Systemorientierte Prozess-Optimierung in der Konstruktion: ein Ansatz zur gezielten Beeinflussung technisch-kreativer Prozesse in der Produktentwicklung

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Der Andere Verlag, 2002 - 172 Seiten

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In dieser Arbeit wird ein Ansatz zur gezielten Beeinflussung technisch-kreativer Prozesse in der Produktentwicklung vorgestellt. Der Ansatz beruht auf einer Methodik, die als „Systemorientierte Prozess-Optimierung SysPrO in der Konstruktion“ bezeichnet wird. Durch Anwendung dieser Methodik können Schwachstellen im Konstruktionsprozess gezielt beseitigt werden, so dass die systematische Entwicklung innovativer und ausgereifter Produkte gefördert wird. Der Ablauf der Methodik ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess.
Die Schwachstellen im Konstruktionsprozess sind bestimmte Tätigkeiten und Problemstellungen, bei deren Bearbeitung bevorzugt Fehler entstehen. Diese Fehler werden nach zwei Fehlerarten unterschieden:
1. Verfahrensfehler,
die ebenso wie die erfolgreiche Problembearbeitung ein fester Bestandteil des menschlichen Handelns sind. Sie können bei allen Konstruktionstätigkeiten entstehen und äußern sich in fehlerhaften Problemlösungen oder in der fehlerhaften Ausführung von Tätigkeiten. Verfahrensfehler müssen durch produktorientierte Qualitätssicherungsmaßnahmen entdeckt und beseitigt werden, da aus ihnen sonst Produktfehler entstehen können.
2. Prozessverlaufsfehler,
welche die Ursache dafür sind, das bestimmte Prozesse bei der Problembearbeitung nicht oder nicht vollständig durchgeführt werden, so dass der dort geforderte Wissenserwerb nicht erfolgt. Prozessverlaufsfehler entstehen durch die Wechselwirkung zwischen den Anforderungen aus der Aufgabenstellung und der Art und Weise, wie Menschen Probleme lösen. Sie führen zu vermeidbaren Fehlleistungen beim Konstruieren, durch welche das Potenzial zur Entwicklung innovativer und ausgereifter Produkte nicht optimal genutzt werden kann. Die in dieser Arbeit vorgestellte Methodik SysPrO ist eine prozessorientierte Maßnahme, mit der erstmalig Prozessverlaufsfehler beim Konstruieren entdeckt und beseitigt werden können.
Die Darstellung von Prozessverlaufsfehlern und deren Ursachen erfolgt in dem Modell der „Anforderungstopologie des Konstruktionsprozesses“. In diesem Modell sind die Anforderungen an die Problemlösungen als Fläche über dem Konstruktionsprozess dargestellt, wobei die hohen Anforderungen als „Berge“ und die niedrigen Anforderungen als „Täler“ erscheinen. Nach der Hypothese, dass der Mensch die hohen kognitiven Beanspruchungen beim Problemlösen vermeidet, indem er die „Berge der innovativen Lösungen“ dadurch umgeht, dass er die Probleme in den „Tälern der bekannten Lösungen“ bearbeitet, können in diesem Modell fehlerhafte Prozessverläufe dargestellt werden.
Um fehlerhafte Prozessverläufe beim Konstruieren zu ermitteln, werden Prozessindikatoren bestimmt, mit denen die Prozessverlaufsfehler festgestellt werden können. Damit ist es möglich, die Qualität des Konstruktionsprozesses zu bestimmen und die Wirksamkeit fehlerkorrigierender Maßnahmen nachzuweisen. Die Methodik enthält dazu eine systematische Analyse des Konstruktionssystems, die aufgezeigt, wie Teilprozesse im Konstruktionsprozess vernetzt sind und welche Indikatoren zur Bewertung der Prozessgüte - auch unternehmensübergreifend - vorhanden sind.
Die systemorientierte Vorgehensweise schafft die notwendige Transparenz, um die Effizienz des Konstruktionsprozesses zu steigern. Das Wissen aus der Produktentwicklung ist in einem optimierten Konstruktionsprozess gut dokumentiert und steht so in vollem Umfang für die Produktpflege und für weitere Produktentwicklungen zur Verfügung. Durch die Anwendung der Methodik SysPrO verschaffen sich die Unternehmen daher einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Mitbewerbern, denn sie können innovative und ausgereifte Produkte schneller entwickeln.
 

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