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die Wahl hat, und daß er gegen den gewählten den größ. ten Theil seiner Stärke vereinigen kann; dagegen der Ver: theidiger, in beständiger Ungewißheit, überall bereit feyn muß. einen möglichen Angriff abzutreiben. Hieraits ergibt fich die wichtige Regel : daß man dem Feinde den wahren Angriffs: punkt so viel als möglich Werbergen müsse.

201. Ohne Terrainkenntniß läßt sich kein zweckmässig geleitetes Gefecht denken. 179 202. Wer seinen Feind erwartet, ist nicht selten vor dem Angriff schon geschlagen; denn er kann nichts in vors aus berechnen, weil er jede seiner Bewegungen denen des Feindes unterordnet, und weil er nicht mehr im Stande ist, ihren Lauf zu hemmen, wenn sie einmal im Gange sind.

203. Man muß stets trachten, den Anfang der gungen zu gewinnen. Der General, dem es gelingt, diesen Vortheil zu erreichen, ist im Stande, seine Kräfte dort zu verwenden, wo er sie am passendsten findet.

204. Die Angriffsbewegungen müssen stets auf den fchwächsten, für den Feind zugleich wichtigsten Punkt ges leitet werden. Nur die Stellung des Gegners kann die Wahl eines solchen Manövers bestimmen; und der widtigste Punkt wird immer derjenige seyn, aus dessen Erkämpfung uns die größten Vortheile, für den Feind hingegen die größten Nachtheile entstehen.

205. Bei ausgedehnten, zerstreuten Operazionslinien ist das Centrum der Hauptpunkt, auf welchen eingedrungen werden muß. Wenn man sich auf dasselbe mit der ganzen Masse seiner Siräfte wirft, so ist der Erfolg sicher; weil die auf den beiden Flügeln zerstreut stehenden Korps aller Ver: bindung beraubt, und außer Möglichkeit gesetzt werden miteinander zu wirken.

206. Wenn es vortheilhaft ist, auf den Endpunkt einer geschlossenen Linie einzubringen, so ist es hingegen sehr fehlerhaft, beide Flügel einer Fronte zugleid) anzugreis fen; man müßte denn seiner Feinde sehr überlegen fenn.

207. Die durch eine größere Anzahl von Kolonnen

wiederholten Angriffe find gefährlich, und dem Fundamenta tal s Prinzip dec -Kriegskunst völlig entgegen.

208. Angriffe von Fronte auf Fronte, oder überhaupt solche Disposizionen, wo man, ohne zu manövriren, den Feind auf allen Punkten angreift, sind fehlerhaft; denn die Kräfte verhalten sich hier wie 1 ; 1, und beben sich folglich wechs selseitig auf.

209. Die langen Fronten find den guter Grundfäßen eben so wenig angemessen, als die zerstreuten Stellungen, großen Deraschements, und isolirten Korps, die sich nicht unterstüßen können.

210. Eine geschlagene Armee muß zwar mit Umsicht, aber immer lebhaft verfolgt werden,

211. Eine gute Administrazion bereitet die Siege vor, versichert die gemachten Eroberungen, und schont durch Ordnung und Ökonomie die eigenen Kräfte des Staates. Die Militär: Administrazion ist eben so alt, als die Kunst, mit ganzen Armeen Krieg zu führen; sie muß aber mit dieser, ihrer Natur nach, immer gleichen Schritt halten..

212. Wenn größere oder kleinere Truppenmassen, mit Willen und Zweck, zerstreut gegen den Feind gebraucht werden, so nennt man dieß die offene Fechtordnung. Sie ist vorzüglich dem Gebrauche des Feuergewehre günstig.

213. Unglücklich der Feldherr, der über alles, was er thut, oder thun will, Rechenschaft ablegen, und beweisen (od, was sich oft gar nicht beweisen läßt, aber doch klar vor seiner Seele steht. Darum werden welterschütternde kries gerische Ereignisse immer nur von Feldherren herbeigeführt, die zugleich aạch Könige sind,

214. Wenn man gegen eine geschlagene Urmee den. Kürieg ununterbrochen fortsekt, so wird man mit weit weni: ger Sdwierigkeiten zu kämpfen haben, als wenn man ihr Zeit läßt, sich durch Winterquartiere moralisch und phy: sisch zu erholen.

215. Jeder Führer einer abgesonderten Truppe befindet sich in der Lage, auf das Einwirken von Umständen, die in seiner Instrukzion nicht berechnet waren, gefaßt seyn ju

müssen. Trifft ein solcher Umstand die HauptFolonne, und ändert dieser dort die Verhältnisse, so sind auch die aller Nebenkolonnen geändert, und alles hat in Bezug auf die Erstere zu wirken. Der Mangel an Intelligenz der Unter: geordneten hat manche Bluge Operacion ausgezeichneter Felds herren scheitern gemacht.

216. Nie darf ein Feldherr einen mit Nü&sicht auf die wahre Dperazionslinie bestimmten Punkt verlassen, oder fich auf demselben schwächen, um seinem Gegner auf einem minder wichtigen zuvorzukommen ; selbst dann nicht, wenn der Feind auf dem letteren Eruppen zusammenziehen follte,

2 11gemeine Mariment.

219. Genie ist Anlage, nicht Vollendung. Es muß erst gebildet werden.

218. Die Erfahrung ist die Probe für die Richtigkeit des Gedachten..

219. Wiffen und Handeln müssen im Kriege wechselseis tig in einander eingreifen.

280. Die bloß finnliche Thätigkeit bewirkt im Kriege eine zahllose Menge bunt fich durchkreuzender Gegenstände, Bei einer bloßen Wahrnehmung darf man aber nie stehen bleiben.

321. Wenn der Verstand die Aufmerksamkeit der Sin. ne fesselt, und ihr eine bestimmte Richtung gibt, begründet man die Beobachtung.

222. Wer beobachtet, sucht Erscheinungen, und strebt die Verbindung derselben aufzusuchen.

223. Wer im Kriege nur fieht, was er sehen wil , der ist für die Beobachtung verloren, und treibt sich ohne Standpunkt in der Luft herum.

224. Bei einer Menge von gesammelten und angehäuf: ten Beobachtungen, darf sich die Vernunft nicht mit dem bloßen Einfluffe auf die Beobachtung begnügen; sondern sie muß Drdnung in diese Mannigfaltigkeit zu bringen sua

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chen, allgemeine Begriffe bilden, und fie auf die beodachte: ten Erscheinungen wieder anwenden.'

; 225. Betrachtungen und Folgerungen erzeugen Klars heit, Bestiinmtheit, Ordnung und Entschluß, und wirken wohlthätig auf die Beobachtung ein, die von ihnen immer wieder erregt wird.

* 226. Wenn wir uns zu irgend einem Begriff eine Menge von Dingen unter der Ähnlichkeit ihrer Merkm afe hinzu denken, so rechtfertigen wir wohl unfer Verstandesvers mögen. Wer aber solche, durch Vergleichung abgeleitete, Begriffe , zur Erklärung irgend eines Hauptbegriffes anwendet, versinkt in Einseitigkeit.

227. Aus der Vernunft entspringen die Ideen, die das innere Leben erleuchten. Die äußeren Dinge können sie er: wecken; sie müssen aber schon da sein, um erweckt werden zu können.

228. Urm ist das Leben, das nicht von Ideen erleucha tet wird. Dit

229. Todt ist die Wissenschaft, die nicht auf einer Idee beruht, in der nicht irgend eine Idee durchgeführt wird.

230. Der Zauberstab, durch den große Feldherrn jes des Zeitalters die Herzen von Tausenden zur raschen That, oder Unterlassung stimmten, heißt: Menschenkenntniß.

231. Jede Kraft bringt nur auf. Der Distanz ein Res sultat hervor, auf welcher sie wirken kann.

od 232. Unentschlossenheit ist ein großer militärischer Fehler. 30. 233. Wenig Menschen haben Seclenkraft und feste übers jeugung genug, um in jeder Gelegenheit eine bestimmte Meis nung zu hegen, und fie, trog jeder Rücficht, eben fo beftiinmt zu äußern.

.] 234. Kräftige Männer hindert nichts an der Erkennts niß des Wahren. Ste handeln unbedingt nach ihrer innern Überzeugung.

235. Deri gemeine Haufe überläßt sich seinen Leiden: schaften, und wird durch diese geführt. i.

236. Die Mißgriffe im Glück und Vortheil find nie so chädlich, als bei nachtheiligen Verhältnissen.

16. 239. Durch Übung ftärkt man die Kraft. Aber der aus Bersten Anftrengung folgt die Erschöpfung. 3996.5938. Man findet nicht häufig Einsicht und Entschlossenheit in einem so hohen Grade bei einem Manne vereint, daß ihn Zweifel, wenn auch nur von Außen erregt, in gros Ben entscheiðenden Augenblicken nicht irre und wankend machen.

239. Die Menschen folgen in kritischen Fällen gewöhn: lich weit wentger ihrem eigenen Entschluffe, als äußeren Einwirkungen.

240. Umstände und fremde Urtheile geben den Hands Tungen der Menschen meistens Anstoß und Nidjtung.

- 241. Die große Mehrzahl wid besonders in wichtigen Dingen beherrscht und fortgerissen werden.

242. Entschlossenheit und Gewandtheit dehnen das Gebiet der Möglichkeiten aus.

243. Aus dem Mißlingen überspannter Erwartungen, aus dem getäuschten Begriff des eigenen Werthes, und aus der Verachtung des Feindes entsteht Muthloftgkeit.

. 244. Ein richtiger Blick gibt sich durch die Unterscheis dung des Scheinbaren von dem Wesentlichen der Gefahr zu erkennent.

"$ 245. Entschlossenheit im Allgemeinen ist die erste un: entbehrlichste Eigenschaft des Soldaten, und karakterisirt seinen Stand. Sie ersekt oft Geistesgaben und Kenntnisse. Der langsamere Gegner wird überrascht, betroffen, und es gebricht ihm an Zeit und Überlegung.

246. Der kräftige Mann verdankt seine Vortheile dem Vertrauen und der Begeisterung, die er seinen Gefährten einzuflößen und mitzutheilen weiß.

247. Fehler aus Kühnheit müssen leicht geahndet, – linterļassungssünden aus Zweifel, Zaudern, Wankelmuth, strenge bestraft werden.

248. Eine verzweifelte, mit persönlicher Aufopferung verknüpfte, Beharrlichkeit ehrt denjenigen, der in ihr allein feine legte, einzige Nettung findet, oder, dadurch ausschließ

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