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ke Fabeln und Erdichtungen entstellt sey; – und konnte deswegen nur langsam in der Bearbeituug dieser Geschichte fortschreiten. Leider muß man bey der frühern Magdeburgischen Geschichte auf ein wichtiges Hülfsmittel, die fast überall dunkle ältere Geschichte aufzuklären, und Gewißheit und Zusammenhang hineinzubringen, gänzlich Verzicht thun; – ich meine, auf den Gebrauch des Stadt-Archivs und älterer handschriftlicher Dokumente und Urkunden! – Dergleichen hat Magdeburg aus frühern Zeiten nicht mehr aufzuweisen, indem bey der schrecklichen Eroberung und Zerstörung dieser Stadt durch Tilly im I. 1634-nicht-nur- das wichtige Stadts Archiv, sondern gewiß auch eine Menge anderer handschriftlicher Quellen und Urkunden zur Geschichte dieser Stadt verbrannt und damit gänzlich verlohrengegangen sind. Eigne Nachforschungen und Untersuchungen fo

wohl, als die Versicherung eines Mannes, der sich schon

lange mit unermüdetem Fleiße auf die Untersuchung der Magdeburgischen Geschichte und ihrer Quellen gelegt, und mit elenem Geschick die noch vorhandnen ältern Ur

kunden und Diplome zu dieser Geschichte studiert hat, – nämlich, des Herrn Pastor Kinderling zu Calbe, –

haben mich überzeugt, daß alles Forschen und Suchen nach ungedruckten Urkunden für die ältere Magdeburgis sche Stadtgeschichte vergebens sein würde. Zwar finden sich in den hinterlaffenen Schriften des berühmten Luft

pumpen-Erfinders, Otto von Guericke, über diese Ge

schichte, welche in der Mageburgischen Stadtbibliothek handschriftlich aufbewahrt werden, verschiedene vorgebliche Urkunden; sie tragen aber fast alle eben so sehr das Gepräge der Unächtheit und der spätern Erdichtung an - - - : . . . " sich,

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sich, als jenes angebliche Privilegium Otto des Großen, deffen Unächtheit schon im vorigen Jahrhundert unwidersprechlich erwiesen ward. Was in dem ehemaligen erzbischöflichen, jetzigen Magdeburgischen Regierungs-Archiv, welches erst zu Anfange dieses Jahrhunderts von Halle nach Magdeburg gebracht ward, etwa Merkwürdiges zur Aufklärung der ältern Magdeburgischen Gefchichte vorhanden seyn möchte, hat schon der letzte Administrator des Erzstifts, August, in der Mitte des vor rigen Jahrhunderts, zur Behauptung der LandeshoheitsRechte des Erzstifts über die Stadt Magdeburg, forgfältig aufsuchen laffen, wovon verschiedene Schriftsteller damaliger Zeit, z. E. Meibom, desgleichen Benjamin Leuber in einem Magdeburgischen Stapelunfug, Manches durch den Druck bekannt gemacht haben. Besonders erhielt Caspar Sagittarius, erst Professor der Ges schichte zu Helmstedt, dann zu Jena, zur Ausarbeitung seiner Geschichte des Erzstifts und Herzogthums Magdeburg,– durch einen Freund, den Hallischen Prediger, und Beichtvater des Administrators August, Johann Gottfried Olearius, welcher zu dem erzbischöflichen Art chiv in Halle freien Zutritt hatte, – alles, was irgend an Urkunden für die Magdeburgische Geschichte Brauchbares darin zu finden war. Sagittarius hat die erhalt tenen Urkunden sämmtlich in seine lateinisch geschriebe ne Geschichte des Herzogthums Magdeburg, mehren theils wörtlich aufgenommen, und ihr dadurch einen großen Werth gegeben. Diese feine Geschichte, welche lange nur handschriftlich im königlichen Archiv zu Berlin, und in Abschrift auch in der Magdeburgischen Stadt bibliothek, aufbewahrt ward, hat Boysen in seinem hi- - stor.

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sor. Magazin, wovon zu Halle v. J. 1767-1770. 6 Stücke herausgekommen sind, im 1sten bis 5ten Stück abdrucken lassen. Wegen der in ihr befindlichen Menge von Urkunden für die Magdeburgische Geschichte wird sie auch sehr oft in der hier erscheinenden Geschichte Magdes burgs citiert. Wo ich sonst irgend in gedruckten Schrift ten Urkunden anzutreffen glaubte, die etwas zur Magdeburgischen Geschichte Gehöriges enthielten, habe ich darnach zu forschen nicht unterlassen. Was ich mit gleich:

zeitigen Urkunden nicht belegen konnte, habe ich aus den

besten, mehrentheils ziemlich gleichzeitigen, oder den Zeiten und Begebenheiten, wovon sie reden, ziemlich nahe lebenden, Geschichtsschreibern genommen, die in den Cis taten namentlich angeführt sind. Neuere Schriften sind nur – wegen der in ihnen abgedruckten oder doch näher nachgewiesenen, Urkunden und anderer sicherer, möglichst gleichzeitiger Beweismittel – in den Citaten zum Beweise angeführt, z. E. Sagittari historia Duc. Magd. Dreyhaupts Beschreibung des Saalkreises, Leukfelds Antiquitares Praemonstratenfes, Fischers Geschichte des Deutschen Handels u. a. m.

- Der Werth, der meisten hier angeführten ältern Schriftsteller und ihre Glaubwürdigkeit ist bei Geschichte, kennern längst entschieden und ausgemacht. Wenigstens gilt dies vom Wittichind, Ditmar, Adam von Bremen, Lambert von Aschaffenburg, Helmold, Arnold von Lübeck u. a. m. Auch der unter dem Namen: Annalifta Saxo angeführte Geschichtschreiber, welcher feine Geschichs te unter der Regierung des ersten Schwäbischen Kaisers Contad des 3ten schließt, und also wahrscheinlich '

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Zeit gelebt hat, gehört zu den schätzbarsten Geschichtssammlern jener Zeit. Ihm giebt an Genauigkeit der fogenannte Chronographus Saxo beym Leibnitz nichts nach, welcher seine Geschichte mit dem J. 1188 am Ende der Regierung Kaiser Friedrichs des ersten schließt, und also ohne Zweifel um die Zeit lebte. Ihnen verdient der wahrheitsliebende, und für seine Zeiten geschickte Verfaffer des Chronici montis fèren, oder der Petersbergis fchen Chronik, an die Seite gesetzt zu werden, der seine Geschichtserzählung mit dem J. 1124 anfängt und mit dem J. 1225 schließt. Das hier so oft zitierte Chronicon Magdeburgicum beim Meibom ist zwar erst zu Anfang des 16ten Jahrhunderts, vermuthlich von einem Mönch zu Kloster Bergen, geendigt worden; allein wahrscheinlich haben, mehrere Verfasser oder Sammler zu verschiedenen Zeiten daran gearbeitet und es von Zeit zu Zeit fortgesetzt. Daß diese wenigstens gleichzeitige Schriftsteller vor Augen gehabt und benutzt haben, kann man aus den genauen und detaillierten Nachrichten schlies ßen, die sie oft mit beibringen. So ist z.E. Brunos gleich zeitige Geschichte des Krieges der Sachsen mit dem Kaifer Heinrich, dem 4ten beynahe wörtlich in dies Chroniçon übergetragen. Die Magdeburgische SchöppenChronik, ein noch ungedrucktes plattdeutsches Manu, script, wovon Boysen in seinem historischen Magazin, im 2ten Stück, S. 132-20. genaue Nachricht gibt, ist ebenfalls eine sehr schätzbare Sammlung von Nachrichten über Magdeburg, deren erster Verfasser, vermuthlich ein Secretar des Magdeburgischen Schöppen, gerichts, unter dem Kaiser Karl dem 4ten, um das I 1365, folglich in der letzten Hälfte des 14ten Jahrhun - - dorts

derts, lebte. Sie ist nachher von Zeit zu Zeit durch andere bis zum J. 1565 fortgesetzt worden.

Alles, was überhaupt an Quellen und Hülfsmitteln zur Geschichte von Magdeburg in den öffentlichen Magdeburgischen Bibliotheken, besonders in der Dombibliothek, in der Stadt- oder Rathsbibliothek, und in der Bibliothek des Klosters Bergen, vorhanden war, habe ich sorgfältig benutzt, und man ließ es mir auf mein Ansuchen sehr gütig und bereitwillig aus denselben ver, abfolgen. Ich muß es bey dieser Gelegenheit dankbar rühmen, daß besonders der verehrungswürdige und vers dienstvolle Gouverneur zu Magdeburg, der Herr Generalfeldmarschall von Kalkstein als Domdechant, mir mit zuvorkommender Güte die Erlaubniß ertheilte, alles das aus der Dombibliothek zu benutzen, was ich darin zu meinem Zweck Dienliches finden und gebraus chen könnte. Auch bin ich durch die Güte des Herrn Kriegsrath August Schulz zu Berlin, welcher sehr schätzbare und ausgesuchte Sammlungen zur Geschichte und Geographie seiner Vaterstadt Magdeburg besitzt, mit manchen sehr schätzbaren Büchern und kleinen seltnen Abhandlungen über die Magdeburgische Geschichte und über einzelne Zweige derselben, versehen worden, die mir bey der Bearbeitung dieser Geschichte wichtige Diens "fe leisten, welches ich hier gleichfalls dankbar rühs men muß. -

Bey einer Specialgeschichte, wie diese Geschichte Magdeburgs ist, halte ich es für unerlaßliche Pflicht des Geschichtschreibers, die Quellen, aus welchen er schöpfte, genau und bestimmt anzugeben. Dies ist die Ursas

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