Abbildungen der Seite
PDF
EPUB

wünschte, nämlich die Rehabilitirung des Kaufvertrages vom Jahre 1739 und die Gleichstellung Hollands mit England in dem Verkehre mit den spanischen Colonien. 1

Der Auftrag an Sandwich lautete schliesslich dahin, mit St. Severin ein Uebereinkommen in den wichtigsten Punkten zu treffen, hievon sodann den Bundesgenossen Mittheilung zu machen, ihre Mitwirkung zu verlangen, im Weigerungsfalle aber selbstständig vorzugehen und die Praeliminarien zu unterzeichnen. Sandwich war dadurch in eine schwierige Lage gebracht. Einerseits sah er in der Annahme der Praeliminarien die einzige Möglichkeit endlich einen Abschluss herbeizuführen, andererseits wurde es ihm unmöglich gemacht die Alliirten von dem Stande der Dinge in Kenntniss zu setzen. St. Severin lehnte es entschieden ab mit einem anderen als mit Sandwich zu verhandeln. Bentinck, der mehrmalige Versuche machte in dieser Beziehung auf St. Severin einzuwirken, wurde von ihm ganz einfach mit den Worten abgewiesen, dass Frankreich sich nicht im Kriege mit Holland befände. Auch der König von Sardinien sei in demselben Falle wie die Republik, es handle sich blos darum die Angelegenheiten unter jenen Mächten zu ordnen, die mit einander im Kriegsstande wären. St. Severin vermied es. mit Bentinck oder mit Chavannes irgendwie tiefer einzugehen.

Am 30. April war man endlich so weit gekommen, dass an die Unterzeichnung der Praeliminarien geschritten werden konnte.

Vor

Was Kaunitz anbelangt, verstand es St. Severin trefflich ihn hinzuziehen. Noch am 25. April sprach Kaunitz

1 Bentincks Aufzeichnungen liefern in dieser Beziehung die sichersten Anhaltspunkte, um den Gang der Verhandlungen im Einzelnen zu verfolgen. Das Urtheil, welches Arneth im dritten Bande seines Werkes über Bentinck fällt, ist nicht richtig, er stützt sich zumeist auf die Berichte des Grafen Kaunitz, der natürlich von der Haltung des holländischen Vertreters keine genaue Kenntniss besass. Kaunitz beklagte sich nicht blos in seiner Depesche an die Minister in Wien über Bentinck, auch in seinen Briefen an Reischach, den Vertreter Oesterreichs im Haag machte er seinem Unmuthe Luft. Am meisten dürfte unsern Hof schmerzen, dass Graf Bentinck, ohngeachtet meiner nachdrücklichsten Vorstellungen sich bei einem so odiosen Geschäft so stark gegen Uns an den Laden gelegt, und sich völlig von des Mylord Sandwich übereilten Maassnehmungen, ohne den geringsten Mittelweg einzuschlagen führen und leiten lassen. Kaunitz an Reischach v. 1. Mai 1748. (W. A.)

seine volle Ueberzeugung aus, dass Frankreich die Kaiserin bevorzuge, nur wünsche es die Abmachungen zu Stande zu bringen, ehe es zur Eröffnung des Congresses käme. Die Schwierigkeiten, welche St. Severin in der Frage über die erste Visite an Genua und Modena machte, deutete Kaunitz dahin, dass dies zu Gunsten Oesterreichs geschehe, es sei dies nur ein Vorwand, um ihm selbst die nöthige Zeit zur Einholung weiterer Verhaltungsbefehle zu lassen. Der österreichische Bevollmächtigte schöpfte auch dann noch nicht Verdacht, als er am selben Tage von Sandwich erfuhr, St. Severin hätte beantragt, an die Eröffnung der Conferenzen zu schreiten. Um seine Meinung befragt, stimmte Kaunitz bei und begab sich zu St. Severin gemeinschaftlich mit den anderen Bevollmächtigten, die Eröffnung der Verhandlungen zu befürworten. Er fand sich zu diesem Schritte lediglich bestimmt, um keinen Verdacht zu erregen. Am 28. bestärkte ihn ein Gespräch mit St. Severin in seinen Aussichten, in kurzer Zeit definitiv abzuschliessen. Noch am 30. erklärte ihm St. Severin, dass er Verhaltungsbefehle über sein mit Kaunitz am 18. gepflogenes Gespräch erwarte. Einige Stunden darauf erhielt das bisher fast unerschütterliche Vertrauen des österreichischen Bevollmächtigten einen Stoss. Ich bin', schreibt er am selben

Kaunitz an den Kaiser am 25. April 1748. Je pense que la France désire de s'accommoder par préférence avec Sa Maj. l'Impératrice, j'y vois même de l'empressement. Mr. de St. Severin a essayé, s'il pourrait me faire expliquer plus favorablement, en m'intimidant par la considération, que la conclusion de notre négociation deviendroit impossible, si jamais on étoit obligé d'ouvrir les conférences, sans que nous fussions d'accord auparavant.

Par ma fermeté je suis parvenu à faire respecter ma Cour, et par ma modération à augmenter le désir, de se reconcilier parfaitement avec nous. Votre Majesté pourra en juger en partie, par la difficulté que Mr. de St. Severin a mis sur le tapis par rapport à la première visite des Ministres de Gênes et de Modène, qui ne paroît qu'un prétexte, imaginé pour différer l'ouverture des conférences et laisser par là à Nos Cours le temps de nous faire parvenir nos derniers Ordres.

2 P. S. zu dem angeführten Briefe an den Kaiser. Kaunitz an die Kaiserin vom 20. April 1748; wobei mein Betragen dergestalt auszumessen mich beflissen, dass eines Theils bei den alliirten Ministern keinen Verdacht veranlasse, andern Theils aber die sich ergebende Gelegenheit, mehr Zeit zu gewinnen, so viel als thunlich offen erhalten und hierin dem französischen Minister nicht hinderlich fallen möchte.

Tage eines andern überzeugt worden, denn da ich diesen Mittag die sämmtlichen Minister beim Essen gehabt, so beobachtete ich, dass zwischen dem englischen und französischen Gesandten etwas Besonderes abgehandelt wurde, zu dessen Erläuterung ich ein Mehreres von dem Comte St. Severin zu erforschen suchte." Kurz darauf erschien Sandwich bei Kaunitz, zeigte ihn die vereinbarten Punkte und forderte ihn zur Mitzeichnung auf. Kaunitz verweigerte seinen Beitritt und kündigte einen förmlichen Protest an. Auch Chavannes versagte seine Mitwirkung.

II.

Man kann nicht behaupten, dass Lord Sandwich über das zu Stande gebrachte Werk sonderlich erbaut gewesen sei.? Noch am Tage der Unterzeichnung schwankte er, ob er abschliessen oder abbrechen solle. St. Severin drohte, dass er, wenn man nicht zum Abschlusse gelange, sich an nichts mehr gebunden halten würde. Dies wirkte. Die Superiorität der französischen Diplomatie trug den Sieg davon. Hatte doch St. Severin die Schwäche der Gegner, deren Uneinigkeit kennen gelernt; Sandwich hatte den Grafen St. Severin sogar im Verdacht, dass er auf irgend eine Weise von dem Inhalte der ihm ertheilten Instructionen sich Kenntniss verschafft habe.

Die von einigen Schriftstellern gegen Lord Sandwich erhobene Anklage, dass er es gewesen, der mit besonderer Lebhaftigkeit dem Abschlusse zugedrängt habe, ist nicht richtig.3

1 In einem Briefe an den Kaiser in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai machte Kaunitz seinem Unmuthe Luft. Après mille et mille assurances de bonne foi, de candeur et du désir le plus sincère de se reconcilier parfaitement avec l'Auguste Maison d'Autriche la France vient de commettre le trait du monde le plus noir mais très digne d'elle. On est encore convenu avec moi avant-hier, que nous étions d'accord sur le fond de chose.

2 Vergl. den Brief von Sandwich vom 1. Mai 1748 bei Coxe Memoirs of Pelham I 497. I cannot flatter myself that these preliminaries are, in all respects, what could have been wished. They are formed and executed in a hurry, and are, of course, not to clear and explicit, in many places, as works of this delicate nature ought certainly to be. Eine ausführliche Rechtfertigung seines Verhaltens in einer noch ungedruckten Depesche vom 5. Mai 1748.

3 Dieser Ansicht scheint Arneth zu sein. Bei einer genauen Durchsicht der von Newcastle an Sandwich gesendeten Depeschen in den Monaten

Sandwich hielt sich genau an die ihm gegebenen Weisungen, nur in einem Punkte überschritt er dieselben, indem er seine Zustimmung ertheilte auch Guastalla an Don Philipp abzutreten. Dass Sandwich nicht anders handeln konnte, gibt auch Bentinck zu, der vom Haag aus wiederholt auf die Nothwendigkeit mit Oesterreich gemeinschaftlich vorzugehen, aufmerksam gemacht wurde. Allein auch Bentinck, der bis zum 26. April nur im Einverständniss mit Oesterreich den Frieden abgeschlossen wissen wollte, hatte sich in den letzten Tagen von der Nothwendigkeit eines selbstständigen Vorgehens überzeugt und suchte diese nun gewonnene Ansicht den holländischen Staatsmännern im Haag begreiflich zu machen. Die Ansicht, dass Bentinck den englischen Interessen ganz ergeben gewesen sei und sich von Sandwich habe ins Schlepptau nehmen lassen, ist durchaus unbegründet. Im Gegentheil, er verfocht auf das entschiedenste ein inniges Zusammenwirken mit Kaunitz. Allein er glaubte schliesslich an der Ueberzeugung festhalten zu sollen, dass es dem Bevollmächtigten Oesterreichs eigentlich nicht ernstlich um einen Frieden zu thun sei, eine Ansicht, welche er durch den Hinweis auf die Haltung des Grafen Kaunitz den Ministern der Seemächte gegenüber zu rechtfertigen suchte.

Zu dieser Wandlung in den Anschauungen Bentinck's hatte auch der Umstand beigetragen, dass er aus den an Sandwich gelangten Weisungen entnahm, wie sehr England auf einen Abschluss drängte. Seitdem ich die letzten Ordres an Sandwich gesehen habe,' schreibt er am 28. April an Fagel,,bin ich in Verzweiflung darüber, zu sehen, wie sich die Dinge praecipitiren, allein ich sehe kein Heilmittel und glaube, es bleibe nichts anderes übrig als mit England Hand in Hand zu gehen.' Er wurde namentlich auch durch die Haltung Kaunitzens be

März und April ergibt sich, dass dieser nur die ihm ertheilten Aufträge auszuführen suchte. Copien von diesen zum Theil bisher nicht veröffentlichten Schriftstücken finden sich im Haager Archiv.

1 Le prince a dit, schreibt Iddekinge noch am 29. April, qu'il étoit trop dangereux de signer sans la Maison d'Autriche. Bentinck hatte allerdings ein besonderes Interesse endlich etwas zu Stande zu bringen, auch dachten nicht alle massgebenden Persönlichkeiten wie der Statthalter. Einige wünschten überhaupt einen Abschluss, ganz gleichgültig ob mit oder ohne Oesterreich. Iddekinge an Bentinck vom 29. April. (Haager Reichsarchiv.)

Archiv. Bd. XLVII. I. Hälfte.

3

stärkt, die Sache Hollands nicht von England zu trennen, da er sonst keine Aussicht hatte mit den staatischen Forderungen durchzudringen.'

Nur die französischen und englischen Minister zu London und Paris waren mit dem, wenn auch unvollkommenen Werke zufrieden, obzwar England und Frankreich, ohne irgend welche nennenswerthe Vortheile errungen zu haben, aus dem langjährigen Kriege hervorgingen. Puysieux nennt die Präliminarien eine grosse Arbeit.2 Die Ansicht, dass es besser gewesen wäre mit Oesterreich ein Abkommen zu treffen, hatte er ohnehin schon längst aufgegeben. Auch gab man sich in Frankreich der Hoffnung hin, dass es möglich sein dürfte, in dem definitiven Vertrage mancherlei Aenderungen anzubringen.

Die Präliminarien entsprachen in der That nicht einmal in formeller Beziehung den Anforderungen. Sie trugen das Gepräge der Hast und Ueberstürzung an der Stirne. Erst in den letzten Tagen hatte man sich endlich geeinigt und war mit solcher Raschheit an die Formulirung der einzelnen Punkte geschritten, dass man sich blos mit Allgemeinheiten begnügte und auf eine präcise Ausdrucksweise nicht sonderlich viel Mühe verwendete. Man war froh wenigstens etwas zu Stande gebracht zu haben.

Die vereinbarten Bestimmungen boten der Kritik viele wunde Stellen. Bartenstein liess es sich nicht entgehen, in einer vernichtenden Weise dieselben zu zergliedern und bloszulegen. In derartigen Dingen bewandert, wie selten einer der damaligen Diplomaten, fand er augenblicklich heraus, dass noch nicht Alles verloren sei und es vielleicht möglich sein dürfte bei Festsetzung des Definitivtractats Manches zu retten.3 Wichtige Fragen waren durch die Präliminarartikel unentschieden gelassen, und den Verhandlungen bei der Festsetzung eines definitiven Tractats ein weiter Spielraum geöffnet. Manche Irr

1 Ueber die Tactik des Grafen Kaunitz, Bentinck an Fagel vom 28. April: Je vois que la Cour de Vienne reste dans les protestationes générales d'esprit pacifique, sans entrer en détail sur aucun point, et qu'au bout du compte nous ne pouvons pas l'aider à soutenir des prétensions quelque justes ou fondées qu'elles soient.

2 Vergl. auch die bei Arneth Maria Theresia Band III angeführten Stellen von Puysieux.

3 Kais. Res. an Kaunitz vom 14. Mai 1743. (Wien. Arch.)

« ZurückWeiter »