Abbildungen der Seite
PDF
EPUB
[ocr errors]

der Unterscheidt derer Stämme Israël längst verlohren gee gangen. 9) Kann sonst nach der Meinung derer, die ja noch von philtris respectivis etwas halten, fein Bluth zu Liebes Tränken dienen, als von der Persohn, gegen welche Liebe erwecket werden soll, und ist nicht abzusehen, was für Liebe die Juden mit Christen Kinder Bluthe anrichten wolten, daß also unwahrheit und Eitelkeit an allen seiten bey allen diesen vorgeben hervorgucket.

III. Rommen Wir nun aber auff die fundamenta und Grund Geseße des Jüdischen Glaubens, jo fann derselbe dergleichen Gebrauch des Bluthes von ermordeten Kindern und daher attendirte ermordtung dererselben keinesweges vertragen; Anfangs ist bekandt, mit was vor Strenge die Juden über das Geseße von reiner und Unreiner Speise halten und was sie über sich gehen laßen, ehe sie nur ex. gr. Schweinen Fleisch eßen. Nun aber ist Bluth überhaupt, und umb so vielmehr Menschen Bluth unter denen verbothenen Speisen Lev. 17. Ja es wird solches sogar unter denen Mosaischen Geboten, welche bey denen Juden in noch höherer Achtung sind, Verboten, Gen. 9 v. 4 und kann also von feinen Inden, es sey nun zur speyse oder zur Arßenei genoßen werden. Ich kann nicht umgang nehmen, die Worte des Thomae au den König Alphonsum aus dem Jüdischen Schevet Jehuda anhero zu wiederholen: „Siehe, wir haben gesehen, daß ein Jude kein Bludt ißet, von allen was da Lebet; Ía Sie haben auch verbothen, das Bluth von denen Fischen trincken, von welchen die Talmudisten doch sagen, daß es nicht Bluth genennet werde, und ist daßelbe bei ihnen sehr verachtet und eckelich, dieweil ein Jude nicht daran gewohnet ist, wiewohl er siehet, daß viel Völcker das Bludt eßen, wie vielmehr wird er dann vor dem Bluthe der Menschen einen Abscheu haben, da er feinen Menschen gesehen hat, welcher daßelbe eße; Der König kann auch solches daran sehen, daß wenn ein Jude von einer Leber (oder einer Sache die hart zu beißen ist) ißet und ihm auß den Zähnen oder seinem Zahnfleisch Bluth gehet, so wird er selbiges nicht eßen, bis daß er es abgeschabet hat. Nun ist bekandt, daß der Mensch an andern Leuthe Bluth einen größern Ekel hat, alß an seinem Eigenen Bluthe abscheu habe, dieweil Er daßelbe nicht gewohnet ist.“ Ja es wird das Bluth eßen

[ocr errors]

von ihnen so forfältig vermieden, daß Sie nach Ihrem Talmud nicht einmal ein Ey, in dem sich ein Rothes Bluth Nederlein zeiget, noch ein Thier, so von einem Raubvogel ertödtet oder sonst nicht recht geschlachtet worden, genießen dürffen, auß Beyforge, es möchte sich etwas von Bluthe in selben verhalten haben; Ja es ist nicht nur daß eßen, sondern das anrühren des Bluthes eines entseelten Menschen verboten, und wird zur höchsten Unreinigkeit gerechnet. Wir haben davon das Geset Num. 19, nach welchem das Anrühren alles deßen, was von einem Todten Cörper ist, unrein machet, Dahero Sie selbst das Bluth ihrer Martyrer nicht leiden, sondern es, wo es etwa hingesprißet, übwaschen, Kraßen und Verscharren; Wie genau nehmen Sie aber nicht die Geseße der Reinigung, sonderlich bey Ihren Heiligthümern dergleichen vornehmlich das Pascha und die Beschneidung sind, in acht, und wie ungeräumt ist das Fürgeben, daß Sie bei denenselben sich des Christen Bluths bedienen sollten; Wolte mann aber endlich darauff fallen, daß die Juden zwar nicht eben eine Nothwendig ihrer Religion und Åberglaubens halber und zwar zu einigen des bisher angeführten Nußen, Christen Kinder zu schlachten, wohl aber auß verbitterten Haß gegen die Christen und ihren Glanben, aus welchen Sie, umb solchen Glauben zu spotten, Christen Rinder an's Creuß schlagen und zu Tode Martern, wie verichiedene dahin auslaufende Historien angezogen werden, So würde sich damit die Frage, wie Sie erst vorgebracht, endern, dabay aber gleichwohl auch zu erwegen seyn, daß da denen Juden dergleichen Grausamkeit Ihre Religion nicht gebietet, noch suadiret, von selbigen auch kein Vortheil vor dieselbe erwartet werden kann; hingegen diejenige Kugelung, welche Sie von ihren Spott über die Christliche Religion bey einer solchen Tragödien empfinden könten, die Gefahr und das ungemach, den Haß und Verfolgung ihrer Religion, welche Sie daher zu befahren hätten, bei weitem nicht comt pensiren, nicht wohl glaublich sey, daß man dergleichen entfeßliche Sandlungen, denen sich Vernunft und humanitäwiederseßen, vornehmen sollte;

Undt ich kann meines Orths nicht umbhin, den Verständigen $. Basnage am angezogenen Orte 2c. 1682 beyzupflichten, wenn er saget: Er fürchte, daß auch diese vor

[ocr errors][ocr errors]
[ocr errors][ocr errors]

gegebene Creußigung junger Christen Kinder in's Gemein nichts anders alß unbegründete prætexte gewesen, Könige und Völcker wider die Juden auffzubringen und ferner 2c. 1683. Er weren ihm dergleichen Historien daher sehr verdächtig, weil dieselben allezeit mit offenbahrer Grausamkeit und Ungerechtigkeit an seiten der Christen verbunden sind, die anstatt, daß Sie nur diejenigen, welche nach einer genugfahmen Gerichtlichen untersuchung schuldig befunden werden, zur Straffe ziehen sollten, einen tumultuarischen Process angestellet, und schuldige und unschuldige, wenn Sie nur Juden gewesen, umbs Leben gebracht; dergleichen Aufflauff des Volcks mache die Sache allezeit ungewiß, als welcher Sich auff ein ungewißes Gerüchte zu erheben, und ehe es zu einer ordentlichen untersuchung kömpt, die execution zu verursachen pfleget; Wir können nicht umbbin, zu deßen Bestättigung auß Bzovij Annalibus anzuführen, was sich im Jahre 1305 zu Prage desfalls gegeben; Es hat sich ein Ruff ausgebreitet, daß von denen Juden ein Christen Kind gegeißelt

, und gecreußiget worden, das Vold war dadnrch in die gröste Verbitterung gesebet worden, und Weile mann befürchtete, daß wenn des abwesenden Königs Wenceslei Zurückkunfft erwartet würde, derselbe die Sache allzureifflich überlegen und untersuchen möchte; Zumahlen da Er sich vernehmen Laßen, man müße mitten in Zorn an die Barmherzigkeit gedenken, so richtete mann ohne seine Gegenwarth zu erwarten, ein Großes Bluth Bad an und ermordete, was mann von Juden antreffen konnte, Sie mochten schuldig oder Unschuldig seyir, ohne einigen weitern Unterscheidt und Beobachtung; zum wenigsten würde, da von einigen Juden dergleichen Boßheit vorgenommen worden, solches der ganßen Judenschaft nicht bei zu Meßen seyn, als welches nach denen Principiis Ihrer Religion nicht unternommen worden, und Alß wie andere Verbrechen bloß an denen Thäter ohne weitere consequentz geahntet werden solte.

[ocr errors]

Der Gott der Wahrheit nnd Gerechtigkeit laße an allen Orten jeden ohne ansehen der Persohn ihr Recht wiederfahren, und richte hinwiederum die Richter auf Erden mit Barmherßigkeit!

Uhrkundlich wir dieses Unser Theologisches Zeugniß und Gutachten mit Unsern Theol. Facultät Insiegel bestättiget. So geschehen

Leiptzig, den sten May Anno 1714. (L. S.) Dechand Senior auch andere Doctores und Pro

fessores der Theologischen Facultät bei der Uni

versität Leiptzig.
Concordat hæc Vidimus in omnibus punctis & Co.
sulis authentico veroq. suo Originali, Id quod

attestor Ego
(L. S.) (L. S.) TOHANN SIGMUND TELLMANN,

Imperiale Autoritate Notar publ.

in fidem

!

Demnach Ich Endesunterschriebener von dem Jonathan Eybeschiß Prager Jüdischen Praedicanten im Nahmen der gangen Füdischen Gemeinde bittlich ersuchet worden, über die Frage: ob die Juden gemäs ihres Talmuds undt Rabinerischen gebräuchen des Christenblutts von nöthen hätten ?- eine Zeugnis-förmige antworth zu ertheillen: Alß Bekenner hierdurch ; daß weder in einem derer Jüdischen undt Rabinnerischen Schriften, noch in anderen in Druck gekommenen hebraischen Büchern gefunden habe, daß dergleichen denen Juden darinnen gebothen seye, Vielmehr ist Ihnen absolute aller gebrauch des blutts als ein abscheu Verbothen; Ingleichen ist in denen Schriften derer im Judenthumb gelehrten Christen als Buxdorffer, Eisenmengers, undt anderer, welche doch die irrthümber undt aberglauben derer Juden genau untersuchet, undt an Tag geleget haben kein grundt, dießer Beschuldigung anzutreffen, undt endlich haben die sämbil. Juden, welche sowohl Vor meiner als seiths 26: Fahren her meiner Profeßur zum Christlichen glauben getretter, undt die Schwäche ihrer nation offenherpig endecket, gleichwohl einmütthig Behauptet, daß dieße Beschuldigung des bedörffenden Christenblutts ein pur ertüchtete aufflage seye, welches zu steuer der Wahrheit hiermit attestire, undt durch meines nahmens unterschrift, undt Unseres Collegg Beygedrucktes Insiget corroborire. Prag, den 20.te October 1736.

Franciscus safelbauer

è Societate Jesu librorum Hebr. Censor m. p.

« ZurückWeiter »