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nachdrücklichste betont. ,Euer Erzbischof', heisst es darin, „soll das freie Verfügungsrecht haben über sämmtliche Kirchen des griechisch-orientalischen Ritus'; das Recht ,Bischöfe zu weihen, Geistliche in die Klöster zu verweisen, Kirchen, wo die Mittel vorhanden, aus eigener Machtvollkommenheit erbauen zu lassen, in den Städten und Dörfern über die Priester zu disponiren; mit Einem Worte: Alles zu verfügen, wie es der griechischen Kirche und ihren Bekennern vortheilhaft ist, und zwar: kraft der eigenen kirchlichen Autorität, gemäss der Privilegien, welche Unsere gottseligen Vorfahren, die früheren ungar. Könige, Euch verliehen in ganz Griechenland, Rascien, Dalmatien, Bosnien, Jenopolien und Herzegowina, so wie in Ungarn, in Croatien, in Mysien und Illyrien, wo sie wirklich vorhanden sind und damit sie sich dieser Rechte insolange, als sie insgesammt und einzeln Uns getreu sind und verbleiben werden, erfreuen mögen.'1

Inzwischen hörten aber die Feindseligkeiten der weltlichen Municipien wie auch der katholischen Geistlichkeit gegen die serbischen Ankömmlinge nicht auf; letztere forderte von ihnen, trotz ihrer Privilegien, den Zehnten und die weltlichen Behörden wollten sie ihrer Jurisdiction unterwerfen. Der Patriarch-Erzbischof häufte deshalb Klage auf Klage bei Hofe, wodurch sich Kaiser Leopold veranlasst sah, unter dem 4. März und im Juni 1695 dem Erzbischof Csernovics und den Serben überhaupt ihre Freiheiten wiederum zu bestätigen und namentlich eingehend deren Steuerfreiheit und die ungeschränkte Ausübung ihrer Religion neuerdings zu garantiren.? Auch einzelne

1 Vgl. den Text des Privilegiums bei Csaplovics, l. c. II, p. 30 ff. 2 Da heisst es: ut Archi-Episcopo vetusta Dignitas et Episcopos sui

Ritus promovendi facultas ... integra maneat et constitnti per eum Episcopi per assignatos sibi districtus in quibus videlicet numero competente Raseiani seu Serviani Populi ... familiae de Consilii Nostri Aulae Bellici voluntate consederunt, sesegue collocarunt, spiritualia sua Munia imperturbate obire, sontes corrigere, et pro demeritis punire, Stolas et Proventus Ecclesiasticos sibi de Ritu et antiqua Consuetudine competentes percipere, Officiumque sum (citra tamen ullum Praelatorum Nostrorum et Ecclesiae Romanae Catholicae Praejudicium) administrare, et Populus denique omnis in Praesidiis, oppidis , Confiniis et Ditionibus Nostris ... libero sui Ritus, et Professionis Exercitio absque omni metu, periculo, corporisque nel facultatum detrimento gandere . possit. Csaplovics 1. c. p. 37–38.

von Serben bewohnte Districte erhielten specielle ProtectionsDecrete.

Wie aus diesen Privilegien ersichtlich ist, war die Freiheit in dem Religionsbekenntniss und in der Ausübung der geistlichen Jurisdiction dem serbischen Volke und seinem Klerus, insbesondere aber dem Metropoliten ausnahmslos für alle Gebiete der ungarischen Krone (mit Ausnahme Siebenbürgens), dann für die ehemals der Krone Ungarns als Vasallenländer unterworfenen Provinzen jenseits der Donau, Save und Kulpa, welche nun vom Türken occupirt waren, und endlich selbst für das an Croatien gränzende Illyrien', mit welchem unbestimmten Begriff man wohl die anrajnenden, von Serbo-Croaten (den Uskoken) besiedelten Gränzdistricte des Herzogthums Krain und das Littorale bezeichnen wollte, ausdrücklich zuerkannt und wiederholt bestätigt.

Als diese Privilegien, Protections-Decrete und deren Confirmationen von Seite des Hofes und den unterstehenden Dicasterien den Serben ertheilt wurden, war aber durch die schädliche kirchliche Politik Oesterreichs, dann in Folge der Feindschaft des katholischen Klerus und der Abneigung der ungarischen Nation gegen die privilegirten griechisch-orientalischen Serben bereits ein Vorgehen inscenirt worden, das in seinen Folgen ebenso bedauerlich als ungerecht und im Widerspruche war mit den Principien der Religion der Liebe. Oesterreich stellte seit den Tagen Ferdinand II. seine Macht leider

zu oft in den Dienst Roms und nicht selten waren die Interessen der päpstlichen Curie weit einflussreicher auf die Entschliessungen und Handlungen der österreichischen Herrscher und ihrer Diener als die Interessen des eigenen Landes. Neben dieser überlieferten Politik, welche allerdings zum Theil auch in der aufrichtigen religiösen Ueberzeugung der österreichischen Fürsten wurzelte, machte sich noch die Besorgniss geltend, dass die Griechisch-Nichtunirten im Grunde keine unbedingt getreuen Unterthanen katholischer Fürsten sein könnten; dass sie sich vielmehr, schon kraft ihrer griechischen Confession, zu den Hauptprotectoren dieses Ritus, zu den

nur

! So z. B. die Serben im Pest-Piliser Comitate (ddo. 11. Juli 1695), die

Ofner Serben (16. Juni 1698), die Serben in der Gränze (1. Juli 1698), die Serben des Syrmier Comitats (2. Juni 1699). Vgl. Czoernig, III Beil. p. 95 - 96.

Beherrschern Russlands, hingezogen fühlen müssten. Diese Gesichtspunkte leiteten Oesterreichs Staatsmänner auch bei der Betreibung des kirchlichen Unionsgeschäftes, das in Ungarn schon vor der Herrschaft der Habsburger betrieben worden, jetzt aber während der Habsburgischen Epoche weit grössere Dimensionen annahm. Zuerst wurde die kirchliche Unificirung unter den Ruthenen begonnen.! Diesen folgten die Unionsversuche unter den Serben zwischen der Donau und der Drau, dann in Syrmien und Slavonien, sodann die Unificirung bei den siebenbürgischen Rumänen, die man für nahezu 100 Jahre ihres alten Episkopats beraubte und deren Metropolie bis auf unsere Tage unterdrückt blieb; daran schlossen sich dieselben Bestrebungen im Grosswardeiner Bisthum und endlich die Ereignisse in dem Sichelburger Districte des Karlstädter Generalats. Ueberall dieselbe Tendenz, überall dieselben Factoren. Den klarsten Einblick in das Widerspiel der hierbei einwirkenden Kräfte liefert uns jedoch die Geschichte der Union in dem letztgenannten Districte, schon um dessentwillen, weil uns hierüber in den Acten der ungarischen Hofkanzlei ein ausreichendes urkundliches Materiale vorliegt, das den ganzen Process in seinem äusserlichen und inneren Verlaufe deutlich beschalen lässt.

14 Wie wir oben mitgetheilt, war der Sichelburger District durch wiederholte Ansiedlungen mit griechisch-nichtunirten Uskoken besetzt worden. Selbstverständlich waren diese Flüchtlinge auch von Geistlichen ihres Ritus begleitet, wie ihnen denn auch die freie Ausübung ihres Cultus, die Gründung von Kirchen und Klöstern feierlich zugestanden und bekräftigt worden war. Für die kirchlichen Bedürfnisse der Sichelburger sorgten theils eigene Pfarrer, theils die Mönche aus dem nahen Kloster Gomirje, die hiezu von dem jeweiligen Commandanten zu Karlstadt besondere Erlaubnissdecrete empfangen hatten. 2

Somit war der kirchliche Friedensstand in diesem Theile des Gränzgebietes durch lange Jahre ungestört verblieben. Da liess, um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, der kommandirende General zu Karlstadt, General-Feldwachtmeister Leopold Freiherr v. Scherzer, durch seinen Obrist-Wachtmeister

1 Man vgl. hierüber: Fiedler, Beitr. zur Gesch, der Union der Ruthenen

in Nordungarn. (Sitzungsber. der Wiener Akad. Bd. 39, 1862, S. 483 ff.) 2 Vgl. Beilagen III, IV.

zu Schumberg, Johann Penczinger, im Sichelburger Districte mittelst eines Rundschreibens vom 24. November 1750' ,von Hauss zu Hauss kund machen“, dass ,von heütigen Tag an und künfthin' weder die Officiere noch ein untergebener Soldat oder Gränitzer unter schwärster Verantwortung und Bestrafung sich anmassen sollen, einen Callugier (griech. Mönch), woher er auch immer seyn solte, in ihren Häusern zu beherbergen, Vil weniger einige geistliche Functiones unter dem Volck oder bei dem Sumberaker Bataillon zu verrichten zu gestatten, sondern wan einer dergleichen in dise Gegenden kommete, sollen Sie also gleich beyin Tag und bey der Nacht anhero zu expediren und wan Er auch von Hochgedachten Herrn Generalen (v. Scherzer) ein Decret oder sonsten eine Schrift vorzuweisen hätte, man darauf nicht zu sehen, sondern denselben aufzuhöben und anhero zu mir zu schicken hat.

Dieses Verbot und beziehungsweise dieser Ausweisungsbefehl stand im offenbaren Widerspruche mit den gewährleisteten Freiheiten der Griechisch-Nichtunirten, mit dem nahezu zwei. hundertjährigen, ungestörten Genusse dieser kirchlichen Freiheiten und endlich auch mit einem Decrete Scherzer's selbst, der den Mönchen des Klosters Gomirje noch unter dem 16. August 1747, also kaum drei Jahre früher, den Zutritt zu dem Sichelburger Districte auf Grund der vorgewiesenen Patente gestattet und seinen Untergebenen anbefohlen hatte, diese Mönche mit ihren daselbst gesammelten Almosen jetzt und ,hinkünftigó ruhig ziehen zu lassen, ohne sie ,mit Abforderung einiger Douceurs im mindesten zu turbiren“. 2

Man wird nicht irre gehen, wenn man die Sinnes-Aenderung und veränderte Handlungsweise des Baron Scherzer gegen die serbischen Mönche dem Einflusse der in Croatien und Slavonien herrschend gewordenen Regierungs-Anschauung zuschreibt, die ohne Zweifel noch durch die Rathschläge des damals im Sichelburger Districte verweilenden spätern unirten Bischofs von Szwidnitza, Gabriel Palkovics (auch ,Paulkovics“) gekräftigt wurden. Um jedoch diesen Einfluss gehörig würdigen zu können, müssen wir auf die Geschichte des gewaltsamer

1 Beilage V. 2 Beilage IV.

Weise errichteten griechisch-unirten Bisthums von Szwidnitza oder Pribich etwas näher eingehen.

Schon weiter oben wurde kurz des Abfalls gedacht, womit Bischof Zorcsics vom Kloster Márcsa sich der Union zugewandt hatte. Dieses Kloster gehört zu den frühesten Ansiedlungen des serbischen Volkes in dem wiedereroberten Slavonien. Unter Kaiser Maximilian II. kamen nämlich im Jahre 1572 einige Mönche aus dem Kloster Hermel 1 in Bosnien mit wenigen Serben über die Save und liessen sich mit a. h. Erlaubniss in dem verödeten, nachmaligen Generalate von Warasdin neben dem Gebirge Kalinek (Kalnik) nieder, nachdem sie vorher die Türken und Tataren aus dieser Gegend sowie aus der von Ceniz vertrieben und das ,eiserne Thor (ein Pass auf der Strasse von Kreuz nach Warasdin) besetzt hatten. Der Kaiser Max und sein Nachfolger Rudolf II. (1582) ertheilten ihnen ansehnliche Privilegien, in Folge dessen im Jahre 1600 unter den Führern Vukovich und Piassonich (auch ,Beassinovich“) viele Tausend serbische Familien aus Bosnien und Macedonien herübertraten; unter ihnen befand sich auch der Metropolit Gabriel sammt einer grössern Anzahl (Csaplovics meint ,etwa 704) Mönchen (Kaliugern).

Einige dieser Familien liessen sich dies- und jenseits des grossen Morastes, den der Fluss Glogonica gebildet, in der Nähe des Klosters Márcsa (auch ,Marcha' = ,Mahrtschaund Mácsa) sowie auf mehreren Herrschaften des Agramer Bischofs und des Grafen Zrinyi nieder, um daselbst bei erneuerten Einfallen der Türken Hilfe zu leisten. In den ihnen ertheilten Privilegien wird ihnen nicht bloss das von den Türken zurückeroberte Terrain als Eigenthum geschenkt, sondern ihnen nebst freier Ausübung ihrer Religion auch für die Erhaltung ihres Bischofs zu Márcsa eine jährliche Dotation von 300 fl. angewiesen.

Der Metropolit Gabriel liess mit kaiserlicher Genehmigung aus den Trümmern von Márcsa Kirche und Kloster wieder herstellen und er sowie seine Nachfolger nahmen darin ihren Wohnsitz. Zum ersten Male lässt sich in den Bischöfen von

| Auch ,Chermlja' und ,Szernal“ genannt, am Flusse Zermagna bei Bihacs

in Bosnien gelegen. 2 Csaplovics II. 19; Ilietzinger 1. c. I. 25; Czoernig l. c. II. 169.

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