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liebende Mann war vor Kurzem auf dem Concilium von Constantinopel zum Bischofevon Sebaste in KleinArmenien gewählt worden; hatte aber diese Kirche wieder verlassen; weil er die Gemeinde, die vielleicht ihrem vertriebenen und noch lebenden Bischof Eustathius anhing, gegen sich eingenommen fand. — Katholiken und Arianer vereinten sich zu seiner Wahl; die Ersten, weil sie von der Lauterkeit seiner Lehre und der Reinheit seines Lebens versichert waren; die Zweiten aber wahrscheinlich darum/ weil er bisher noch nicht laut wider ihre Irrlehre sich ausgesprochen hatte, und sie also einen Anhänger unter ihm vermutheten.

541. Es war der Sitte gemäß, daß der neu erwählte Bischof bei dem Antritt seines Amtes eine Predigt hielte. Der Kaiser selbst wollte den Spruch wählen, über welchen zuerst Georgins von Laodicea, dann Aeaeius, und zuletzt Meletius predigen sollten. Seine Wahl fiel ans die Worte in den Sprüchen Salomons, in welchen die Weisheit redend eingefuhrt wird, die also spricht: „Der Herr schuf mich in Ansang seiner Wege!" Die Rede des Georgius entfaltete das ganze Gift der arianischen Häresie; Acacius hingegen, der seit einiger Zeit in seinen Meinungen schwankte, und den Katholiken sich anzunähern schien, hielt die Mitte zwischen den Lehrsätzen der Arianer und der katholischen Kirche.

542. Nun trat Meletius auf und hielt eine kurze Rede, deren Aufbewahrung wir dem heiligen EpiPhllmus verdanken- Er sprach mit Würde, Kraft und Salbung von dem Sohne Gottes, dem vollkomm» neu Ebenbilde seines Vaters, der Ihn von Ewigkeit erzeugt; und läßt dann den heiligen Geist selbst sprechen in einer wohlgereihten Kette von Sprüchen aus den göttlichen Schriften. Die Rede selbst eröffnete er mit den Worten: „der weise Prediger selbst schreibt: „das Ende einer Rede sei besser als der Anfang." Diese Worte aber erklärte er dahin, es sei besser, von Streitigkeiten abzulassen, als solche anzufangen- In der Kirche dürfe kein Glied mit Ausschluß der übrigen herrschen wollen; das Haupt dürfe den Füßen nicht sagen: „Ich bedarf eurer nicht!" sondern der Einzelne müsse im Geiste des Ganzen sich bewegen. Hierauf entwickelt er die kirchliche Einheit, und die Nothwendigkeit derselben aus der Erlösung; da Christus in den Gläubigen sei. Diese Inwohnung Christi in den Gläubigen erweist er aus dem Ausspruch des Apostels: „Wollet ihr einen Beweis des in mir sprechenden Christus?" (2. Cor. 13. 3.); und erklärt schön und kurz die biblische Lehre von CbMo nach dem Glauben der katholischen Kirche, ohne sich der bestrittenen Formel zu bedienen; geht schnell über den vorgeschriebenen Tert hinweg, den er im katholischen Sinne erklärt; und sagt dann, daß man nichts weiter wisse, noch auch zu wissen brauche, als daß Christus der wahre Sohn aus dem Vater, Gott von Gott sei. Er beschließt die Rede mit den Worten: Möchte doch Gott uns verleihen, mit dem »eisen Abraham zu sprechen: „Nun fing ich an, mit meinem Herrn zu reden-, der ich Staub und Asche bin!" auf daß wir uns nicht wie die Zedern auf dem Libanon erheben. Denn nicht durch beredsame Worte menschli«her Weisheit, sondern durch den Glauben wird die wahre friedliche Weisheit erworben. (l. Cor. 2. 3.) Dies wollen wir nicht bezweifeln; was immer aber wir thun, sei so, daß wir Gott dem Vater mit seinem Sohne im heiligen Geiste gefallen!"

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543. Diese kurze und bündige Rede war eine gerechte Strafe für die muthwillige Forderung des Kaisers. Deutlich vernahm er darin, daß er, statt den Kampf zu enden, vielmehr denselben unterhalte; daß er als ein Glied der Kirche nicht Andern den Glauben vorschreiben, sondern vielmehr von der Kirche ihn empfangen müsse; daß sonst dem Streite kein Ziel gesetzt werde; daß die Arianer von dem was allein Nothtbut, nämlich: durch den Glauben dem Vater mit seinem Sohne im heiligen Geiste wohlzugefallen, sich losgesagt hätten, und in hochmüthiger, menschlicher Weisbeit, das Göttliche ergründen wollten.

544. Diese Freimüthigkeit in den Aussprüchen des.heiligen Meletius ward von den katholischen Autiochenern mit lautem Beifall aufgenommen; sie erfreuten sich und waren voll des Trostes, daß sie endlich nach so langer Zeit einen wahren Bischof von Cbristo erhielten. Um so mebr aber verdroß diese Rede die Arianer, die sich überrascht sahen; da sie den Meletius dem anwesenden Kaiser empfohlen hatten; der, gleich ihnen, in seinen Erwartungen getäuscht wurde. Auch bemühten sich Eudorius und

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andere Arianer sogleich, den neuen Patriarchen z» bewegen, daß er von dem Bekenntnisse des nicäische:« Glaubens abstehen möchte; und da ihnen dies nicht gelang, erdichteten sie allerlei Beschuldigungen wider ihn, und beredeten den Kaiser ihm das Urtheil zu sprechen; der ihn auch, — nach einem Pa triarchat von dreißig Tagen, — in seine Vaterstadt Melitene in Kleinasien verbannte.

545. Um nun einen zweiten Mißgriff zu vermeiden, empfahlen die Arianer dem Kaiser zum Patriarchen für den erledigten Stuhl den Euzolus, einen der ältesten Jünger des Arius, der schon vor mehr denn vierzig Jahren mit Arius zugleich von dem bei» ligen Alerander war von der Kirche ausgeschlossen worden; und der thätigste Gefährte seines Meisters bis zum Tode desselben gewesen war. So sehr ab« ibre Partei triumphirte, daß sie einen, für ihre Häresie so eifrig wirkenden Mann auf dem apojlolischen Stuhle sahen, war doch ihr Triumph nur scheinbar; denn alle Katholiken entsagten seiner Ge» meinschaft; und sein ganzer Anhang bestand aus wenigen Arianern.

546. Nach der Erhebung des Euzolus, und wahrscheinlich unterseinem Vorsitze, schmiedeten die Bischöfe dieser Versammlung ein neues arianisches Glaubensbekenntniß, das achzehnte, das ärgste aus allen; aber auch das letzte! In diesem erklärten sie frei und offen, der Sohn sei seinem Vater durchaus unähnlich an Wesen und Willen, und sei aus Nichts erschaffen worden. — Als einige Rechtgläubigen sie fragten, wie sie diese Behauptungen mit dem Allsdruck vereinigen konnten, den sie doch beibehalten hatten .„Gott von Gott?" führten sie eine Stelle ans einem Sendschreiben des Apostels Paulus an, wo er spricht: alle Dinge seien von Gott. So war man also nach den schrecklichsten Kämpfen, mit Herz und Mund zur Häresie des Arms zurückgekehrt. Klar ward nun Allen, die zur katholischen Lehre sich bekannten, was man durch den Kampf wider Athanasius beabsichtige. — Wahrscheinlich war der Kaiser bereits von Antiochia abgereist, als die Versammlung der Arianer diese Beschlüsse faßte; denn sie kannten seinen Sinn zu gut, als daß sie es gewagt hätten, solche in seiner Anwesenheit zu fassen.

5^7. So wie Constantius durch seine Rechthaberei und Herrschsucht die ganze Kirche in Verwirrung gebracht hatte, also hatte er auch durch seine Unklugheit und Eifersucht das Reich in Unruhe versetzt. Verkehrte Befehle, die er nach Gallien gesandt hatte, und die den Läsar Iulian, der daselbst so lhlg als tapfer den Feinden Widerstand leistete, beschränken sollten und selbst dem Heere Verderben gebracht hätten, bewirkten gerade das Gegentheil; die Legionen riefen den Iulian als Augustus aus. Da er nun wohl einsah, daß Constantius dies ihm nie verzeihen würde, traf er Anstalten, in dieser Würde sich zu behaupten, rückte in schneller Eile nach Italien, und war bereits in Illyrien eingedrungen, als Constantius noch sich rüstete ihm entgegen zuziehen. , ,...-,

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