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keit gegen die Girondistenfaction verwirkt hatte; jetzt veruneinigte sich Robespierre auch mit seinem alten Helfershelfer Hebert, dieser und seine Anhänger wurden gestürzt, und auch Beysser holte man, als einen Schützling der unterliegenden Partei, von Nantes herbei, um ihn mit den letzten Mitgliedern derselben auf das Blutgerüst zu schicken. ->- Während Westermann mit unbegreiflicher Thätigkeit das Meiste zu dem Untergange der Vend^eArmee beitrug, erwähnte der Repräsentant Philippeaur seiner vortheilhaft in den Anklagen gegen Richard und Choudieu; diese siegten endlich über ihren Gegner, und am 5ten April starb der General zu Paris mit seinem Protecto« auf derselben Blutbühne *).

Leider sind noch zwei Revolutionsmänner in dem Vendeekriege zu fürchterlich berüchtigt worden, als daß wir ihrer nicht endlich auch gedenken müßten. Zur Steuer der Wahrheit, wie zur Schonung des Gefühls, wollen wir indeß von allen Unthaten,' deren man die Volksrepräsentanten Carrier und Francastel beschuldigt hat, nur das anführen, was sie selbst von sich gerühmt haben, oder was durch genchtliche Verhandlungen fast durchgängig bis zu dem höchsten Grade von Zuverlässigkeit erwiesen worden ist.

Nach der Schlacht bei Chollet kamen Carrier und Francastel von der Armee nach Nantes, um daselbst und in dem Departement Loire inferieure mit unbeschränkter Gewalt zu herrschen. Sie fanden in Nantes außer den gewöhnlichen Verwaltungsbehörden ein Ooinit« revolutionnluie, was aus einigen oftmals fallirten Kaufleuten und mehreren Handwerkern bestand, alle berüchtigt als die verworfensten Individuen der ganzen Bevölkerung, Zur Leitung dieser Behörde stellte Carrier seinen Secretair Goulin bei derselben an, und um sie zu unterstützen, gebot ein Decret beider Repräsentanten die Errichtung einer Revolutionscompagnie, welcher sie den Schreckensnamen Marat beilegten. Sie bestand aus 60 Mann, und als Goulin sie zum ersten Male musterte, brach er selbst erstaunt in die Worte aus: Ha, welche Spitzbuben', ist es wohl möglich, daß es noch ärgere geben kann? Diese Compagnie erhielt mit dem Auftrage, auf Alles zu wachen, was ihr nur irgend verdächtig erscheinen könnte, die unbeschränkte Gewalt, und zwar für jedes einzelne Mitglied, in der Stadt wie in dem ganzen Departement, zu arretiren, wen sie wollte, ohne Anfrage allerwärts Haussuchung zu thun, und dazu die bewaffnete Macht nach Gutdünken zu requiriren und zu verwenden. Wer sich ihren Befehlen nicht auf der Stelle fügen würde, ward der Rebellion schuldig erklärt; zum Lohne der Bemühung billigte Carrier noch durch mündliche Erklärung dem Angeber, wie den Schergen, Geld, Kostbarkeiten und alle Gegenstände von Werth zu, deren sie sich bei den Verdächtigen bemächtigen könnten. Franrastel ging bald darauf nach Angers, wo er sich ähnliche Instrumente organisirte; Larrier, wüthender, gewaltthätiger und selbst blutdürstiger, als der Verworfenste seiner Satelliten, blieb zu Nantes alleiniger und unumschränkter Gebieter.

*) Boniteur p. 824. 831. 440. rKilippeaux K «e« colleßue« p. 207. 208. 335. 342. Girt anner Historische Nachrichten XV. X. 204-207. 237. 233.

Bald füllten sich die Gefängnisse der Stadt sowohl mit den Royalisten der Vendee, als mit den ersten und eifrigsten Verfechtern der Revolution, mit den reichen Kaufleuten aus Nantes. Hunderte von Kindern, darunter welche bis zu dem Alter von fünf Iahren herab, begegneten einer fast gleichen Anzahl siebenzig- und achtzigjähriger Greise. Die Gattinnen der Vendeegenerale fanden sich mit 130 Freudenmädchen zusammen, welche Carrier in einem Anfalle von übler Laune oder Rache einsperren ließ; im harten Winter ohne Feuer, auf faulendem Stroh, im sußtiefen Unrath, zur täglichen Nah-rung ein halbes Pfund Brod mit Wasser, schmachteten mehrere Tausende zugleich dem Tode durch Henkershand entgegen.

Obgleich ein Kriegsgericht täglich 150 bis 200 Todesurteile fällte und sie durch Erschießen vollziehen ließ, ein Revolutionstribunal gleichzeitig der Guillotine vom Morgen bis zum Abend Beschäftigung gab, erschienen Carrier die Formen dieser Tribunale doch noch zu beschränkend, die Action ihrer Vernichtungsmittel noch zu langsam. Eine Liste, von ihm oder dem Comiti unterzeichnet, sollte künftig als Todesurtheil gelten. Mit 90 eidweigernden Priestern, welche zu Angers nach dem Buchstaben des Gesetzes zur Deportation verurtheilt worden waren, und die Loire hinab ihrer Bestimmung zugehen sollten, wurde gleich nach ihrer Ankunft zu Nantes der fürchterliche Versuch gemacht, ob nicht durch Ersäufen eine größere Anzahl zugleich schneller vernichtet werden könnte. Hundert neun und zwanzig Personen aus dem Gefängniß des Depot wurden gleich darauf auf dieselbe Weise hingerichtet, und nachdem man eine Art FMHüren in den Ersäusungskähnen ersunden hatte, um sie ohne Mühe augenblicklich sinken zu machen, kostete eine dritte Nonade 800 Personen, eine vierte 3 bis 400 das Leben. Diese vier Expeditionen sind durch das öffentliche Geständniß der Handwerker, der Revolutionssoldaten und der Mitglieder des Comite, welche mit der Ausführung beauftragt waren, gerichtlich erwiesen; leider vereinigen sich noch zu viele andere Zeugen und Geständnisse, um nicht mit dem höchsten Grade von Wahrscheinlichkeit eine Menge anderer Hinrichtungen dieser Art annehmen zu müssen. Der Präsident des Criminalgerichts zu Nantes zählt deren 23, und behauptet, daß dabei allein mehr als 600 Kinder umgekommen sind; Carrier führt späterhin als Entschuldigungsgrund ähnliche Expeditionen in Saumur, Angers, Paimboeuf und Chateau Gontier an, und es ist außer Zweifel, daß Francastel auf der Wiese St. Gemmes bei Angers mit einemmale 1200 Männer, Weiber und Kinder niederschießen ließ. Welche Erpressungen, welche Schandlichkeiten, welche mehr als viehische Lust und Ausgelassenheit diesen Ermordungen vorangingen und sie begleiteten, vermag ich nicht zu schildern. Die Weltgeschichte hat vielleicht nichts Aehnliches, und indem ich treu die Quellen anführe, aus welchen der Leser jene empörende Grauel bis in ihr widrigstes und schrecklichstes Detail kennen lernen kann, glaube ich allen Forderungen zu genügen, welche die Geschichte an das Gefühl zu machen besugt ist *).

») Boniteur p. 283. 347. 393. 413. 426. 627.'1'2N III. p. 117. 118.125-157. Supplement zu N. 35. p. 1—10.9. 271—287. 290. 303. 304. 307. 309. 311. 312. 315. 316. 319. 320. 323. 324. 327. 331. 332. 335. 343. 344. 347.351. 359. 363. 354. 367. 363. 371—374. 377. 378. 381. 383. 385. 386. 389. 390. 401. 402,405.406.413.414. IVIuäanie I2 KacKe 5acy. II. 171—175. L«2Uc!i2Nip II. 130-143. Lenabou II. 68—70. v-inio-in p. 170—172. Archenholz Minerva 1794. Octoberheft S. 153—182. Novemberheft S. 193. 248.

Schaudernden Abscheu erregt noch jetzt in jeder Brust der Name Alba; jener Tyrann ließ während seines siebenjährigen Auftnthalts in den Niederlanden 18,000 Menschen hin

, richten. Aus Carriers eigenem Geständniß, wie aus den Angaben seiner Mitschuldigen, wissen wir, daß die Militaircommissionen zu Nantes 4000 Menschen zum Tode schickten, in den vier zugestandenen Noyaden starben gegen 1500 Menschen; 1563 Insurgenten, welche sich im Vertrauen auf die Amnestie nach und nach freiwillig ergaben, wurden ohne Urtheil auf der Stelle hingerichtet, und über 2000 Individuen raffte die Seuche, welche das Elend in den Gefängnissen erzeugte, noch früher hin/ als die Hand des Henkers sie erreichen konnte. Zählt man zu diesen 9000 Ermordeten die große Menge

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