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testen fast sämt-
lich zur Stelle zu
schaffen.
Vor der Zeit
Sir Josuas wur-
den die englischen
Künstler von ihren
Landsleuten mit
Geringschätzung be-
handelt. Wenn
Fürsten und Edel-
leute sich malen
lassen wollten, lie-
ßen sie dazu Aus-
länder kommen.
Daher erklärt es
sich, daß England
eine so reiche An-
zahl von van Dycks
und Holbeins auf-
weisen kann. Hätte
Reynolds nichts
weiter geleistet, als
diesem Vorurteil
ein Ende gemacht,
wie er es durch
sein Leben, sein
Schaffen und seine
öffentlichen Vor-
träge über Male-

Sir Josua Reynolds.

alltäglichen Beschäftigungen und Zerstreuungen – mit ihren Kindern schäkern, ihr Geflügel füttern oder ihre Hunde streicheln. Dieses triviale Thun ist indessen von realistischer Wirkung und harmoniert vortrefflich mit den Mienen und Anzügen der dargestellten Frauen. Wie viele weibliche Porträts Reynolds

im ganzen gemalt

hat, ist nicht bekannt, wahrscheinlich sind keine genauen Angaben darüber zu haben; aber so viel ist sicher, daß die Zahl eine erstaunliche ist. Nicht minder erstaunlich ist die große Mannigfal

rei gethan hat, so würde dies allein seinen tigkeit in den Stellungen, in den zum Ausdruck Namen berühmt gemacht haben. Daß er gebrachten Stimmungen und dem seine Geim Porträtfach einen so hervorragenden Platz stalten umgebenden Beiwerk. Die Kostümerrang, ist hauptsächlich seiner glücklichen Gabe frage hat Reynolds viel Sorgen verursacht. zuzuschreiben, Licht, Stellung und Gebärden Seinem Princip nach sollte die Tracht von den so vorteilhaft zu benutzen, daß sie das Cha- Regeln der Kunst abhängig sein, aber seine rakteristische, das Individuelle lebhaft zum Neigung zum Charakterisieren oder ein günAusdruck brachten. Dieser Vorzug im Verein stiger Eigensinn der Damen veranlaßte ihn mit einem ausgeprägten Gefühl für An- häufig, die herrschenden Moden seiner Zeit zu mut und mit einem besonders feinen Farben- malen. Die Tracht des achtzehnten Jahrhunsinn krönt ihn, wahrscheinlich für alle Zeit, derts – die hohen Frisuren, langen Schnebbenzum König der englischen Porträtmaler. Lei- taillen, Casaques u. s. w. – waren so weit der haben viele seiner schönsten Bilder in- vom künstlerischen Geschmack entfernt, daß ein folge seiner eigensinnigen Vorliebe für unge- Versuch, sie zu idealisieren, nicht von Erfolg wöhnliche Farbenstoffe gelitten, doch einige sein konnte. Reynolds' künstlerisches Feinsind wunderbar gut erhalten, und in allen ist gefühl ließ ihn jedoch einen glücklichen Mittelnoch genug vorhanden, um seine Meisterschaft weg einschlagen, und es ist ihm gelungen,

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von der Parteien Haß und Gunst - verzerrt, in der Geschichte schwankt, war es ein sehr zeitgemäßer Gedanke seitens

des „Allgemeinen Vereins für deutsche Littera

tur“ und seines verdienstvollen Schriftführers Dr. Ludwig Lenz, den ungarischen Schriftsteller Dr. Ambros Nemenyi zur Herausgabe eines Buches über das „Moderne Ungarn“* zu veranlassen. Es sollte nämlich in einer zusammenfassenden Schrift die leidige Politik aus dem Spiele bleiben und ein Bild gegeben werden von den geistigen Strömungen im neuen Ungarn, von dem Wirken, von der Bildung, von den Bestrebungen des Landes der heiligen Stephanskrone und des magyarischen Stammes. Und dieser Versuch ist aufs glänzendste gelungen. „Wer den Dichter will verstehn, muß in Dichters Lande gehn“ – und ebenso glauben wir, daß über eine Nation am besten die Söhne derselben ein Urteil abgeben können. Deutsche, Engländer, Franzosen haben über Ungarn gar manches geschrieben und neben vielem Wahren und Interessanten auch manches Falsche, Anekdotenhafte und Lächerliche zu Tage gefördert; nun sind es Magyaren, welche von ihren Angelegenheiten so sprechen, wie sie dieselben verstehen. Eine Reihe ausgezeichneter Männer, von denen einige zu den besten Namen in der Litteraturwelt Ungarns zählen, haben sich zusammengethan, um dem deutschen Publikum in getreuen Zügen ein Bild der gesamten Zustände und Verhältnisse des modernen Ungarn zu entrollen. Das auch äußerlich höchst elegant ausgestattete Werk ist eine Art Rechenschaftsbericht über die litterarischen, Kultur- und Sittenverhältnisse Ungarns. * „Das moderne Ungarn.“ Essays und Skizzen. Herausgegeben von Dr. Ambros Nemeuyi. (Berlin, A. Hofmann u. Comp.)

politischer und socialer Vorgänge,

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