforderlichen Druck gaben zwei ausserdem noch vorgezogene preussische Batterien (eine leichte und eine schwere der 2. GardeDivision). Allmälig verstummte das Feuer der französischen Batterien, die Infanterie zog sich zurück, und der Ausfall war auf allen Punkten zurückgeschlagen. Bei Sonnenuntergang bezogen die preussischen Truppen sämmtlich ihre allen Stellungen. Wenn der französische Bericht behauptet, der General Trochu brachte mit den Truppen die Nacht auf dem Schlachltelde zu, so ist dies eine sehr zweifelhafte Phrase, da das eigentliche Schlachtfeld von den Franzosen geräumt wurde, und sie ihre alten Vorpostenstellungen unter dem nächsten Schussbereich der Forts wieder bezogen.

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Die preussischen Verluste beliefen sich auf 14 Officiere und 400 Mann, darunter 1 Officier. 33 Mann Todte; die der Franzosen waren bedeutender. Zwei Cotnpngnien Marine-Füsiliere, die zu den besten Truppen der Franzosen gehören, welche in Le Bourget eingedrungen waren, wurden dort umringt und sämmtlich gefangen genommen oder getödtet.

Im Ganzen mochten die gegen die Garde entwickelten französischen Infanleriemassen 40.000 Mann betragen haben; es kamen aber nur die regulären Truppen bei Le Bourget und Stains zum wirklichen Gefecht, und hielten sich die übrigen Colonnen der mobilen Nationalgarde in so weiter Entfernung, dass die Garden ihre Reserven nicht in's Feuer zu ziehen brauchten und den Ausfall in ihren Vorposlenstellungen zurückzuschlagen vermochten.

II. Ausfall gegen das Xu. (k. sächsische) Armee-Corps.

Das XII. Armee-Corps, sich an den linken Flügel des Garde-Corps hei Sevran anschliessend, besetzte das Terrain bis zur Marne. Vormittags wurde nur eine sächsische Feldwache auf dem äussersten rechten Flügel an der Metzer Strasse von einem französischen Bataillon angegriffen, welcher Angriff jedoch abgewiesen wurde. Im Übrigen wurde der sächsische rechte Flügel nur durch Arlilleriefeuer beunruhigt, namentlich vom Mont Avron her, woselbst am Morgen neue Batterien demaskirt worden waren. Gegen den linken Flügel giengen Mittags eine französische Division von Neuilly vor und drängte die Feldwachen in Maison-Blanche und Ville-Evrart vor die Stellung der 24. Division zurück. Die ostwärts von diesen Orten beginnende Überschwemmung der Marne verhinderte an sich das weitere feindliche Vordringen gegen die starke Stellung der 24. Division bei Chelles, zumal württembergische Batterien vom linken Marne-Ufer bei Noisy le Grand das ganze Terrain in Flankenfeuer nahmen.

Zur eventuellen Unterstützung des Garde-Corps waren am Morgen die drei Bataillone des Grenadier-Regiments Nr. 101 und neun Batterien bei Livry aufgestellt worden; als diese nicht zur Verwendung gekommenen Truppen Nachmittags 5 Uhr bei der Division wieder eintrafen, beschloss der Divisions-Commandeur, GL. v. Nehrhoff, die Wiedereinnahme der Vorposlenstellungen bei Maison-Blanche und Ville-Evrart.

In Folge dessen rückte der Oberst v. Lindemann, Commandeur des Infanterie-Regiments Nr. 107, mit dem 2. und 3. Bataillon seines Regiments und dem Jäger-Bataillon Nr. 13 vor, gefolgt von den dritten Bataillonen der

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