Grenzfälle: Dokumentarische Praxis zwischen Film und Literatur bei Merle Kröger und Philip Scheffner

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Nicole Wolf
Vorwerk 8, 2021 - 328 Seiten
Aus der langjährigen künstlerischen Zusammenarbeit von Merle Kröger und Philip Scheffner ist ein umfassender Korpus literarischer und audiovisueller Arbeiten entstanden. Die kontinuierliche Auseinandersetzung mit den Geistern der politischen Vergangenheit, die die gegenwärtigen Grenzregime Europas und ihren strukturellen Rassismus prägen, steht im Zentrum ihrer Arbeiten. Durch die Erweiterung der Konventionen des politischen Thrillers einerseits und des dokumentarischen Films andererseits eröffnen sie neue Denk- und Aushandlungsräume für die künstlerische Praxis und den theoretischen Diskurs. 0Der Band bringt unterschiedliche Textgattungen in den Dialog: In Arbeitsgesprächen, einer Auswahl von Archivtexten sowie akademischen, essayistischen und persönlichen Beiträgen beleuchtet er die Entstehungsprozesse von Romanen und Filmen und fragt nach den Ur-sprüngen, den Methoden sowie den ethischen und politischen Prinzipien der Zusammenarbeit und der Erarbeitung innovativer selbstreflexiver Formate. Ausgewählte Archivtexte aus den 90er Jahren, der Zeit der Künstlergruppe Botschaft e.V. und des Kollektivs dogfilm verweisen auf die frühe Auseinandersetzung mit dem Dokumentarischen als politischer Arbeitsweise und mit dem Fernsehen als Raum für neue Formate, bereits bevor diese Fragestellungen in den 2000ern unter dem Begriff des 'documentary turn' diskutiert wurden.0Ein besonderer Fokus des Bandes liegt auf der empirischen Recherche von Kröger und Scheffner. Autorschaft, Konventionen des künstlerischen, dokumentarischen sowie akademischen Arbeitens, aber auch die Möglichkeiten des politischen Arbeitens generell werden radikal hinterfragt und deren Grenzen kontinuierlich erweitert. In dieser Herangehensweise besteht die hohe Relevanz der Arbeiten im Kontext aktueller Diskurse zur künstlerischen Forschung.0.

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