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gen den Feind unternehmen können; erst Charette's letzte Siege belebten die Insurrection in diesen Gegenden wieder, und am t5ten rückte auf sein Geheiß Ioly von Aizenay her, Savin von Beaufou aus, beide gleichzeitig iM.s. und iM. mit ihm und Vrignaur» welche von Leg« kamen, gegen Palluau an. General Boulard, welcher noch hier stand, vertheidigte sich tapfer. Ioly, statt nach der Disposition die Brücke bei la Chapelle vor sich abzubrechen, und da- 4 M. s. Pau. hinter den Gegnern den Rückzug zu verwehren, ging über dieselbe und warf sie hinter sich ab; mit Überlegenheit angegriffen, mußte er sich zur Rechten werfen, wo eben Savin anrückte. Diese Abtheilung hielt die fliehenden Royalisten für den Feind und gab Feuer auf sie; bald ward die Unordnung allgemein und die schimpfliche Flucht der ganzen Armee war die Folge einer Disposition, viel zu complicirt und zu künstlich für solche Offiziere und für solche Truppen.

Glücklicherweise für die zerstreuten und entmutheten Royalisten konnte Boulard wegen zu geringer Streitkräfte nicht allein seinen Sieg nicht verfolgen, sondern hielt es selbst für rathsam, am 17ten bis la Motte Achart« M. s. P«u. zurück zu gehen; Savin besetzte sogleich Palluau.

So ernstlich wurden um diese Zeit die Republikaner durch die wichtigen Ereignisse in der östlichen Vendeo beschäftigt, daß sie sich im Westen ollerwärts auf die strengste Defensive beschranken mußten. Charette benutzte diese Muße, um die wichtigste Unternehmung zur Befreiung seines Gebiets, die Rückeroberung von Machecoul, mit möglichster Sorgfalt vorzubereiten. Der Ort ist an sich ganz offen, allein als das bedeutendste Städtchen im westlichen Insurrectionsgebiet hatten die Patrioten den Centralpunkt ihrer dortigen Eroberungen daraus gemacht und durch Befestigung des Schlosses und. einige Feldschanzen ihn gegen leichte Angriffe hinreichend gesichert. Neunzehn Geschütze und zweitausendfünfhundert Mann guter Truppen vertheidigten diese Werke.

Ein dringender Aufruf Charette's vereinigte am 1l)ten Iuni nicht nur alle Insurgentenhaufen, welche bei Palluau gefochten hatten, sondern auch die wieder erstandene Insurrection des Pays de Retz unter la Catheliniere und Pajot, CoiituZ von St. Philbert und zweihundert Freiwillige aus dem Lorour zum allgemeinen Angriffe um Machecoul. Er erfolgte am Uten gleichzeitig von allen Seiten, und hier zum ersten Male schlugen sich die westlichen Insurgenten durchgängig mit Tapferkeit. Obgleich Savin zweimal vor dem Schlosse zurückgeschlagen ward, und Vrignaur's Division im Moment des heftigsten Gefechts durch eine tödtende Kugel den Anführer verlor, wurde es doch muthig fortgesetzt; als Charette endlich quf der Seite von Nantes eine feindliche Batterie eroberte und dadurch die übrigen Werke im Rücken nahm, zogen sich die Republikaner von allen Punkten bis in die Stadt zurück. Mit hartnäckiger Tapferkeit ward dieselbe hierauf noch von Haus zu Haus vertheidigt, und erst die Einnahme des Schlosses durch einen dritten Sturm der Division unter Savin endigte den Kampf nach vierstündiger Dauer. Nur ein geringer Rest der Republikaner entkam nach Challans, viele blieben auf dem Platze,^ M. s.Ma«, sechshundert wurden gefangen und achtzehn Geschütze, fast mit completter Munition, waren die wichtigsten Trophäen der Sieger. Als la Catheliniere gleich darauf auch Port St. P«re vom Feinde geräumt fand, sahen sich die westlichen Insurgenten wieder in vollem Besitz ihres Gebiets, wie vor Beyssers erstem Angriffe; nur Noirmoutier und die ersten Eroberungen des Generals Boulard blieben noch in Feindes Händen. Charette wollte indeß sein Hauptquartier nicht wieder in dem vorgelegenen Machecoul nehmen. Er entließ die Armee, nachdem Bartcau an Vrignaur's Stelle zum Chef der Division von Viel- ^ levigne ernannt worden war; mit dem Stamme seiner Truppen und dem eroberten Geschütz ging er nach Leg« zurück in der Absicht, die an sich vortheilhafte Lage des Orts durch Verschanzungen so zu verstärken, daß er für sein ganzes Gebiet der Hauptwaffenplatz und eine sichere Niederlage aller Vorräthe werden könne. Dies ist der erste Versuch, den die Insurgenten zu bedeutenden Befestigungen gemacht haben *).

Bis zu dem Siege bei Machecoul war die westliche Vendee nur durch schimpfliche Niederlagen und unbedeutende Vortheile bekannt gewesen; erst dieses Gefecht an

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sich, wie seine Resultate, hatten einen größern Charakter, und Lescure schrieb über dasselbe von dem Schlosse la Boulaye, wo er der Heilung seiner Wunden wartete, einen förmlichen Glückwünschungsbrief an Charette. Auf eine gleich verbindliche Antwort ward Donissan im Kriegsrath zu Saumur beauftragt, mit Charette wegen gemeinschaftlicher Operationen zu unterhandeln, und bald kam man über einen gleichzeitigen Angriff beider Heere auf Nantes überein. i

Vor dem Treffen bei Machecoul war zu Saumur eine Unternehmung gegen Niort in Vorschlag gewesen, allein der Beitritt eines Prinzen von Talmont, zweiten Sohn des Herzogs von Tremouille, welcher sich in Angers zu den Insurgenten fand, erregte so große Hoffnungen zu Verbreitung der Insurrection in den weitläuftigen Besitzungen dieses Herrn jenseits der Loire, und weiter über die unruhige Bretagne, daß man leicht einer Unternehmung, die dahin abzwecken konnte, den Vorzug gab. Ferner Nantes, auf beiden Ufern der Loire gelegen, mit achtzigtausend Einwohnern, die wichtigste Handelsstadt im westlichen Frankreich, mit einer gut organisirten eifrig revolutionnairen Nationalgarde, das Hauptquartier und der Centralpunkt der Küstenarmee von Brest, hielt zugleich die ganze Bretagne im Zaum und drohte der Vendee die dringendsten Gefahren. Außer nicht zu berechnenden materiellen Hülfsmitteln und allen übrigen wichtigen Vortheilen, welche sich aus den erwähnten Verhältnissen des Orts ergeben, eroberte man mit demselben einen sichern Hafen für auswärtige Unterstützungen, und nicht zu ermessen war der moralische Effekt einer gelungenen Unternehmung von dieser Bedeutung. Nicht ohne Grund hielt daher mit der Vend>ie halb Frankreich die Augen in banger Erwartung auf Nantes geheftet: man fühlte, daß mit dem Schicksal dieser Stadt das der Republik entschieden werden könne.

Canclaur befehligte als Obergeneral, Beysser, indeß zum General befördert, als Commandant in dem bedrohten Orte; zwölftausend Mann, zur Hälfte Linientruppen, bildeten die Besatzung. Einige noch nicht vollendete Feldschanzen sollten die wichtigsten Zugange des weiten Umfangs der offenen Stadt auf dem rechten Ufer der Loire decken, jenseits der Brücke hielt man die Vorstadt Pont Rousseau besetzt; demnächst konnten dem Feinde auf dieser Seite, durch die vorbereitete Abwersung der Brücken, so bald es Noth that, unübersteigliche Schranken gesetzt werden.

Am 29sten Iuni des Morgens um zwei Uhr siel vor den Brücken der Kanonenschuß, wodurch Eharette nach der Verabredung dem rechten Ufer zugleich mit seiner Ankunft die Eröffnung des Angriffs bezeichnen sollte. Die versammelte Westarmre war am 26sten Zum von Leg« 5 M. s. N»nt. abmarschirt und nach der Vereinigung mit den Streitkräften des Lorour mochten fünfundzwanzigtausend Insurgenten auf dieser Seite stehen. Auf dem andern Ufer hatte die Armee von Anjou nach Zurücklassung einer Besatzung von tausend Mann unter la Roche Iaquelein in

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