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1697 wurde sie von den Franzosen, unter den Befehlen des Marschalls Catinat, wieder erobert, ging aber noch im nämlichen Jahre durch den Riswicker Frieden (vom 21. August) wieder an die Spanier über. – Vauban, als Ingenieur en Chef, leitete die Belagerungsarbeiten. „Bei dieser Belagerung,“ sagt Vauban, „wurden die ausgedehnten Waffenplätze, die bei der Belagerung von Mastricht im Jahre 1675, wobei ich die Arbeiten leitete, zum ersten Male, und seither in allen Belagerungen der Franzosen, mit mehr oder weniger Vollkommenheit angewendet wurden, am vollkommensten ausgeführt *).“ – Die Bestreichungsbatterien (batteries d'enfilade), die Vauban schon bei früheren Belagerungen mit Nutzen gebraucht hatte, wurden von ihm vor Ath durch die Erfindung des Rikoschettschusses zur Vollkommenheit gebracht. – Der beigefügte Plan zeigt die Lage und Gestalt der Festungs-, und der Angriffs - Werke mit den Batterien. Am 15. Mai 1697 wurde der Platz durch 12,ooo Mann Kavallerie be rennt, und am 16. Abends traf der Marschall Cat in at mit dem übrigen Theile der Belagerungsarmee, die im ganzen gegen 4o, ooo Mann stark war, vor der Festung ein. Es wurde sogleich die Gegend besichtigt, an den Circumvalazionslinien gearbeitet, und Verbindungsbrücken über

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die Dender geschlagen, ferner die Anordnungen getroffen, um alles vorzubereiten und herbeizuschaffen, was zur Eröffnung und Führung der Laufgraben gehört. – Die Belagerung wurde durch eine Beobachtungsarmee, unter dem Befehle des Marschall Villeroy, gedeckt, welcher am 20. Mai bei Ostiche das Lager bezogen hatte. Bis zum 22. Mai dauerten die Vorbereitungen. Unter dieser Zeit hatte Vauban mehrmalen das Terrain besichtiget, und darnach seinen Angriffsplan entworfen. An erwähntem Tage, gegen acht Uhr Abends, wurden die Laufgraben unter Begünstigung eines starken Regens, der die Nacht sehr finster machte, eröffnet.*) 2ooo Mann Arbeiter und 6 Bataillons Bedeckung waren dazu bestimmt. Die Anstellung der Arbeiter geschah durch die Ingenieurs mit so viel Ordnung, daß um eilf Uhr die ganze Arbeit tragirt war. Zwei Annäherungen, in beinahe paralleler Lage gegeneinander, jede gegen 5oo Klafter lang, weil der Boden keine Deckung darbot, wurden durch den, 27o Klafter von den Vorsprüngen des bedeckten Wegs entfernt angelegten, Waffenplatz mit einander verbunden, und dadurch in dieser Nacht bei 15oo Klafter Laufgrabenlänge vollkommen ausgehoben; wobei man keinen Mann verlor. In der Nacht auf den 24. Mai wurde die erste Par allele links bis zur Überschwemmung und rechts bis vor die Kapelle unserer lieben Frau von Loretto verlängert. Auch wurden die drei Annäherungen auf den Kapitalen

*) Der Laufgraben (latranchée) ist die allgemeine Benennung aller bei dem Angriffe einer Festuug gemacht werdenden Schanzarbeiten.

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der zwei Bastionen und des Mittel-Ravelins eröffnet. Sie wurden zuerst 5o oder 6o Klafter lang von der Kapitale rechts geführt, dann links so gebrochen, daß sie gut defilirt waren. Am Ende derselben wurde die zweite Parallele auf 14o Klafter Entfernung angefangen; ein Theil davon, gegen die Überschwemmung zu, wurde mit der ersten Parallele verbunden. Vauban besuchte täglich zweimal die Laufgraben, – am Morgen, um die in der Nacht ausgeführten Arbeiten zu besehen, – und Abends zur Ablösungszeit, um die Arbeiten für die Nacht anzuordnen. Für die Nacht auf den 25. Mai wurde befohlen: die erste Parallele rechts, bis gegen die Meierei de la Trahison, welche im Rücken blieb, zu verlängern, die zweite Parallele vollkommen zu beenden und die Sappen auf den Kapitallinien der Bastionen anzufangen. Auch erachtete Vauban für nothwendig, am linken Ufer der überschwemmung, zur Deckung des linken Flügels der Parallele, einen Laufgraben ausheben zu lassen. In der Nacht auf den 26. wurden die Batterien Nro. 1 bis 5 in der zweiten Parallele zu bauen angefangen. In der Gegend der Loretto-Kapelle wurde die erste Parallele mit der zweiten verbunden, und die Sappen setzten ihre Arbeiten fort. Einige feindliche Infanteristen, welche sich, vor der Festung, hinter Gebüsch und altem Gemäuer versteckt hielten, um die Annäherungen zu hindern, wurden bald in dieselbe zurückgewiesen. – Da Vauban erst in der zweiten Parallele Batterien haben wollte, – in der überzeugung, daß die zu entfernt angelegten Batterien nur dienten, Lärmen zu machen, unnöthig Pulver zu verbrennen, und die Vertheidiger an das Schießen zu gewöhnen,

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– so hatten die Belagerer bis jetzt noch kein Geschütz in Batterien. Der ersten Parallele einzige Bestimmung war, um gegen die ersten Ausfälle zu sichern; daher sie als eine, vor die Angriffsseite gelegte, 5oo Klafter vom Hauptwall entfernte, Kontravallazionslinie anzusehen war. Die zweite hingegen wurde zur Aufnahme der Batterien bestimmt, die am besten auf 15o Klaftern Entfernung angelegt werden.

In der Nacht auf den 27. schritten die Arbeiten der Sappen gegen die Bastionsspitzen fort, und eine dritte auf der Kapitallinie des Ravelins wurde angefangen. Die Verbindung rechts der ersten Parallele mit der zweiten wurde beendigt, und die erstere noch weiter rechts verlängert. Den Waffenplätzen wurde eine solche Einrichtung gegeben, daß man daraus ein wohlgezieltes Feuer unterhalten konnte. Der Bau der fünf Batterien wurde vollendet; sie waren auf die Verlängerungen der Facen der Werke angelegt, um sie mit geringen Ladungen zu bestreichen. Dieses hatte einen so guten Erfolg, daß, nachdem sie einmal im Gange waren, die Vertheidiger sich auf den Werken nicht mehr halten konnten; welches ihr mattes Feuer bewies; so daß man ohne Gefahr in die, und aus den Laufgraben gehen konnte. – Nicht ohne Mühe brachte Vauban die Artilleristen dazu, mit geringen Ladungen zu schießen, weil diese Wirkung nicht in die Augen fiel. Nachdem sie aber genöthiget waren, sich diese Art zu schießen, eigen zu machen, wurde Vaubans Absicht bald erreicht, und man hatte noch niemals vorher die Kanonen, mit so wenig Lärmen, so guten Nutzen leisten sehen. Diese Batterien gewähren noch überdies den Vortheil, daß, da sie mit hoher Richtung feuern, sie

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