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Krönung mit den Angriffsarbeiten unter dem Feuer des Vertheidigers zurückzulegen. Der Vertheidiger dagegen wird die Deckungen des Mauerwerks noch erhöhen müssen um selbe dem directen Schusse nicht zu exponiren, sondern wo es immer möglich ist dem feindlichen Feuer nur Erdböschungen entgegen stellen zu können, weil diese von Sprenggeschossen weit weniger leiden als Mauerwerk.

Auf die Reversvertheidigung aus sehr starken Contre-Escarpeconstructionen muss von nun an ein besonderes Gewicht gelegt werden, weil diese nur nach einem langwierigen Minenkriege zerstört werden können. Um dies zu bewirken, muss jedoch der Feind schon einen sehr bedeutenden Weg oberirdisch zurückgelegt haben, wobei er durch die Geschütze des Vertheidigers sehr aufgehalten werden dürfte.

Nach Vauban soll durch das überlegene Feuer der Batterien der ersten Parallele jenes des Vertheidigers völlig zum Schweigen gebracht worden sein, ehe zu den Angriffsarbeiten, welche nur an ihren Spitzen gegen das Feuer des kleinen Gewehres decken, vorgeschritten wird. Diess dürfte gegenwärtig wegen der reichen Geschützdotirungen der Festungen und der häufigen Anwendung gedeckter Geschützaufstellungen auf den Wällen entweder gar nicht oder nur nach sehr langer Zeit zu erreichen sein und zum Zeitgewinne für den Vertheidiger führen.

Es stellt sich mithin als unzweifelhaft heraus, dass das System Vauban's, bei einem Angriffe wegen des so sehr gesteigerten Ertrages der Feuerwaffen und ihrer Treffsicherheit, nicht mehr ohne bedeutende Modificationen wird angewendet werden dürfen. Schon die gegen Sappespitzen und andere Angriffsarbeiten mit dem 6-Pfünder und der Amusette erzielten Resultate beweisen diess.

Überdiess führen die angegebenen Schiessresultate noch zu nachstehenden Folgerungen:

1. Eine Festung ohne gezogene Geschütze wäre, falls der Belagerer solche besitzt, im grossen Nachtheile, denn dieser könnte von Entfernungen aus, wo derselbe von dem Festungsgeschütze noch nichts zu besorgen hat, das letztere demontiren, die Brustwehren abkämmen, die Mauern je nach den Umständen mit dem directen oder indirecten Schuss zum Einsturz bringen.

2. Die stärksten Mauern vermögen den aus gezogenen Geschützen abgeschossenen Hohlprojectilen nicht zu widerstehen, selbst die gezogenen 6-Pfünder sind im Stande, 4—6 Fuss dicke Mauern ohne Anstand in Bresche zu legen.

3. Freistehende Mauern bieten dem Breschelegen einen viel grösseren Widerstand dar, als solche mit rückwärts anliegender Erde.

4. Ist die Wirkung gegen Erdwerke eine viel geringere als gegen Mauerwerk; zur Zerstörung der ersteren eignen sich nur die grösseren Kaliber.

5. Müssen Erdbrustwehren von oben, Mauerwerke von unten beschossen werden, um sie in kürzester Zeit zu zerstören.

6. Kommt man beim Breschelegen am schnellsten zum Ziele, wenn man die Mauer in der entsprechenden Höhe oberhalb der Sohle zuerst horizontal ganz durchschiesst und dann erst die Verticaleinschnitte bewirkt.

7. Gemauerte Flankenscharten werden am besten von oben herab eingeschossen und dadurch verschüttet.

Es dürfte nicht unangemessen sein, noch nachstehende specielle Bemerkungen hier anzufügen:

Der gezogene 6-Pfünder zeigte sich wegen der geringen Sprengladung seiner Geschosse von ungenügender Wirksamkeit gegen Erdwerke; selbst der 24-Pfünder lieferte gegen dieselben, wenn sie unverkleidet und unter einem sehr flachen Böschungswinkel hergestellt sind, nur unerhebliche Resultate. Gegen Sappespitzen jedoch wirkt der 6-Pfünder schon verheerend.

Der 12-Pfünder hat gegen Mauerwerk und Batteriebauten schon auf die bedeutende Entfernung von 1200 Schritten sehr befriedigende Resultate gegeben. Es scheint mithin derselbe das Hauptgeschütz sowohl für die Belagerung als Vertheidigung werden zu sollen. Die Beigabe von einigen 24-Pfündern für besonders grosse Distanzen und starke Profile dürfte genügen.

Die Wirkung der Langgeschosse obne Sprengladung gegen Mauerwerk ist eine viel geringere als jene der Kugeln; erstere bohren durch die rotirende Bewegung, in welcher sie auftreffen, ein (je nach dem Kaliber) 3 bis 4 Fuss tiefes rundes Loch in die Mauer, welches nur im ersten Drittel der Tiefe einen kegelförmig erweiterten Durchmesser hat, ohne aber die Mauer um dasselbe herum besonders zu zerbröckeln, während die Kugeln einen zwar weniger tiefen Trichter, aber von grösserem Durchmesser hervorbringen und das Mauerwerk mehr erschüttern; der bedeutende Effect der Langgeschosse wird erst durch die Sprengladung bewirkt.

Nach den Angaben derjenigen Herren von der Artillerie-Prüfungscommission, welche auch den im Jahre 1859 gegen Granitmauern bei Schweidnitz ausgeführten Versuchen mit gezogenen Kanonen beiwohnten, zeigten sich die Effecte in den Steinmauern unter sonst gleichen Umständen viel grösser als in den Ziegelmauern bei Jülich.

Die Wirkung der in das Mauerwerk eingedrungenen und krepirenden Geschosse ist nach rückwärts durch die ausgesprengten Steinsgücke eine kartätschenartige, was bei der Stellung der Reduits in den Werken, bezüglich der Vertheidiger auf den vorliegenden Wallgängen, sehr zu beachten sein wird, welcher Umstand auch bei den Reduits die möglichste Deckung des Mauerwerks durch glacisartig vorgelegte Erdaufwürfe zur Nothwendigkeit macht, um so wenig Mauerwerk als möglich dem Treffen zu exponiren und dadurch dem vorzeitigen Zerstören des Reduits durch den indirecten Schuss vorzubeugen, als auch die Bedienungsmannschaft auf den vorliegenden Wällen vor der Gefahr der herumfliegenden Steintrümmer zu schützen.

Aus den gegen verschiedene Arten von Sappespitzen und sonstige Angriffsarbeiten vorgenommenen Schiessversuchen ergibt sich, dass ein schulgerechtes Sappiren und Vorgehen bei Tage, so lange der Vertheidiger noch in der Lage ist, Geschütze dagegen zu gebrauchen, fernerhin unmöglich ist, indem selbst die Sprenggeschosse des 6-Pfünders sehr zerstörend wirken, und gegen deren Sprengstücke die Sappearbeiter weder durch die Pickelhaube noch den Kürass zu schützen wären.

Das alte Profil der Laufgräben stellt sich gleichfalls als zu schwach, der Aufzug als zu niedrig heraus. Ein Verbleiben bei denselben wäre mit ausserordentlichem Menschenverluste verbunden.

Die Erdwalze allein entspräche bei einer Tiefe von 5 bis 6 Fuss vollkommen, dürfte aber auf lange Strecken, ihres allzu langsamen Vorrückens und des nicht stets hiezu geeigneten Bodens wegen nicht allgemein anzuwenden sein.

Der Rollkorb bietet schon gegen die Amusettengeschosse keinen Schutz, und kann, wenigstens bei seiner jetzigen Construction, nicht mehr verwendet werden.

Die aus Eisenblech zur Probe hergestellten Schanzkörbe bewährten sich gegen Amusettengeschosse weit besser als die geflochtenen, da sie mehr Erde fassen; stellen sich aber zu theuer heraus; ein Korb kam auf 2 Thaler = 3 fl. ö. W.

3 Verbauungen, Brustwehren etc. aus Sandsäcken sind wegen der verheerenden Wirkung der Sprenggeschosse durchaus nicht mehr zu verwenden; sie könnten höchstens zur Bekleidung der inneren Erdböschungen verwendet werden.

Aus dem Umstande jedoch, dass die Sprenggeschosse 6 bis 8 Fuss hinter einer doppelten Lage Hurden crepiren, nachdem sie selbe durchgeschlagen haben, liesse sich ein Vortheil zum Schutze der Reduitsmauern etc. gegen den indirecten Schuss gewinnen.

Wie bereits erwähnt, stellten sich freistehende Escarpemauern vortheilhafter als anliegende Revêtements heraus, indem die in selben erzeugten Breschen weniger praktikabel sind als bei letzteren, nur auf den Rondenweg führen, dabei die äussere Brustwehrböschung weniger leidet und bei namhafter Höhe immer noch ein ernsthaftes Hinderniss bildet; überdiess können mit Hilfe von Traversmauern auf dem Rondenweg leicht Abschnitte hergestellt und daher die Breschen durch flankirendes Feuer vertheidigt werden, welche Vortheile bei einer kostspieligeren anliegenden Escarpe verloren gehen.

(22.)

(Schluss folgt.)

Die Schlacht am Mincio am 8. Februar 1814.

Nach Österreichischen Originalquellen.

(Fortsetzung.)

III. Umschau auf dem Terrain des Schlachtfeldes.

(Mit einer Übersichtskarte, Tafel 20 a, 200 und 20 c.) Der Terrainabschnitt zwischen der Etsch und dem Chiese besass, lange bevor das berühmte Festungsviereck bestand, schon eine hohe militärische Wichtigkeit, und auf demselben wurden von den ältesten bis in die neuesten Zeiten gar viele blutige Kämpfe ausgefochten.

Der aus dem Gardasee kommende und diesen Abschnitt fast in zwei gleiche Hälfte theilende Mincio fliesst von Peschiera mit der Hauptrichtung von Nord nach Süd in vielen Krümmungen durch eine fruchtbare Landschaft nach Mantua hinab, bildet dort die sumpfigen Niederungen, welche diesen Waffenplatz so stark machen, und erreicht sodann in einem wenig wegsamen Tiefland in nordöstlicher Richtung den Po unterhalb Governolo.

Seine Breite ist im oberen Theile, nämlich zwischen Peschiera und le Grazie, durchschnittlich 40 bis 60 Klafter, seine Tiefe bei Salionze 41/2 bis 6"/2, bei Pozzolo 5 bis 7 Fuss und die Strömung, trotz einzelner kleiner Inseln, im Allgemeinen rasch. Oberhalb Borghetto bei Canuova und unweit Pozzolo gibt es Furten. Der Flussgrund ist fast überall fester Schotter und das Wasser klar und gesund.

Von den Hochwässern des Po wird der Mincio bis nahe an Mantua herauf gestaut und es erfolgen sodann Ausgüsse, welche die untere Flussstrecke kaum für Truppenbewegungen geeignet machen. Wenigstens dürften grössere Heertheile zu solcher Zeit bei der Beschaffenheit der nahen Ufergegend nur schwer fortkommen. Selbst zwischen Goito und Mantua ist diess noch theilweise der Fall.

Der Mincio bildet daher ein wirkliches militärisches Hinderniss, und diese auf beiden Flügeln durch Festungen versicherte Flusslinie erhält einen um so höheren Werth für die Vertheidigung.

Die Höhen, welche ihn beiderseits begleiten, endigen am linken Ufer gleich unterhalb Valeggio, am rechten aber bei Volta. Dieses letztere bildet den vorspringendsten südlichen Punkt und wird nur von der Kuppe bei Solferino überragt, deren alte Warte im Munde des Landvolkes die Spia d'Italia heisst. Von hier an ziehen nur noch mehr oder weniger an den Fluss tretende Ränder beiderseits desselben fort und verlieren sich vollends oberhalb le Grazie, sowie jenseits in dem Tieflande bei Marengo und Roverbella.

Die Hügel zwischen Etsch und Mincio sind die letzten Ausläufer des Monte Baldo, zwischen Chiese und Mincio aber von einem Gebirgsstocke, der sich von den Alpen der Val Trompia absenkt und in den Kuppen von Castiglione delle Stiviere, Solferino, Cavriana und Volta bedeutend hervortritt.

Die Gestalt und Beschaffenheit dieses Hügellandes ist auf beiden Mincio-Ufern so ziemlich dieselbe, nur treten am rechten Ufer die Kuppen und einzelnen Rücken gewöhnlich schärfer hervor und bilden, namentlich von Lonato abwärts, ein wahres Hügelchaos, das oft gar keinen Zusammenhang zu haben scheint. Die Lehnen werden hier oft sogar durch Plänkler nur mit Anstrengung erstiegen. Diese Hügel und Kuppen sind theils kahl und gerundet, theils mit Weincultur bedeckt; zwischen ihnen finden sich kleine Seen und Teiche. Am linken Mincio-Ufer endigen die Höhen mit der vorspringenden Kuppe von Custozza am Tione und mit dem Monte Barbaro bei Valeggio.

Von hier ab zieht sich auf beiden Ufern die unabsehbare Ebene bis zum Po, mit reichem Anbau; hier wechseln Weingärten, Wiesen, Felder und Weiden mit kleinen Holzungen und dieses ganze Land wird von zahlreichen, meist eingedämmten Gräben und Canälen durchzogen. Überall gewahrt man Ortschaften, Einzelnhöfe und Casinen. In dem Labyrinthe von Zäunen, Mauern und anderen Einfriedungen hat man wenig Aussicht, weil die zahlreichen und gewöhnlich gut erhaltenen Wegverbindungen beiderseits von Maulbeer- und Akazienhecken begleitet sind.

Nur die ausgedehnte Ebene im Norden der Strasse von Verona auf Mantua, worin der Ort Quaderni den Mittelpunkt bildet, ist offen und hindernissfrei, der Grund steinig und minder fruchtbar, das Ackerland mager und fest, die Maulbeerbäume sind seltener und stehen weiter aus einander, so dass sie selbst für Reiterei und Geschütz kein besonderes Hinderniss abgeben. Diese Gegend ist das eigentliche Schlachtfeld. Die soliden Schlösser, Villen und Einzelnhöfe auf den Höhen und in den Thälern besitzen meist eine ansehnliche Grösse, enthalten also bedeutende und der Vertheidigung wesentlichen Vorschub leistende Räumlichkeiten.

Bei einer so schwierigen Erkennung des Zusammenhanges im Terrain, den zahlreichen Wegen und geringer Aussicht ist bei allen militärischen Bewegungen die höchste Vorsicht geboten. Steilhänge, Defiléen, nasse Wiesen, Schluchten und kleine Waldparcellen, sowie die zumeist baumreichen Umgebungen der bewohnten Orte begünstigen verdeckte Aufstellungen, Hinterhalte und Überfälle. Der Kampf lässt sich eigentlich nur mit Plänklern führen, denen starke Reserven folgen. Die Artillerie findet wenig gute Aufstellungspunkte; am besten werden hier Raketen verwendet. Der Gebrauch grösserer geschlossener Körper aus allen Waffen ist nur an den ebeneren Stellen, wie bei Valeggio, Volta, Roverbella und Villafranca zulässig, und selbst dort wird man der Cultur halber meist nur in Divisionscolonnen agiren können.

Von Verona führen zwei treffliche Strassen an die beiden Endpunkte der Minciolinie, nämlich auf Mantua und Peschiera. Ausser diesen beiden Hauptverbindungen gibt es aber noch manche, zum Theil trefflich unterhaltene Strassen und Wege, namentlich von Villafranca über den sogenannten Prabiano nach Valeggio, sodann eine zweite von Villafranca über Marengo auf Goito. Überhaupt ist sowohl an Längen- als auch an Querverbindungen kein Mangel; nur werden selbe gewöhnlich durch Gräben, Canäle und den tief eingeschnittenen Tione theilweise unterbrochen. Wo solches der Fall ist, bestehen aber solide, gewöhnlich steinerne Brücken.

Von Peschiera läuft die Chaussée weiter über Lonato und Brescia nach Mailand, von Mantua eine andere einerseits über Castiglione delle Stiviere, anderseits über Marcaria und Bozzolo nach Cremona und weiter an den Po. Von Valeggio zieht die schlechte sogenannte Strada Cavallar a fast in gerader Linie auf Castiglione delle Stiviere, wo sie in die Mantuaner Strasse fällt.

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