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ter einzige wichtige, zur Bertheidigung geeignete, Theil des Kanales zwischen den alten Dardanel len und dem Vorgebirge Peski s. Er trug daber darauf an, dort, und nächst den beiden Sloffern, starke Batterien und Feldbefestigungen anzulegen, in denen die Zahl der wirksamsten Geldübe vervielfacht werden könnte. Eiserne Ketten, von einem Ufer zum an: deren gezogen, vermöchten nicht, den Stoß eines bei günstigem Winde regelnden Linien diffes auszubalten. Es wäre daber, nad seiner Meinung, entsprechender bei dem Vorgebirge Peskis, unter dem Schuße der Ulfers batterien, zwölf Linienfchiffe aufzustellen, und ro, duro das vereinte Feuer von land und Bord, jes des nahende Schiff in Grund zu bohren. Als die drins gendste Nothwendigkeit stellte jedoc Juche: reau dar, der türkischen Flotte einen kühnen, un: ternehmenden Führer zu geben, und sie mit tapfern und gewandten Seeleuten zu bemannen.

Die unmittelbare Gefährdung Konstantino: pels konnte erst nach Beseitigung aller Hindernisse in dem Hellesponte eintreten. Die entgegengesekte Strö: mung des Bosporus, welche auch selbst bei günstigem Winde das Einlaufen in denselben erschwert, der nabe Abstand seiner beiden Ufer, und die Gelegenheit, wirkfame Batterien an denselben anzulegen, schienen Juş chereau von überwiegendem Vortheile für die Wer: theidigung der Hauptstadt gegen einen möglichen Angriff derselben.

Sultan Selim übergab dief Gutachten seinen Mis nistern zur Prüfung. Sie kamen überein, vorerst die Arbeiten an dem Dardanelen-Kanale zu beginnen, und sodann zur Befestigung der Hauptstadt zu freis

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ten. - Der Tags nach dieser Verbandlung erschienene Chati-Scherif übertrug dem Großvezier den ungesäumten Vollzug dieses Antrages.

Der Bericht Juchereaus gab der Pforte mehr Zus dersicht auf ihre Kraft, und veranlaßte ein geringichas pigeres Benehmen gegen den englischen Gesandten. Denn die Türken dachten nie daran, daß sich die rufsifdhe Flotte zwischen die Dardanellenschlösser wagen würde; obgleid sie von der Möglichkeit dessen den Vors wand zu jener Untersuchung entlehnten. Sie hatten vielmehr nur die Gefahr vor Augen, die ihnen allenfalls von Seite England $ drohen könnte.

Allein auch Arbuthnot war nach der Abreise Jtas linskis nicht müßig geblieben. Er erbat sich von seiner Regierung bestimmte Befehle für seine swierige lage, und wußte einstweilen geschickt alles zu vermeiden, was zu einem offenen Brude, nach den Wünschen Sebe: ftianis, führen konnte.

Das Kabinet von St. James erkannte, daß die Türkei im Kriege mit Rußland unbedingt den Vortheil Frankreichs fördern würde, und entsbloß sich daher, Drobung und Gewalt zu brauchen, den Sultan zu zwingen, das Bündniß mit Frankreich zu brechen, und sich wieder mit Großbritannien und Rußland zu vereis nigen. Urbuthnot ward entschieden beauftragt, auf Leba terem zu bestehen, oder die türkischen Staaten zu veř: laifen. Nebstbei batte er die Entfernung Sebastianis, die unmittelbare überlieferung der Dardanellenidlöffer und der türkischen Flotte an England, endlich die Abs tretung der Moldau und Walachei an Rußland, ju verlangen.

Diese Forderungen, in einer Zeit vorgebracht, als

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die Erbitterung der Moslemins gegen die Russen auf den höchsten Grad gestiegen war, wurden von dem Dis van fogleich zurückgewiesen. Dieser, - der durch die Worte Welleslen: Poles herbeigeführten Furcht sich richa: mend, - chritt nun zu dem entgegengeseßten Extreme, und zeigte eine auffallende Geringidhägung gegen Dros hungen, welche, wiewohl oft durch die englischen Bevolls mächtigten ausgesprochen, nie erfüät worden waren.

218 Arbuthnot die entschiedene Abneigung der Pfors te rah, seinem Verlangen zu genügen, traf er sogleich anstalten, abzureijen. Doch, um nicht etwa als Geisel für die Unternehmungen der englischen Flotte zurück: behalten zu werden, berbloß er, dieß beimíid auf der Fregatte Endymion zu bewerkstelligen; welche zu diesem Zwecke idon längere Zeit im Hafen von Ron: stantinopel harrte. Er lud alle englischen Geschäftsleute, welche er mit sich zu nehmen gedachte, zu einem Mahle an Bord jenes Schiffes , und indem er den gänzlich Unvorbereiteten sein Vorhaben eröffnete, unverzüglich abzureisen, beruhigte er sie, daß die brittische Regies rung Maßregeln ergreifen würde, die jeden Privaten vor den Verlusten zu schüßen vermögen, welche die Art der schleunigen und unerwarteten Abreise nach lich zieben dürfte.

Der Endymion lichtete am 17. Jänner 1807 (alten Styles, welcher in dieser Darstellung durchaus anges nommen ist, und von dem neuen Style bekanntlid um zwölf Tage verschieden ist) gegen Abend die Unter, und entkam aus dem Hafen, ohne die Aufmerksamkeit der Türken auf sich zu lenken; welche jedoch ibon über Nacht die erfolgte Abreise Arbuthnots erfuhren. Auch der Kas pudun- Balsa, und Feizi-Efendi, der ehemalige

Intendant des Korps Nizam- Gedid, welche sich nächst dem Vorgebirge Peskis mit 1 linienschiff, '5 Fregatten und i Brigg unter Segel befanden, und den Fortgang der neuen Arbeiten am Dardanellen's Kanare fördern follten, ahneten nicht, wen das keck durch den Hellespont gleitende Schiff trug, und ließen es ohne Anstand oder Aufenthalt vorüberziehen.

Es darf billiger Weise nicht unberührt bleiben, daß Urbuthnot, bei seiner Abreise von Konstantinopel, die in der Hauptstadt zurüdgebliebenen Engländer dem Scuße des Gen. Sebaftiani anempfahl, und daß dieser Minister das Vertrauen seines Gegners in der That nach Thunlichkeit rechtfertigte.

Äuf der Insel Tenedos angelangt, wo er nicht mehr fürchten durfte, aufgehalten zu werden, beeilte sich Urbuthnot, dem Diván ein Schreiben zuzusenden, in weldem er die Gründe seiner Abreise entwickelte, und erwähnend, daß er die Staaten der Pforte noch nicht verlaffen habe, nochmals zur Beilegung der Streitigkeiten die Hand bot. Die Minister der ottomanischen Pforte, 'welchen daran Tag, jede Schuld in diesem Zwis ste vor Europa zu rechtfertigen, antworteten Arbuth: not unverzüglich ohne Vorwürfe, und, um die Ver: handlungen zu beschleunigen, wiesen sie an ihn den Kas pudan:Bassa und Feizi - Efendi, welche in den Darda: nellen sich befanden.

Arbuthnot war erfreut, daß man ihn noc im: mer als Gesandten anerkenne; wiewohl seine Abreise auf einem englisch é n Schiffe als Entfernung aus, den türkisden Staaten gelten, und somit faktisch seine Funtzionen aufheben konnte. Dennod entschloß er sich, nicht ans Land zu steigen. Er begnügte sich damit, daß

er an seiner Statt zu den Unterhandlungen in den Dar: danellen den britischen ersten Dragoman Berto: Pi: Tani fandte. Dieser gewandte und fdlaue Beamte wuße te den Kapudan-Baifa und Feizi-Efendi über die friedliche Stimmung seines Hofes ganz lider zu machen, und durch unbestimmte Verhandlungen die Aufmerksam: keit von ihrem wesentlidtren Berufe, den Wertheidis gungsanstalten, sehr geschickt abzulenken. – überhaupt gehörten der Kapudan-Bassa und sein Begleiter unter jene Osmanen, denen die Dardanellenschlösser für uns überwindlich galten. Nicht ihre überzeugung, nur der ausdrückliche Befehl ibres Monarchen leitete sie bei dem lässigen Vollzuge der Plane Jucereaus. Als Kapitán lacourt, der Adjutant Sebastianis, erschien, den Kapudan - Bassa zur Thätigkeit anzueifern, sprach dies ser sogar unumwunden seine Meinung aus: „daß die „Nothwendigkeit der Sache keines wegs i in Verbältniß mit dem bedingten unums mgängliciten aufwande stebe." lacourt fand daher auch einen großen Theil der Arbeiter, wegen Unregelmäßigkeit der Bezahlung und Mangel an Uuflicht, nicht mehr am Plaße, und der Großherr wurde immer damit getröstet, daß die Unterhandlungen mit gutem Erfolge vorschritten ; wäbrend die Gefahr täglich der Hauptstadt seines Reiches náber rücft.

Schon als der brittisde Minister in Konstantino: pel gegen den General Sebastiani auftrat, war eine englisde Flotte unter ford Coling wood, dem Stellvertreter Nelsons seit dem glorreiden Tage von Trafalgar, im Mittelmeere angelangt. Dieser Udiniral, pon der Widerspenstigkeit des Divans und der sowieri: gen Stellung Arbuthnots in Kenntniß geseßt, entsen:

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