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völlig individueller Natur ist, dass an eine formelhafte Bedeutung desselben nicht gedacht werden kann, heisst es: Complacenciam in eo nobis ostendens valde gratam et acceptam et odiis precisuri incentiua – – vel sic - odiis futuris ex hoc precisuri incentiua et nobis valde gratam nec non astrusuri burzenie; und hinter der Urkunde Nr. XLVII nach dem ,Datum“. Debet super nonnullis injuriis banicionibus exultacione prescripcione publicacione mandatis et procuracione libertatis ecclesiastice violacione expensis dampnis et interesse proptera passis et paciendis et aliis rebus in huiusmodi causa decidendis cum ad eos pro premissis exequendis tutus non pateat accessus. Man sieht: hier ist über die abgefasste Urkunde eine Kritik, sei es von dem Notar selbst, sei es von einem Andern geführt, welche eine andere Fassung der Urkunde veranlasste und diese nur als Entwurf kennzeichnet. Diese Entwürfe selbst aber können die Briefe nicht sein, denn die ohne Veränderung in der Handschrift, ohne räumliche Unterbrechungen und Unterscheidungen in den fortlaufenden Text eingefügte Nr. LXXX, erweist mit aller Evidenz, dass die Abschrift nach dem Jahre 1433 angefertigt sein muss.

In einem ganz wesentlichen Punkte unterscheidet sich aber der zweite Theil von dem ersten. Während in dem ersten fast alle Schreiben mit geringen Ausnahmen mit Ueberschriften versehen waren, in welche gar manche interessante und wichtige Notiz über den Concipienten oder über das Schicksal des Briefes eingeheimst ist, steht im zweiten Theil die grössere Anzahl ohne Ueberschriften, und während die Ueberschriften im ersten Theil in der Cursivschrift des Textes erscheinen, zeigen die des zweiten Theils, bei übrigens derselben Handschrift und Tinte (Hd. B), eine in die Augen fallende Fractur.

Wir kommen nunmehr zu der Frage, wozu hat Stanisław Ciolek diese Sammlung angelegt, denn dass es keinen plausiblen Grund gibt, an dieser Provenienz derselben angesichts der klaren und bestimmten Angabe des Titels zu zweifeln, werden wir weiter unten noch erhärten.

Dem blossen Kanzleidienst als Formularium war sie zuverlässig nicht bestimmt. Man darf ihren Inhalt, ihre Schriftstücke dem innern Stoffe 'nach nur mit dem vergleichen, was in dem dritten Theile vorliegt, der ganz gewiss (ausschliesslich der humanistischen Correspondenz) den Zwecken der notariellen

Kanzlei diente, um sich sofort zu überzeugen, dass bei der Anlage dieser Sammlung ganz andere Absichten vorlagen. Schon nach der Kenntniss blos des ersten Theils hat daher Zeissberg! eine Bemerkung ausgesprochen, die durch Beschaffenheit und Inhalt des zweiten Theils nur noch unterstützt wird. Zunächst (?)

ist freilich, sagt er, auch hier das urkundliche Material, wie

ein in dieselbe Handschrift aufgenommenes Formelbuch ,beweist, für formelle Zwecke eingetragen, allein der Um,stand, dass unter die Urkunden der Gegenwart solche „aus früherer Zeit, wie jene Witolds von 1412 über ,die zukünftige Stellung zur Moldau, in Hinblick auf den Gebrauch derselben bei vorstehenden Verhandlungen, 2

eingetragen wurden, deutet unverkennbar neben dem Inter,esse an der Form jenes an den Inhalt der Documente qan. Und so bedurfte es nur noch eines fernern Schrittes, ,indem man etwa die Urkunden in ihrer zeitlichen Auf,einanderfolge eintrug und ihren Inhalt durch eine eingeflochtene Erzählung vermittelte, um auch von diesen ,Bestrebungen aus der Geschichtschreibung zugeführt zu werden.'

Diese hier ausgesprochenen Ansichten treffen mit meiner eigenen Meinung nahezu überein, und ich werde darin durch eine Gedankenverbindung bestärkt, zu welcher gleichfalls Zeissberg mir die Anregung gegeben hat. Sie knüpft an den von Wiszniewski 3 mitgetheilten und Zbygniew Oleśnicki zugeschriebenen Brief an. Der Wichtigkeit für unsere Frage wegen setze ich den Brief, der sich in der Krakauer Universitäts-Bibliothek befindet, (fol. 42) hier her:

,Ad episcopum Chelmensem. Reverende in Christo pater, amice carissime! Fuit mihi semper estque non praecipua solum sed et fervens cura, ut ea quae in patria nostris acciderunt temporibus posteris et successoribus nostris relinquamus memoranda. Multa quidem ego, dum in curia serenissimi principis domini Vladislai olim Poloniæ regis agerem, et minor me teneret status oculis pervidi et

1 Die polnische Geschichtsschreibung des Mittelalters, p. 177. 2 Und ungleich mehr noch die Einfügung der zwei Capitel aus dem

Janko von Czarnkowo über die Ceremonien bei der Bestattung eines

Königs (vgl. Lib. cane. I, p. 211 [529] Note.) 3 Hist. literatury polsk. IV, 1.

singulatim quæ tunc agebantur fideli reminiscencia notavi et congessi. Ad pontificale vero culmen assumptus, non poteram universalustrare nec pro qualitate negotiorum et agendorum ubique adesse, vestra vero paternitas usque eciam ad domini regis hiatum in curia perstitit et versabatur, et omnia emergencia in hac nostra republica cum expressione circumstanciarum locorum et temporum quemadmodum a certis relacionibus doctus sum, fideli scriptura signavit, de quo non mediocrem voluptatem concepi, intelligens vestre Paternitatis unico beneficio gesta rerum regni nostri non in totum deperiisse; fatigo itaque hunc cubicularium meum Boleski (Bolesta?) ad vestram Paternitatem, rogans, velit P. V. omnia scripta rerum gestarum per V. P. collecta mihi ant originaliter, quod gratius erit, aut accopiata transmittere et quæ non minus fideliter quam diserte scripta mihi communicare, nec etiam hoc aliquid suggilacionis vel improperii reformidet. Secreta enim apud me consistent et si ita V. P. complacuerit, adeo ea condita faciam ut nullus intuebitur illa oculus. Ad singularem mihi reputabo gratiam, si V. P. precibus et desideriis meis annuens annalium rerum scripturam huiusmodi miserit, et me scripturarum ipsarum relinqueret haeredem. Opto sincero corde V. P. longas dies, sed vereor, ne post V. P. obitum scripturae huiusmodi depereant. Praeoccupo itaque et nisi molestum est, mihi illas aut dari aut mutuari exopto.

Die nächste Frage ist nun nach dem Adressaten, dem Bischof von Chelm. Drei, meint Zeissberg' sind denkbar: ,entweder Johann von Opatowiec, † 1440, oder Johann von Cholyewa (?), + 1.152, oder Johann Kraska Taranowski'. Diese drei Möglichkeiten sind aber gleich auf zwei zu beschränken, denn Johann von Opatowicc und der angebliche Johann von Cholyewa sind ein und dieselbe Person. Długosz, Lib. benef. III. 453 liefert uns eine dankenswerthe Nachricht über sein Leben. Frater Johannes de Oppatho wyecz, sacrae theologiae pro

| Poluische Geschichtsschreibung des Mittelalters, S. 179. In Theiner

Mon. Pol. II, 40, Nr. 60 findet sich ein Schreiben Papst Eugens an Andreas de Laschis episcopus Chelmensis v. J. 1432. Das muss auf einer Verwechslung mit Bischof Andreas von Wladimir (vgl. Brześćer Friedensurk. Voll. Legg. I, 127) beruhen; in Chelm gab es all die Zeit ber keinen Bischof Andreas.

fessor vocatus episcopellus cum annis sex prioratum Cracoviensem rexisset, anno domini 1411 in capitulo Syradiae celebrato infra octavas ascensionis electus, nobilis de domo Cholewa qui post fundata ecclesia cathedrali in Chelm Russiae a. d. 1417 secundus in ea episcopus per Wladislaum II Pol. regem, cuius erat confessor ordinatus est; mortuus est in eodem episcopatu anno domini 1440 (?). Hic tempore sui provincialatus suscepti in Kostay, Lowicz, Sroda, Hrodlo, Hrubieszow, conventus Nicolaus de Pnyewy, et absolutus est per magistrum ordinis ad instantiam Nicolai de Oppol, Falkemberg et Andreae venatoris de Rathibor propterea quod paraliticus fuerat. Also Johann von Opatowiec, Cholewa starb 1440(?). Allerdings lässt Długosz Hist. Pol. XIII, 88 denselben Bischof am 22. April 1452 noch einmal sterben, und ich weiss diesen Widerspruch nicht zu erklären. Der nachweislich im Jahre 1452 das Chelmer Episcopat antretende Johann Kraska Taranowski hat aber nicht am Hofe Władysław Jagiełło's oder seines Sohnes gelebt, wenigstens gewiss nicht in dem beträchtlichen Verkehr, den der Brief voraussetzt, denn sonst würde sich doch wohl eine Spur davon erhalten haben müssen, während wir in der That Johann von Opatowiec fast bei jedem wichtigen Vorgang in den letzten zwei Jahrzehnten der Regierungszeit Jagiełło's gegenwärtig finden. Es kann also wohl nur Johann von Opatowiec sein, an den der Brief gerichtet ist, und Zeissberg 2 selbst findet es ,wahrscheinlich'.

1 Diese Notiz des Dlugosz findet sich auch im Calendarium Crac. bei Łełowski, Kat. bisk. Krak. IV, Anh. 71. R. p. d. Johannes episcopus Chelmensis magister theologie et frater ordinis predicatorum nobilis de domo Cholewa in Chelm moritur 1452. den 22. April. Es ist · offenbar Johann von Opatowiec. So nahe manche ausgleichende Vermuthungen liegen, so halte ich doch damit zurück, da nur die Urkunden einen Anhalt bieten können. In den mir zugänglichen Urkunden finde ich zwischen 1440 und 1452 gar keinen Bischof von Chelm. Dług. Hist. Pol. XIII, 21, erwähnt aber im Jahre 1446 einen Johannes episcopus Chelmensis. In dem Breve des Papstes Nicolaus V. vom 1. September 1452, worin ,propter tenuitatem redituum' dem Nachfolger die Beibehaltung der alten Präbenda gewährt wird, ist zwar von der Destitution des Episcopats die Rede, nicht aber wie in der Regel, davon, dass sie durch den Tod des Vorgängers erfolgt sei. S. Theiner, Monum. Poloniae II. S. 91, Nr. CXXXIV. Johannes von Opatowiec war auch viele Jahre hindurché des

Königs Beichtvater. Siehe Dlugosz, Lib. benef., III, 455. 2 A. a. 0. Vgl. auch die Anm. 2.

Wer aber schrieb den Brief? Die Frage ist für uns noch wichtiger. Die Meinung Wiszniewski's,' dass Zbygniew Olesnicki ,ohne Zweifel' der Verfasser sei, die jedoch nur auf dem Umstande beruht, dass in der betreffenden Handschrift überhaupt viele Briefe von und an Zbygniew gesammelt sind“, 2 ist entschieden abzulehnen. Denn Zbygniew ist nicht, von der Zeit an, da er ad pontificale culmen assumptus war (1423), weniger sondern ungleich mehr mit dem Gang der öffentlichen Angelegenheit vertraut und betraut gewesen. Zbygniew konnte unmöglich seine politische Bedeutung und seine Kenntniss der Vorgänge aus der Zeit, wo er nur Notar und Domherr zu St. Florian war, höher anschlagen, als aus der Zeit, da er Bischof von Krakau geworden. Auch konnte Zbygniew keineswegs dem Chelmer Bischof als Vorzug gegen sich hervorheben, dass Jener ,usque eciam ad domini regis (Vladislai) hiatum in curia perstitit et versabatur“, denn diesen Vortheil besass er selbst. Und für Zbygniew gab es bis zu seinem Lebensende keine Zeit, in welcher er füglich und passend hätte sagen können: ,dum in curia ser. principis dom. Vladislai olim Poloniae regis agerem', da er bis zuletzt am Hofe und in den Staatsgeschäften blieb. So drückt man sich nur aus, wenn man selbst an dem IIofe nicht mehr verweilt. 3

Aber alle die Umstände, welche auf Zbygniew Oleśnicki nicht passen, stimmen vortrefflich zu der Annahme, dass Stanislaw Ciołek den Brief geschrieben hat. Als Stanisław Ciolek noch ,minori tentus statu' in der clericalen Terminologie gesprochen war, d. li. als er noch nicht Bischof war, (vor 1428) hatte er allerdings als notarius regius und als

1 Hist. lit. IV, t, der ich leider, Gesch. Pol. III, 555, gefolgt bin, und die

anch Zeissberg a. a. 0. nicht ganz aufzugeben wagte. 2 Zeissberg das. Note 1. 3 Dass Zbygniew Oleśnicki auch einen grossen Process wegen der Par

rochie Lublin mit Johann von Opatowiec führte, der diese von dem Krakauer Episcopat abgerissen und seinem eigenen hinzugefügt hatte, und dass dieser Process vor den Papst und den Reichstag gebracht, zu Ungunsten des Chelmer Bischofs ausschlug ist auch ein Argument, das nicht ganz übersehen werden kann. Bulle Papst Martin V., dd. 4 Kal. Februarii p. a. nono (1425) im Krakauer Capitelarchiv Transumpt. Lib. I. privileg. part., 2 fol., 39 Fasc., und Erklärung des Reichstages, eben daselbst, Fasc. 15. Vgl. Długosz, Hist. Pol., XI, 454.

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