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mentlich die der dortigen Gesangsweise am meisten zusagenden, übersetzt; die Ungeduld erschien auch im Spanischen. Wenig bekannt sind auch jetzt noch außerhalb Deutschlands seine Jnstrumentalwerke.

Erwägt man, daß Schubert in einem Alter aus dieser Welt scheiden und sür immer abschließen mußte, in welchem Andere erst zu künstlerischer Reise zu gelangen pflegen, und wie viel und Herrliches er in der kurzen Spanne Zeit von beiläufig 16—17 Jahren geschaffen hat, so wird man unwillkürlich zu der Frage gedrängt: Was würde er wohl noch weiter geleistet haben, wenn er, sei es auch nur Ein Deeennium, seiner Kunst erhalten geblieben wäre.

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Daß rs ihm gelungen, in jeder Art von Mnsik Ausgezeichnetes, zum Theil Vollendetes ans Tageslicht zu sördern, wurdc im Verlaufe dieser Darstellung bereits erwähnt und die vetreffenden Werke angedeutet.

Durch inner» Drang ganz vorzugsweise aus das Lied gewiesen, hat er auch sür Jnstrumentalnmsik eine so eminente Begabung gezeigt, daß man an seinem Beruse auch hierin Vollendetes zu leisten, nicht zweiseln kann. Während er aber i« erstercm bald als vollendeter Meister dastand, und die Annahme erlaubt ist, daß er bei längerem Leben wohl viele herrliche Lieder noch gesungen haben würde, ohne damit die bereits vorhandenen zu überbieten; läßt sich anderseits mit Bestimmtheit behaupten, daß er es im Gebiete der Jnstrumentalmusik zu größerer Meisterschast gebracht und — günstigere Verhältnisse vorausgesetzt — auch als Operneompouist Bedeurendes geleistet haben würde.

Man dars nicht vergessen, daß Schubert, wenn er sich auch vielsach mit Mozart und Beethoven beschästigte, eigentliche gründliche musikalische Studien memals durchgema6)t hat. Salieri, ein cmsschließlich in den Traditionen der älteren italienischen Oper ausgewachsener Musiker, verstand sich ebensowenig aus Jnstru- mentalmusik in ihren verschiedenen Abzweigungen, als er von echter Kirchenmusik einen Begriff hatte. Als er Schubert un- terrichtete, war er schon hoch bei Jahren, und er, der einer ganz anderen Schule und Kunstperiode angehörte, konnte niemals der Meister eines sür Beethoven glühenden und von dessen Werken ties durchdrungenen Jünglings werden.

Gewiß würde Schubert, dessen Eigenthümlichkeit schärser als die irgend eines Componisten ausgeprägt war, unter allen Umständen in der Wesenheit kein anderer geworden sein, als eben jener Schubert, den wir lieben und bewundern; wäre ihm aber gleich im Beginn der so raschen Entsaltung seines ungehemen Talentes ein tüchtiger Componist und Lehrer zur Seite gestanden, welcher ihn durch gründliche Unterweisung in den Fundamentallehren der musikalischen Kunst, denen sich auch Mozart unterwars, in Stand gesetzt hätte, sich alsbald die größeren musikalischen Formen mit der ihm angebornen Leichtigkeit anzueignen, und eben dadurch seiner übersprudelnden Fantasie und Gedankensülle ein heilsames Gegengewicht zu bereiten, so möchte es ihm wohl gelungen sein, selbst in jener kurzen Spanne Zeit, welche er zu leben hatte, in seiner Kunst allenthalben das Höchste zu erreichen.

Er selbst scheint geahnt zu haben, was ihm zur Vollen» dung sehlte, und wenn er kurz vor seinem Tode der Familie Fröhlich erzählt, er habe nun die Partituren von Händel's Oratorien erhalten, beisügend: ,.Jch sehe jetzt erst, was mir noch abgeht, aber ich will fleißig mit Sechter studiren, um das Versäumte nachzuholen," so hat er wohl selbst den Weg angedeutet, den er zu betreten hatte, um wahrhast Großes zu schaffen.

Dann würde er wohl auch zn jener strengen Selbstkritik gelangt sein, welche Beethoven so sehr auszeichnete, und au manche seiner großen Comvositionen hätte er noch jene letzte Feile angelegt, die ihnen eben sehlt, um Kunstwerke von dauernder Wirkung zu sein').

') Es ist charakteristisch sür Skliubert's Wesen, daß er höchst selten den Aufführungen seiner Composilionen beiwohnte, aller Kritik seiner Werke, selbst im Munde seiner Freunde abhold war, nach Lob kein Verlangen trug, und noch weuiger vön Tadel etwas hören wollte. Damit hängt auch zum Theil die Thatsache zusammen, daß er miWMusikerii von Fach nur geringen Verkehr pflegte, und zu seinen besten Weundm

Warum der Lebenssaden dieses so reichbegabten Menschcn so srüh und eben dann entzwei reißen mußte, als er sich,

Männer zählte, die zwar von Wohlwollen und Bewunderung sür ihn ersüllt waren, zum Theil auch aus andern Knnstgedieten in ausgezeichneter Weise wirkten, selbstverständlich aber aus seine musikalische Entwirrlung keinen unmittelbaren Einsluß nehmen konnten.— Hier möge mehrerer Personen gedacht werden, welche an Schubert's Schicksal regen Antheil genommen, oder ihm sonst im Leben besonders nahe gestanden haben.

Einer seiner bewährtesten Freunde war Joses v. Spann (derzeit Hosrath und Lvttodireetor in Wien). Er besand sich schon mehrere Jahre im Conviete, als Schubert in dasselbe eintrat, schloß sich alsbald an den jüngeren Zögling an, versorgte den eompositionslustigen Knaben mit Notenpapier, und unteistutzte ihn auch nach seinem Austritte ans der Anstalt sortan mit Rath und That. Nicht selten war Schubert sein Tischund Schlasgast, und er verdankte diesem Manne, der, wie Mayrhoser sagt, sein zweiter Valer zu nennen, einen guten Theil geistiger nnd leiblicher Förderung, namentlich zu jener Zeit, als der Name Schubert noch nicht in die Oeffentlichkeit gedrungen war. Als Spann in späteren Jahren seine Beamten-Lausbahn in der Provinz sortsehte, war er zwar nicht mehr in der Lage, einen unmittelbaren Einfluß aus Sch. auszuüben, selbst, verständlich aber nahm er auch aus der Ferne den regsten Antheil an dem Schicksal seines Jugendsreundes.

Auch Albert Stadler (Statthaltereimth in Salzburg), Hosrath Äleindl und Vieehoseapellmeister R» ndl, artin ger (in Wien) waren mit Sch. vom Conviet aus bekannt und besreundet geworden. Erster« machte ihn mit den Gedichten Ossians bekannt, von welchen er ihm eine ilebersetzung (in sehr alter Auflage) zukommen ließ; der letztere verkehrte sehr viel mit Schubert, und zählte zu seinen besten Freunden. Randhar^ tinger trat beiläusig um jene Zeit in das Conviet ein, als Sch. dasselbe verließ. Dieser aber pflegte noch öster in die Anstalt zum Besuch seiner ehemaligen Kameraden zu kommen, und spieile dann auch bei den OrchesterProduetionen der Zöglinge mit. Rcmdhartinger war Zeuge, wie Sch,, den er eben zu einem Spaziergang abholen wollte, in aller Eile, und ohne irgend eine Skizze vor sich zn haben, eine seiner merkwürdigsten wie so manche Zeichen daraus hindeuteten, zu dem höchsten Fluge anschickte, darüber nachzugrübeln, wäre vergebens.

Compositione», den ,,Zwerg" aus's Notenpapier hinwühlte, um es dem Musikalienhändler zu schicken, welchem er die Composition eines Liedes sür diesen Tag zugesagt hatte. Das Ausschreiben der Noten hinderte ihn übrigens nicht, mit seinem Freunde ein Gespräch zu unterhalten. — Im Jahre 1823 sand er bei diesem (der damals Seeretär des Grasen Seezenyi war) Wilhelm Müller s Gedichte aus dem Schreibtisch liegen, nahm sie heimlicher Weise mit sich, und zeigte am nächsten Tage dem, das Buch zurücksorderndem Freunde die sertige Composition der ersten süns Müller» lieder. Sch. war damals unwohl, und hat später einen Theil des lierrliehen Ciklus der „schönen Müllerin", im Spital krank darnieder- liegend, geschrieben!

In Gesellschast Raudhartinger's und Lachner's begleitete Sch. Beethovens Leiche aus den Währinger Kirchhos, und da geschah es, da» er, nach dem Leichenbegängnisse mit seinen zwei Gesellschastern in einer Weinstube (aus der Mehlgrube) einkehrend, die Gläser mit gutem Wein süllen ließ, und das erste aus das Andenken des eben zu Grabe Getragenen, das zmeiie über aus das Andenken dessen, welcher unter den Dreien ihm der Erste nachsolgen würde, leerte. Er ahnte damals nicht, daß (schon im daraussolgenden Jahre) dieser Erste er selbst sein werde. Sein oft ausgesprochener Wunsch, recht nahe an Beethoven den ewigen Schlas zu schlasen , wurde ihm ersüllt. Randhartinger war auch Einer der wenigen, welche Sch. noch an seinem Todestage gesehen haben; Spann war damals von Wien abwesend.

Auss engste besreundet waren ihm die Künstler: Leopold Kupelwieser <Prosessor an der Akademie der bildenden Künste in Wien), und der geniale Moriz Schwindt, welche beide längere Zeit hindurch einen Theil von Schubert's Abeudtischgesellschast im Gasthause bildeten. Schwindt versertigte auch die Zeichnungen zu dem, von Schubert eom» ponirten ,,Liedler." In Kupelwieser's Familie war Sch. ein nicht selten gesehener Gast. Ferner Bauernseld, welcher im Jahre 1829 den ersten größeren Aussah über Sch. schrieb, und in den Gedichten des Kustieollkiropius ,,Jugendsreunde" und ,,Ein Wiener Ceusor" über»

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