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September, vor de r Stadt ein, welche zuletzt von allen Seiten durch beinahe 50,000 Mann eingeschlossen wurde, freilich größtentheils kriegsunkundige Massen ohne Disciplin, die nur durch etwa 13,000 Mann Linientruppen (darunter die vormalige Besatzung von Valenciennes) einige Haltung erhielten; die nach St. Etienne und Montbrison gesendeten Abtheilungen hatten sich vor solcher Uebermacht nach Lyon zurückziehen müssen, und da ihnen viele Familien jener Städte folgten, den Mangel an Subsistenzmitteln vermehrt.

^, - Das eigentliche Bombardement begann am 22sten August und wurde mit geringen, durch Munitionsmangel veranlaßten Pausen bis zum 8ten October fortgesetzt, wobei die Republikaner 27,691 Bomben, 4641 Granaten, 11,674 Kanonenkugeln verbrauchten; die dadurch bewirkte Zerstörung des schönsten> Theiles der Stadt hatte weniger Einfluß auf den Gang der Vertheidigung, als der Umstand, daß auch die Mehrzahl der Wassermühlen vernichtet wurde. *) Zugleich fehlte es nicht an Verräthern, indem das Feuer der Belagerer durch Signale aus der Stadt dirigirt, und das Arsenal durch eine Frau in Flammen gesetzt ward, so wie denn auch außer allem Zweifel ist, daß gedungene Mörder in dem heldenmüthigen Precy die Seele der Vertheidigung zu beseitigen suchten. Wahrend des Bombardements fanden mehrere Gefechte statt, veranlaßt theils durch verunglückte Ausfäll« der Lyonesei, welche die Gegner entfernt zu halten und Lebensmittel in die Stadt zu bringen strebten, theils durch Sturmangriffe der Republikaner auf die vorgeschobenen Werke. Sie eroberten so am 25sten August einen verschanzten Posten vor der Vorstadt Croir Rousse, Maison Pantaud genannt, in der Nacht zum 16tm September einen zweiten, etwa 500 Schritt davon gelegenen, Maison Neirac, und in der Nacht zum 24sten den Kirchhof des Dorfes Cuire, von wo aus sie aber vergeblich versuchten, den Haupteingang der dadurch schon ganz umfaßten Vorstadt zu gewinnen. Auf der nordwestlichen Seite siel am 19ten September das Schloß la Duchere in ihre Gewalt, wodurch es möglich ward, den Platz auch in dieser Richtung zu bewerfen. Entscheidend waren ihre Fortschritte im Süden der Stadt. Sie eroberten hier in der Nacht zum 24sten die verschanzte Brücke von Oullins, durch Ueberfall in der Nacht z M. s. 3y«». zum 29sten den 1600 Schritt von der Stadt auf beherrschender Höhe gelegenen Posten St. Foy, und am fol- . genden Morgen die Werke der Brücke la Mulatiere beim Zusammenflusse der Saone und Rhone. Vergeblich bot noch selben Tages Precy Alles auf, den Gegnern diese wichtigen Punkte wieder zu entreißen; sie behaupteten sich, bewarfen von St. Foy aus den bisher verschvnt gebliebenen südwestlichsten Theil der Stadt, und erstürmten am 8ten Vctoberdie Schanzen, welche hier die Umfassung bildeten. ,

') Die Heftigkeit der Stürme in der Gegend von Lyon hat zu aller Zeit die Erbauung von Windmühlen unmöglich gemacht.

lHXr Mangel, und in dessen Folge die Entmuthung, war bei den Belagerten aufs Höchste gestiegen, dazu kam, daß der Feind auf jenen vertheidigungslosen Punkten nur eine hinlängliche Truppenzahl zu vereinigen brauchte, um sich in Besitz des Platzes zu fetzen. Die Civilbehörden begannen deßhalb noch in der Nacht zu unterhandeln, und suchten dabei nur so viel Zeit zu gewinnen, daß Precy mit allen denen, für welche keine Gnade zu hoffen war, entkommen möge; es scheint, als sei dieser Plan dadurch begünstigt worden, daß jeder der vielen Conventsdeputirten, die sich bei den verschiedenen Corps der Belagerungsarmee befanden, nach dem Vorzuge strebte, die endliche Unterwersung der Rebellen zu Vermitteln.

Am frühen Morgen des 9ten versammelten sich 1500 Combattanten, 300 Unbewaffnete in der nordwestlichen Vorstadt, um sich mit List oder Gewalt einen Weg durch die Belagerungsarmee zu bahnen und in die Schweiz zu entkommen; die stärkste Colonne, von Precy geführt, brach um 6 Uhr auf, eine zweite Abtheilung unter dem Grafen Virieu folgte später. Ihr Marsch ward bald entdeckt, und einige Conventsdeputirte, welche nicht an den Unterhandlungen wegen der Uebergabe Theil genommen, setzten alle verwendbare Truppen zum Verfolgen in Bewegung, und ließen durch Sturmläuten das Landvolk aufbieten; so geschah es, daß beide Abtheilungen etwa eine Meile von Lyon umzingelt, auseinander gesprengt und niedergehauen wurden. Nur sehr Wenige entkamen, unter ihnen Precy, welchem es später gelang, die Schweiz zu erreichen *).

Während dem hielten die Republikaner unter Dopper, der seit einigen Wochen an des entsetzten Kellermann Stelle getreten war, ihren Einzug in Lyon. Der Convent entschied über das Schicksal der Stadt durch ein am 12ten gegebenes Decret deS Inhalts: Lyon wird zerstört, alle Häuser der Reichen w«rden niedergerissen, nur die Wohnungen der Armen und Patrioten, so wie die bestimmten Industriezwecken gewidmeten Gebäude bleiben verschont, und die Vereinigung derselben erhält den Namen ^uuunun« nnrnnolii«. Die Bestrasung der schuldig befundenen Individuen besonders anzuordnen, scheint man gar nicht für nöthig gehalten zu haben; um die dahin abzweckenden Maaßregeln zu leiten und die Ausführung zu besorgen, sendete der Convent zwei seiner Mitglieder, die wüthenden Iacobiner Collot d'Herbois und Fouchi, mit einem Detachement der sogenannten Revolutionsarmee nach Lyon. Nach einer ofsiciellen Angabe ließen sie 1682 Menschen hinrichten, und zwar mittelst Kartätschenlagen in Massen, nachdem man gesunden, daß die Guillotine und das Erschießen Einzel« ner zu viele Zeit erfordere. Das widrige Detail wird uns der Leser gem erlassen. Wer etwas Näheres darüber zu wissen begehrt, sindet es in den in der Anmerkung verzeichneten Stellen; absichtlich haben" wir, mit Uebergehung aller Darstellungen der unterliegenden Partei, nur solche aufgenommen, worin die Sieger selbst ihre Thaten erzählen *). Toxi»», Nach der Niederlage der Marseiller hatten sich Alle,

') Hloniteur 1793. p. 953. 954. 984. 1026. 1030. 1038. 1040. 1041. 1068. 1072. 1095. 1103. 1116. 1134. 1140. 1150. 1173. 1174. 1178. 1180. I/«u II. p. 69. 81. 86. 89. 90. 94. 96. 102. 129. 132. 133. 1243. 1244. <iuüIon l. 332—385. 343—345. 349. 358. «90. 391. 403. 412. 422. II. 3. 4. 10. 14. 26. 27. 33. 43. 47. 48. 5 l. 53. 54. 80—82. 84. 85. 89. 90—92. 116. 117. 119. 120. 122—126. 130-134. 137—145. 153. 167. 202-207. 213 -247. voppel p. 182. 183. 187—192. 194. 195. 397—408. lle«j»iäin« I. 133—137. 1^0—142. 145— 150. Kel2tion Hu «ieß« <Io I>?on p. 48. 55. 56. 59. 62—32. ?»ui«i5 in^äit5 ti,ouve« cnel Kouelpierre etc. II. 302—305.

die zu sehr compromittirt waren, um auf Verzeihung rechnen zu dürfen, nach Toulon geflüchtet. Es war zu erwarten, daß die Armee Carteaur's alsbald vor diesem Platze erscheinen werde, und so eben hatte die Erfahrung gelehrt, daß bloße bewaffnete Bürger ihr nicht auf die Dauer zu widerstehen vermöchten; dagegen gewährte die in der Nahe kreuzende englisch-spanische Flotte mit Land

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