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»Sonst sand sie wohl ein Veilchen mich

„Am lust'gen Heckenzaume!

.Letzt lockt sie nur ein bunter Strauch,

„Ein Bisamhauch,

„Und ihr Gesetz ist — Laune!

„Sie hat wohl Angen noch, wie sonst,

„Doch, wenn du sie zu öffnen schonst,

„So wird sie, vor Erblinden,

„Das Wahre doch nicht sinden!"

„D'rum singe kühn! hier ist's am Platz!

„Erheb' ihn, preisbeflissen!

„Entsalte seinen Künstlerschatz.

„Sag' stolz: Er hat's,

„Was tausend Jünger missen!

„Des Jünglings Glut, des Mannes Krast,

„Die Sehnsucht und die Leidenschast,

„Das Lispeln und den Schauer,

„Den Jubel und die Trauer!"

„Den Dichter dichtet er zurück ,

„Als heil'ge Doppelgänger

„Steh'n Wcrt und Sang, ein Leib, ein Stück

„Vor unserm Blick,

„Und Dichter wird der Sänger!

„Da ist kein Gang im Flug erhascht,

„Kein Honig lüstern weggenascht;

„Die Noten seines Spieles

„Sind Tropsen des Gesühles!"

„Wenn in dem Dome, gottgeweiht,

„Die Orgeln brausend dröhnen,

„Dann weiß er, im Choral, mit Zeit

„Und Ewigkeit

„Die Herzen auszusöhnen!

„Der Flügel ist ihm nicht ein Feld,

„Wo nur die Hand sich müde quält, —

„Er läßt durch seine Saiten
„Die eigne Seele gleiten."

„Kaum nur sechs Lust'ren reichten hin,

„Um, blühend, das zu geben!

„Dem Tücht'gen ist der Tag Gewinn:

„Was wird der Sinn

„Des Reisen erst erstreben?!

„Und wär's auch nicht, — das deutsche Lied

„Bleibt unbestritten sein Gebiet,

„Und wer genügt in Einem,

„Der weicht der Besten Keinem!"

So weckten sie in mir zur Glut Der Brust bescheid'nen Funken! Mir in die Wangen stieg das Blut,

Von srohem Muth ,

Fühlt' ich die Seele trunken. Heim stürzt' ich; ging voll Ungestüm An's Werk- gestehen wollt' ich's ihn,, Mein schönstes Lied ihm singen, Mein bestes Opser bringen!

Da seh' ich aus dem Pult vor mir

Ein Blatt von Freundes Händen.

Ich nehm' es, les' — erblinde schier,

So muß denn hier

Das Best' am srüh'sten enden?

Doch nein — es ist nicht — kann nicht sein!

Mein Schubert lebt; — er starb nicht — nein!

Er lebt — (dies Blatt ist Lüge)

Lebt noch sür schöne Siege.

Er lebt! — Und doch — er ist nicht mehr!

Ich les' es nun, und wieder!

Ein Sturm suhr über ihn daher —

Er ist nicht mehr —

Entblättert sank er nieder!

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An Schuberts Sarge.

Der Friede sei mit Dir, Du engelreine Seele! —
Im srischen Blüh'n der vollen Jugendkrast
Hat Dich der Strahl des Todes hingerafft,
Daß er dem reinen Licht Dich vermähle,
Dem Licht, von dem hienieden schon durchdrungen
Dein Geist in heil'gen Tönen uns gesungen,
Das Dich geweckt, geleitet und entflammt,
Dem Lichte, das von Gott nur stammt.

O sieh, verklärter Freund, herab aus uns're Zähren,
Vergib dem Schmerz der schwachen Menschenbrust,
Wir sind beraubt, wir litten den Verlust,
Du schwebst besreit in heimatlichen Sphären.

Fur viele Rosen hat dies Erdenleben
Dir scharse Dornen nur zum Lohn gegeben,
Ein langes Leiden und ein srühes Grab,
Dort sallen alle Ketten ab. —

Und was als Erbtheil Du uns hast zurückgelassen
Das Wirken heißer Liebe, reiner Krast,
Die heil'ge Wahrheit groß und unerschlafft,
Wir wollen's ties in uns're Seelen sassen.
Was Du der Kunst, den Deinen Du geworden,
Ist offenbart in himmlischen Aeeordeu.
Und wenn wir nach den süßen Klängen gehen,
Dann werden wir Dich wieder sehen.
21. November lSSS, >rans schob,

Nachruf.
An Schubert'» Gravr.

Ein Sänger ist geschieden, wie nie ein beß'rer sang,
Rust ihm hinab den Frieden bei leisem Harsenklang!
Laßt eure Saiten tönen von Jugend, Krast und Treu ^
Und sagt wie viel des Schönen in ihm geschieden sei!

Ihr Sänger deutscher Gauen, wer wird Euch eingeschart,
Wer singt von Huld der Frauen, wie er so ties und zart?
Wer wird von Helden singen, von Treu und Biederkeit,
Daß seine Lieder klingen hinab durch alle Zeit? —

O Oestreich, deine Hügel, o Donau, deinen Strand
Wird nie ein Klang mehr grüßen, geweckt von seiner Hand
Und keiner mehr wird sagen, was Er von deiner Lust,
Und keiner mehr wird klagen, wie Er an deiner Brust!

Wenn wild die Stürme sausen, aus Heiden öd' und leer,
Im mächtig dunklen Grausen, bei Wettern bang und schwer
Da wird sein Lied ertönen, der Brust so wohl vertraut,
Und rusen deinen Söhnen des Sängers Klagelaut.

Was Freude und was Trauer die Menschenbrust bewegt,
Hat Er in Lust und Schauer in's zarte Lied gelegt.
Nun ist sein Herz im Hasen, was trauert unser Blick?
Sein Kummer ist entschlasen und segnend lebt sein Glück,

Es ist das Loos der Sänger, die Gottes Geist geweiht,
Daß sie die Nachwelt enger umschließt, als ihre Zeit!
Dann, wenn sie hingezogen, wo nie ein Hauch mehr weht
Was sie im Leben sangen in's Leben übergeht!

And. Fchnmachn,

Die Muse weint: Ein Liebling solgt dem andern 5
Warum so jung, so hoffnungsreich auch Du?
Der Winter herrscht: die Nachtigallen wandern
Dem Frühling eines schönern Landes zu.

V, schlecht».

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