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Höhe. Die zweite Überschwemmung, welche durch das Flüschen Hirsdonwell gebildet werden kann, und die den Brücken aus Gefahr hätte bringen können, war voin Feinde nicht benußt worden; weil zuvor einige Ausbesserungen daran hätten gesbehen müssen. Da Pau: ban überzeugt war, daß alle Zerstörung der Gebäude zu nichts nüße, so hatte er mit vieler Sorgfalt das Innere der Stadt zu schonen gesucht, und nur zufällig waren einige Kugeln und Bomben hineingefallen; wodurch es sich dann auch ereignete, daß in der Kaserne hins ter der halben rechten Courtine nächst dem Brüffeler Thor, Feuer ausbracy, das einen Theil der Stadt zerstörte.

In der Nacht auf den ersten Juni segte die Bresche: batterie ihr Feuer gegen die Ravelins - Face fort; es kam eine beträchtliche Bresche zu Stande, und man fing auch an, den Damm über den Graben, durch Hin: einwerfen von beschwerten Faschinen, zu machen. Um 1. Juni errichtete man die Demontir-Batterien gegen die Bastionsflanken, und man fing beute schon dagegen ju feuern an. Aber die Vertheidiger machten von den Flanken gar keinen Gebrauch. Sie hätten den Bela: gerern auch von der Tenaille Schaden thun können, da dieses Werk noch in gutem Stande war; allein fie tha: ten gar nichts. Ein Kanonenschuß zerbrach einen Theil der großen Brücke; wodurch die Verbindung mit der Keble des Raveling gehindert war. - Die Krönung des bedeckten Weges vor den Collateral - Werken wurs de fortgeseßt. Die Vertheidiger suchten sich in diesen Werken noch immer zu halten; da aber die Franzosen vor den Bastionsspißen die Verbindung mit dem Haupt: wall einsaben, so konnten die Vertheidiger nur noch in der Nacht dieselbe benützen.

Der Grabenniedergang und die Bresche im Rave: lin waren zu Stande gebracht; auch am Damme wurde die Arbeit tätig fortgesegt, und der obere Theil der Breide wurde durch Flintenfeuer, aus der Krönung des bedeckten Weges, bestrichen. Es wurden vier Mineurs beordert, welche die Bresohe erstiegen, und sie auszugleidhen anfingen. Die Feinde warfen wohl einige Gra: naten auf die Bresche, welche aber, ohne ihnen zu schas den, in den Graben rollten. Durch die Dicke der Mauer waren die Mineurs in ihrer Flanke gegen die Bastions-Face gedeckt. Auf dem obern Rand der Bres che erschienen nur einzelne Fusiliere, welde foonell ihre Gewebre abfeuerten, und sich wieder entfernten; woduro ein französischer Mineur getödtet wurde. So wie ein Sheil des Dammes fich über das Waffer erhob, wurde er mit Erde überschüttet, und, gegen die Bolle werks-Face zu, mit einer Brustwebr versehen. Die Ver: theidiger verhielten sich gegen alle diese Arbeiten ziemlich rubig.

Nachdem die Bresche abgeglichen war, wurde sie von einem Unteroffizier und 12 Grenadiers erstiegen ; ihnen folgten einige Arbeiter, die sich seleunigst auf der Höhe der Bresche eingruben, und zu beiden Seiten des Wadgangs sich auszubreiten anfingen. Die Erde der durchwühlten Brustwebr, einige Fardinen und Erdjacke, verschafften hier bald Deckung, und eine ganze Kompagnie erstieg nun die Bresdhe; wobei einige Unüberlegte, welche die Fahne mit hinauftrugen, die Peranlassung gaben, daß die Vertheidiger start zu feuern anfingen. Allein ihre Bemühungen, die Stür: menden wieder hinabzutreiben, wurde durch den zuvers sichtlichen Muth der Legtern vereitelt, welche allen Ans

strengungen der Feinde wideritanden. Unter ihrem Shuße wurde. nun das Unterkommen vollendet. Die Vertheidiger batten im Kessel des Ravelins eine fohlechte Verschanzung, worin sich noch ungefähr 100 Mann zu behaupten suchten. Die französischen Soldas ten mußten mit Gewalt zurückgebalten werden; sonst würden sie solche erstürmt haben; welches aber unnöthig gewesen wäre, da die Vertheidiger fidh darin nicht be: baupten konnten. Sie nahmen auch wirklich bald ihren Rückzug in das Reduit. Das Feuer von beiden Seiten batte bei drei Stunden gedauert. Durch diese ganze Zeit hatten die Belagerer beständig Bomben in die Werke geworfen. Die Wertheidiger warfen aus der Fes stung zwar auch einige kleine Bomben in den Ravelin; allein sie fielen alle in den Graben, und nur eine schlug in die Brust einer Batterie. Sonst thaten diese wenige Bomben keinen Schaden. Vauban begab sich selbst in das Ravelin, um dem die Arbeit leitenden Ingenieur seine Befehle zu ertheilen.

In der Nacht auf den 2. Juni wurde die Ver: fdanzung im Ravelin längs den Facen ausgedehnt;aud arbeitete man noch an der Krönung des bedeckten Wes ges vor den Seiten - Ravelinen. Die zwei Breschebat: terien gegen die Bollwerks-Facen wurden fertig und be: waffnet; gegen Morgen begannen sie zu feuern. Hier, wo die Kanoniere wieder recht tüchtig mit vollen las dungen schießen konnten, waren sie in ihrem Element. Man nahm darauf Bedacht, daß die Mauer ungefähr sechs Fuß über dem Wasserspiegel, in einer dazu beis nabe parallelen Linie beschoffen wurde; wodurch, da jeder Punkt von allen Geldüşen getroffen werden konna te, bald die beabsichtigte Wirkung bervorgebracht wurde.

Da die Batterien gegen die Flanken zu feuern aufge: bört hatten, so benugte man sie, um mit schiefer Rich: tung in dieselbe Linie zu schießen ; wodurd die Mauer ausgerissen, und die Wirkung dagegen vergrößert wurde. Aus einigen Kanonen dieser Batterien ließ man auf die Escarpe-Mauer des Mittelwalles Britolschüsse mas den, um die Feinde, die sich binter der Grabenschere aufhielten, zu vertreiben. *)

In der Nacht auf den 3. Juni wurden zu beiden Seiten der Spiße des Mittel.Ravelins 21 Mörser zur Bewerfung der Bastionen aufgestellt, um die Vertheis diger im Respekt zu erhalten. Nach dieser Maßregel wurden die Belagerer and nicht beunruhiget.

Die drei großen Mörser, welde gegen die Scleuße geworfen hatten, waren, wegen der Beldwerlichkeit sie žu transportiren, in der Batterie geblieben. Man ließ jest aus dem einen Bomben in das linke Bollwert, aus dem zweiten in die Spige des linken Ravelins, wo Fich noch immer Feinde aufbielten, und aus dem dritten gegen die Scleuße werfen. In allen Batterien stane

*) Britolschüsse, - Prellschüsse, - werden selten abftohto

lich gemacht; weil ihre Wirkung sehr unsicher ist. Wenn man dem zu beschießenden Gegenstande durch direkte Schüffe nicht beikommen kann, lo sucht man, ihn zu

bewerfen. Ist hinter demselben eine Mauer befindlich, s.. so können die dagegen geworfene Körper auch durch

das 26 preden wirken. Um aus Kanonen mit einiger .: Wirkung Brikolschüsse zu machen, 'muß hinter dem in:

direkt zu treffenden Objekte eine starke Mauer aus bars ten Bruchsteinen oder Felsen feyn. Gegen Ziegelmauern abgefch offene Kugeln können nur abprellen, wenn fie

unter einem sehr spißen Winkel auftreffen. ÖRr. milit. Zeitsdy. 1829. II.

den nun 46 Kanonen, nämlich : 20 gegen die zwei Bastionen, 12. in den zwei Riforchettbatterien K. und F, 2 in der Batterie I gegen die Schleuße', diese waren alle Vierundzwanzigpfünder, und, 12 in den zwei Rikoshettbatterien C und G gegen die Collates ral - Ravelins, die eine Hälfte Zwölfpfünder, und die andere Adtpfünder.

In dem Ravelin wurde die Arbeit gegen deffen Kehle und gegen das Reduit fortgelegt. Seit dem 31. Mai, wo das Feuer der Belagerer die Brücke zerbros chen hatte, waren die Vertheidiger des Raveling, die sich nun in dem Reduit befanden, von der Festung abs geschnitten. Man hatte ihnen aus der Festung Zeichen gegeben, daß sie sich ergeben sollten, und sie verlang. ten am 3. Juni Vormittags um eilf Uhr zu kapituli: ren. Sie wurden Kriegsgefangen gemacht. — Da die Franzosen nun auch das Reduit im Besik batten, lo konnten sie ihre Veciñanzung längst der Keble des Ra: pelins leicht zu Stande bringen, aus der sie ihren Gras benübergang unterstüßen wollten; denn obgleich die Feinde wenig Tooßen, fo hätten sie es doc thun Kön: nen, und die Belagerer mußten sich darauf gefaßt mas chen. Gegen Mittag stürzte, durch das Breschefeuer, von dem linken Bastion ein Stück Mauer, ungefähr 15 Klafter lang, ein.

Um den Übergang über den Hauptgraben zu ma: chen, hatte Vauban eine große Menge des dazu nothwendigen Materials vorbereiten lassen. Da die Besorgniß vor einem Wasserstrome, durd das Öffnen der Spleuße, beseitiget war, so durfte man nur mehr acht haben, daß durd den Bau des Dammes das Wasser nicht geftauet wurde. Vauban bejgloß, den Bau der:

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