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Gesch. Magd. unter den ersten Schwäbischen Kaisern. za

zum Theil gar Leibeigne der neuen Colonisten, oder doch auf mancherley Art von ihnen gedrückt, und nahmen nun bald nicht nur das Christenthum, sondern allmälig auch die deutsche Spra, che, deutsche Namen und Sitten an. So erlosch im Kurzem die Wendische Sprache und der Wendische Name, und das sonst so mächtige und zahlreiche Volk der Wenden oder Slaven ver, schwand gänzlich in diesen Gegenden *). - Fast auf eben die Art, und mehrentheils auch in Verbindung mit dem Marggrafen Albert, verfuhr Heinrich der Löwe

mit den Wenden in Holstein, Lauenburg, Mecklenburg und

Pommern, die zunächst unter einer Oberherrschaft standen. Er belegte sie mit drückenden Abgaben, wodurch sie zu fast unauf, hörlichen Empörungen und Kriegen gereizt wurden. In diesen Kriegen behielt Heinrich gewöhnlich die Oberhand, und viele Wenden kamen dabei ums Leben. Er sowohl, als seine beiden Lehnleute, Graf Adolph von Schauenburg in Holstein, und Graf Heinrich von Badewide im Lauenburgischen, so wie Wer schiedene von ihm mit Wendischen Ländereyen beschenkte Braun, schweigische Edelleute im Mecklenburgischen, zogen eine Menge deutscher Colonisten aus Westphalen, Holland und Friesland in die verödeten Wendischen Länder. Die noch übrigen Wenden wurden nun von allen Seiten so in die Enge getrieben, daß sie theils in die Wälder flüchteten, und vom Raube lebten, theils zu Schiffe gingen und Seeräuberey trieben, theils Leibeigne der deut, schen Anbauer wurden. Mit der Vermehrung der deutschen Anbauer und mit der Vertreibung oder gänzlichen Unterjochung der Wenden, verbrei

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Chron. Slav. ap. Leibn. Tom 2. p. 612. 618. lib, , c. 88. lib. 3. c. 1. Magdeb Schöppen-Chronik. p. 1 a. - ad a. 1164. Chron. Alberici, p. 331, - -

Gesch. v. Magdeb. 1. V., A

er sich auch hier überall die deutsche Sprache und das Christenhun. Heinrich errichtete neue Bischümer zu Ratzeburg und zu Schwerin, erneuerte das Bisthum Oldenburg, verlegte es endlich noch gübeck, und erhielt vom Kaiser Friedrich im I. 1 157 sogar das Recht, die Bischöfe der drey von ihm errichteten, oder in jenen Ländern noch zu errichtenden Bisthümer, zu ernennen zu belehnen, und mit Lehrgütern zu versehen. Zum ersten Bihof zu Ratzeburg ernannte er den bisherigen Probst Evermod im Kloster u. L. Frauen zu Magdeburg. – Die Stadt Lügeck, welche damals dem Grafen Adolph von Holstein gehörte, durch ihren zunehmenden Handel aber der alten Sächsischen Handelsstadt Bardowick sichtbaren Schaden hat, und dadurch Herzog Heinrichs Eifersucht rege machte, brachte Heinrich an sich, baute sie nach einem unglücklichen Brande im I. 1156 an einem andern Orte, wo sie noch jetzt steht, wieder auf, gab der Stadt im I. 1158 besondere Gesetze oder ein eignes Stadtrecht, welches bald auch andre Städte annahmen, und wandte nun alles an, sie zu einer blühenden Handelsstadt zu machen. Dies glückte auch so sehr, daß Lübeck, besonders nach der Zerstörung der Stadt Bardowick in J. 1189, bald eine der ersten und blühendsten deutschen Handelsstädte ward, und Jahrhunderte lang als das erste und vornehmste Mitglied des mächtigen Hanstatischen Bundes, wozu auch Magdeburg gehörte, eine glän zende Rolle spielte. - Herzog Heinrich konnte aber bey einen Kriegen mit verschiedenen deutschen Fürsten, die ihm untergeordneten Wendischen Fürsten in Mecklenburg und Pommern nicht ganz verdrängen; sondern gebrauchte vielmehr nun ihre Freundschaft und ihren Beistand. So erhielten sie sich damals, und als Heinrich in der Folge in die Reichsacht verfiel, und das durch seine Macht und Herrschaft in den Wendischen Ländern ganz verlor, ward es jenen Fürsten noch leichter, sich zu be

- - haupt

haupten, und ihr Gebiet auf ihre Nachkommen zu vererben, Uebrigens waren die Wenden nun – nicht sowohl nach dem Plane und den Anlagen Otto des Großen, von Magdeburg aus nach und nach zum Christentum gebracht, civilisiert, und so den deutschen Reiche, wie ehedem die Sachsen, unterworfen und einverleibet, - als vielmehr fast gänzlich ausgerottet und vernichtet worden*). Im I. 1158 kam der Kaiser zur Feier des Weihnachts, festes nach Magdeburg, und hielt zugleich daselbst einen solennen Reichstag. Auf demselben sollte auch der Herzog Boleslav von Polen seine Sache vollends ausmachen, welchen der Kaiser in diesem Jahre wegen der Vertreibung seines Bruders Uladilaus und wegen seines Abfalls vom deutschen Reiche mit Krieg überzogen und ihn genöthigt hatte, zur Strafe dem Kaiser 2ooo Mark, den Fürsten 1000, den Hofbeamten 200 Mark Silber, Und der Kaiserin 20 Mark Goldes zu zahlen, einem Bruder aber oder seinen Kindern Schlesien abzutreten, und zu versprechen, daß er den Kaiser auf seinem vorhaben den Römerzuge nach 3, lien begleiten wolle. Boleslav erschien aber weder zu Magdes burg, noch bei dem Zuge nach Italien, welchen der Kaiser bald darauf antrat, nachdem er kurz vorher dem Herzog von Böhmen die königl. Würde erheilt hatte *). Als der Kaiser nach dem Tode des Papsts Adriam eine Kirchenversammlung zu Pavia im I. 1160 halten ließ, worin die Wahl des Papst Alexander des dritten für ungültig erklärt, und die Wahl des Gegenpapst Victors bestätigt ward; so war auch ZE 2 - Erz

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*) Chron. Mont. fer. p. 7. 188. ad a. 1137. 3. R. devic. de gettis Frid, I lib, 1, 2, 4-, 12.

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Erzbischof Wichmann mit einem großen Theil seiner ihm unterge ordneten Geistlichen dabey gegenwärtig, und unterschrieb nebst an dern die Beschlüsse dieser Kirchenversammlung*). Im folgenden Jahre 1161 bestätigte Wichmann die von dem Burggrafen zu Magdeburg, Burchard dem ersten und von seinem Sohn Burchard dem zweiten geschehene Schenkung des Dorfes Ragoch an das Kloster zum Neuenwerk bey Halle, welches Dorf mit seinen Einkünften bisher zum Burggrafhum gehört hatte. Wichmann nennt hier, so wie auch sonst den Burggrafen einen Vasallen*). - Im I. 1162 errichtete der Erzbischof zu Halle die sogenannte Futter-Innung, welche seine Hofhaltung zu Giebichenstein mit Rauch - und anderm Futter, und mit den zum Fuhr

weisen gehörigen Bedürfnissen versehen sollte, womit in der Fol

ge das Seiler Handwerk verbunden ward. Um eben diese Zeit bestätigte er auch die Schuster-Innung zu Halle, so wie die Kramer, Becker - Fleischer- und Schmiede-Innungen daselbst. In diese Zeit fällt ohne Zweifel auch seine Bestätigung der Gewandschneider und Kramer Innungen zu Magdeburg, wie wohl andere sie schon früher, gleich zu Anfang seiner Regierung im I, 1153, oder 1158 ansetzen. Die alten Nachrichten hier von lassen die Zeit dieser Bestätigung unbestimmt *). Auf einer vom Erzbischof im J. 1165 unternommenen Ralfahrt nach dem gelobten Lande nahmen ihn die Türken ge

fangen. In der Angst soll er ein Gelübde gethan haben, daß

er die Parthey des Papsts Alexander ergreifen wolle, wenn er - - - sei *) Radevic. de gestis Frid. I. lib. 2. c.64–70. **) Sagitt.bist. Magd. 1. c. p. 57-59. - **) v, Dreyh. Beschreib. des Saalkr. Th. 2. S. 53– 559. Chron. Magd. ap. Meib. p. 329. Magd., Schöps pen - Chronik. p. 171. ad a. 1153. Botho Sächs. Chronik. ap. Leibn; Tom. III. P. 345. - - - --

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feine Freiheit wieder erlangte. Er hielt aber nachher nicht Wort, sondern blieb ein treuer Anhänger des Kaisers und seiner Parthey. Auf der Kirchenversammlung zu Wirzburg, welche der Kaiser für seinen Gegenpapst Paschalim J. 1166. anstellen ließ, schwur er sogar mit andern Bischöfen, daß er den Papst Alexander nie anerkennen, sondern dem Paschall unveränderlich ergeben bleiben

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Noch im J. '1163 am 9. Oct. weihete er die Kirche zu Kloster Gottes Gnaden mit Assistenz der Bischöfe von Meissen, Merseburg und Zeitz ein, welche nicht nur der Maria und dem heil. Victor, sondern auch dem heil. Pontian gewidmet ward, deffen Reliquien der Erzbischof dieser Kirche am Einweihungstage schenkte *). - Im folgenden Jahre 1164 verglich er eine Streitigkeit des Domkapitals mit dem Kloster u. L. Frauen über gewisse Einkünfte und Gerechtsame in Gegenwart des Marggrafen Albert von Brandenburg, des Burggrafen Burchard zu Magdeburg, und mehrerer anderer Herren *). Im J. 1166 erhielt er von Kaiser Friedrich das Kloster oder die bisherige Reichsabtei Nienburg an der Saale und das Schloß Freckleben im Anhältischen, und trat dem Kaiser und Reich dagegen das Schloß Schönburg oder Schaumburg, die Stadt Ober- Wesel am Rhein und den Hof Wogenheim ab. Mit dem Kloster Nienburg trat der Kaiser auch sein Recht, 20 Talent oder Mark Silbers ausgedachtem Kloster zu empfangen, wenn er nach Sachsen kam, und sich mit seinem Hofstaat daselbst bewirthen zu lassen, an den Erzbischof ab. Nach geschloss *) Chron. Mönt. er. p. 89. ad a. 1163. Baron. Annal. Tom. XII. ad a. 1165. nr. 10. ad a. 1166. nr. 8*) Chron. Mont. fer. p. 189, ad a. 1163. *) Leukfeld Antiqu, Praem. de S. Mariae p. 98. dipl, 28.

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