Geld arbeitet nicht: wer bestimmt über Geld, Wirtschaft und Politik?

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Shaker Media, 2007 - 330 Seiten

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Hauke Fürstenwerth erläutert mit profunden Kenntnissen das irreführende Verhalten der Krisen verursachenden Investmentbanken. Bisher regelten Finanzinstitute den Zahlungsverkehr, die Überweisung von Löhnen und Rechnungen, und sie investierten in die Entwicklung und Produktion der Realwirtschaft. In den letzten Jahrzehnten haben sie sich darüber hinaus zunehmend eigene Bereiche geschaffen, in denen keinerlei Werte entstehen. Während die Dienstleistung beim Zahlungsverkehr unbestritten ist und Kredite in der Realwirtschaft für die Wertschöpfung unerlässlich sind, wird im Investmentbereich eine Produktivität nur vorgetäuscht. Denn es werden meist Nullsummenspiele durchgeführt, bei denen der Gewinn des einen der Verlust des anderen sein muss. Nur die Bank gewinnt immer, weil die im realen Wert kaum erfassbaren Papiere Provisionen erbringen, die sich zu enormen Beträgen aufaddieren können.
Auf diese Weise werden die Endkunden, die normalen Sparer, die eine Geldanlage suchen, getäuscht. Sie wissen bei den entsprechenden Produkten nicht, dass der ganze Wert ihrer Einlage nur aus der Hoffnung besteht, dass zu einem späteren Zeitpunkt ein anderer Kunde noch mehr Geld für die im realen Wert undurchschaubare Anlage bezahlt. Würde man ihnen diese Wahrheit sagen, dann würde niemand kaufen.
Die daraus sich ergebenden politischen Konsequenzen sind offensichtlich. Anlageangebote der Finanzinstitute müssen staatlich zulassungspflichtig sein wie Arzneimittel, für die ein bisher nicht vorliegender Zusatznutzen nachgewiesen werden muss ehe sie vermarktet werden dürfen, und wie ein neuer PKW, der auch zunächst durch anerkannte Einrichtungen auf seine Funktionstüchtigkeit geprüft werden muss. Finanzprodukte sind auch zu besteuern und zwar je nach ihrer Zweck, beispielsweise Transaktionssteuern zur fiskalischen Nutzbarmachung der Spekulation, mit Versicherungssteuern bei Produkten, die real den Charakter einer Versicherung haben oder haben sollen. Alles hat der Realwirtschaft zu dienen, weil nur dort Wertschöpfung entsteht, von der wir alle leben, und weil Geld als solches eben nicht arbeitet. Reine Nullsummenspiele sind Glücksspiel und müssen entsprechend deklariert und besteuert werden - sie sind von regulären Geldanlagemöglichkeiten in jeder Form unterscheidbar zu halten. In der Folge würden nicht nur die Bürger vor Irreführung und Vermögensverlust geschützt, sondern zudem flösse auch sehr viel Geld zurück in die Realwirtschaft, beispielsweise durch den Kauf von Aktien nach Kursen, die sich an der Dividende orientieren, wodurch Geld wieder einen realen Mehrwert hervorbrächte.
Hauke Fürstenwerth legt in seinem Buch die für eine Reform der Finanzmarktpolitik notwendigen Unterscheidungen und Fachkenntnisse detailreich dar.
 

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