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oder Wenden wurden zwar vom Jahr 571 bis 626 den Avaren zinsbar, und nachher den Franken. Sie machten sich aber bald unabhängig, und verheerten, vom Jahr 630 an, sehr oft das von den Franken beherrschte Thüringen, daß es fast eine Einöde ward. Die Sachsen versprachen zwar den Franken, daß sie die Grenzen ihres Reichs gegen die Einfälle der Wenden beschützen wollten, wofür ihnen ein dem Fränkischen Reiche zu zahlender jährlicher Tribut von 500 Kühen erlassen wurde. Sie hielten aber doch nicht Wort. Sie konnten auch nicht einmal ihre ei"genen Grenzen ganz vor den Wendischen Einfällen sichern. *). Vielleicht legten die Sachsen nun auch gegen die Slaven an der Elbe, wo jetzt Magdeburg liegt, ein Schloß oder eine Burg an, und dies ist vielleicht der erste Ursprung Magdeburgs. Vielleicht war es wenigstens in dieser Zeit schon ein großer offener Flecken, welcher seinen Ursprung und seine Aufnahme dem Handel der Sachsen mit den benachbarten Slaven, oder der das selbst gewöhnlichen Verehrung einer heidnischen Göttin zu verdanten hatte. Allein dies läßt sich nicht mit Gewißheit behaupten, da die Geschichte damaliger Zeiten gänzlich davon schweigt, und gleichzeitige oder in den nächsten Jahrhunderten lebende Gefchichtschreiber nichts davon erwähnen. In den vorhingedachten Kriegen der Franken mit den Slaven im 7ten und 3ten Jahrhundert, welche von Thüringen aus geführt wurden, und woran die Sachsen mehrmalen thätigen Antheil nahmen, wäre wahrscheinlich Magdeburgs, als eines Grenzortes gegen die Slaven, Erwähnung geschehen, wenn es damals schon vorhanden und von einiger Bedeutung gewesen wäre. Eben so wenig, wird Magdeburg in den vielen Kriegen genannt, welche die - - - - - - - Fran

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Aelteste Geschichte der Gegend von Magdeburg 17

Franken mit den Sachsen vor Karin dem Großen führten; ob gleich des Orts Orhem oder Horum an der Ocker und des Orts oder Fleckens Schahaningi oder Scanninge, d. i. Schöningen, schon unter Pipin im J.747 und unter Karln dem Großen 784 gedacht wird. Man findet überhaupt in der Geschichte vor Karln außerdem keine sichere Spur von irgend einer Stadt zwischen der Weser und Elbe oder in Niedersachsen *).

Zweytes Kapitel.

Erster Anfang der Stadt Magdeburg bis zu ihrem Flor, von Karl dem Großen bis auf Otto den Großen, vom J. 772 – 936.

Als Karl der Große im Jahr Christi 772 jenen schwer ren zwey und dreyßigjährigen Krieg gegen die Sachsen anfing, um sie zum Christenthume zu bringen, und fiel zugleich seiner Oberherrschaft zu unterwerfen, fand er außer den schon genannten Grenzvestungen und einigen Schlössern, noch keinen einzigen ummauerten Ort im ganzen Sachsenlande. Daher klagte er auch, daß er daselbst nirgends solche angesehene und wohlverwahrte Städte angetroffen habe, worin er nach Vorschrift der Kirchengesetze bischöfliche Sitze habe anlegen können. Eben so fand es Bonifacius 30 Jahre früher in Thüringen und Heffen, wo er mit ungemeiner Betriebsamkeit das Christenthum ausbrei, tete. Er bat daher erst den Pabst um Erlaubniß, auf dem Schloffe

*) Conr. de urbib. Germ. pag. 23. et 83. Chron. Reginon. ap. Pistor. Tom. 1. pag. 22. 29.

Gefch. v. Magdeb, 1. B. B

Schloffe Wirzburg, in dem Flecken Buraburg bey Fritzlar, und in Erfurt, in einer Stadt heidnischer Bauern, wie er fiel nannte, d. i. in einem damaligen Dorfe oder Flecken, Bisthümer anlegen zu dürfen, da es in dieser Gegend gänzlich an eigentlichen Städten fehle *). Nachdem Karl die Sachsen bey ihrem hartnäckigen Widerstande und bey ihren wiederholten Empörungen mehrmalen besiegt, auch die Ostphalen, oder die östlichen Sachsen im Braunschweigischen und Magdeburgischen genöthigt hatte, sich in Ort heim oder Hornum an der Ocker taufen zu laffen; so drang er im Jahr 780 bis an die Elbe vor, und schlug bey Wolmirstädt, zwey Meilen von Magdeburg, an der Ohre, wo sie damals in einen Arm der Elbe fiel, sein Lager auf. Hier brachte er verschiedene Angelegenheiten mit den Sachsen diffeits, und auch schon mit den Wenden jenseits der Elbe, so gut als möglich, in Ordnung *). Wenn Magdeburg damals schon vorhanden,

und etwa eine Burg oder eine Stadt von einiger Bedeutung

gewesen wäre, so würde doch Karl höchst wahrscheinlich, da er so nahe war, dahin gekommen seyn, und es eingenommen hat, ben, und dies hätten die gleichzeitigen Geschichtschreiber schwer, lich unbemerkt gelaffen. Allein keiner von ihnen meldet etwas davon, ob sie gleich die Eroberung anderer Sächsischen Burgen oder Schlösser nicht mit Stillschweigen übergehen. Erst mehr rere Jahrhunderte nachher findet sich die ganz unerwiesene Sa, ge, daß Karl im J. 780 Magdeburg eingenommen, und da, selbst einen heidnischen Götzentempel oder einen Tempel der Bo,

MUs

*) Monum. Paderborn p. 55. Bonif Epilt. 132. 142. edit Serrari. - *) Eginhard in vita Car. M. Regino, et PoEta Saxo ad " 79- ten Annal. reg. Francor. ap. Reuber. er Anmalta Saxo in Eccardi (cript. hilft. med. aeri ad a 73Q, nus zerstört habe. Wahrscheinlicher ist, daß Magdeburg eine von den Burgen oder kleinen Vestungen und haltbaren Oertern gewesen sey, welche Karl hin und wieder in Sachsen, und von die, ser Zeit an auch an der Elbe, anlegen ließ, um sowohl die Sachsen in der Unterwürfigkeit zu erhalten, als auch um die Einfälle der Wenden zu hindern. - Einige dieser Vurgen werden auch von gleichzeitigen Schriftstellern genannt. - Als Karl im Jahre 784 abermals von Thüringen her in das Land der Sachsen einfiel, und die Gegenden und Dörfer zwischen der Elbe und Saale und dem Harz bis nach Schöningen hin, verwüstete, um die Sachsen für ihre abermaligen Empörungen zu züchtigen; – desgleichen, als er in eben dieser Absicht in den Jahren 785, 795 und 798 wieder bis Bardo, wik und bis an die Elbe vorrückte, - auch im Jahre 789 so, gar eine Brücke über die Elbe schlug, zu deren Sicherheit an beiden Seiten der Elbe Schanzen anlegen ließ, und die Wilzen, ein Wendisches Volk an der Havel, besiegte *): – muß er auch in die Gegend von Magdeburg gekommen seyn. Allein weder bey diesen Gelegenheiten, noch überhaupt während des ganzen Krieges, den Karl mit den Sachsen führte, wird Mag deburgs irgend gedacht, oder nur dessen Name genannt. • Sobald aber die Sachsen endlich, nach einem blutigen Kriege, unter sehr billigen und ehrenvollen Bedingungen im Jahre 303 durch den Frieden zu Salz in Franken sich dem Kailer Karl völlig unterworfen, auch das Christenthum angenoms men hatten *), und in dem nun gänglich beruhigten Sachsen

lande Handel und Wandel wieder zu blühen anfingen; so wird B 2 Mag

•) Porta Saxo et Annal. Eginhardier Fuldens. ad ann,734. 785.789. 794.798. item Annal. reg.- Francor. ap. Reuber. p. 46. 47. **) Poeta Saxo ad ann. 803.

Magdeburg zuerst in der wahren Geschichte genannt, aber auch gleich schon als ein Handelsort und als eine Waarenniederlage angeführt. Denn als Karl im Jahre 305 einige Einrich tungen zur Sicherung und Beförderung des Handels in Sachen für nöthig fand; so verordnete er auch, wie es mit dem Handel zwischen den Sachsen und Slaven oder Wenden gehalten werden sollte. Er bestimmte nämlich in seinen Kapitularien *) d. 1. in der in kleine Kapitel abgeheilten Sammlung seiner Reichsgesetze, auch Magdeburg, so wie Erfurt, Bardowik

und andere Oerter, zu Handelsplätzen und Stapelörtern, über

welche die mit dem Slaven oder Wenden und Avaren handelnde

und zu ihnen reisende Kaufleute, mit ihren Waaren nicht hin

ausgehen oder sie nicht weiter in die Wendischen Länder hineinführen sollten; – um den Handel in seine Länder zu ziehen, und die Kaufleute vor Beraubung unter den Wenden zu sichern. Zugleich untersagte er ihnen bei Strafe der Konfiskation, daß sie den Wenden keine Waffen, besonders keine Harnische zuführen sollten, setzte auch einen Statthalter oder kaiserlichen Abgeordneten (Mifsum regium) Namens Hatto, nach Magdeburg, der die Aufsicht über den dortigen Handel führen sollte. In Magdeburg muß also damals schon eine Waarenniederlage vorhanden gewesen, und Handel und Verkehr getrieben worden seyn, wozu dessen vorheilhafte Lage an der Elbe und die Nachbarschaft mit den Wenden die beste Gelegenheit darbot. Denn die Wenden beschäftigten sich damals schon mehr als die Sachfen mit dem Handel und dem Ackerbau. Schon 623 errichtete

ein Franke, Namens Samo, eine Gesellschaft zum Handel mit

den Slaven oder Wenden. Zu Karls Zeiten besaßen sie an der Ostsee

*) Capitul. 2. anni 805. ap. Baluz. Tom. 1 2. et i - - - - 9 • I - P. 4. 24. CT 1Il Ansegili Abbatis collect. capitul. Caroli ' ' P45

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