Nationaltheater: Wie falsche Patrioten unseren Wohlstand bedrohen

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Campus Verlag, 16.02.2017 - 220 Seiten
National, irrational, geschäftsschädigend Rund um den Globus läuft ein Großangriff auf unseren Wohlstand. Die neuen Nationalisten wollen Grenzen schließen, den Handel beschränken, die internationale Verflechtung der Wirtschaft zurückdrehen. Für den Exportweltmeister Deutschland ist diese schleichende Deglobalisierung besonders fatal, denn sie stellt sein Geschäftsmodell infrage, sagt der Wirtschaftsexperte Henrik Müller. Und keine der großen Fragen und Krisen der Gegenwart lässt sich national lösen. Mit dem nüchternen Blick des Ökonomen seziert Müller die Argumente der Neonationalisten und zeigt anhand von Zahlen, Fakten und Beispielen, wie ihre populistische Politik unsere Wirtschaft ruiniert. Brechen nach der Wahl von Trump auch in Europa die Dämme?

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Nationalismus: Die Lage ist deprimierend, aber nicht hoffnungslos
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Wenn Henrik Müller das Wort ergreift, dann empfiehlt es sich, genau zuzuhören. Denn der promovierte Ökonom, Professor für
wirtschaftspolitischen Journalismus an der TU Dortmund und langjährige stellvertretende Chefredakteur des manager magazin, ist ein kluger Kopf und verfügt über die Gabe, seinen Standpunkt nicht nur pointiert, sondern auch verständlich darzulegen. Ein exzellentes Beispiel dafür liefert sein neues Buch zu einem aktuellen Thema: "Nationaltheater. Wie falsche Patrioten unseren Wohlstand bedrohen."
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Populistische Patrioten und despotische starke Männer
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Es geht also um den erstarkten Nationalismus und die "falschen Patrioten" - in den USA, in Frankreich, in den Niederlanden, in Polen, in Ungarn, aber auch bei uns in Deutschland. "Falsch" sind diese Patrioten, weil sie etwas versprechen, was sie nie und nimmer einlösen können: "Populistische Patrioten und despotische starke Männer", schreibt Müller, "versprechen Schutz - vor Zuwanderern, vor ausländischer Konkurrenz, vor Terror und Unsicherheit. Doch sie werden das genaue Gegenteil erreichen: weniger Wohlstand, weniger Jobs, weniger Sicherheit."
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Umsteuern ist möglich
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Der Rückbezug aufs Nationale sei umso problematischer, als sich die Menschheit an der Schwelle zu einer hochgefährlichen Epoche befinde. In den kommenden Jahren und Jahrzehnten werde sich entscheiden, wie es weitergehe: ob wir gemeinsam in der Lage seien, friedlich und fair einen eng besiedelten Planeten zu bewohnen - oder ob wir uns durch Krieg, Terror, Umweltzerstörung und Ausbeutung gegenseitig das Leben zur Hölle machen. Die Lage sei "deprimierend", brenzlig auch, aber nicht hoffnungslos. "Umsteuern ist möglich", schreibt Müller. Aber dazu müsse das Denken in nationalen Grenzen überwunden werden. Müller: "Nur übernationale Ansätze versprechen tragfähige Lösungen, weil die Probleme sich nicht an nationale Grenzen halten." Im konstruktiven Teil seines Buches zeigt Müller auf, wie diese Lösungen aussehen könnten, ohne dass jemand auf seine nationale Identität verzichten muss.
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Roter-Reiter-Fazit: "Nationaltheater" von Henrik Müller ist ein kenntnisreiches, profundes und sehr gut lesbares Buch zu einem wichtigen Thema, das uns alle betrifft. Man kann ihm nur viele Leser wünschen.
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Damian Sicking, Roter-Reiter
 

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Über den Autor (2017)

Henrik Müller, Professor für wirtschaftspolitischen Journalismus an der TU Dortmund, war zuvor viele Jahre stellvertretender Chefredakteur des manager magazins. Der promovierte Ökonom ist Träger mehrerer renommierter Journalistenpreise und Autor diverser Bücher zu wirtschaftspolitischen Themen. 2014 erschien sein Buch "Wirtschaftsirrtümer".

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