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Urkunde der Dotirung selbst hat sich nicht erhalten, weshalb auch das Datum derselben nicht genau anzugeben ist. Aber der Inhalt derselben ist uns durch eine päpstliche Zuschrift an Bischof Erich von Przemyśl ddo. 15. Mai 1390 überliefert worden. Da nämlich die Diocese des Haliczer Erzbisthums ,so lange eines katholischen Vorstandes entbehrte, dass man nicht leicht wissen konnte, wo und in welchen Gränzen die Mitgift der genannten Kirche bestand', schenkte ihr Wladislaw die Stadt Rohatyn und die Burgen Olesko (Stadt im Złoczower Bezirke) und Tustań (heute eine Ruine, der sogenannte Stein bei Uricz', ? einem Dorfe im Stryer Bezirke) mit ihren Umgebungen, - ferner ein Haus in Lemberg mit Allem was dazu gehörte, endlich den Zehnten der Zölle der Stadt Lemberg und den Zehnten von den Salzeinkünften von Drohobycz und Żydaczów.

In dieser ihrer Schenkung ist die Haliczer Diöcese in den trüben Zeiten, welche nach dem Abtreten Wladislaws von Oppeln folgten, beeinträchtigt worden, und Papst Urban VI. fand sich bemüssigt, seinem Legaten, dem Cardinalpresbyter Demetrius, aufzutragen, sich über den Zustand der Diöcese näher zu instruiren, die Schenkung Wladislaws von Oppeln, falls sie rechtskräftig wäre, zu bestätigen, Alles, was an Gütern der Kirche entfremdet und unrechtmässig ihr entzogen wurde, derselben wieder zurückzustellen und die Diocese von Neuem zu begränzen. 3 Wahrscheinlich wurde auch damals über die Form des göttlichen Dienstes gestritten, denn auch darüber zu entscheiden wird dem Legaten aufgetragen. Daraus folgt, dass in Rothreussen nach dem Abgange Wladislaws von Oppeln eine Reaction des Schismas gegen den Katholicismus eingetreten ist, während welcher selbst die Bürger von Lemberg sich des von Wladislaw von Oppeln dem Erzbisthume geschenkten Hauses in Lemberg unrechtmässig bemächtigten, was zu jenen langwierigen und hartnäckigen Controversen zwischen der Stadt und der unruhigen Natur des Bischofs Bernhard führte, 4 welche erst durch dessen Nachfolger Jacob dadurch beendet wurden,

1 Akta grodzkie III. S. 86. 2 Vgl. Bielowski, Mon. Pol. II. Anm. 627. 3 Akta grodzkie III. p. 86 ff. 4 Akta grodzkie III. p. 68 f. (1385), p. 70 f., 86 ff., 89 f. Ueber dessen

Conflict mit den Dominicanern Lembergs s. Skrobiszewski.

dass dieser das vielbestrittene Haus gegen ein anderes eintauschte.'

XI.

Die Besetzung der Bisthümer Przemyśl, Wladimir, Chełm, Kiew, Kamieniec. Die letzten Regungen der Bischöfe

von Lebus.

Zum ersten Bischofe von Przemyśl wurde, da Nicolaus Ruthenus nicht mehr am Leben war, 2 mit der Bulle ,Apostolatus officium' vom 13. April 13773 der Franciscanermönch Erich de Winsen, ein geborener Sachse aus dem Lüneburgischen, ernannt. Dieser stand seiner Diöcese noch im Jahre 1391 vor, 4 worauf ihm vom Jahre 1392--1420 Mathias, genannt Janina, ebenfalls ein Franciscaner, folgte. Die Dotirung dieses Bisthums fand erst am 3. April 1384 durch die ungarische Königin Maria statt, welche hiemit den frommen Wunsch ihres Vaters erfüllte." Es wurden damals die königlichen Güter Wresen (Brzozow), Domarethz (Domaradz), Rauna (Rowne), Cyrgow (Cergawa) bei Sanok und Radimpna (Radymno bei Przemyśl) dem Bisthume angewiesen und zugleich von jeder weltlichen Jurisdiction befreit. Hiezu kam im folgenden Jahre 1385 (7. Mai) der Ort Pnikult, welchen der vom Schisma

1 Akta grodzkie III. p. 108 f. 2 Dass die in den Schriften: „Rokosz Gliniauski (1788), Koludzki, Tron

ojczysty etc., Poznań 1704, und Naramowski, Facies rerum Sarmaticarum S. 496 erwähnte Notiz, vor Erich sei ein gewisser Philipp Komarnicki auf dem Bischofsstuhle von Przemyśl gesessen, erfunden ist, hat schon Załuski, ,Specimen historiae Poloniae criticae' A. D. 1735 bewiesen. Vgl.

Pawłowski a. 0. a. 0. S. 53. 3 Theiner, Mon. Pol. I. p. 743 Nr. 1006. 4 Vgl. Pawłowski, Praemislia Sacra, p. 67 n. 2. Hiernach starb er wahr

scheinlich am 8. Sept. 1391. 5 Ebd. p. 73 ff. 6 Dictusque genitor noster pro huiusmodi salubri et salutifero suo

sequendo intentu et oblatu, ad humillimam supplicationem dicti domini Erici episcopi Premisliensis decreverat praedictam ecclesiam et episcopatum villis, possesionibus et aliis bonis donandam, fundandam et dotandam.

Ganz gedruckt ist die Urkunde in Fejer, Codex diplomaticus Hungariae, Budae 1834, IX. 3. S. 307, und in Stadnicki, Synowie Gedymina, II. S. 250 ff. Vergl. Reg. aus dem Original bei Pawłowski a. a. 0. S. 54 N. 3. Baliński, Starożytna Polska, II. 2. S. 649 behauptet, dass Radymuo schon 1380 dem Bischofe von Przemyśl geschenkt wurde.

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bekehrte Edelmann Petrasius Sayski der Przemyśler Diocese schenkte. Wegen der Gränzen zwischen der Diöcese Przemyśl und jener des Erzbisthums von Halicz sind jedoch noch zu Lebzeiten des Papstes Urban VI. (1389) Controversen entstanden. Der obengenannte päpstliche Legat erhielt von Urban VI. den Auftrag, auch diese Angelegenheit zu ordnen. Die Sache zog sich jedoch bis zum Jahre 1397 hin, wo Bonifaz IX. den Bischof von Krakau, Peter Wisz, beauftragte, die Angelegenheit zu ordnen, welchen Auftrages sich derselbe bei seiner persönlichen Ankunft in Lemberg am 24. September 1398 entledigte.” Die Burgen Tustań, Sambor und die Districte von Stryj und Drohobycz wurden bei dieser Gelegenheit dem Bisthume Przemyśl zugesagt.

Nicht so genau wie über die Bisthümer von Halicz und Przemyśl sind wir über jene von Wladimir und Chełm unterrichtet. Wurden für die beiden Ersteren gleich nach Erlass der Bulle ,Debitum pastoralis officii: Bischöfe ernannt, so war dasselbe für die Bisthümer Chełm und Wladimir zunächst aus politischen Gründen unmöglich. Wladimir stand im Jahre 1375 unter der Herrschaft des Litthauers Lubart, Chełm dagegen unter dem damals mit den Litthauern gegen Polen und Ungarn verbündeten Fürsten Georg von Bełz. Beide Gebiete mussten erst durch König Ludwig von Ungarn und Polen in dem grossen Feldzuge des Jahres 1377 wiedererobert werden.

In Bezug auf Wladimir wissen wir nicht, ob der im Jahre 1371 zum Bischofe ernannte Augustinermönch Hinco Bucononis damals noch am Leben war. Nach Nakielski's Miechovia? wenigstens war der erste nach Erlass der Bulle ,Debitum pastoralis officii für Wladimir ernannte Bischof ein gewisser Isidor gewesen, welcher im Jahre 1380 starb und einen gewissen Rugianus zum Nachfolger hatte. Ueber die Zeit, wann das Bisthum dotirt wurde und über das Detail dieser Dotirung

1 Pawłowski a. a. O. p. 55 Nr. V. f. p. 61 Nr. 2. Erich selbst vermehrte

die Diocese durch Ankauf der Vogtei (scultetia) von Radymno (ebd. VI. 11. Mai 1386) und durch Anlage des Ortes Biskupenwald am Flusse

Jasionka (ebd. VI. 1386, 1. Jänner). 2 Das Document darüber ddo. 27. Sept. 15398 ebd. p. 4:. 3 S. 313: ,Et Vladimiriensi quidem Ecclesiae Isidorus quidam vir probitate

ac vitae integritate et omnigena eruditione nulli suorum tempore seemdus a rege provisus fuit. Qui in dicta Cathedra dignissime functus, naturae debitum solvit Anno 1380 successore accepto Rīgiano', jedoch ohne Angabe der Quelle.

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Archiv. Bd. LII. II. Hálfte.

wissen wir nichts anzugeben. Nur so viel wird überliefert, dass Rugians zweiter Nachfolger Andreas Pławka im Jahre 1428 das Bisthum nach Łuck übertrug, und dass in Folge des Beschlusses des Concils von Florenz (1439) die Bischöfe von Łuck zum Unterschiede von den Bischöfen von Lucca in Italien ihre bisherige Benennung ,episcopi Lucenses' in die Benennung ,episcopi Luceovienses' veränderten. 1

Auf dem Bisthume von Chełm sass um 1380 der Dominicaner Stephan. 2 Am 14. November 1394 bestätigt nämlich der Erzbischof von Halicz Jacob einen von seinem Vorgänger Bernard sowie den Bischöfen Peter von Lebus (1377--1385), Jacob von Kiew (1377), Emerich von Erlau (1378—1384) und Stephan von Chełm der Kirche Corporis Christi in Lemberg ertheilten Indulgenzbrief. Eine bedeutendere Dotirung erhielt das Bisthum durch Wladislaw Jagiełło im Jahre 1417 zum Andenken des Sieges bei Tannenberg. 4 Im Jahre 1473 wurde das Bisthum von Chełm nach Hrubieszow und im Jahre 1490

| Naramowski, Facies rerum Sarmat. S. 472 ohne Angabe der Quelle. Vgl.

Przyłuski, Felix Luceovia, Lublini 1629, Fol. 11. Andreas de Pławko, primus Episcopus Luceoviensis, A. D. 1428.- Vgl. Niesiecki, Herbarz, I. 52. Zu bemerken ist jedoch, dass in der Friedensurkunde von Brześć d. J. 1436 der Bischof von Łuck noch den Titel Andreas, episcopus Vlodimi. riensis führt. Volumina legum, tom. I. Petersburg 1859, S. 57. Bei Długosz wird Bischof Andreas zum Jahre 1431 , Episcopus Lucensis“ genannt (Hist. Pol. lib. XI. col. 585.), dagegen in einer Urkunde vom Jahre 1432 (ebd. col. 618) bereits Andreas Luceoviensis'. Gams, Vitae episcoporum stellt an die Spitze der Bischöfe von Łuck den am 1. Februar 1.257 zum Bischof von Lukow designirten Franciscaner Bartholomaeus de Bohemia. Die Namensähnlichkeit Łukow und Łuck hat Gams wahrscheinlich irre geleitet. Dass das Bisthum von Chelm eine Erneuerung jenes, wie wir wissen (vgl. oben S. 410 f.) nicht zu Stande gekommenen Bisthums von Łukow gewesen wäre, wie Niesiecki a. a. 0. S. 69 annimmt, ist selbstverständlich

durchaus zu verwerfen. 2 Nach Bzovius, Propago, S. 50, war er ein Armenier. Vgl. Barącz, Żywoty

sławnych Ormian, Lwów 1856, S. 289. Dass er, wie nach Nakielski, Miechovia, S. 399, die Meisten behaupten, bis 1417 gelebt hätte, ist schon aus dem Grunde unhaltbar, dass im Jahre 1413 während des Unionsactes von Horodło das Bistbum von Chełm unbesetzt war. Vgl. Volu

mina legum I. S. 31. Chełmensi et caeteris ecclesiis vacantibus. 3 Skrobiszewski, Vitae, Jacobus. 4 Piechowski, Cornucopiae infulae Cheimensis: ,De episcopatus Chełmensis

fundatione'.

mit Beschluss des Landtages von Krakau vom 26. Juni d. J." nach Krasnystaw übertragen, wobei jedoch die Bischöfe den Titel ,episcopi Chelmenses' behielten.

In der päpstlichen Bulle vom 28. August 1412, durch welche das Erzbisthum Halicz nach Lemberg übertragen wird, werden dem letzteren ausser Przemyśl, Chełm und Wladi. mir auch die beiden anderen kleinrussischen Bisthümer von Kamieniec und Kiew und das moldauische von Sereth unterworfen.2 Von den drei letzteren ist uns die Gründungsgeschichte des Bisthums Sereth aus unserer obigen Darstellung bekannt. 3 Dagegen liegen uns über die Bisthümer von Kamieniec und Kiew keine förmlichen Erectionsbullen vor. Die Entstehung derselben ist also analog jener der ersten Entstehung der Bisthümer von Chełm, Przemyśl, Wladimir und des Erzbisthums von Halicz. So wie diese vor dem Jahre 1375 als langjährige Vacanzen betrachtet wurden, zu deren Besetzung keine Erectionsbullen nöthig wären, so scheint es auch mit den Bisthümern von Kiew und Kamieniec stattgefunden zu haben. Für Halicz, Wladimir, Chełm und Przemyśl musste nun freilich nachträglich eine förmliche Erectionsbulle erlassen werden, aber den Anlass dazu gaben die uns bekannten Ansprüche der Bischöfe von Lebus, ohne welche dieselbe überflüssig geworden wäre. Die Bisthümer von Kiew und Kamieniec wurden dagegen gewiss erst nach dem Jahre 1375 besetzt, also zu einer Zeit, wo die Bischöfe von Lebus mit ihren Ansprüchen bereits rechtlich zurückgewiesen

1 Ebd. Vgl. Gołebiowski, Dzieje Polski za panowania Kaźmirza, Jana Ol

brachta i Alexandra, Warszawa 1848, S. 315, Nr. 699, wo Capitelacten

citirt werden. 2 Theiner, Mon. Pol. II. N. 8, S. 5: ,Ac etiam sciencia et auctoritate pre

fatis de eorundem fratrum nostrorum consilio (des Cardinalcollegiums) nostras filias predilectas Premisliensem, Chelmensem, Camenecensem, Wlodimiriensem, Ceretensem et Kyoviensem ecclesias et earum quainlibet ipsarumque Episcopos tam presentes, quam futuros, qui eis pro tempore preesse contigerit et quascumque alias in partibus illis secundum ritus Grecorum viventes ecclesias earumque episcopos cum earum et eiuslibet ipsarum civitatibus et diocesibus, iuribus et pertinenciis universis ipsi Leopoliensi ecclesie tanquam ipsarum Metropoli et Archiepiscopo Leopoliensi pro tempore existenti pro eorum Suffraganeo atque Provincia harum serie decernimus perpetuo fore et esse subiectos atque subiectas et sub

iicimus per presentes'. 3 Woher Gams, Series Episcoporum, S. 363, an der Spitze der Bischöfe von Sereth zum 9. Mai 1371 einen Peter hat, ist uns unbekannt.

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