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übergehen kann. Man übersieht nämlich ein sehr liebliches Thal, von einigen kleinen sansten Hügeln unterbrochen, aus dessen rechter Seite sich ein nicht unbedeutender Berg erhebt, aus dessen Gipsel das weitläufige Stist schon von der Fahrstraße, die über einen entgegengesetzten Bach herabsührt, den prächtigsten Anblick gewährt, der besonders durch den mathematischen Thurm sehr erhöht wird. Hier wo wir schon länger bekannt sind, besonders Herr v. Vogl, der hier studirt hat, wurden wir sehr sreundlich empsangen, hielten uns aber nicht aus, sondern setzten unsere Reise, ohne daß sie eine besondere Erwähnung verdiente, bis nach Böklabruck sort, wo wir Abends anlangten; ein trauriges Nest. Den andern Morgen kamen wir über Straßwalchen und Frankenmarkt nach Neumarkt, wo wir Mittag machten. Diese Oerter, welche schon im Salzburgischen liegen, zeichneulich durch eine besondere Bauart der Häuser aus. Alles ist beinahe von Holz. Das hölzerne Küchengeschirr steht aus hölzernen Stellen, die außen an den Häusern angebracht sind, um welche hölzerne Gänge herumlausen. Auch hängen allenthalben zerschossene Scheiben an den Häusern, die als Siegestrophäen ausbewahrt werden aus längst vergangenen Zeiten; denn man findet die Jahreszahl 1600 und 1500 häufig. Auch sängt hier schon das bairische Geld an. Von Neumarkt, welches die letzte Post vor Salzburg ist, sieht man schon Bergesspitzen aus dem Salzburger Thal herausschauen, die eben mit Schnee bedeckt waren. Ungesähr eine Stunde von Neumarkt wird die Gegend schon wunderschön. Der Waller-See, welcher rechts von der Straße sein helles blaugrünes Wasser ausbreitet, belebt diese anmuthige Gegend aus das herrlichste. Die Lage ist sehr hoch und von

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NUN an geht es immer abwärts bis nach Salzburg. Die Berge steigen immer mehr in die Höhe, besonders ragt der sabelhaste Untersberg wie zauberhast aus den übrigen hervor. Die Dörser zeigen Spuren von ehemaligem Reichthum. An den gemeinsten Bauernhäusern findet man überall marmorne Fenster- und Thürstöcke, auch sogar manchmal Stiegen von rothem Marmor. Die Sonne verdunkelt sich und die schweren Wolken ziehen über die schwarzen Berge wie Nebelgeister dahin; doch berühren sie den Scheitel des Untersberges nicht, sie schleichen an ihm vorüber, als sürchteten sie seinen grauenvollen Jnhalt. Das weite Thal, welches mit einzelnen Schlössern, Kirchen und Bauernhösen wie angesäet ist, wird dem entzückten Auge immer sichtbarer. Thürme und Paläste zeigen sich nach und nach; man sährt endlich an dem Kapuchierberg vorbei, dessen ungeheure Felswand hart an der Straße senkrecht in die Höhe ragt und sürchterlich aus den Wanderer herabblickt. Der Untersberg mit seinem Gesolge wird riesenhast, ihre Größe will uns sast erdrücken. Und nun geht es durch einige herrliche Alleen in die Stadt selbst hinein. Festungswerke aus lauter Quadersteinen umgeben diesen so berühmten Sitz der ehemaligen Chursürsten. Die Thore der Stadt verkünden mit ihren Jnschristen die verschwundene Macht des Psaffenthums. Lauter Häuser von 4 bis 5 Stockwerken ersüllen die ziemlich breiten Gassen und an dem wunderlich ver- zierten Hause des Theophrastus Paraeelsus vorbei geht es über die Brücke der Salzach, die trüb und dunkel mächtig vorüberbraust. Die Stadt selbst machte einen etwas düstern Eindruck aus mich, indem ein trübes Wetter die alten Gebäude noch mehr verfinsterte, und überdies die Festung, die aus dem höchsten Gipsel des Möuchberges liegt, i« alle Gassen der Stadt ihren Geistergruß herabwinkt. Da leider gleich nach unserer Ankunst Regen eintrat, welches hier sehr ost der Fall ist, so konnten wir, außer den vielen Palästen und herrlichen Kirchen, deren wir im Vorbeisahren ansichtig wurden, wenig zu sehen bekommen. Durch Herrn Pauernseind, ein dem Herrn v. Vogl bekannter Kausmann, wurden wir bei dem Grasen von Platz, Präsident der Landrechte eingesührt, von dessen Familie, indem ihnen unsere Namen schon bekannt waren, wir sreundlichst ausgenommen wurden. Vogl sang einige Lieder von mir, worauf wir sür den solgenden Abend geladen und gebeten wurden, unsere sieben Sachen vor einem auserwählten Kreise zu produeiren, die denn auch unter besonderer Begünstigung des schon in meinem ersten Briese erwähnten Ave Maria's *)> Alles! sehr zu Gemüthe gingen. Die Art und Weise, wie Vogl singt und ich aeeompagnire, wie wir in einem solchen Augenblick Eins zu sein scheinen, ist diesen Leuten etwasganz Neues, Unerhörtes. Nachdem wir den andern Morgen den Mönchberg bestiegen, von welchem man einen großen Theil der Stadt übersieht, mußte ich erstaunen über die Menge herrlicher Gebäude, Paläste und Kirchen. Doch gibt es wenig Einwohner hier, viele Gebäude stehen leer, manche sind nur von einer, höchstens zwei bis drei Familien bewohnt. Aus den Plätzen, deren es viele und schöne gibt, wächst zwischen den Pflastersteinen Gras, so wenig werden sie betreten. Die Domkirche ist ein himmlisches Gebäude nach dem Muster der Peterskirche in Rom, versteht sich im

') Die bekannte Hymne aus den Gesängen von W. Seott's „Fmnlein am See,"

verkleinerten Maßstabe. Die Länge der Kirche hat die Form eines Kreuzes, ist von vier ungeheuren Hösen umgeben, von denen jeder einzelne einen großen Platz bildet. Vor dem Eingange stehen die Apostel in riesenhaster Größe aus Stein gehauen. Das Jnnere der Kirche wird von vielen marnwrnen Säulen getragen, ist mit den Bildnissen der Chursürsten geschmückt, und in allen seinen Theilen wirklich vollendet schön. Das Licht, welches durch die Kuppel hereinsällt, erleuchtet jeden Winkel. Diese außerordentliche Helle macht eine göttliche Wirkung, und wäre allen Kirchen anzuempsehlen. Aus den vier Plätzen, welche die Kirche umgeben, befinden sich große Springbrunnen, die mit den herrlichsten und kühnsten Figuren geschmückt sind. Von hier gingen wir in das Kloster zu St. Peter, wo MichaelHaydn residirt hat. Auch diese Kirche ist wunderschön. Hier befindet sich, wie Du weißt, das Monument des M. Haydn. Es ist recht hübsch, aber steht aus keinem guten Platz, sondern in einem abgelegenen Winkel. Auch lassen diese herumliegenden Zettelchen etwas kindisch; in der Urne befindet sich sein Haupt. Es wehe aus mich, dachte ich mir, dein ruhiger klarer Geist, du guter Haydn, und wenn ich auch nicht so ruhig und klar sein kann, so verehrt dich doch gewiß Niemand aus Erden so innig als ich. (Eine schwere Thräne entfiel meinen Augen, und wir gingen weiter. —) Mittags speiseten wir bei Herrn Pauernseind, und als uns Nachmittags das Wetter erlaubte auszugehen, bestiegen wir den zwar nicht hohen, aber die allerschönste Aussicht gewährenden Nonnenberg. Man übersieht nämlich das hintere Salzburger Thal. Dir die Lieblichkeit dieses Thales zu beschreiben, ist beinahe unmöglich. Denke Dir einen Garten, der mehre Meilen im Umsange hat, in diesem unzählige Schlösser und Güter, die aus den Bäumen heraus oder durchschauen, denke Dir einen Fluß, dcr sich aus die mannigsaltigste Weise durchschlängelt; denke Dir Wiesen und Aecker, wie eben so viele Teppiche von den schönsten Farben, dann die herrlichen Massen, die sich wie Bänder um sie herumschlingen, und endlich stundenlange Alleen von ungeheueren Bäumen, dieses Alles von einer unabsehbaren Reihe von den höchsten Bergen umschlossen, als wären sie die Wächter dieses himmlischen Thals, denke Dir dieses, so hast Du einen schwachen Begriff von seiner unaussprechlichen Schönheit, Das übrige von Salzburgs Merkwürdigkeiten, welche ich erst aus der Rückreise zu sehen bekommen, lasse ich auch bis dahin, indem ich meine Beschreibung chronologisch versolgen will.

Den 21. Septeml'er, Steuer. Du siehst aus dem angemerkten Datum, daß zwischen dieser und jener Zeile mehre Tage verflossen sind, und wir von Gmunden leider aus Steyer umsiedelten, lim also meine Reisebeschreibuug ioie mich schon reuet, weil sie mir zu lange dauert) sortzusetzen, solgt wie solget Folgendes: Der solgende Morgen war nämlich der schönste Tag von der Welt und in der Welt. Der Untersberg, oder eigentlich der Oberste glänzte und blitzte mit seinem Geschwader und dem gemeinen Gesindel der übrigen Berge herrlich in oder eigentlich neben der Sonne. Wir suhren durch das oben beschriebene Thal, wie durchs Elisium, welches aber vor jenem Paradies noch das voraus hat, daß wir in einer scharmanten Kutsche saßen, welche Bequemlichkeit Adam und Eva nicht hatten. Statt den wilden Thieren begegneten uns mancherlei allerliebste Mädchen, . Es ist gar

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