Abbildungen der Seite
PDF
EPUB

1697 wirde sie von den Franzosen, unter den Befeh: len des Marsdals Catinat, wieder erobert, ging aber noch im nämlichen Jahre durch den Riswicker Fries den (vom 21. August) wieder an die Spanier über. – Vauban, als Ingenieur en Chef, leitete die Belages rungsarbeiten. „Bei dieser Belagerung,“ sagt Wauban, „wurden die ausgedehnten Waffenpläge, die bei der Belagerung von Mastridst im Jahre 1673, wo: bei id die Arbeiten leitete, zum ersten Male, und seit: ber in allen Belagerungen der Franzosen, mit mehr oder weniger Vollkommenheit angewendet wurden, am vollkommensten ausgeführt *)." Die Bestreichungsbatterien (batteries d'enfilade), die Vauban schon bei früheren Belagerungen mit Nußen gebraucht hatte, wurden von ihm vor Ath durch die Erfindung des Rikosdettschusses zur Vollkommenbeit gebracht. - Der beigefügte Plar: zeigt die Lage und Gestalt der Fes ftungse, und der Angriffs. Werke mit den Batterien.

Am 15. Mai 1697 wurde der Plat durch 12,000 Mann Kavallerie berennt, und am 16. Abends traf der Marsmall Catinat mit dem übrigen Theile der Belagerungsarmee, die im ganzen gegen 40,000 Mann stark war, vor der Festung ein. Es wurde sogleich die Gegend besichtigt, an den Circum: valazionslinien gearbeitet, und Verbindungsbrücken über

*) Die Waffenpläße oder Parallelen (places d'armes oder

parallèles) wurden, vor dem Jahre 1673, nur wenig über die sapitafen der angegriffenen Bollwerke ausgedehnt, und daselbst durch Reduten geschlossen. Das Feuer der den angegriffenen zur Seite gelegenen Werke war da: her den Angreifern sehr beschwerlich.

die Dender geschlagen, fernier die Unordnungen getrof: fen, um alles vorzubereiten und herbeizuschaffen, was zur Eröffnung und Führung der Laufgraben gehört. Die Belagerung wurde durch eine Beobachtung 8: armee, unter dem Befehle des Maridad Villeron, gedeckt, welcher am 20. Mai bei Ost i de das Lager bezogen hatte.

Bis zum 22. Mai dauerten die Vorbereitungen. Unter dieser Zeit hatte Bauben mehrmalen das Sers rain besichtiget, und darnach seinen Angriffsplan entor: fen. Un ernähntem Tage, gegen acht Uhr Abends, wurs den die Laufgraben unter Begünstigung eines starken Regens, der die Nacht sehr finster machte, eröffnet. *) 2000 Mann Arbeiter und 6 Bataillons Bedeckung waren dazu bestimmt. Die Anstellung der Arbeiter geschab durch die Ingenieurs mit so viel Ordnung, daß um eilf Uhr die ganze Urbeit traçirt war. Zwei Annähes rungen, in beinahe paralleler Lage gegeneinander, jede gegen 500 Klafter lang, weil der Boden keine Des kung darbot, wurden durch den, 270 Klafter von den Vorsprüngen des bedeckten Wegs entfernt angelegten, Waffenplaß mit einander verbunden, und dadurch in dieser Nacht bei 1500 Klafter Laufgrabenlänge vollkoms inen ausgehoben; wobei man keinen Mann verlor. In der Nacht auf den 24. Mai wurde die erste Paral. lele links bis zur Überschwemmung und rechts bis vor die Kapelle unserer lieben Frau von Loretto verlängert. Auch wurden die drei Annäherungen auf den Kapitalen

*) Der aufgraben (la tranchée) ist die allgemeine Bes

nennung aller bei dem Angriffe einer Festung gemad)t werdenden Schanzarbeiten.

der zwei Bastionen und des Mittel: Ravelins eröffnet. Sie wurden zuerst 50 oder 60 Klafter lang von der Kas pitale rechts geführt, dann links so gebrochen, daß sie gut defilirt waren. Am Ende derselben wurde die zweite Parallele auf 140 Klafter Entfernung angefangen ; ein Theil davon, gegen die Überschwemmung zu, wurde mit der ersten Parallele verbunden. Vauban besuchte täglich zweimal die Laufgraben, am Morgen, um die in der Nacht ausgeführten Arbeiten zu besehen, und Abends zur 21616sungszeit, um die Arbeiten für die Nacht anzuordnen. Für die Nacht auf den 25. Mai wurde befoblen: die erste Parallele rechts, bis gegen die Meierei de la Trahison, welche im Rücken blieb, zu verlängern, die zweite Parallele vollkommen zu bes enden und die Sappen auf den Kapitallinien der Ba: stionen anzufangen. Auch erachtete Vauban für nothwendig, am linken Ufer der überschwemmung, zur Des kung des linken Flügels der Parallele, einen Laufs graben ausbeben zu lassen.

In der Nacht auf den 26. wurden sie Batterien Nro. 1 bis 5 in der zweiten Parallele zu bauen anges fangen. In der Gegend der Coretto - Kapelle wurde die erste Paradele mit der zweiten verbunden, und die Sappen fekten ihre Arbeiten fort. Einige feindliche Infanteristen, welche sich, vor der Festung, hinter Ges büsch und altem Gemäuer versteckt hielten, um die Uns náberungen zu bindern, wurden bald in dieselbe zus rückgewiesen. - Da Vauban erst in der zweiten Pas rallele Batterien haben wollte, — in der überzeugung, daß die zu entfernt angelegten Batterien nur dienten, Lärmen zu machen, unnöthig Pulver zu verbrennen, und die Bertheidiger an das Schießen zu gewöhnen

1

- To batten die Belagerer bis jegt noch kein Geldüb in Batterien. Der ersten Parallele einzige Bestimmung war, um gegen die ersten Ausfälle zu sichern; dabei sie als eine, vor die Angriffsseite gelegte, 300 Klafter vom Hauptwall entfernte, Kontravallazionslinie angu: seben war. Die zweite hingegen wurde zur Aufnahme der Batterien bestimmt, die am besten auf 150 Klafs tern Entfernung angelegt werden.

In der Nacht auf den 27. schritten die Arbeiten der Sappen gegen die Bastionsspißen fort, und eine dritte auf der Kapitallinie des Ravelins wurde anges fangen. Die Verbindung rechts der ersten Parallele mit der zweiten wurde beendigt, und die erstere noch weis ter rechts verlängert. Den Waffenplagen wurde eine solche Einrichtung gegeben, daß man daraus ein wohls gezieltes Feuer unterhalten konnte. Der Bau der fünf Batterien wurde vollendet; fie waren auf die Berläns gerungen der Facen der Werke angelegt, um sie mit geringen Ladungen zu bestreichen. Dieses hatte einen so guten Erfolg, daß, nachdem sie einmal im Gange waren, die Vertheidiger fich auf den Werken nicht mebr balten konnten; welches ihr mattes Feuer bewies; To daß man ohne Gefahr in die, und aus den laufgraben geben konnte. - Nicht ohne Mübe brachte Vauban die Artilleristen dazu, mit geringen Ladungen zu sdies Ben, weil diese Wirkung nicht in die Augen fiel. Nachs dem sie aber genöthiget waren, sich diese Art zu dies Ben, eigen zu machen, wurde Vaubans Abfidt bald er: reicht, und man hatte noch niemals vorher die Kanos nen, mit so wenig Lärmen, so guten Nußen leisten fehen. Diese Batterien gewähren nod überdies den Vortheil, daß, da sie mit hoher Richtung feuern, fie

über die fortgefegten Angriffsarbeiten wegstreichen, ohne sie zu beunruhigen. Da es durch einige Tage anbaltend regnete, so war die Geschübbedienung beschwer: lid; naddem aber besseres Wetter eingetreten war, batten sich die Artilleristen bald eingeübt. Diese unges wohnte Art zu schießen, beunruhigte anfärglid selbst die Artillerie - Offiziere, und war auch nicht nach dem Ges ichmack det andern, sogar höheren Offiziere, die an das geräuschvolle Wirken der Kanonen gewöhnt waren. – Die eigentliche Wirkung dieser Batterien lernte man erst nach der Eroberung des Plates kennen; der größte Theil der Berwundeten hatte auf den Werken Arme und Beine verloren; die Räder und Wände der Laffe: ten waren zerschmettert worden, und nirgends war man daselbst vor ihrer Wirkung ficher. Es ließen sich darum aud die Belagerten von den Werken, gegen welche diese Batterien einmal in Shätigkeit waren, beinabe nicht mehr hören, und schoffen nur noch aus einigen kleinen Kanonen, deren Aufstellung sie nach einigen Sdürfen wieder veränderten.

am 27. Mai wirkten die 3o in den Batterien aufgestellten Kanonen gegen die Werke mit ro gutem Erfolge, daß die Bertheidiger nur noch hin und wies der antworteten. - Auf dem hintern Sheile der zweiten Parallele wurden Körbe, Faschinen und Pröcke in großer Menge gesammelt. Ein jedes Bataillon, das die: sen Abend ablöste, batte den Befehl erhalten, 1000 Faschinen, und eine Anzahl drei Fuß langer PRöcke init: futragen.

In der Nacht auf den 28. rückten die drei Saps pen bis obngefäbr auf 25 Klafter Entfernung von den Vorsprüngen des bedeckten Weges vor. Auf dem rechten

« ZurückWeiter »