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Ehre und Zierde er war, und verschaffte sich bey demselben ein fegensvolles Andenken. Bei allen diesen Vorzügen aber konnte er seiner Neigung zum andern Geschlechte nicht genug widerster hen. Er ward leider zu früh und zum großen Leidwesen seiner Winterthanen der Welt entriffen. Er ist der erste unter den Erz bischöfen zu Magdeburg, welche in ihrer Residenz gestorben sind, Mit seinem Tode endigten sich die ruhigen und glücklichen Zeiten, die Magdeburg bisher unter verschiedenen ruhmwürdigen Erzbis schöfen genoffen hatte *),

III, Geschichte Magdeburgs unter dem achten Erzbischof
Werner, v. J. 1963 – 1073.

Nach Engelhards Tode wählte das Domkapitel einstimmig aus seiner Mitte den Domprobst Friedrich von Landsberg, ein nen Mann vom vornehmen Stande und vom vortrefflichen Char raeter, der nicht nur den besten Willen, sondern auch viel Thär tigkeit besaß, der eine Kapelle neben dem Schlafhause der Kapit zularen neu gebauet, auch mit zwölf Hufen Land von seinem Eis

- genthum beschenkt, eine zweite verfallene Kapelle aber auf seinem

Hofe wieder neu aufgebaut, und sich auch dadurch nach dem

Geschmack damaliger Zeiten verdient und beliebt gemacht hatte,

An Heinrichs. Hofe aber hielt man es für bedenklich, bey der

damals schon bekannten ungünstigen Stimmung der Sache

fen für den Hof, einem vornehmen Sachsen von solchem Ansee

zen und mit solchen Vorzügen eine so hohe und wichtige Würde

anzuvertrauen. Um ihn aber doch einigermaßen zu entschädis gen, gab man ihm das Bisthum Münster, dem er in der

ein

) chron Mind g Pistor Tom u, P ze. chron, Meg. ap, Meib, p, 337, 383, Annalista Sax9 P 494

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seine Güter in Gerbstedt vermachte, welche das Erzstift Magdeburg würde erhalten haben, wenn er Erzbischof geworden wäre. . Der Erzbischof Anno von Cöln aber, der damals Erzieher des jungen Deutschen Königs Heinrich war, und in Verbindung mit dem Erzbischof Adelbert von Bremen, damals am Hofe noch das Meiste zu sagen hatte, wußte es mit seinem Vetter, dem Bischof Bucco von Halberstadt, so einzuleiten, daß sein Bruder Werner oder Wezilo, ein gebohrner Raugraf von Daffel aus Ostsachsen, ein zwar gutmüthiger aber eben nicht scharfsichtiger und fähiger Mann, den man nicht sehr zu fürchten hatte, in Heinrichs Namen zum Erzbischof von Magde, burg ernannt ward. Anno hatte auch schon seinem Vetter, oder feiner Schwester Sohn, Bucco oder Burchard, zum Bischum Halberstadt verholfen, und viele andere Bisthümer mit seinen Freunden und Anhängern besetzt; so wie man überall in Sachs fen damals und in der Folge Ausländer, besonders Schwaben, und auch Franken, zum großen Verdruffe der Eingebohrnen in die angesehensten Stellen zu bringen suchte. Diesen Werner nahm man in Magdeburg sehr ungern an, mute aber der Gewalt des Hofes nachgeben. Vom Havelbergischen Bischof Gott schalk ward er ordiniert und consecrirt, vom Pabst Alexander dem zweyten aber erhielt er das erzbischöfliche Pallium. In der friede lichen Zeit seiner Regierung ließ er die schlechte und kleine Kirche des vom Erzbischof Gero angeordneten damaligen Collegiatstifts U, L. Frauen in Magdeburg abbrechen, und ließ an deren Stelle gin schönes Klostergebäude und eine bessere Kirche aufführen, verfahe auch das Stift mit noch mehrern Einkünften *).

- - "Die

*) Chron. Magd. ap. Meib. p. 288. Adam. Brom. ap. Lindenbrog p. 42. Bruno de bello Saxon. ap. Freher. P. 106, 17, Annalista Saxop. 494.

* Die verwitwete Kaiserin Agnes schenkte nach der noch im

Druck vorhandenen Bestätigungsurkunde ihres Sohns Heinrich vom 18ten Nov. 1064, dem Erzstifte das Dorf Subitz, mit der Bedingung, daß der jedesmalige Domprobst fünf Hufen Land darin für fich haben, und nur davon auf immer eine Cas nonicatpräbende an jemanden unentgeldlich abgeben solle, wel

chen das Domkapitel ernennen könne. Die übrigen Einkünfte

sollten zwar dem Domkapitel zufallen, jedoch sollte der Aufseher des Guts davon noch jährlich zwey festliche Mahlzeiten für die Kapitularen an den Geburtstagen des Kaisers Heinrichs des drit, ten und seiner Gemahlin Agnes, oder am Cäcilientage ausrichten, und als denn auch Almosen an 300 Arme, besonders an jedem ein ganzes Brod, austheilen. Im Januar 1071 fchenkte eine Nonne Judith eilf Hufen Land in Sielingen und Asmars, leben unter Landesherrlicher Bestätigung ans Erzstift *). - - “ - um diese Zeit fing das Wallfahrten nach dem gelobten Lande und nach Jerusalem zum heil. Grabe an sehr häufig zu wer, den. Im Herbst des Jahrs 1064 zogen dahin Erzbischof Sieg, fried von Mainz, die Bischöfe von Banberg, Utrecht, Regens, burg, und viele andere vornehme geistliche und weltliche Herren aus Deutschland mit einem Gefolge von mehr als 7000 Menfchen, mit Geld und andern Kostbarkeiten wohl versehen. Aber nur 2ooo davon kamen im folgenden Jahre arm und dürftig zurück, nachdem sie viel ausgestanden hatten, und in Gefahr ger, wesen waren, von den räuberischen Arabern und Türken völlig ausgeplündert und insgesammt niedergehauen zu werden *). Ueber den größten Theil der Wenden hatte bisher seit fast 20 Jahren unter Deutscher Oberherrschaft ein König oder Ober– – fürst Ty Sagitt. hift. Magd. p. 294-297. - – **) Siegeb. Gembl. ap. Pistor. Tom. I. ad a. 1065, Mar. Scot. et Lamb. Schafmab. ibid, ada. 1064, 1965.

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fürst, Namens Gottschalk, mit vielem Ansehen und Glück gef herrscht, und die Ausbreitung des Christenhums, wozu er sich selbst bekannte, im ganzen Wendenlande sehr befördert. Gegen diesen verschworen sich im I. 1065 einige noch heidnisch ger, finnte Wenden, und ermordeten ihn zu Lenzen, nebst dem chrift lichen Pfarrer daselbst. Sie opferten nachher den Kopf des Bis schofs Johann von Mecklenburg ihrem Abgotte Radegast zu Rhe wa, ermordeten viele andere Christen, und besonders christliche Geistliche, und wüteten gegen alles was christlich war, im ganz zen Mecklenburg, Holstein und Schleswig, zerstörten auch die Städte Hamburg und Schleswig, – eine damals sehr bevöl kerte und reiche Sächsische Handelsstadt, – ohne daß ihnen der Herzog Ordulf von Sachsen gehörigen Widerstand leisten konnte. Allein Magdeburg und dessen Gegend litten diesmal nicht von den Unruhen unter den benachbarten Wenden. Diese waren auch in den bald folgenden bürgerlichen Kriegen Hein, richs des vierten mit den Sachsen zum Glück für diese nicht da, hin zu bringen, sie feindlich anzufallen *). - In eben dem Jahre 1065 ward der junge König Heinrich vom Erzbischof Adelbert wehrhaft gemacht, oder für waffenfä, hig, folglich für majorenn erklärt. Adelbert hatte ihn im vori, „gen Jahre ganz an sich zu ziehen, und alle Gewalt an sich zu bringen, die beste Gelegenheit gehabt, da seine beiden Rivalen, die Erzbischöfe Siegfried von Mainz und Anno von Esin von Hofe abwesend waren, indem Ersterer nach Jerusalem eine Wallfahrt und der Letztere nach Rom in Geschäften eine Reise gehan hatte. Heinrich machte sich nun von der Vormundschaft des stolzen, harten und strengen Erzbischofs Anno ganz los, der ohnedem dem Pabst und den Fürsten oder Ständen weit mehr - - erger

*) Chronogr. Sako p. 257. 25. Annalitta Saxop,494. so

ergeben war als ihm, und kaum konnten es seine Mutter Agnes und Adalbert verhindern, daß er nicht gleich die Waffen gegen ihn ergriff. Denn Heinrich hatte wegen der gewaltsamen Entfüh

rung von seiner Mutter, wobei er durch einen in der Angst ge

hanen Sprung aus dem Schiffe in den Rhein in Lebensgefahr gerieth, noch immer einen tödlichen Haß gegen den Anno. Er überließ sich nun ganz der Leitung des Erzbischofs Adelbert, der ein geschworner Feind der Fürsten, ihm aber destomehr zuges than und gefällig war, der ihm in allen Stücken seinen Willen, and einen jugendlichen Ausschweifungen freien Lauf ließ, sich durch Schmeicheley in einer Gunst zu erhalten suchte, ihn ger, gen die Fürsten, besonders gegen die Sächsischen, immer mehr einnahm, und ihn als einen Gefangenen unter lauter Verräthern und Treulosen sich denken lehrte. - Jetzt beging Heinrich in einer übel geleiteten Jugend alle

die Fehler, welche ihm ein ganzes Leben hindurch zum Vorwurf

gereichten ihm so viele Feinde machten, und zu jenen unglückli, ichen Kriegen mit seinen Unterthanen, besonders mit den Sachen, Anlaß gaben, woran auch Magdeburg und dessen Erzbis schöfe so hätigen Antheil nahmen, und wovon Stadt und Land eine lange Reihe von Jahren hindurch so viel zu leiden hatten. Diese Kriege nebst ihren Veranlassungen dürfen daher auch in einer Geschichte Magdeburgs nicht übergangen werden.

Heinrich hielt sich um diese Zeit, zum großen Verdruss der Sachsen, fast ununterbrochen mit seinem Hof zu Goslar auf. Die gewöhnlichen Lieferungen an den Hof, wenn er in der Nähe war, gereichten den Sachsen schon längst zur größten Beschwerde, und sie hielten damit schon im I. 1sst fast ganz ein, so daß man die täglichen Bedürfnisse des Hofes zum großen Verdruffe Heinrichs und seiner Hofleute um Geld kaufen muss, Daran fehlte es aber zuweilen auch Adelbert, der erste Minister,

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