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die gegengab, der Cron Franckreich realiter zu gutem komme. Woraus also die folge von selbsten fliesset, dass Wir vor allem von der aufrichtigen französischen meynung quoad quaestionem an? gesichert seyn müssen, bevor Wir uns über dem quomodo näher öffnen können. Und ist nicht minder von Dir alles anzuwenden, umb vorläuftig näher vom Graffen St. Severin suchen auszunehmen, auf welcher seiten das aequivalent der Cron Franckreich am anständigsten seyn dörffte, wohl verstanden je und allezeit, dass, wie obgemeldet, sothanes aequivalent, es bestehe gleich, worinnen es immer wolle, vor der realen würckung dessen, was Uns dargegen versprochen wird, nicht statt zu haben hätte. So kan es ohnmöglich bedenken tragen, den von Uns vorgeschlagenen geheimen Articul wegen Preussen nebst der Lateinischen Ebauche zugleich einzugehen, wiewohlen Wir von wegen dieses Articuls die unterschrifft sothaner Ebauche keinen augenblick auffhalten wollen. Wornach sich also von Dir zu achten ist. Und Wir verbleiben Dir etc. etc. Geben in Unserer Statt Wienn den 9. Septbr. im 1748 sten unserer Reiche im Achten Jahre.

Extract aus der Relation des Grafen Kaunitz an die Kaiserin, aus Aachen vom 23. September 1748.

Ich habe also die Gelegenheit nicht aus Handen gelassen, mich mit dem Grafen St. Severin allein zu unterreden, und Ihme gleichsam als eine Folge der vorbemelten Öffnungen vordersamst die Versicherung zu geben, dass, wie ich gäntzlich darvor hielte, Meines und des frantzösischen Hofs Absichten nunmehro gar wohl und leicht vereinbahret, und erreichet werden könnten, indeme man diesseits ebenfalls den Frieden vorzüglich zu beförderen, aufrichtig gemeinet, und anbey erböthig seye, sich in solche Einverständnuss mit Franckreich einzulassen, welche zugleich auf beyder Höfe wesentlichen Vortheil begründet wären.

Wornächst Ich dem Grafen St. Severin freymüthig eröffnete, dass ich ihm etwas ohne längeren Rückhalt zu hinterbringen, und mir sein offenhertziges darfürhalten auszubitten hätte. Ich brachte also nach seiner wahren Beschaffenheit,

mithin nach dem Inhalt meines Allerunterthänigsten Berichts vom 30. Juny des mehrern in Vortrag, wie sich Kauderbach damahlen gegen mich geäusseret, und ein Friedens-Project mir vorgeschlagen habe, welches zwar von ihme herkomme und ideirt seye, jedoch könne er zum voraus für die Begnehmung des Frantzösischen Hofs gut stehen. Vermög dieses Projects hätte Euer Kays. Königl. Maytt. freye Hände in Italien bleiben, das Etablissement des D. Philippe blos auf kosten des Königs von Sardinien erfolgen, auch in den Niederlanden Allerhöchst Denenselben Mastricht: Hingegen der Cron Frankreich für seine übernehmende Gefahr und Mitanwendung nebst Ypern etc. das Holländische Flandern zu Theil werden sollen, wobey Kauderbach anfänglichen nichts von Schlesien, sondern nur so vieles hinzugefüget hätte, dass es auf Gewinnung des Russischen Hofs hauptsächlichen ankomme und fürzudencken; Nun seye zwar leicht begreiflicher massen, auf dieses rohe und unvollkommen vorgebrachte Project, die Antwort erfolget, dass, so sehr gleich Mein Hof mit dem frantzösischen sich näher zu verknüpfen wünsche, ich jedoch in solche vorschläge nicht eingehen, noch sie einstens ad Referendum annehmen könne, die über fremde Lande disponireten, und überhaupt in unproportionirter gestalt angebracht seyen; Nachdem aber Kauderbach sich nachhero weiters vernehmen lassen, dass vermög des erwehnten Project's Euer Kays. Königl. Maytt. Schlesien wieder zufallen und dem König in Preussen entrissen, auch zu dessen Beförderung die gantze frantzösische Macht und gute Freunde im Reich, angewendet werden solte; So falle von selbsten in die Augen, dass dieser Zusatz dem Project eine gantz andere und viel vortheilhaftere Gestalt gegeben, und wann Kauderbach mir solches gleich anfänglich auf diese Art vorgetragen hätte, ich es nicht so schlechthin angesehen, noch ad Referendum anzunehmen verweigert haben würde.

Dann, obschon Meines Hofs Gedenckens-Art mir dahin bekannt seye, dass Er zu keinen, auch Ihm vortheilhafften Vorschlägen, die Hände biethe, welche den Schaden eines Dritten, und etwas, so dem Allerhöchsten Ansehen zuwieder lauffe, zum Grunde hätten, So wäre doch nicht schwer gefallen, das oberwehnte Project nach des Kauderbach's letzterem Vortrag zu rectificiren, und durch Bewilligung eines, von Allerhöchst Deroselben eigenen Landen zu bestimmenden Aequivalents für das

Holländische Flandern, der Cron Franckreich anständig und vortheilhafft zu machen, welches Er Graf St. Severin zwar annoch als meinen privat Gedanken ansehen, jedoch zugleich versichert seyn möchte, dass ich das weiters offenhertzig an Hand geben würde, wann Er mir nunmehro in gleichem Vertrauen eröffnete, was Er von Besagtem Project vor ein Urtheil fälle, und Ob Er solches, nach Beschaffenheit der jetzigen Umständen vor thunlich und practicable hielte.

Nachdem nun Graf St. Severin die zu wiederholten mahlen angebrachte Versicherungen, dass Mein Hof in den Seinigen ein grösseres Vertrauen setze, als Er vielleicht vermuthen dörffte freundschafftlich aufgenommen, so liesse Er sich weiters vernehmen; Er wolte gegen mich mit gleicher Vertraulichkeit zu Werke gehen, und mir dahero nicht verhalten, dass Kauderbach vor und nach dem Schluss der Praeliminarien verschiedentlich sich bey Ihme eingefunden, und in Conformitaet Seines Hofs bekannter Gesinnung und Absicht, sich eines unangenehmen Nachbarn zu entladen, so gut er gekonnt, und mit vieler Angelegenheit vorstellig gemacht hätte, wie Frankreich dermahlen die erwünschte Mittel in Handen habe, sich Euer Kais. Königl. May. vollständiges Vertrauen zu erwerben, und das beyderseitige Staats Systema in die Vortheilhafteste und gesicherste Massnehmungen Vorschläge auf die Bahne gebracht, auch seine Dienste und weitere Bemühung anerbotten; Dieses habe also Ihn Grafen St. Severin veranlasset, 'dem Kauderbach einzusehen zu machen, dass zwar Sein Hof, nachdem Er einmahl zur Schliessung der Praeliminarien geschritten, nicht zum Ersten davon abgehen, noch etwas so gegen seine Ehre und ansehen lauffe, unternehmen würde; Sollten jedoch die See-Mächte ihrer Verbindlichkeit kein vollständiges Genügen leisten, und in etwas davon abweichen, so hätte auch Frankreich wieder freye Hände, und die füglichste Gelegenheit, das gantze Werck umzugiessen, und mit Euer Kays. Königl. Mayt. solche Massnehmungen zu verabreden, welche dem beyderseitigen Interesse und Vortheil gemäss wären.

Unter dieser Bedingnuss und im Verfolg der Unterredungen, seye Er Graf St. Severin von Zeit zu Zeit mit dem Kauderbach weiters eingegangen, und wäre Beyderseits bald diess, bald jenes in Vorschlag gekommen, was in dem obbemerkten

fall geschehen, und zum Beiderseitigen Vortheil ausbedungen werden könnte.

Diese Stuckweise und conditionaté auf als privat gedanken erfolgte öffnungen, müsse Kauderbach aufgefangen, zusammen getragen, und hieraus das rohe Project formirt haben, welches Er mir hinterbracht hätte. Dass sich auch solches also in der That, und nicht anderst befinde, ergebe sich bey bloser Einsicht der Land Charte, massen ja das Holländische Flandern, mit dem übrigen, so Franckreich nach dem Kauderbachischen Antrag zu Theil werden solte, nicht zusammen hänge, mithin von keinem sonderlichen Nutzen gewest wäre; fast gleiche Beschaffenheit habe es mit Mastrich und stünde also nicht einst zu vermuthen, dass ein so ungestaltes Project, von ihme Grafen St. Severin herkomme.

Ob nun zwar dieses vorgeben, mich von deren vollständigen Wahrheiten um so weniger überzeuget, da keineswegs natürlich zu seyn scheint, dass Kaudersbach ohne speciale anleitung und verlangen des französchen Ministri, alles aus seinem finger gesogen haben, und so gar unvernünfftig und keck gewest seyn solte, nicht nur die seinen Hof einberichtete bedingnusse wegen Preussen, wie in der That geschehen, mir zu verschweigen, sondern auch so viele andere in seinen Relationen und mündlichem Vortrag angegebene merckwürdige Umstände zu erdichten, und in einem Zusammenhang vorzustellen, So habe doch die Schwäche des Grafen St. Severin's nunmehrigen Vorgebens aufzudecken, und ihme hierunter vieles zu wiedersprechen, Billiges und um so grösseres Bedencken getragen, da die sehr wahrscheinliche Vermuthung obwaltet, dass Er in seinen Aesserungen gegen den Kauderbach weiter als des frantzöschen Ministerii Absichten gegangen, und desfalls keinen Beyfall gefunden, wohl aber bey des du Theil anherokunft gantz andere Anweisungen erhalten habe; Wie dann auch solches insbesondere dadurch bestättiget wird, dass keine Antwort auf den von Tercier, mittelst Abfertigung eines Eigenen erstatteten Bericht, zum Vorschein gekommen; Graf St. Severin seither des du Theil anherokunfft, eine innerliche Unzufriedenheit deutlich zu erkennen gegeben, seine Sprache, dass der Friede nicht so nahe seye, gähling abgeändert, und meinen vorgesehenen näheren Öffnungen auszuweichen sich bemühet, auch allem Ansehen nach, die dermahligen Massnehmungen des

Archiv. Bd. XLVII. I. Hälfte.

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Frantzöschen Ministerii und der Generalitaet sehr unterschieden

seyn dörfften.

Gleich wohlen hat die obstehende Auskunfft des mehrernannten Grafen S. Severin mich nicht abgehalten, in eine nähere Öffnung, wegen seines Hofs führender Gesinnung freundschaftlich anzudringen, zumahlen du Theil sich bereits allerunterthänigsteinberichteter massen, in so weit geöffnet, dass Franckreich wenigstens für das Künfftige, auf dem so offt versicherten Vorhaben beharre, mit Euer Kays. Königl. May. in eine nähere Gemeinerspriessliche Einverständnuss einzutreten; Worauf dann der frantzösische Ministre die Versicherung erneuert, dass sein Hof allerdings die bemerckten Absichten führe, und darauf Staat zu machen seye: Allein dermahlen müsse aus verschiedenen Ursachen, die mir nicht anzeigen, und nur meiner Muthmassung überlassen könne, vordersamst der friede, durch den eingeschlagenen Englischen Canal, zu Stand gebracht werden, und demnächst werden die Mittel und wege nicht entstehen, sondern sich vielleicht inner Kurtzem ergeben, sich mit Euer Kays. Königl. Mayt. enger zu verknüpfen, und die Beyderseitige Anständigkeiten zu befördern; Es liessen sich ohnedem dergleichen geheime anliegenheiten, nicht anderst als de Cour à Cour, und keines wegs auf dem hiesigen FriedensTheatro, unter so vielen Augen abhandlen, und schiene es hauptsächlichen darauf anzukommen, dass von Seiten Euer Kay. König. Mayt. das Künfftige Betragen des frantzöschen Hofs, genau und ohnparteyisch beobachtet und zur Richtschnur genommen werde. Deme Er als eine Privat-Reflexion und Gedanken hinzugefüget: Die Könige von Preussen, und Sardinien seyen von meinem Hof nicht anderst, als zwey (wann mich mit Allergnädigster Erlaubnuss seines eigenen Worts bedienen darf) Larrons, so in dem Trüben gefischet, anzusehen, welche nicht zu gleicher Zeit gefangen werden könnten. Dahero von Seiten Euer Kai. König. May. vor allen Dingen in Erwegung gezogen, und bey Sich vestgestellet werden müsse, auf welchen am Ersten die Hände zu schlagen, und wie ihme das entrissene wieder abzujagen. Inmittellst erfordere die Vorsicht den Andern sicher zu machen, und Ihn in guter Meinung zu unterhalten, Wobey Er sich noch mit gebrochenen Worten entfallen lassen, dass dieses Vorhaben gegen Preussen nur alsdann zu bewerckstelligen, wenn man von der Russischen Mitwürckung

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