HI. Kursus.
») Anatomie und Physiologie.
b) Mechanik und Statik.
e) Die Lehre von der Ausbildung des Pferdes für
den vollkommenen Reitgebrauch. 6) Gestütswissenschaft. Als Nebenbeschäftigungen für die Eleven aller drei Kurse sind in angemessenen Graden ferner einzuführen:
t. Uebungen im Noltigiren und im Gebrauch der Waffen.
2. Uebungen im Büreaudienst.
3. Belehrungen über landwirtschaftliche Angelegenheiten.
IV. Eleven.
Als Eleven sind in der Akademie diejenigen anzusehen, welche bei den untersten Diensten anfangen und gradatim in denselben forschreiten, so weit es ihre Fähigkeiten und ihr Eifer erlauben. Neben ihnen können Hospitanten durch die Akademie hindurchgehen, welche nur einzelne Kurse, oder auch nur einzelne Diseiplinen benutzen.
Die Eleven dürfen bei ihrem Eintritt nicht unter i2 und nicht über <4 Jahre alt sein; es versteht sich von selbst, daß die Aufzunehmenden vorher in Bezug auf ihre Eigenschaften geprüft werden müssen, denn zu dieser Karriere gehölt ein gut gebauter, tadelfreier Körper, ein energischer, geweckter Geist, und einige Fertigkeit im Lesen, Schreiben und Rechnen. Knaben in diesem Alter können noch nicht in den ersten Kursus eingeführt werden, da ihr Geist noch nicht vorbereitet genug ist, wissenschaftliche Lehren ihres Faches aufzunehmen, auch treten sie so früh zu diesem Zwecke nicht ein, ihre Ausbildung
kann vielmehr nur in dem Vorkursus der ErziehungSperiode zweckmäßig angebahnt weiden.
«) Periode der Erziehung.
Wenn der Knabe als Eleve in die Akademie eintritt, wozu die geeignetste Zeit der Anfang des Iahres sein muß, weil in dieser Zeit das eigentliche Trainiren wieder beginnt, so wird er dem Trainirmeister übergeben, welcher ihn mit den Verrichtungen im Trainirstall bekannt macht und ihn nach seinen Leistungsfähigkeiten als Stallbursche beschäftigt. Er wird dadurch praktisch mit der Normal-Wartung im Normal-Stalle bekannt gemacht, und hat seine Arbeiten nach den ihm gegebenen Vorschriften pünktlich auszuführen, indem ihm dabei die Regeln der Stallordnung zur Richtschnur dienen.
Alsdann lernt er auf der Rennbahn die jungen Pferde mit ihrer natürlichen Richtung in allongirten Gängen reiten, und wird darauf selbst zum Trainirreiten verwendet. Hat er hierin die nölhige Fertigkeit erreicht, so wird er im Wettreiten unterrichtet und nach Bestimmung des Trainirmeisters zu den öffentlichen Wettreiten zugelassen. In dieser Stellung dient er so lange, als das Gewicht und überhaupt der Zustand seines Körpers es erlauben, oder als er unentbehrlich ist; wenn er zu schwer zum Iokeyreiten geworden, so kann er als Lehrer für die jungen Burschen dienen, und bekommt zu diesem Zweck eine Anzahl von Fülün zur Aufsicht, wobei er selbst unter der Oberaufsicht des Trainirmeisters verbleibt.
Der Eleve wird in die angegebenen Beschäftigungen als vollkommen eingeweiht betrachtet werden können, sobald er sie zur Zufriedenheit betreibt; seine geistige und körpe,liche Entwickelung wird die Zeit bestimmen, wo er in höhere Bildungsstufen einzuführen ist. Als Altersgränze kann das t6te bis 48te Lebensjahr zu betrachten sein.
Dieser praktischen Erziehung für das Fach muß wissenschaftlicher Schulunterricht zur Seite gehen, da der Eleve bei seiner Aufnahme damit noch nicht fertig sein kann. Es ist daher für eine Schule zu sorgen, deren Unterricht möglichst für die Akademie vorbereitet; die Lehrobjekte müßten bestehen in der deutschen Sprache, in Geographie und Geschichte, dann in Mathematik, in Naturgeschichte (mit besonderer Berücksichtigung der Zoologie und Botanik), in Physik, in den modernen fremden Sprachen. Die Schule ist in mehrere Klassen zu theilen, in welchen die Eleven je nach ihrem Lernvermögen Unterricht in den verschiedenen Gegenständen erhalten; an die oberste Klasse sind die Anforderungen der ersten Klasse einer höheren Bürgerschule zu stellen, damit der darin Erzogene, welcher später eine bedeutende Stellung im Leben einnehmen soll, das Vermögen erlangt, sich mit Leichtigkeit in jedes wissenschaftliche Studium selbst hineinzuarbeiten.
In Betreff der Erlernung des Trainirreitens wird die Notwendigkeit der gleichsam abrichtungsweisen Erziehung eingesehen werden, wenn man sie als Vorbildung für den künftigen Kampagne-Reiter und zugleich als Erziehungsmittel für die Pferde betrachtet. Was dem künftigen Reiter und Reitlehrer Noth thut, ist das richtige Reitergefühl, welches aber immer mangelhaft bleibt, wenn nicht durch Renn-Reiten auf jungen Pferden der Grund dazu gelegt ist; der junge Bursche, welcher eine Vorbildung in der angegebenen Art genossen, und dadurch Gefühl für die vollkommene Entwickelung der ersten Combination der Kräfte erhalten hat, kann dieses nie mehr verlieren; aber um es ihm beibringen zu können, muß er eben in den Jahren sein, wo in ihm selbst noch natürliche Schnelligkeit und Gewandheit frisch sind, wo die Richtung des Pferdes sich ihm selber mittheilt und wo Unkenntniß der Gefahr ihn keck macht. Er erlangt dadurch eine instinktmäßige Art die Pferde zu behandeln, er bringt in seinen höheren Bildungsstufen eine durch langen Umgang geschärfte Beobachtung der Natur des Pferdes mit und jene unschätzbare Liebe zu demselben, die ihm den Gegenstand seiner ernsteren Studien um so werther macht.
Bei Auswahl der Eleven für die höheren Bildungsstufen ist nochmals ihre Körperkonstruktion in Betracht zu ziehen; ihre Respirations-Organe müssen kräftiger geworden sein, sie müssen bedeutende Breite zwischen den Hüften erhalten haben und dennoch nicht durch zu üppige Ausbildung des Körpers verrathen, daß sie ihr Gewicht für das Abrichten junger Pferde zum gewöhnlichen Reitgebrauch zu früh einbüßen; entgegengesetzten Falles, oder wenn Eleven gar mit Disposition zu chronischen Krankheiten behaftet sind, müssen sie entlassen werden.
Ueberhaupt, da voraussichtlich im Verhältniß nur wenige Eleven bis zur höchsten Stufe durchgebildet, also vorher schon entlassen werden, ist hier zu bemerken, welcher Vortheil selbst durch nur theilweise Ausbildung erwächst.
Der Eleve, welcher z. B. gar nicht in den ersten Kursus eingetreten ist, wird, mit einem Zeugniß über die Art seiner Beschäftigung in dcr Trainiranstalt entlassen, schon auf Grund dessen, leichter als andere ein vortheilhaftes Engagement bei Privaten als Pferdewärter und Reitknecht erhalten, oder als Cavallerist brauchbarer sein. Der Vortheil, welcher durch solche nach der Erziehungsperiode schon abgegangene Eleven entsteht, dürfte, weil dadurch Verbreitung einer besseren Stalldienerschaft herbeigeführt wird, nicht gering anzuschlagen sein.
b) Periode der Ausbildung. Kursus I.
Wenn der Trainirmeister dem Eleven das Zeugniß giebt, daß er seine Dienste im Stall und auf der Nennbahn zur Zufriedenheit verrichtet hat, und wenn gegen seine Führung nichts Erhebliches einzuwenden ist, so verläßt er die Schule und wird nach dem obigen Lehrplan in den I. Kursus der Akademie eingeführt.
Die für den ersten Kursus bestimmten Lehrgegenstände sind der Art, daß der Eleve sich in kurzer Zeit, etwa innerhalb eines Iahres, gründlich mit ihrem theoretischen Theil bekannt machen kann, denn überall wird an schon Bekanntes angeknüpft und es dürfen ihm nur die wissenschaftlichen Gründe für seine PranS auseinandergesetzt werden. Es ist anzunehmen, daß er unter der Leitung seines bisherigen Vorgesetzten vom Erterieur schon einige Vorkenntnisse erhalten hat, dasselbe soll ihm nun mit Hülfe des, Seeletts im Zusammenhange und durch Demonstrationen an lebenden Eremplaren erläutert werden.
Ferner die Gesundheitspflege betreffend, würden die Vorträge über die Stallordnung, über Wartung und Diät, über Bau und Einrichtung des Stalles, über die Futterstoffe und ihre Aufbewahrung u. s. w. neben dem Dienste im Stalle hergehen müssen.
Nachdem der Eleve in seiner Erziehungsperiode das Trainirreiten empirisch erlernt, ist es nun Aufgabe des theoretischen Unterrichts, ihm dieses Reiten als die erste Combination der Kräfte und als Ausgangspunkt der Reitkunst deutlich zu machen, und ihm für dasselbe den Platz im ganzen Reitsystem anzuweisen.
Nach Vollendung des Kursus wird eine Prüfung mit den Eleven angestellt, in welcher sie Proben ihrer Kenntnisse
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