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keinem sonst beschieden, dem großen Meister, zu welchem er als zu seinem Jdeale sortan hincmsbliekte, unter Wahrung vollster Selbstständigkeit, in immer stolzerem Fluge nachzustreben.

Die Sinsonien von Ärommer'), die ihres heiteren Charakters wegen damals gerne gehört wurden, sanden in seinen Augen wenig Gnade, wogegen er jene des Kozeluch "), wenn

') Krommer sFranz), geboren 175l> zn Kameniii in Mähren, ein noch zu Ansang dieses Jahrhunderts beliebter Componist. Sein erster und einziger Lehrer war seines Vaters Bruder, re^eog ekori in Turas, der ihn zum Organisten erzog; alle weitere Mnsikbildung erwarb er sich durch eisnges Selbststudium. Bekannt als tüchtiger Violinspieler kam er in die Capelle des Grasen Agrum nach Simonthurn in Ungarn, wurde später Chordireetor in Fünskirchen, dann Capellmeister beim Regiment Karoly, ging endlich mit dem Fürsten Grassalkowit z als Musikdirektor nach Wien, wo er nach dessen Tod privatisirte, und theils durch Unterricht theils durch den Ertrag seiner beliebt gewordenen Compositionen ein anständiges Ans» kommen sand. Dieses erhielt eine noch sestere Basis, als ihm durch Pro» teetion die Stelle eines kaiserlichen Kammerlhürhüters verliehen wurde, eine Stelle, deren leichte Dienst»erpslichtuugeu seine musikalische Beschästigung nicht im mindesten beeinträchtigte. Nach Kozeluch's Ableben (1314) wurde er Kammereompositeur, und begleitete seinen Monarchen ans dessen Reisen in Frankreich und Italien. Er starb in Wien am 8. Jänner 1831, nachdem er schon geraume Zeit seinen Ruhm überlebt hatte. Er schrieb viele Kirchenstücke, Sinsonien, Harmoniemnsiken , Coneerte sür alle gangbaren Instrumente, Trio's, Onartette, Onintelte sür Streich- und Blasinstn,. , mente, Vwlindnette :e., alle in einem eingänglichen gemüthlich heiteren, nicht selten an das Hausbackene nnd Philiströse streisenden Style.

") Kozelnch (Leopold), geboren 1753 zn Wellwarn, gestorben in Wien 1814. Ansangs zur Jurisprudenz bestimmt, verließ er diese Bahn, nm sich ausschließlich der Musik zu widmen. 1778 übersiedelte er nach Wien, wo er als Musiklehrer sehr geachtet, bei Hos und in den höchsten Adelskreisen Leetionen gab. 1792 wurde er als Mozart's Nachsolger zum kaiserlichen Kammereompositeur ernannt. Er schrieb eine große Anzahl Klavierstücke, Coneerte, Opern, Sinsonien, Cantaten und Lieder, die ihr etwas veralteter Styl von den Musikern bespöttelt wurde, mit aller Wärme, sreilich nur den Krommer'schen gegenüber, zu vertheidigen pflegte. Die Ouverture zur Zauberflöte, zu Figaros Hochzeit, und die Mehulschen zählte er zu seinen Lieblingen.

Es konnte nicht sehlen, daß Schubert, der in dem kleinen Orchester alsbald zur ersten Violine vorgerückt war, vermöge seines eminenten Musiktalentes, und des Ernstes, womit er diese Kunst betrieb, aus dasselbe einen nicht unerheblichen Einfluß gewann, in Folge dessen ihm auch sür den Fall der Abwesenheit des Dirigenten die Leitung des Orchesters an der ersten Violine übertragen wurde.

Gleichzeitig war aber auch in dem dreizehnjährigen Knaben der Schaffungstrieb mit unwiderstehlicher Gewalt erwacht; schon vertraute er den Kameraden unter dem Siegel der Verschwiegenheit an, daß er öster seine eigenen Gedanken in Noten bringe.

Diese strömten ihm bereits in Hülle und Fülle zu, und es sehlte nur zu ost an Notenpapier, um sie daraus sestzuhalten. Da Schubert nicht in der Lage war, sich solches um Geld anzuschassen, sorgte eine gütige Freundeshand dasür, und der Verbrauch davon soll nun ein ganz außerordentlicher geworden sein.

Sonaten, Messen, Lieder, Opern, ja selbst Sinsonien lagen, nach dem Zeugnisse von Gewährsmännern, zu jener Zeit bereits sertig vor, wovon jedoch der größte Theil als bloße Vorübung bald wieder vertilgt wurde.

derzeit der Vergessenheit gänzlich anheimgesallen sind. Seine Tochter Ka> tharina, verehelichte Cibbini, Kammersrau am kais. Hose, war bekannt als oukgezeichneteClavierspielerin.

Im Jahre 1810 hatte er eine vierhändige, nicht weniger als 32 Seiten aussüllende, und über ein Dutzend in verschiedenem Charakter gedachter Tonstüeke, von welchen jedes in einer andern Tonart schloß, als es begonnen, enthaltende Fantaste eomponirt, welcher später noch zwei kleinere solgten. Es war dies seine erste Clavier-Composition. Jn das Jahr 1811 sällt die Composition des Liedes: ,,Hagars Klage"'), eines Streichquartettes, der zweiten vierlMdigen Claviersantaste, einer seinem Bruder Ferdinand zugeeigneten Quintett-Ouverture und vieler Lieder.

Jn dem daraus solgenden Jahre entstanden: zwei Streichauartette (in L und K), eine Sonate sür Pimwsorte, Moline und Cello, eine Quartett-Ouverture in L und eine zweite sür Orchester in v, ein Andante und Variationen in sür Clavier, ein 8s>Ive i-Luina und Kvri« und mehrere Lieder, dar- unter das Klagelied von Rochlitz.

Auch eomponirte er in diesem Jahre 12 Menuetten, welche die Bewunderung des Dr. Anton Schmidt, eines Freundes Mozart s und trefflichen Violinspielers erregten, und denselben zu dem prosetischen Ausspruche veranlaßten, daß aus dem Knaben ein großer Meister hervorgehen werde.

Diese Menuetten wurden einmal von Schubert weggeliehen und sind seit jener Zeit nicht wieder zum Vorschein gekommen. Cr selbst kam, wiederholter Aussorderungen ungeachtet, nicht mehr dazu, sie neuerdings aus dem Gedächtnisse niederzuschrei

') Ferdinand Schubert bezeichnet dieses Lied als das erste (bedeuten. iZere) der von Franz eomponirten Lieder. Salieri wurde ganz besonders durch dasselbe und einige Instrumental-Compositionen aus Schubert's Talent ausmerksam gemacht und dadurch veranlaßt, ihn im Generalbaß unterrichten zu lassen.

ben, und so ist diese Composition, die gewiß einen interessanten Einblick in das bereits auskeimende Talent des sünszehnjähngen Knaben gewährt hätte, wahrscheinlich sür immer verloren gegangen').

') Aehnllches geschah einige Jahre später mit der Cantate ,Pro,n» theus" sin Einer Abheilung), Tert von Drechsler, sür Solostimmen, Chor und Orchester. Die Cantate, von einem Studirenden in gelnnge. ner Weise versaßt, und von Schaber! in Mnsik geseilt, sollte als eine dem Prosessor der politischen Wissenschasten, Heiurich Watteroth, von seinen Schülern zugedachte Ueberraschung an dessen Namenstage (12. Juli) in dem zu dem Hause, welches Watteroth in der Borstadt Erdberg bewohnte, gehörigen, sehr hübschen Garten ausgesührt werden, Die Aussührung, des schlechten Wetters wegen mehrere Male verschoben, sand am 24. Juli 1816 statt. Frl. Maria Lagusius (später verehelichte Griesinger), Hr. Pechaezek (als Magistratsrath gestorben) und Hr. Joses Goeh (als Mitglied des Hosoperntheaters gestorben) hatten die Solo's übernommen und viele Studirende wirkten in Chor und Orchester mit. Schubert dirigirte persönlich. Die Aussührung war im Ganzen eine recht gelungene, und der Eindruck, den das originelle, glänzend instru» inentirte Merk machte, ein entschieden günstiger.

Die Cantate wurde der bedeutenden Musik wegen von vi-. Leo. pold Sonnleithuer zur Aussührung iu den Coneerten des Mnsikvereines vorgeschlagen i man scheute sich aber, das Werk eines noch so jnngen, nicht anerkannten Tonsetzers zur Aufführung zu bringen und die Folge dieser Engherzigkeit war, daß dasselbe vielleicht sür immer verloren ge- gangen ist. In Schnbert's letzten Lebensjahren wurde es mehrsach verlangt, so auch von dem Stiste Göttweih, wohin dann auch Partitur und Stimmen gesendet wurden. Von dort ans Schnbert's dringendes Verlangen wieder zurückgestellt, um anderswo ausgesührt zu werden, wurde es in Schubert's Wohnung gebracht. Dieser starb wenige Wochen daraus, und das Werk war spurlos verschwunden. Ein damals erlassener öffentlicher Ausrus blieb unbeachtet, und das Wahrscheinlichste ist, daß die Cantate, vielleicht ohne Wissen des betreffenden Archivars, in irgend einem Klosterarchive begraben liegt.

Salieri') durch Schuberts verschiedene Kompositionen, namentlich seine Quartette und ,,Hagar's Älage" aus dieses seltene Talent ausmerksam gemacht, veranlaßte sosort, daß der Hosorganist Ruziezka beaustragt wurde, ihn in die Geheimnisse des Generalbasses einzuweihen. Tie Leetwnen begannen; bald aber hatte der Lehrer die Ueberzengung gewonnen, daß er einen Zögling vor sich habe, dem er nichts mehr zu lehren brauche. Der, sagte er, hat es von dem lieben Gott gelernt.

Und in diesen Worten lag wohl die Wahrheit. Dem Jünglinge mangelten nur mehr die Benennungen sür die Geheimnisse seiner Kunst, während ihr Wesen seinem Genius schon erschlossen war.

Die Folge davon war, daß Salieri sich seiner noch warmer annahm, und ihm (auch dann, als er das Conviet schon verlassen hatte) sast täglich Unterricht in der Composition er» theilte. Als aber der Jtaliener seinem Zöglinge beinahe aus» schließlich die Partituren der alten italienischen Meister vorlegte, während dieser mehr nach Mozart und Beethoven Verlangen trug, eine Neigung, die Salieri nicht theilte, als er ihm im weiteren Verlause anstatt der Gedichte Schillers, Goethe's und anderer deutscher Dichter italienische Stanzen zu eomponiren gab, und aus seiner Verachtung der deutschen Sprache"),

') Antonio Salieri, geboren im Jahre 1750 in der venetiani» schen Stadt und Festuug Legnago, gestorben zn Wien im Jahre 1625, nachdem er daselbst durch 5!) Jahre gelebt und vier Regenten Oester- reichs gedient hatte. Er eomponirte eine große Anzahl Opern, auch Cautaten, Sinsonien, Kirchenmusiken, Oratorien n.s.w. Bekannt ist sein Verhältniß zu Mozart.

") Salieri hatte ein halbes Jahrhundert in Deutschland zugebracht, ohne die Sprache dieses Landes zn erlernen. Er selbst machte sich über sein Radebrechen des Deutschen lnstig. Wie Glnek, pflegte er in seiner stets

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