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diesem und seinem Namen Heredi eingeschalteten, erklärenden: ,id est hervor, wodurch jede Ambiguität der angewendeten Possessiva gehoben wird. Tarchnat hatte die St. Benedictskirche auf seinem väterlichen Erbe und den dazu gekauften Liegenschaften als Dotation derselben erbaut. Hieran schliesst sich erläuternd und bestätigend eine frühere Freisinger Urkunde vom Jahre 766.1 Ein Freier Hrodheri von der Schwindau hatte sein dortiges bedeutendes Besitzthum sammt seinem einzigen Sohne Heripald, der bereits Cleriker war, zur Freisinger Kirche gewidmet. Als erster Laienzeuge unterschreibt der uns schon bekannte Heimperht, wohl als zunächst betheiligter und, wie es scheint, als Blutsverwandter Hrodheris, dessen Vater Sicco ein Bruder des Vaters der drei Brüder Tarchnat, Arno und Heimperht gewesen sein dürfte. Hält man diese Urkunde mit der oben allegirten Bestätigungsurkunde Haholts von Pietelbach vom Jahre 758 zusammen, so spiegelt sich darin das, wenn auch schon entferntere, Verwandtschafts-Verhältniss der Besitzer von Pietelbach und in der Schwindau, denn in jener von 766 kommen wieder die Zeugen Heilrat, Ejo, Wurmheri und Heimperht vor, welche als Verwandte Haholts dessen Bestätigungsurkunde unterzeichnet hatten. Aus den spätern Freisinger Urkunden ersieht man, dass sich der Name Heimperht auf seine Nachkommen in der Schwindau vererbt habe, denn in nachmaligen Verhandlungen über Güter in der Schwindau kommt der Zeugendame Heimperht noch in den Jahren 813, 819, 824 und 831 vor, und der im Jahre 831 Genannte wird, wenn nicht ein Enkel, wenigstens ein Sohn jenes Heimperht gewesen sein, der Arno's Bruder war.

Man wird mir vielleicht sagen, dass damit allerdings die Begüterung der Familie unseres Arno in der Schwindau erwiesen sei, keineswegs aber, dass er, wie oben angekündet, zu Arnsdorf geboren war. Obwohl ich mich damit begnügen könnte, das im VIII. Jahrhundert ohngefähr zwei Quadratmeilen haltende Territorium Schwindau als Heimatsgegend Arno's dargethan zu haben, gedenke ich jetzt zum Schlusse dennoch auch den Beweis zu erbringen, dass die in der Schwindau liegende Ortschaft Arnsdorf, dessen präcise Heimat war. Dieser Beweis wird vollständig geliefert sein, wenn es gelingt, Arns

1 Ibid. p. 33. f.

dorf als Wohnort des Vaters der drei Brüder Tarchnat, Arno und Heimperht, oder mit andern Worten, als Erbbesitz derselben darzuthun. Bezüglich Tarchnats und Heimperhts lässt sich dies nicht bestreiten, und somit versteht es sich bezüglich des dritten Bruders Arno von selbst. Wie wir oben gesehen haben, erbaute der Kathedralpriester Tarchnat eine St. Benedictskirche auf seinem väterlichen Erbe. Aus genauer Einsicht der ältesten Freisinger Matrikeln, die der sel. Dompropst M. von Deutinger vor 20 Jahren herausgegeben, habe ich mich überzeugt, dass weder in der Schwindau noch in einem Umkreise derselben von mehreren Meilen irgend eine St. Benedictskirche im späteren Mittelalter mehr bestand, und darum für Folgerungen aus dem Standpunkte der St. Benedictskirche Tarchnats der Boden zu mangeln scheine. Dem ist jedoch nicht so; denn obwohl die Kirche Tarchnats wahrscheinlich schon während der Magyaren-Einfälle zerstört und dann nicht wieder aufgebaut wurde, lässt sich dennoch ihr einstmaliger Standpunkt auf topographischem Wege mit ziemlicher Sicherheit ermitteln. Wie verlockend es auch sein möchte, ist an die eine Viertelstunde von Arnsdorf entlegene, seit unvordenklicher Zeit kirchenlose Ortschaft Stollenkirchen hiebei nicht zu denken, weil jeder geschichtliche oder auch etymologische Anhalt mangelt, die einst dort gestandene Kirche für die St. Benedictskirche Tarchnats zu halten. Aber hart neben Arnsdorf liegt ein Weiler von 3 Häusern, welcher Bennoberg heisst. Allbekannt ist Benno die Koseform des Namens Benedict. Man vergleiche Beispiels halber die heutigen Ortsnamen Bennetsheim in der Pfarrei Palling und Bennoberg in der Pfarrei Engelsberg mit ihren urkundlichen Namen in den Mon. Boicis, 1 nämlich Benedictesheim und Benedictesberg auch Mons S. Benedicti. Ganz gleichnamig mit Bennoberg bei Engelsberg ist nun jenes Bennoberg hart bei Arnsdorf, es ist wie ersteres ein Mons S. Benedicti, und somit wird der einstmalige Standpunkt der St. Benedictskir ehe Tarchnats mit aller Sicherheit ermittelt sein.

Da Tarchnat und Arno dem geistlichen Stande angehörten, so können die spätern Besitzer ihrer Heimat in der Schwindau nur Nachkommen ihres dritten Bruders Heimperht

1 Z. B. III. p. 17. 48. 52. 55. 88.

sein. Heimperht hatte neben dem ihm gleichnamigen Sohn auch noch wenigstens einen zweiten, welchem er den Namen Arno gab; sei es nun, dass unser erster Erzbischof Arno dessen Taufpathe war, oder sei es, dass der Heimperht diesen in der Familie ohnehin herkömmlichen Namen seinem bereits in hoher Achtung stehenden Bruder zu Ehren wählte. Dass Heimperht einen Sohn Namens Arno gehabt habe, lässt sich direct kaum beweisen, indirect aber sehr leicht und vollkommen genügend. Bischof Anno von Freising (855—875) macht nämlich mit einem Edelmann Namens Arnungo einen Gründetausch an der Schwindach. 1 Wie den Germanisten wohl bekannt ist, ist Arnungo ein und dasselbe mit Arningo, und der Vater dieses Arnungo muss also Arno geheissen haben, weil man ihn den Arning, d. h. den Nachkommen des Arno hiess, wie die Nachlazımmen Kapets, Karls, Lothars die Kapetinge, Karolinge, Lotharinge heissen. Den Namen der Ortschaft Arnsdorf möchte ich aber nicht unmittelbar von jenem unseres ersten Erzbischofes Arno ableiten, weil in den ihm gleichzeitigen Urkunden die nominelle Ausscheidung Arnsdorf aus dem Gesammtnamen Schwindau nie vorkommt, sondern erst mittelbar von Arno, dem Neffen des Erzbischofes oder von dessen Grossneffen Arning, und im letzteren Falle wäre der Name Arnsdorf ein dialektisch abgelautetes Arningesdorf. - Wie dem auch sein möge, glaube ich es jedenfalls zu höchster Wahrscheinlichkeit erhoben zu haben, dass die kleine, freundliche Hofmark Arnsdorf bei Dorfen der Salzburger Kirche den ersten Erzbischof, dem letzten Agilulfinger einen treuesten Anhänger, dem grossen Kaiser einen seiner tüchtigsten geistlichen Paladine, und der Welt einen der würdigsten Männer gegeben habe.

1 Meichelbeck, Hist. Frising. II. Nr. 816.

MÜNZGESCHICHTLICHE VORSTUDIEN.

VON

DR. ARNOLD LUSCHIN.

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