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Absicht in den Hellefpont einlief. Das ohnmächtige Feuer der neuen S dröffer verachtend, welde zu weit auseinanderstehen (jebn Werste), um überhaupt sehr wirksam senn zu können, segelte er, ohne einen ihrer Schüsse zu erwiedern, in dem Kanale vorwärts, bis er wahrnahm, daß Graf Orloff, aus Gründen, wels che nach dem damaligen Sachverhältnisse nicht leicht er: klärbar sind, mit dem Rest der Flotte ihm nicht gefolgt war; wodurch sich dann aud dieser kühne Seemann ges! nöthigt fab, wieder gegen Tf de$ me zurückzukehren.

Dieses Ereigniß mußte die Aufmerksamkeit der Pforte auf den Zustand der Dardanellen lenken. Der französische Ingenieur Baron Tott erhielt, nach seis nem Erbieten, den Auftrag, denselben zu untersuchen und zu verbessern. Er rügte, als das nächste Mißvers hältniß, die Konstrukzion und die Lage der Kanonen, und machte dem Basta, der ihn bei dieser Untersuchung begleitete, den geringen Erfolg bemerkbar, welchen der Gebrauch dieser Koloite haben könne; da man eine ges raume Zeit benöthige, um sie zu laden, und daber füglich aus jedem Stücke nicht mehr als einen Schuß gegen die vorübersegelnde Flotte ermarten dürfe. „I doftim me dem bei;“ erwiederte da der Baita, „aber mit Einer for den salve kann man „Die Macht der feindlichen Flotte gerft og „len." — Diese Ansicht war die allgemeine; fie herrsch te im Divan, wie bei dem gemeinen Matrosen ; jeder Osmane hielt sich hinter den Dardanellen für geborgen; ja er achtete es insbesondere fogar für einen Frevel an der Würde Mohammeds II., die von diesem Erobes rer so vieler Reide erbauten alten Dardanellen für ge: vredlich zu halten. — To'tt konnte daher auch nur die

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Uusbefferung der Schlöffer, und die Anlegung einiger abgesonderten Batterien, dem festgewurzelten Vorur: theile der Türken abgewinnen.

Die Unzulänglichkeit dieser Mittel sollte sich bald offenbaren, und des Barons Tott und anderer Schriftsteller über do ä g ung jener Befestigungsanftalten widerlegen.

Es ist bekannt, wie oft Rußland, zu Ende des vo: rigen und im Anfange des gegenwärtigen Jahrhunders tes, in Napoleons Entwürfe gegen das deutsche Reich störend eingegriffen hatte. Um dieß für die nächste Folge zu verhindern, erhielt General Sebasti ani, der Ges sandte Napoleons in Konstantinopel, den Auftrag, Rußland in einen Krieg mit der Pforte zu verrickeln.

Das Betragen der Hospodare der Moldau und Walachei, Fürsten Ipsilanti und Murizza, bot im Jahre 180 einigen Grund, deren unbedingte Ers gebenbeit gegen die Pforte in Zweifel zu ziehen. Wie. wohl der Traktat von Jaity Sultan Selim III. band, nur im Einverständniffe mit Rußland die Administra, zion der genannten Fürstenthümer zu ändern, ließ er durch Sebastiani dennoch sich bewegen, eigenmächtig die Fürsten Infilanti und Murizza ihrer Würde zu entsegen.

als am 30. August 1806 der Chati-Cherif erschien, durch welchen an die Stellen jener Hospodare die Fürs sten Kalimachi und S uffa ernannt wurden, da protestirte der ruffisde bevollmächtigte Gesandte, Kam: merherr Italinski, feierlichst gegen diese Verlegung der Rechte seines Hofes, und verlangte entweder unbes dingten Widerruf jener Verfügung, - oder einen Fer: man, die türkischen Staaten zu verlassen.

Arbuthnot, der Bevollmachtigte Englands bei

der forte, erkannte die Triebfeder, welde hauptsächs lich den Grund zu den Beschwerden Rußlands veranlaßt batte. Die Stellung seines Kabinets gegen Frank reich bewog ihn daber, seinen ganzen Einfluß anzuwenden, um die Umtriebe Sebastianis zu vereiteln. Astete gleich der Divan, im Vertrauen auf Napoleons Macht, nicht sonderlich einen Bruch mit Rußland , so war doch die imponirende Seemacht Englands, und die alte Verbindung der Pforte mit diesem Reide, geeignet, auf mehr Rücksichtsnahme Anspruch zu machen. Uuch verfehlte die Note Arbuthnots nidt ihres Eindrucks auf die ottomanische Regierung, nachdem er unumwunden der zahlreichen Flotte erwähnte, welche bereit stebe, seinen Worten Nachdruck zu verschaffen. Doch verging eine geraume Zeit, ohne daß ein bestimmter Entdluß der türkisden Regierung zur Reife gedieb, ob die 21, lianz mit Frankreich, ob jene mit England vorzuziehen wäre. - Arbuthnot, der Hintanhaltung müde, beschloß, die Sache durch ein wirksameres Einspreiten zu Ende fu fübren. Er entsendete von Bujufdere, feinem Sommeraufenthalte, den zweiten Gesandtschaftssekres tär Wellesley: Pole, um, in seinem Namen, pero fönlich dem Divan eine definitive Erklärung abzufors dern. Dieser junge Mann, von der Natur mit einem lebhaften, entschlossenen Karakter begabt, wagte glück: lid ein Unternehmen, von welchem die ottomanisde Geschichte kein zweites Beispiel liefert. Zu Pferde in Konstantinopel angelangt, mit Koth besprißt, die Peis tide in der Hand, begab er sich vor die Glieder des Divans, denen er stolz und eindringlid die Nothwen: digkeit darstellte, den Forderungen seines Chefs Gemüge zu leisten.

Der enti lofene Son Welleslen: Poles, sein un. erwartetes imponirendes Erscheinen, die ernst ausges sprochene Bedrohung Konstantinopels durch die gefürd's tete Flagge Britanniens, ersdreckten die großherrlichen Beamten. Das Gewicht des Augenblickes madre sie vers stummen. - Si delebi: Efendi, ein friedlieben: der und England aufrichtig ergebener Mann, schlug endlich zuerst vor, sich dem Verlangen Arbuthnots ju fügen. Sogleich traten alle Räthe seiner Meinung bei, und baten den Großoezier, ihre Unsicht dem Sultan vorzustellen. - Selim hatte nicht die Kraft, sich dem einstimmigen Antrage seiner Minister zu widerseken, und gegen seinen eigenen Willen war er daber genő. thiget, von Neuen den Fürsten Ipsilanti und Murizza die Verwaltung der Moldau und Walachei anzuver: trauen.

Die Wiedereinsehung dieser Hospodare wandte jes doch die Kriegsgefahr nicht ab, welde über der Türkei schwebte. Das Petersburger Kabinet sah mit Unwillen die außerordentliche Ergebenheit, welche die Pforte gegen Frankreich zeigte, und besorgte, bei der nächsten unglücklichen Veranlassung, durch die Mitwirkung Nas poleons, die Krimm , und die Angrenzungen des Dnies per wieder zu verlieren. In diesem Anbetrachte entschloß sich Rußland, den Muselmännern zuvorzukommen, und selbst die Moldau und Walade i zu befeßen. Der General Midelfon, welcher damals die rustisde Ars mee an der türkischen Grenze befehligte, erhielt im November 1806 pon seiner Regierung den Auftrag, da: zuzuschreiten; und in kurzer Zeit waren diese beiden Fürstenthümer mit den Truppen Rußlands überzogen.

218 die Nachricht dieses Porgangs nach Konstan:

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tinopel kam, veriodhte nur die vereinte Verwendung Urbuthnots und Sebastianis, den russischen Bevollmächs tigten Stalinski vor der ihm zugedachten schimpflichen Einkerkerung in den sieben Thürmen zu bewahren, und ihm die freie Abreise an Bord des englischen Linienschiffs Kanopus zu erwirken.

Nad der Entfernung dieses Gesandten fab fich Arbuthnot allein dem Divan und dem französischen Mi. nister gegenübergestellt: denn die anderen europäischen Gesandten traten alle entweder auf die Seite Seba: stianis, oder hatten damals auf die türkische Regierung keinen wesentlichen Einfluß.

Während der Divan mit den zwei einander ents gegenwirkenden Ministern unterbandelte, hielt es der Sultan für nöthig, die Meinung des französischen Ins genieurs J uderea u de Saint Denis, über die Haltbarkeit der Dardanellen und Konstantinopels einzuholen.

Iucereau sprach sich dahin aus, daß, nachdem ein Kriegsschiff eine beträchtliche Menge von Kugeln aus: halte, obne leck zu werden, eine Flotte, geführt durch kühne Vorgesepte, die nicht dabei steben bleiben, daß sie das Feuer der türkischen Land: Artillerie er: widern, bei günstigem Winde, obne wesentlichen Nachtheil den Dardanellenkanal zu durchziehen vermő: ge, wenn sie die Meeresströmung vermeide. - Die schlechte Ausrüstung der vorzüglichsten Sdloffer: Re: lidil - Bahar und Sultan : Kaleity, und der große Abs stand zwischen den Sdlöffern und Batterien am Eins gange des Kanals, von der Seite des Archipelagus, könnten dieß Unternehmen nicht verhindern.

Nad Juchereaus gegründeter Ansicht befand fidh

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